Nur Ajoie ist noch harmloser – das steckt hinter dem Tief des EV Zug
Die Qualifikation der National League befindet sich langsam aber sicher auf der Zielgeraden. Bis zur Olympiapause Anfang Februar stehen viele Spiele an, ehe es danach schon bald mit den Playoffs weitergeht. Nach fast drei Vierteln der Saison steht der EV Zug weiterhin nur auf dem enttäuschenden achten Platz, zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und den SCL Tigers.
Die oberflächlichen Gründe für die schlechte Klassierung sind offensichtlich: fehlende Konstanz. Die Zuger haben in dieser National-League-Saison noch nie mehr als zwei Spiele in Serie gewonnen. Wer keine Konstanz findet, kann in der ausgeglichenen Schweizer Liga einfach nicht ganz oben mitmischen. Doch warum geht dem EVZ diese Konstanz in dieser Saison bislang noch ab? Dafür gibt es verschiedene Ursachen.
Verletzungen und Spielplan
Der Spielplan meinte es im Dezember nicht gut mit dem EV Zug. Zwischen dem 16. und 20. Dezember spielten die Zentralschweizer vier Spiele in fünf Tagen. Als einziger Schweizer Vertreter, der immer noch in der Champions League dabei ist, hat der EVZ die grösste Belastung der Liga. Und das geht auch im Januar so weiter. Zwischen dem 13. und 17. Januar muss der EVZ erneut vier Spiele in fünf Tagen bewältigen – das Hinspiel im Champions-League-Halbfinal gegen den schwedischen Meister Lulea sowie Ligapartien gegen Lugano, Ajoie und Genf.
Da hilft es definitiv nicht, dass sich der Zuger Klub schon seit Beginn der Saison mit unzähligen Verletzungen herumschlagen muss. Schon früh in der Saison musste der neue Cheftrainer Michael Liniger auf diverse Stammverteidiger wie Raphael Diaz, Lukas Bengtsson, Dominik Schlumpf oder Elia Riva verzichten. Zwischendurch fehlten wichtige Stürmer wie Tomas Tatar, Jan Kovar oder Daniel Vozenilek. Und Lino Martschini verpasst nach einem Kreuzbandriss Ende Oktober die ganze restliche Saison.
Bei so vielen Verletzungen ist auch klar, dass die ganze Saison über immer wieder andere Linienkombinationen zum Einsatz kommen und nur wenig Routine aufgebaut werden kann – zumal aufgrund des gedrängten Spielplans auch die Zeit für Trainings fehlt.
Offensive Harmlosigkeit
Eishockey ist am Ende ein einfacher Wettbewerb: Wer mehr Tore schiesst, gewinnt. Dafür braucht es zuerst allerdings Torchancen. Und das ist für Zug ein Problem. Denn nur Schlusslicht Ajoie ist offensiv noch harmloser als die Zentralschweizer. Pro 60 Minuten 5-gegen-5-Eishockey spielt sich der EVZ Chancen für 1,92 Tore heraus. Das ist deutlich schlechter als bei Kellerteams wie Ambri (2,38), Biel (2,29) oder Bern (2,40).
Zudem fällt auf, dass ebenfalls nur Ajoie noch weniger Torchancen aus Rush-Situationen kreiert. Bei diesen kommt der Abschluss spätestens fünf Sekunden nach Betreten der offensiven Zone. Diese Situationen gelten weithin als beste Möglichkeit, um im Eishockey zu Toren zu kommen, weil sie weniger strukturiert und daher schwieriger zu verteidigen sind als andere Situationen. Sie generieren oft auch viele Slot-Abschlüsse aufgrund der Abpraller, die sie erzwingen.
Warum es beim EVZ in dieser Sparte hapert, ist beim Videostudium des Zuger Spielaufbaus sofort ersichtlich. Die Mannschaft von Michael Liniger schafft es oft nicht, schnell aus der eigenen Zone das Spiel aufzubauen. Häufig entstehen schon vorher Probleme aufgrund ungenauer Pässe. Und wenn der erste Pass in die neutrale Zone mal gelingt, agieren die Stürmer dort viel zu zögerlich und spielen den Puck wieder zurück in Richtung der Verteidiger.
Das Aufbauspiel der Zuger wird so sehr langsam und die Gegner können die scheibenführenden Spieler unter Druck setzen und gleichzeitig die Passlinien zustellen. Die EVZ-Spieler haben so noch weniger Optionen und sind fehleranfälliger. Das Resultat: Nur Ajoie betritt die gegnerische Zone noch seltener und erfolgloser in Scheibenbesitz als die Zentralschweizer.
Verteidiger wie Lukas Bengtsson, Tobias Geisser, David Sklenicka oder der immer noch verletzte Raphael Diaz hätten durchaus die nötigen Fähigkeiten für schnelle, präzise Pässe im Aufbauspiel. Und Grégory Hofmann, Andreas Wingerli oder Fabrice Herzog wären ebenfalls in der Lage, ein schnelles Aufbauspiel umzusetzen. Die Frage, die man sich in Zug stellen muss: Ist dieses langsame Spiel Teil des Systems von Trainer Michael Liniger? Oder liegt es eher daran, dass die spielbestimmenden Center (Jan Kovar, Sven Senteler und Tomas Tatar) sich schon im fortgeschrittenen Sportleralter befinden?
Inkonstante Torhüter
Wie das ganze Team sind auch die Zuger Goalies inkonstant. Der Verteidigung gelingt es eigentlich ordentlich, die gegnerischen Schüsse vom Slot wegzuhalten. Doch Leonardo Genoni und Tim Wolf können nicht immer davon profitieren. Genoni ist immer noch gelegentlich in der Lage, seine Mannschaft im Alleingang zum Sieg zu hexen. Doch regelmässig gelingt ihm das nicht mehr. Überhaupt hatte der 38-Jährige in seiner mittlerweile siebenjährigen Amtszeit beim EV Zug nur eine Saison, in der er überragende Leistungen zeigen konnte.
Die restlichen Spielzeiten erhalten das Prädikat «ordentlich bis gut», wobei die laufende Saison eher ordentlich statt gut ist. Noch schlechter sieht es für den EVZ aus, wenn Tim Wolf zwischen den Pfosten steht. Der Zürcher erhält in dieser Saison mehr Tore als aufgrund der zugelassenen Chancen zu erwarten gewesen wäre.
Gerade wenn ein Team wie Zug Mühe hat, Torchancen zu kreieren, wäre es umso wichtiger, dass Verteidigung und Torhüter hinten dichthalten. Beim EVZ ist dies aber zu oft nicht der Fall.
Fazit
Die Belastung wird bei den Zugern auch in den nächsten Tagen und Wochen nicht besser. Das Programm ist aufgrund der Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo dicht gedrängt, und beim EVZ kommen auch (mindestens) noch die Champions-League-Halbfinals dazu. Wenigstens hat sich die Verletztenliste mittlerweile etwas entspannt.
Vielmehr braucht der EVZ eine Systemoptimierung. Der Spielaufbau muss schneller und präziser gestaltet werden, sodass der Puck häufiger kontrolliert in die gegnerische Zone getragen werden kann. Klar ist: Heute Abend in Ambri muss ein Sieg her, um den Anschluss an die direkten Playoff-Plätze nicht zu verlieren. Denn die nächsten Spiele gegen Fribourg (Donnerstag) und die ZSC Lions (Samstag) werden nicht einfacher.
