Winti, wir werden dich in der Super League vermissen
Klar, die Fans des FC Winterthur konnten sich bereits in den letzten Wochen und Monaten auf einen allfälligen Abstieg vorbereiten. Als der Gang in die Challenge League dann feststand, sorgten sie dennoch für einen Gänsehautmoment. Die Spieler wurden nach der Niederlage gegen GC am gestrigen Dienstagabend gefeiert und jeder einzelne von ihnen erhielt von der Bierkurve einen Fanschal.
Natürlich sind die Erwartungen in der Eulachstadt tiefer als beispielsweise beim Grasshopper Club Zürich. Aber die GC-Spieler werden, falls sie in der Barrage den Ligaerhalt nicht schaffen, eher durch die Stadt gejagt, als dass sie ein Souvenir ihrer Fankurve erhalten.
Auch Winti-Präsident Mike Keller stellte wenige Minuten nach dem Abstieg klar, dass der Stolz und die Dankbarkeit überwiegen. Vier Jahre lang hielt sich Winterthur in der Super League und dies in der Regel mit dem tiefsten Budget der gesamten Liga. Doch diese Rolle des krassen Aussenseiters schien dem FCW zu gefallen. So erreichte man in der Saison 2023/24 sogar sensationell die Championship Group und verpasste das europäische Geschäft nur knapp. Dabei spielte Winterthur keinen defensiven Fussball, sondern mutig nach vorne – es gab bei keinem Team mehr Treffer als beim FCW. Die Winterthurer stellten damals die drittbeste Offensive, aber auch die zweitschlechteste Defensive.
In der laufenden Spielzeit ist ein Treffer pro Winti-Spiel garantiert, weil die Winterthurer in bisher jeder Ligapartie mindestens ein Tor kassierten. Konnte sich Winterthur in der letzten Saison nach einem phänomenalen Schlussspurt noch den Ligaerhalt sichern, kam das Aufbäumen in diesem Jahr zu spät. Nur fünf Siege aus 37 Partien sind definitiv zu wenig.
Aber der FC Winterthur zeichnet sich nicht nur durch das Geschehen auf dem Platz aus. Da ist das Stadion Schützenwiese, bei dem wohl das Herz jedes Fussballromantikers aufgeht. Nicht nur, weil es ein richtiges Fussballstadion im Kanton Zürich ist, sondern weil man zudem mit einem riesigen kulinarischen Angebot verwöhnt wird. Von normalen Stadion-Snacks wie Bratwurst oder Pommes bis hin zu Momos und dem Schützi-Spiess findet jeder Fan etwas für seinen Geschmack. Es ist schon fast ein kleines Street-Food-Festival kombiniert mit Fussball.
Ausverkauft war die Schützenwiese in der Super League eigentlich fast immer. Dies wird sie hoffentlich auch in der Challenge League sein, wenn die Gegner nicht mehr YB oder Basel, sondern Stade Nyonnais oder Étoile Carouge heissen werden.
Ausserdem setzte der FCW auch politisch unter anderem mit dem Slogan «Friede. Freiheit. Fussball.» immer wieder ein richtiges und wichtiges Zeichen. Mit der Sirupkurve (Fantribüne der Kinder) bekommen die kleinsten Winti-Anhänger bereits früh die Gelegenheit, so richtig für ihre Farben zu fanen. Für jeden Schweizer Fussballfan ist es eigentlich Pflicht, mindestens einmal die Schützenwiese zu besuchen.
Schlussendlich kann man festhalten, Winterthur in der Super League ist wie Ajoie in der National League. Als Gegner ist man eigentlich immer der grosse Favorit und alles andere als ein Sieg ist eine Enttäuschung. Der einzige Unterschied ist bloss, die Winterthurer konnten im Gegensatz zu Ajoie mit der Konkurrenz mithalten.
Winti wird in der Super League fehlen, und dies nicht als Punktelieferant oder ewiges Schlusslicht, sondern als Verein, der die Grossen oftmals ärgern konnte und bei dem der Fussball immer gelebt wurde – was auch in der Challenge League der Fall sein wird. Winti, wir hoffen, dass du eines Tages in die Super League zurückkommst.
