DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Maienfelder Armon Orlik, rechts, gewinnt den spannenden Schlussgang gegen seinen Buendner Schwingerkollegen Sandro Schlegel, nicht auf dem Bild, aus Fideris. Hier zusammen mit Siegermuni Victor, links, aufgenommen am Sonntag, 12. Juni 2016, beim Buendner-Glarner Kantonalschwingfest auf der Ballonwiese in Flims. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Das Bild könnte es auch in Estavayer geben: Armon Orlik mit dem Siegermuni des Bündner-Glarner Kantonalschwingfests. Bild: KEYSTONE

«Ich werde der bleiben, der ich bin» – Geheimfavorit Armon Orlik lässt der Trubel kalt

Armon Orlik gehört dank seiner Erfolge 2016 zu den Topfavoriten für das «Eidgenössische» in Estavayer. Der Maienfelder ist die Nummer 1 der Jahrespunkteliste.

rené weber / Aargauer Zeitung



Die Bergfeste Schwägalp und Weissenstein, das Nordostschweizer Teilverbandsfest sowie das «Thurgauer», «Glarner» und «Bündner» hat Armon Orlik in diesem Jahr gewonnen. Der 21-jährige Teilverbandskranzer führt damit die Jahreswertung an und gehört zu den Topfavoriten fürs «Eidgenössische» vom kommenden Wochenende in Estavayer. Der Maienfelder reist am Freitag mit seinen Kollegen des Bündner Schwingerverbandes in die Westschweiz.

Armon Orlik, sechs Kranzfestsiege in einer Saison hat landesweit kein zweiter Schwinger geschafft. Gibt es eine Erklärung für diesen Lauf?
Armon Orlik: Erwartet habe ich das auch nicht. Vielleicht gehofft. Ich habe viel dafür aufgegeben. Weil ich das «Eidgenössische» vor Augen hatte, bin ich immer voll motiviert gewesen und habe Gas gegeben. Bereits im Winter habe ich gemerkt, dass sich das Training auszahlt und es aufwärts geht. Glücklicherweise blieb ich ohne Verletzungen.

abspielen

Orliks Auftritt am Rheintal-Oberländischen Verbandsschwingfest in Wangs mitsamt Siegerinterview. YouTube/Jakob Niederberger

An der Motivation fehlte es also nie?
Nein, es macht Spass, mit den Kameraden zusammen. Alleine macht das Training weniger Spass. Im Vergleich zu früheren Jahren habe ich deshalb mehr im Schwingkeller gearbeitet. Das ist sicher einer der Gründe für die Leistungssteigerung.

Monotones Kraft- und Konditionstraining gehörten aber auch dazu.
Sicher, ja. Allein ist das manchmal schon schwierig. Wichtig ist, dass man jemanden im Hintergrund hat, der die Trainings plant und einen motiviert.

Ihre Trainingsplanung macht seit diesem Jahr eine Zürcher Firma.
Ich bin über Kollegen zur Firma Training  & Diagnostics gekommen. Der grosse Vorteil ist, dass ich weiterhin zu Hause trainieren kann. Sie geben mir sozusagen Hausaufgaben. Für mich ist das motivierend. Man absolviert so auch Einheiten, die man sonst vielleicht weggelassen hätte.

Man muss Sie fürs Training also manchmal auch motivieren?
Das ist so. Ich habe fast nie ein Problem, auch einmal ein Training auszulassen. Ich betrachte diese Einheit dann als Erholung. Die ist wichtig (schmunzelt).

Insider sagen, dass Sie mehr Trainingseinheiten als viele Ihrer Konkurrenten absolvieren.
Fünf, sechs Einheiten sind der Normalfall. Klar, manchmal waren es auch mehr. Solange man gerne in den Schwingkeller geht, fehlt es an der Motivation nicht.

Im Hinblick auf Estavayer haben Sie fast Ihr gesamtes Leben dem Schwingen untergeordnet. Ein Wagnis, das sich ausgezahlt hat.
Wahrscheinlich geht es nicht anders. Es kommt halt darauf an, was man erreichen will. Wenn man zufrieden ist, an einem Fest pro Jahr vorne dabei zu sein, dann braucht es diesen Aufwand nicht. Wenn man immer vorne mitmachen und gegen jeden Gegner gewinnen will, dann muss man mehr investieren.

Schwingerkönig Matthias Sempach geht einen ähnlichen Weg wie Sie. Vor drei Jahren triumphierte er damit in Burgdorf. Ist er für Sie ein Vorbild?
Vorbild nicht, nein. Er ist aber einer der Schwinger, die den Sport professionell ausüben. Das beeindruckt mich.

Matthias Sempach feiert seinen Festsieg nach dem Schlussgang am Schwing- und Aelplerfest Schwarzsee, am Sonntag, 19. Juni 2016, in Plaffeien. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Kein Vorbild von Orlik, aber möglicher Gegner im Anschwingen: Der amtierende König Matthias Sempach. Bild: KEYSTONE

Bei der Hauptprobe auf der Schwägalp haben Sie gegen den Nidwalder Marcel Mathis Ihren dritten Gang verloren. Wissen Sie, wie viele Niederlagen es in diesem Jahr insgesamt waren?
Vier. Da muss ich nicht lange überlegen. Im ersten Moment ärgert mich jede Niederlage. Auf der Schwägalp verletzte sich aber unmittelbar vor mir Joel Wicki schwer. Im Nachhinein hat mich das wohl abgelenkt. Als mir ein Schwingerkollege danach sagte, dass meine Niederlage im Vergleich zu Wickis Verletzung nichts sei, hat das in mir etwas ausgelöst. Ich war danach noch stärker.

Sie betreiben seit Jahren Mentaltraining. Hilft das in solchen Momenten?
Es ist schwierig, den Wert des Mentalen zu messen. Ich habe gelernt, mich aus dem Mittelpunkt zu nehmen. Für mich ist das wichtig. Mir gibt es Stabilität. Man muss Nein sagen können, wenn es nicht passt. Das musste ich lernen.

Wer wird Schwingerkönig 2016?

Lernen mussten Sie auch, medial im Mittelpunkt zu stehen. Ihrem Naturell entspricht das nicht.
Ich suche das nicht, das stimmt. Das ist eine Herausforderung. Mein Vorteil ist, dass ich noch jung bin. Ich kann das aber meistern. Auch in diesen Momenten auf mich zu hören, das ist das Wichtigste (überlegt). Im Moment wird schon viel über das Schwingen gesprochen. Irgendwann ist es dann auch gut. Es ist mir recht, dass alles bald vorbei ist und wieder andere Sachen im Mittelpunkt stehen.

Nach Ihren Festsiegen sind Sie nun aber zuerst in Estavayer einer der Mitfavoriten.
Dass mir der Sieg zugetraut wird, liegt auch daran, dass mehrere der letzten Könige auch jung waren. Kilian Wenger war in Frauenfeld 19 Jahre alt. Jörg Abderhalden war bei seinem ersten Sieg ebenfalls jung. Deshalb hat man wohl das Gefühl, dass das bei mir auch möglich ist.

Der Buendner Armon Orlik, oben, bezwingt den St. Galler Arnold Forrer, im Schlussgang am Glarner-Buendner Schwingfest, am Montag, 16. Mai 2016, in Glarus. Das Glarner-Buendner Schwingfest findet zum ersten Mal seit 37 Jahren wieder im Kantonshauptort statt. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Armon Orlik (r.) legte bereits ehemalige Könige auf den Rücken, wie hier Arnold Forrer. Bild: KEYSTONE

Haben Sie dieses Gefühl nicht?
Ich weiss nicht. In vielen Bereichen kann und muss ich mich noch verbessern. Ich habe in den nächsten Jahren weitere Möglichkeiten, ein solches Fest zu gewinnen. Priorität hat für mich in Estavayer klar der Gewinn des Kranzes. Ich bin überzeugt, dass ich das schaffen werde (überlegt). Zurück zum König. Ich habe null Druck. Am Sonntagabend werden wir sehen, was herausgekommen ist. Das Leben geht danach für mich so oder so weiter.

Reüssieren Sie, wird das Ihr Leben total verändern.
Nein, wird es nicht. Im September nehme ich mein Studium auf, egal, was in Estavayer passiert. Nach dem ersten Trubel wird sich alles legen. Ich werde der bleiben, der ich bin. Dafür wird auch mein Umfeld sorgen.

Als Gegner im ersten Gang könnte Ihnen Schwingerkönig Matthias Sempach zugeteilt werden. Löst das mehr Freude oder Frust aus?
Frust nicht, nein. Freude? Ja, vielleicht. Ich nehme es, wie es kommt. Mit Sempach anzuschwingen, wäre sicher nicht schlecht. Wenn nicht er, könnten es Bernhard Kämpf oder Matthias Glarner sein. Ich gehe schon davon aus, dass mir ein grosser Brocken serviert wird. (Ihm wurde Kilian Wenger zugeteilt, Red.)

Alle Schwingerkönige seit 1961

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Einzelkämpfer Xhaka und ein verheerender Fehler – das lief bei Arsenal gestern schief

Das kriselnde Arsenal kam gestern im ersten Europa-League-Viertelfinal nicht über ein Unentschieden gegen Slavia Prag hinaus. Mangelnde Chancenverwertung und fehlende Sicherheit führten zum enttäuschenden 1:1 in der Nachspielzeit.

Es ist eine Szene, die stellvertretend für den Abend von Arsenal London steht. Granit Xhaka prescht vor und bedrängt den gegnerischen Torwart und seinen Verteidiger beim Zusammenspiel – als einziger Akteur der Engländer. Der Schweizer Nati-Captain bekommt beim Pressing keine Unterstützung und allgemein passt bei Arsenal gestern nicht viel zusammen.

So ging es auch 85 Minuten bis die Hausherren trotz zahlreicher guter Chancen durch Nicolas Pépé in Führung gingen. Zuvor hatten Pierre-Emerick …

Artikel lesen
Link zum Artikel