Marco Odermatt als Gefreiter im Bundeshaus – seine Dienstpflicht hat er längst erfüllt
23 Medaillen, davon sechsmal Gold, neunmal Silber und achtmal Bronze – die olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo 2026 gehen als die erfolgreichsten des Schweizer Sports in die Geschichte ein.
Möglich macht das die Schweizer Armee: Nicht weniger als 20 Medaillen gehen auf das Konto von Sportsoldatinnen und Sportsoldaten. Am Montag empfing Sportminister Martin Pfister diese im Bundeshaus. «Wenn Sie sich Sekunden vor Ihrem Wettkampf bereitmachen, halten wir beim Zuschauen die Luft an. Der Puls steigt bei Ihnen, und ich versichere Ihnen, er steigt auch bei uns», sagte der Magistrat. Er habe das Glück gehabt, die Erfolge vor Ort mitzuerleben. Ob in Mannschafts- oder Einzelsportarten: Plötzlich seien alle im gleichen Team gewesen – und zwar im «Team Schweiz».
Beförderung vom Soldat zum Gefreiten
In Bern ebenfalls anwesend, stilecht in Uniform: Marco Odermatt. In der Schweizer Armee hat der dreifache Medaillengewinner von Bormio (Silber im Riesenslalom und in der Team-Kombination, Bronze im Super-G) den Dienstgrad eines Gefreiten. Nach seinem Olympiasieg im Riesenslalom 2022 in Peking und seinen WM-Medaillen 2023 war er befördert worden.
Odermatt rückte im Sommer 2017 nach Abschluss der Matura an der Sportmittelschule in Engelberg in Magglingen in die Spitzensport-RS ein. Dort absolvierte er einen fünfwöchigen Block der Grundausbildung. Mit Dienst, wie ihn Gleichaltrige absolvieren, hat das aber wenig zu tun. Schon ab der vierten Woche ging es wieder zum Training auf den Schnee. «Ich freue mich extrem darauf», sagte der Rekrut Odermatt damals.
Odermatt hat Dienstpflicht schon erfüllt
Während andere in den Wiederholungskursen (WK) marschieren, Biwaks erstellen, Schiessübungen absolvieren und Chili con Carne (Chili-Johnny) aus der Gamelle essen, trainierte der Gefreite Odermatt, oder fährt um Siege. Als er 2024 erstmals die Lauberhorn-Abfahrt gewann, befand sich der Nidwaldner eigentlich im WK. Zu den ersten Gratulantinnen gehörte die damalige Sportministerin Viola Amherd. Uniform trug Odermatt nicht.
Dabei hat Odermatt seine Dienstpflicht schon seit Jahren erfüllt, wie die Armee auf Anfrage von CH Media mitteilt. Wer eine Spitzensport-RS absolviert hat, kann bis zu 100 zusätzliche freiwillige Diensttage pro Jahr anrechnen, so lange er Kaderstatus hat. Der Vorteil: Sportler können in dieser Zeit trainieren und Wettkämpfe bestreiten – sogar im Ausland.
Simon Ammann unter den Ersten
Odermatt erhält – wie alle anderen Sportlerinnen und Sportler dafür sogar Sold, Erwerbsersatz und ist versichert. Zudem könnte er die Infrastruktur in Magglingen und Tenero nutzen und erhielte dort Kost und Logis.
Die militärische Spitzensportförderung geht bis in die 1970er-Jahre zurück und wurde 1998 vom damaligen SVP-Bundesrat Adolf Ogi revitalisiert, als das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport umbenannt worden war und Zivilschutz und Sportförderung in das vormalige Militärdepartement EMD integriert worden waren.
Erstmals durchgeführt wurde die Spitzensport-Rekrutenschule (SpiSpo-RS) allerdings erst 2004. Seither hat die Sportförderung der Armee dem Schweizer Sport zahlreiche Glanzstunden beschert: Simon Ammann, Dario Cologna, Carlo Janka, Mike Schmid, Franjo von Allmen, Loïc Meillard oder eben Marco Odermatt – sie alle sind oder waren Sportsoldaten.
Armee: Prestige durch Spitzensport
Über die vier Gefässe Spitzensport-RS, Spitzensport-WK, Spitzensport-Zeitsoldaten und qualifizierter Athlet profitieren jährlich fast 600 Sportler, Trainer und Betreuer von den Förderangeboten der Armee. Jede Vierte ist eine Frau. Und seit 2021 ist das Angebot auch für Parasportler zugänglich.
Während die Verzahnung des Sports mit dem Militär in anderen Ländern durchaus kritisch betrachtet wird – Stichwort Russland – versteht die Schweizer Armee ihren Auftrag im Sport so: Emotionen transportieren, Herzen bewegen und die Schweiz zum Träumen bringen. Dafür schickt sie Soldatinnen und Soldaten in ziviler Absicht aufs Wettkampfgelände. Das Ziel aber bleibt das gleiche: internationales Prestige durch Spitzensport.
Roger Federer war dienstuntauglich
Dazu nicht beitragen konnte oder wollte Roger Federer. Zwar wurde er einst als 18-jähriger in Liestal ausgehoben, Dienst geleistet hat er nach einem langen Hin und Her allerdings nie. Die angeordnete dreiwöchige Zivilschutz-Grundausbildung hat er nie absolviert. «Militär und Tennis gehen einfach nicht zusammen», sagte dessen Vater Robert damals. «Wir haben ernsthaft erwogen, den Wohnsitz ins Ausland zu verlegen.»
Noch vor seinem ersten Wimbledon-Sieg 2003 erklärte die militärische Untersuchungskommission Federer als dienstuntauglich. Die Begründung ist vertraulich. Bekannt ist, dass Federer an Rückenproblemen leidet. Über den UC-Befund waren in der Armee laut Insidern nicht alle glücklich. Dennoch hat das VBS darauf verzichtet, den Entscheid anzufechten.
Anders als der frühere Tennisspieler steht Marco Odermatt exemplarisch für die Sportförderung der Schweizer Armee. Seine Erfolge zeigen, wie eng der Spitzensport und das Militär auch hierzulande inzwischen sind. (aargauerzeitung.ch)
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