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epa05929719 Bayern Munich's David Alaba (L) reacts after the German DFB Cup semi final soccer match between FC Bayern Munich and Borussia Dortmund in Munich, Bavaria, Germany, 26 April 2017. Dortmund won 3-2.

(ATTENTION: The DFB prohibits the utilisation and publication of sequential pictures on the internet and other online media during the match (including half-time). ATTENTION: BLOCKING PERIOD! The DFB permits the further utilisation and publication of the pictures for mobile services (especially MMS) and for DVB-H and DMB only after the end of the match.)  EPA/CHRISTIAN BRUNA

David Alaba (links) rauft sich die Haare und auch Robert Lewandowski scheint ratlos. Die Bayern stecken in der Krise. Bild: CHRISTIAN BRUNA/EPA/KEYSTONE

Analyse

Grösste Bayern-Krise seit 17 Jahren – die Gründe für den miserablen April

Der FC Bayern München hat nach der 2:3-Niederlage im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund den zweiten Titel innert acht Tagen verspielt. Die Analyse, weshalb die Bayern im April in eine tiefe Krise gerutscht sind.



April, April, der macht mit den Bayern was er will. Der verwöhnte deutsche Rekordmeister aus München erlebt gerade einen der schlimmsten Monate der Vereinsgeschichte und hat innerhalb von acht Tagen den Traum vom «Triple» und dann noch vom «Double» verspielt. 

Am 1. April, da war den Bayern noch zum Scherzen zu Mute. Nach dem 6:0-Heimsieg gegen den FC Augsburg war die Welt nämlich noch in Ordnung. Die Meisterschaft war damals schon im Sack (13 Punkte Vorsprung auf RB Leipzig), die Münchner konnten sich demnach voll auf die Champions-League-Viertelfinal-Spiele und den Halbfinal im DFB-Pokal konzentrieren. Die perfekte Grundlage für die perfekte Saison war geschaffen.

Was danach folgte, war ein April des Grauens. In sieben Partien gab es nur einen Sieg, dazu zwei Unentschieden und satte vier Niederlagen.

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Der April, der macht mit den Bayern was er will. screenshot: transfermarkt.ch

In den letzten fünf Spielen gelang den Bayern kein Sieg mehr. Das gab es seit 17 Jahren (!) nicht mehr. Am 4. April 2000 war es, als für die Bayern zuletzt eine Serie von fünf sieglosen Partien endete. In ebendieser Saison gewannen die Bayern dennoch die Meisterschaft und den Pokal, in der Champions League reichte es immerhin fürs Halbfinale.

Wir haben die Spiele der Bayern analysiert – und folgende Gründe für die Bayern-Krise gefunden:

Die ganze Saison hängt von einzelnen Szenen ab

Was wäre, wenn Bender gegen Robben nicht so mirakulös auf der Linie gerettet hätte? Das 3:1 wäre wahrscheinlich die Vorentscheidung gewesen. Niemand würde es heute wagen, von einer Bayern-Krise zu sprechen. Man kann also behaupten: Trüge Bender eine Schuhnummer kleiner, die Bayern stünden im DFB-Pokalfinal.

Hätte, hätte, Viererkette. Die Bayern sind raus und der Konjunktiv ein Strohhalm, an welchen sich kein Fussballteam klammern sollte. 

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Bend it like Bender. Video: streamable

Die Gegner

Die Leistung von Dortmund nach den schweren letzten Wochen mit dem Terroranschlag kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mit dieser Spielfreude und Kreativität kann der BVB jeden Gegner schlagen – auch einen FC Bayern, für den es um alles geht.

Ein Out in der Champions League gegen Real Madrid ist ebenfalls keine Schande, auch wenn man beim deutschen Rekordmeister natürlich auf den grossen Coup hoffte.

Es fehlt Manuel Neuer

«Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften», heisst ein (zu) viel zitiertes Credo. Wenn die Abwehr so löchrig ist, wie die der Bayern, gewinnt man aber nicht mal einzelne Spiele. 

Beim 0:1 gegen Dortmund stellte sich die Bayern-Verteidigung mehr als nur stümperhaft an. 

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Video: streamable

Auch wenn Ersatz-Torwart Sven Ulreich an den Gegentoren keine Schuld trifft, ist er halt kein Manuel Neuer, der Bälle hält, die man gar nicht halten kann. 

Die Verletzung des Welttorhüters der letzten vier Jahre wiegt für die Bayern schwerer, als zunächst gedacht – auch wegen der Sicherheit, die Manuel Neuer ausstrahlt. Er macht die Bayern-Defensive selbst dann besser, wenn er nicht eingreifen muss.

Carlo Ancefloppi

Ich halte Carlo Ancelotti für einen der besten Trainer der Welt. Er hat die Champions League bereits drei Mal gewonnen – öfters als Pep Guardiola und José Mourinho. 

Aber Ancelotti und Bayern, das passt irgendwie einfach nicht. Der Italiener wurde von «Focus» gar als «Ancefloppi» bezeichnet.  

epa05929444 Bayern Munich's head coach Carlo Ancelotti before the German DFB Cup semi final soccer match between FC Bayern Munich and Borussia Dortmund in Munich, Bavaria, Germany, 26 April 2017.

(ATTENTION: The DFB prohibits the utilisation and publication of sequential pictures on the internet and other online media during the match (including half-time). ATTENTION: BLOCKING PERIOD! The DFB permits the further utilisation and publication of the pictures for mobile services (especially MMS) and for DVB-H and DMB only after the end of the match.)  EPA/CHRISTIAN BRUNA

Carlo Ancelotti ist bedient.  Bild: CHRISTIAN BRUNA/EPA/KEYSTONE

So unbestritten seine Qualitäten sein mögen, so sehr beharrt Ancelotti auf seiner Spielidee. Das Out gegen Real Madrid hängt auch mit seiner Sturheit zusammen, den Aggressiv-Leader Arturo Vidal partout nicht auswechseln zu wollen, bis dieser die absehbare Gelb-Rote Karte holte. Es schien, als hätte Ancelotti keinen Plan B, da kein weiterer Box-to-Box-Mittelfeldspieler auf der Bank sass.

Wenn die Mannschaft einen Lauf hat, ist Kumpeltyp Ancelotti der perfekte Trainer. In einer Krise sollte der Trainer aber auch mal ausrasten und durchgreifen können. Das scheint eine entscheidende Schwäche des freundlichen Italieners zu sein.

Angeschlagene Superstars

Die Bayern sind in grossen Spielen von einzelnen Weltklassespielern abhängig. Mit Boateng, Hummels und Lewandowski sind drei unverzichtbare Stammspieler seit Wochen angeschlagen und mussten entweder passen oder nicht ganz fit spielen. 

epa05921260 Bayern Munich's Robert Lewandowski reacts during the German Bundesliga soccer match between Bayern Munich and FSV Mainz 05 in Munich, Germany, 22 April 2017.  EPA/CHRISTIAN BRUNA (EMBARGO CONDITIONS - ATTENTION: Due to the accreditation guidelines, the DFL only permits the publication and utilisation of up to 15 pictures per match on the internet and in online media during the match.)

Nein, nicht das Bein, sondern die Schulter macht Robert Lewandowski zu schaffen. Bild: CHRISTIAN BRUNA/EPA/KEYSTONE

Dazu kommen mit Thomas Müller und Philipp Lahm zwei Führungsspieler, die komplett ausser Form sind – das ist selbst für den FC Bayern zu viel. 

Philipp Lahm ist nach dem Pokal-Aus bedient.

Die jungen Spieler stagnieren

Die Schlüsselspieler der Bayern sind in die Jahre gekommen. Es wartet dahinter zwar eine junge zweite Garde, diese scheint aber zu stagnieren. Spieler wie Joshua Kimmich und Kingsley Coman, die sich unter Guardiola prächtig entwickelten, schaffen es derzeit nicht, in die Bresche zu springen – zumindest nicht in den wichtigen Spielen.

Bayern hat übrigens noch bis am Sonntag die Möglichkeit, die Kaufoption über 21 Millionen Euro für Kingsley Coman zu ziehen. «Coman ist wichtig für uns, jetzt und in der Zukunft. Er wird hier bleiben», sagte Ancelotti noch anfangs April über den Spieler, der von Juventus Turin ausgeliehen ist.

Carlo Ancelotti schenkt den jungen Bayern-Spielern zu wenig Vertrauen.

Auch der im Sommer verpflichtete Europameister Renato Sanches ist noch weit vom Prädikat «Weltklasse» entfernt. Die Bayern stecken nicht nur in der Krise, sie haben auch ein Nachwuchsproblem. Im Moment ist eigentlich nur eines sicher: Nachdem die Saison praktisch vorbei ist, stehen die Bayern vor einem heissen Sommer. 

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