Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bild: Keystone

Aufsteiger schafft die Sensation

Dank diesem Hexer steht Lausanne in den Playoffs: Cristobal Huet

Vor der Saison galt der HC Lausanne als sicherer Kandidat für die Playouts. Dank viel Disziplin und dem Bewusstsein, in erster Linie defensiv solid zu sein, schaffte der Aufsteiger auf Kosten von Meister Bern den Einzug in die Playoffs. Und vor allem auch darum, weil der Goalie überragend hielt.



Im Nachhinein ist man immer klüger. Selten trifft diese Weisheit besser zu, als wenn man sich nach dem Abschluss der Qualifikation die Saisonprognosen noch einmal zu Gemüte führt. Lausanne in den Playoffs? Nein, das sahen die Experten nicht voraus:

Blick

«Schon Platz 11 nach der Quali wäre eine Sensation. Prognose: Rang 12.»

Berner Zeitung

«Für den Neuling gibt es nur ein Ziel: nicht gleich wieder vor die Tür gesetzt zu werden.»

Aargauer Zeitung

«Die Lausanner dürften nach dem Aufstieg hartes Brot essen. Tipp: Platz 12 nach der Quali.»

20 Minuten Online

«Abstiegskandidat Nummer eins.»

50 Runden später: Lausanne in den Playoffs

Mit einem 2:1-Sieg in Fribourg sicherten sich die Aufsteiger in der letzten Qualifikationsrunde aus eigener Kraft den Einzug in die Playoff-Viertelfinals. Auf Kosten des vor der Saison hoch gehandelten SC Bern, dem Titelverteidiger. Das ist nicht bloss eine Überraschung, das ist in der Tat eine Sensation.

Möglich gemacht haben ihn zwei Männer: Trainer Heinz Ehlers und Goalie Cristobal Huet. Der Däne Ehlers hat aus limitierten, anderswo aussortierten Spielern, ein Team zusammengeschustert, das defensiv kompakt steht und dem Gegner im Angriff kaum Raum lässt. Nur der Qualifikationssieger ZSC Lions und Lugano haben noch weniger Tore kassiert als der Aufsteiger.

Lausanne HC Trainer Heinz Ehlers, links, und  Assistenztrainer John Fust waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und dem Lausanne HC am Freitag, 10. Januar 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Heinz Ehlers (links) und Assistent John Fust haben Lausanne mit einem klugen Konzept in die Playoffs gecoacht. Bild: Keystone

Ein super Goalie ist die halbe Miete

Eine Statistik, die direkt zum zweiten Hauptgrund für den Lausanner Höhenflug führt: Cristobal Huet. 38 Jahre alt ist der Franzose mit Schweizer Pass mittlerweile, aber von seiner Klasse scheint er nichts eingebüsst zu haben. Seine Abwehrquote von 92,86 Prozent ist mit die beste der Liga, von den regelmässig eingesetzten Goalies können nur die beiden Ambri-Keeper Nolan Schaefer und Sandro Zurkirchen einen noch besseren Wert vorweisen.

So erstaunt es auch nicht, dass Ambri neben Lausanne das Überraschungsteam der Qualifikation ist. Es gilt die Faustregel: Willst du es als eigentlich chancenloses Team in die Playoffs schaffen, muss dein Torhüter überragend sein. Das zeigen die Beispiele in diesem Jahr, das zeigt jenes vom EHC Biel, der dank Reto Berra zwei Mal den Einzug in die Playoffs schaffte, das wissen sie in Langnau. Die Emmentaler verdankten 2011 ihre bislang einzigen Playoffs einem oftmals grandiosen Benjamin Conz.

«Was er macht, sieht einfach aus. Aber dahinter steckt viel Arbeit.»

Zurück zu Cristobal Huet. Trainer Ehlers bezeichnet ihn als «MVP», den wertvollsten Spieler der Saison. «Er hat uns praktisch in jedem Spiel die Chance gegeben, es zu gewinnen», lobte ihn Sportchef Jan Alston unlängst in der NZZ. Der langjährige ZSC-Stürmer beschreibt Huet als «technisch hervorragend beschlagen und nicht einer, der herumhechtet. Was er macht, sieht einfach aus. Aber dahinter steckt viel Arbeit.»

Eigentlich sollte Huet in der letzten Saison bloss Lausanne dabei helfen, wieder in die NLA aufzusteigen. Auf insgesamt 272 Spiele in der NHL blickte der Routinier damals zurück, mit dem Stanley-Cup-Triumph mit den Chicago Blackhawks als Höhepunkt. Schweizer Meister war er ebenfalls, 15 Jahre ist das nun her: 1999 mit dem HC Lugano.

04.03.2014; Fribourg; Eishockey NLA - HC Fribourg-Gotteron - Lausanne HC: Marc-Antoine Pouliot (Gotteron) links gegen Cristobal Huet (Lausanne) rechts und Federico Lardi (Lausanne) (Christian Pfander/freshfocus)

Kein Durchkommen: Cristobal Huet liess sich auch gestern in Fribourg nur ein Mal bezwingen. Bild: freshfocus

Auch im entscheidenden letzten Qualifikationsspiel in Fribourg war Huet gegen seinen Ex-Club überragend. «Einmal mehr war seine Leistung ausschlaggebend», rühmte 24 Heures. Dass Cristobal Huet der Hauptgrund für Lausannes Erfolg ist, betonen sämtliche Protagonisten am Genfersee.

Der Vielgelobte selber gibt sich bescheiden, spricht lieber von den Mitspielern als von sich selber. «Unsere Stürmer machen einen exzellenten Job», keiner sei sich zum Zurücklaufen zu schade, würdigt Huet die Feldspieler. «So fällt es auch Spitzenteams schwer, zu einer Torchance im Slot zu kommen.»

Was ist möglich in den Playoffs?

Die Saison wird sowieso als eine erfolgreiche in die Lausanner Klubgeschichte eingehen, komme nun, was wolle. Gegen den souveränen Qualifikationssieger ZSC Lions, der am Ende 20 Punkte (!) mehr auf dem Konto hatte als der erste Verfolger Fribourg, hat der Aufsteiger nichts zu verlieren.

Erfolgsgarant Huet geht die Aufgabe mit der nötigen Gelassenheit und der Abgeklärtheit eines 38-jährigen Routiniers an. «Wir gehen ohne Druck in die Serie gegen Zürich. Aber mit dem Willen, alles zu geben.»

Die Aufgabe für die Zürcher ist delikat und das genaue Gegenteil: Sie können nur verlieren, alles andere als ein klarer Halbfinal-Einzug wäre blamabel. Gegen Lausanne waren die vier Spiele in der Qualifikation aber immer eng. Zuhause gewann der ZSC 3:1 und 4:2, im eigenen Stadion setzte sich zwei Mal Lausanne durch (4:3 n.P. und 2:1).

Droht dem ZSC ein Déjà-vu? 2009 schied er als Champions-League-Sieger und haushoher Favorit sang- und klanglos gegen Fribourg aus. Doch mit Prognosen sollte man bekanntlich vorsichtig sein.

Mehr Eishockey auf watson

04.03.2014; Fribourg; Eishockey NLA - HC Fribourg-Gotteron - Lausanne HC;
Torhueter Cristobal Huet (Lausanne) jubelt mit den Mitspieler und Fans (Sandro Stutz/freshfocus)

Huet und Lausanne am Boden – aber bloss, um mit der Fankurve zu feiern. Als Dessert einer erfolgreichen Saison folgen nun mindestens vier Playoff-Spiele. Bild: Sandro Stutz

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Ambri und die Valascia – des Eismeisters Abschied von der steinernen Seele unseres Hockeys

Nach dieser Saison wird mit der Valascia ein Kraftort des Schweizer Eishockeys für immer von der Landkarte verschwinden. Ein letzter Rundgang durchs mythischste Stadion unseres Hockeys.

Beginnen wir unsere letzte Geschichte über die Valascia mit ein wenig Pathos. Gustave Flaubert ist ein französischer Dichter aus dem 19. Jahrhundert. Er hat einmal geschrieben: «Es gibt Orte auf der Welt, die so schön sind, dass man sie an sein Herz pressen möchte.» Wäre er ein Hockey-Chronist gewesen, dann hätte er mit diesem Satz die Valascia gemeint.

Soweit die Romantik. Aber Polemik gehört auch dazu. Es gibt ein Buch über Ambri, zusammengestellt von Ruedi Ingold. Darin gibt es eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel