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General view at the ice rink during the game between Switzerland’s Geneve Servette HC and Russia’s HC Salavat Yulaev Ufa at the 88th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Friday, December 26, 2014. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Neun von den ersten zehn Spengler-Cup-Partien in Davos waren restlos ausverkauft. Bild: KEYSTONE

NLA vs. KHL

Eismeister Zaugg

Durch Zufall gefunden: Die Spengler-Cup-Zauberformel fürs 21. Jahrhundert

Der Spengler Cup 2014 hat uns vorzügliche Unterhaltung und hochklassigen Sport beschert. Das Turnier ist vitaler, interessanter, spektakulärer denn je. Auch dank den drei KHL-Teams.



Da schreibt einer Geschichte, findet eine Zauberformel und merkt es gar nicht. Spengler-Cup-General Fredi Pargätzi sagt, er habe nicht beabsichtigt, gleich drei KHL-Teams zum Turnier einzuladen. Das habe sich zufälligerweise so ergeben. 

Aber gerade dieser Zufall gibt dem Spengler Cup 2014 eine historische Dimension und eine neue Zauberformel. Carl Spengler hat nämlich 1923 dieses Turnier kreiert, um nach dem 1. Weltkrieg etwas für die Versöhnung der Völker zu tun. Die Spannungen zwischen Russland und Europa sind 2014 so gross wie nie in diesem Jahrhundert. Und nun liefert uns der Spengler Cup ein Beispiel, dass es sehr wohl eine friedliche Zusammenarbeit mit Wladimir Putins Russland geben kann.

Spectators wait for entry before the game between Switzerland’s Geneve Servette HC and Russia’s HC Salavat Yulaev Ufa at the 88th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Friday, December 26, 2014. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Der Spengler Cup ist beliebt wie eh und je: Tausende Eishockey-Fans pilgern dafür zwischen Weihnachten und Silvester nach Davos. Bild: KEYSTONE

Das mag nun alles ein bisschen gar salbungsvoll oder gar politisch unkorrekt klingen. Aber der Spengler Cup ist eben viel mehr als Sport. Die Kritik, das Turnier sei doch längst eine «Chilbi», ist keine Kritik, sondern ein grosses Kompliment. Wer will, kann ja durchaus profunde fachtechnisch-sportliche und taktische Analysen machen. Doch der Spengler Cup hat sich inzwischen vom Sport losgelöst. Ist also mehr als Sport. 

Was Puritaner abschätzig eine «Chilbi» nennen, ist nämlich das, was die Werbestrategen des 21. Jahrhunderts schwärmen lässt: Ein Sportanlass, der sich zum kulturellen Ereignis weiterentwickelt hat, funktioniert, ja rockt und rollt. Inzwischen fast unabhängig davon, wer verliert und siegt. Neun der ersten zehn Spiele waren ausverkauft.

Sollen im nächsten Jahr wieder drei KHL-Teams am Spengler Cup teilnehmen?

Die Unfassbare Dummheit der Unterländer

Die Manager im Unterland sollten nicht mit dem Hinweis auf spielerische Qualität und Taktik über den Spengler Cup schnöden. Sie sollten sich die Hände reiben. In jedem Hockeyland der Welt – Kanada eingeschlossen – würden Millionen für eine Werbeplattform mit der Qualität und der TV-Präsenz des Spengler Cups investiert. Mit keinem anderen Anlass findet das Eishockey in der Schweiz so viele Kontakte über die am Eishockey sowieso interessierten Kreise hinaus.

Es ist eine schier unfassbare Dummheit, dass die Verbandsführung (weil jetzt Feiertage sind, wollen wir nicht so boshaft sein und Namen nennen) den HC Davos verraten und es zugelassen hat, dass nun die Davoser jedes Jahr die Nationalliga-Klubs im Unterland für die Spengler-Cup-Pause mit 800'000 Franken entschädigen müssen. Eigentlich sollten die Klubs im Unterland jedes Jahr 800'000 Franken nach Davos überweisen, um den Spengler Cup zu hegen und zu pflegen.

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Maskottchen Hitsch kann zurücklehnen: Alles läuft in Davos nach Plan. Bild: EPA/KEYSTONE

Der Spengler Cup bringt mehr als 70'000 Menschen dazu, nach Davos hinauf zu fahren, um Eishockeyspiele zu sehen. Im Winter, auch bei Schneefall, bei schlechten Strassenverhältnissen. Der Spengler Cup erreicht mit jedem Spiel in der Schweiz und in Nordamerika über eine Million TV-Zuschauer. Dass dies eine wunderbare Sache ist, sehen wir an der jämmerlichen Champions Hockey League. Ein bereits im Ansatz gescheiterter, stümperhafter Versuch der Klubs, im 21. Jahrhundert einen internationalen Wettbewerb zu kreieren.

Ost gegen West, gut gegen böse

So wie das Schiesspulver, LSD und Amerika eigentlich aus Zufall erfunden beziehungsweise entdeckt worden sind (Kolumbus wollte nach Indien, nicht nach Amerika), so hat Fredi Pargätzi aus Zufall die sportliche, politische und wirtschaftliche Spengler-Cup-Zauberformel fürs 21. Jahrhundert gefunden.

Davos' goalkeeper Leonardo Genoni, left, fights for the puck against Ufa's Teemu Hartikainen during the game between Switzerland's HC Davos and Russia's HC Salavat Yulaev Ufa in the semi final game at the 88th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Tuesday, December 30, 2014. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Salawat Ufa hat am Spengler Cup für viel Spektakel gesorgt. Bild: KEYSTONE

Drei Teams aus der grossrussischen KHL, drei Teams mit Spielern aus der NLA (Team Canada besteht ja grösstenteils aus NLA-Kanadiern). Ost gegen West. Gut gegen Böse. Die Faszination Russlands, die weit über das Eishockey hinaus geht, die Popularität der Kanadier und des HC Davos in einem einzigen Turnier. Es ist die Zauberformel, die dem Spengler Cup im 21. Jahrhundert auf Jahre hinaus die sportliche, politische und wirtschaftliche Bedeutung sichert.  

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