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David Alaba (links) rauft sich die Haare und auch Robert Lewandowski scheint ratlos. Die Bayern stecken in der Krise.
David Alaba (links) rauft sich die Haare und auch Robert Lewandowski scheint ratlos. Die Bayern stecken in der Krise.Bild: CHRISTIAN BRUNA/EPA/KEYSTONE
Analyse

Grösste Bayern-Krise seit 17 Jahren – die Gründe für den miserablen April

Der FC Bayern München hat nach der 2:3-Niederlage im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund den zweiten Titel innert acht Tagen verspielt. Die Analyse, weshalb die Bayern im April in eine tiefe Krise gerutscht sind.
27.04.2017, 10:4227.04.2017, 17:10

April, April, der macht mit den Bayern was er will. Der verwöhnte deutsche Rekordmeister aus München erlebt gerade einen der schlimmsten Monate der Vereinsgeschichte und hat innerhalb von acht Tagen den Traum vom «Triple» und dann noch vom «Double» verspielt. 

Am 1. April, da war den Bayern noch zum Scherzen zu Mute. Nach dem 6:0-Heimsieg gegen den FC Augsburg war die Welt nämlich noch in Ordnung. Die Meisterschaft war damals schon im Sack (13 Punkte Vorsprung auf RB Leipzig), die Münchner konnten sich demnach voll auf die Champions-League-Viertelfinal-Spiele und den Halbfinal im DFB-Pokal konzentrieren. Die perfekte Grundlage für die perfekte Saison war geschaffen.

Was danach folgte, war ein April des Grauens. In sieben Partien gab es nur einen Sieg, dazu zwei Unentschieden und satte vier Niederlagen.

Der April, der macht mit den Bayern was er will.
Der April, der macht mit den Bayern was er will.screenshot: transfermarkt.ch

In den letzten fünf Spielen gelang den Bayern kein Sieg mehr. Das gab es seit 17 Jahren (!) nicht mehr. Am 4. April 2000 war es, als für die Bayern zuletzt eine Serie von fünf sieglosen Partien endete. In ebendieser Saison gewannen die Bayern dennoch die Meisterschaft und den Pokal, in der Champions League reichte es immerhin fürs Halbfinale.

Wir haben die Spiele der Bayern analysiert – und folgende Gründe für die Bayern-Krise gefunden:

Die ganze Saison hängt von einzelnen Szenen ab

Was wäre, wenn Bender gegen Robben nicht so mirakulös auf der Linie gerettet hätte? Das 3:1 wäre wahrscheinlich die Vorentscheidung gewesen. Niemand würde es heute wagen, von einer Bayern-Krise zu sprechen. Man kann also behaupten: Trüge Bender eine Schuhnummer kleiner, die Bayern stünden im DFB-Pokalfinal.

Hätte, hätte, Viererkette. Die Bayern sind raus und der Konjunktiv ein Strohhalm, an welchen sich kein Fussballteam klammern sollte. 

Bend it like Bender.Video: streamable

Die Gegner

Die Leistung von Dortmund nach den schweren letzten Wochen mit dem Terroranschlag kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mit dieser Spielfreude und Kreativität kann der BVB jeden Gegner schlagen – auch einen FC Bayern, für den es um alles geht.

Ein Out in der Champions League gegen Real Madrid ist ebenfalls keine Schande, auch wenn man beim deutschen Rekordmeister natürlich auf den grossen Coup hoffte.

Es fehlt Manuel Neuer

«Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften», heisst ein (zu) viel zitiertes Credo. Wenn die Abwehr so löchrig ist, wie die der Bayern, gewinnt man aber nicht mal einzelne Spiele. 

Beim 0:1 gegen Dortmund stellte sich die Bayern-Verteidigung mehr als nur stümperhaft an. 

Video: streamable

Auch wenn Ersatz-Torwart Sven Ulreich an den Gegentoren keine Schuld trifft, ist er halt kein Manuel Neuer, der Bälle hält, die man gar nicht halten kann. 

Die Verletzung des Welttorhüters der letzten vier Jahre wiegt für die Bayern schwerer, als zunächst gedacht – auch wegen der Sicherheit, die Manuel Neuer ausstrahlt. Er macht die Bayern-Defensive selbst dann besser, wenn er nicht eingreifen muss.

Carlo Ancefloppi

Ich halte Carlo Ancelotti für einen der besten Trainer der Welt. Er hat die Champions League bereits drei Mal gewonnen – öfters als Pep Guardiola und José Mourinho. 

Aber Ancelotti und Bayern, das passt irgendwie einfach nicht. Der Italiener wurde von «Focus» gar als «Ancefloppi» bezeichnet.  

Carlo Ancelotti ist bedient. 
Carlo Ancelotti ist bedient. Bild: CHRISTIAN BRUNA/EPA/KEYSTONE

So unbestritten seine Qualitäten sein mögen, so sehr beharrt Ancelotti auf seiner Spielidee. Das Out gegen Real Madrid hängt auch mit seiner Sturheit zusammen, den Aggressiv-Leader Arturo Vidal partout nicht auswechseln zu wollen, bis dieser die absehbare Gelb-Rote Karte holte. Es schien, als hätte Ancelotti keinen Plan B, da kein weiterer Box-to-Box-Mittelfeldspieler auf der Bank sass.

Wenn die Mannschaft einen Lauf hat, ist Kumpeltyp Ancelotti der perfekte Trainer. In einer Krise sollte der Trainer aber auch mal ausrasten und durchgreifen können. Das scheint eine entscheidende Schwäche des freundlichen Italieners zu sein.

Angeschlagene Superstars

Die Bayern sind in grossen Spielen von einzelnen Weltklassespielern abhängig. Mit Boateng, Hummels und Lewandowski sind drei unverzichtbare Stammspieler seit Wochen angeschlagen und mussten entweder passen oder nicht ganz fit spielen. 

Nein, nicht das Bein, sondern die Schulter macht Robert Lewandowski zu schaffen.
Nein, nicht das Bein, sondern die Schulter macht Robert Lewandowski zu schaffen.Bild: CHRISTIAN BRUNA/EPA/KEYSTONE

Dazu kommen mit Thomas Müller und Philipp Lahm zwei Führungsspieler, die komplett ausser Form sind – das ist selbst für den FC Bayern zu viel. 

Die jungen Spieler stagnieren

Die Schlüsselspieler der Bayern sind in die Jahre gekommen. Es wartet dahinter zwar eine junge zweite Garde, diese scheint aber zu stagnieren. Spieler wie Joshua Kimmich und Kingsley Coman, die sich unter Guardiola prächtig entwickelten, schaffen es derzeit nicht, in die Bresche zu springen – zumindest nicht in den wichtigen Spielen.

Bayern hat übrigens noch bis am Sonntag die Möglichkeit, die Kaufoption über 21 Millionen Euro für Kingsley Coman zu ziehen. «Coman ist wichtig für uns, jetzt und in der Zukunft. Er wird hier bleiben», sagte Ancelotti noch anfangs April über den Spieler, der von Juventus Turin ausgeliehen ist.

Auch der im Sommer verpflichtete Europameister Renato Sanches ist noch weit vom Prädikat «Weltklasse» entfernt. Die Bayern stecken nicht nur in der Krise, sie haben auch ein Nachwuchsproblem. Im Moment ist eigentlich nur eines sicher: Nachdem die Saison praktisch vorbei ist, stehen die Bayern vor einem heissen Sommer. 

Bayern und? Diese Klubs wurden schon deutscher Meister

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Bayern und? Diese Klubs wurden schon deutscher Meister
quelle: keystone / ronald wittek
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45 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ohniznachtisbett
27.04.2017 11:08registriert August 2016
So unsympathisch mir Sammer war: Der Fisch stinkt wieder mal vom Kopf. Rumenigge ist ein selbstgefälliger General, Hoeness hat für den Verein so viel geleistet, dass er nochmals zurück kam, war vielleicht nicht gut. Dem getraut sich niemand die Meinung zu sagen, weil er der Klubheilige ist, jedoch wirkt er für mich seit dem Knast richtig gealtert. Und da war noch Sammer: Der hatte ein unglaubliches Fachwissen und den Riecher für die richtigen Transfers, konnte zwischen Mannschaft, Trainer und Führung vermitteln...
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BigMic
27.04.2017 11:17registriert Januar 2014
Oh mir kommen gleich die Tränen.. 😜
Jetzt können Sie wenigstens mal die Meisterschaft richtig feiern weil 2Tage später KEIN CL-Spiel mehr ansteht. ...und danke Karma für den Bender Ablenker! Das hat dieser holländische Tiefflieger aber sowas von verdient!!!
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Amboss
27.04.2017 11:22registriert April 2014
Kimmich und Co sind die zweite Garde? Nee, die sind vielleicht dritte Garde. Und da ist auch das Problem: Die Bayern haben es vernachlässigt/verpennt, eine zweite Garde aufzubauen: Spieler, die jetzt ca 25-27 sind und den Posten von Robben, Lahm und Co einnehmen können.

Kimmich und co sind noch so jung, von denen kann man das noch nicht erwarten.

Gerade Kimmich hat für mich was von Shaqiri: Eingeschlagen wie eine Bombe, aber ob die Bestätigung gelingt? Ist abzuwarten
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