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Die «Helvetics» wird es nach dem Machtwechsel in der KHL wohl nie geben. Bild: helveticshockey.ch

Vom Westen profitieren statt investieren

Die neue grossrussische Hockey-Strategie – Servette statt die «Helvetics»?

Die grossrussische Liga KHL hat eine neue Führung und ändert ihre Expansionsstrategie. Das dürfte das Ende für Markus Bösigers «Helvetics» sein – und bringt Servette ins Spiel.

klaus zaugg, Toronto

Hin und wieder vernehmen wir auf einem anderen Kontinent Neuigkeiten, die Einfluss auf das Geschehen vor der eigenen Haustüre haben. Mein alter russischer Freund Igor hat mir soeben in Toronto während eines feinen Essens die neue Strategie der KHL erklärt. Er war der Meinung, das sei interessant für mich. Was durchaus richtig ist. Die Dinge sind im Fluss, vieles ändert sich. In einer globalisierten Welt haben manchmal Entscheidungen in Moskau Einfluss auf das, was in Langenthal oder Genf passiert.

KHL? Richtig, das ist die inzwischen multinationale grossrussische Liga. Markus Bösiger hat mit seinen Plänen eines KHL-Teams («Helvetics») in der Schweiz nationale Schlagzeilen gemacht. Aber ein spektakulärer Wechsel an der Spitze der KHL bringt einen Strategiewechsel der zweitwichtigsten Hockey-Liga der Welt. Die KHL ändert ihre Expansionspläne.

Russian President Vladimir Putin, centre, meets with former KHL President Alexander Medvedev, right, and KHL newly appointed President Dmitry Chernyshenko in the Bocharov Ruchei residence in Sochi, Russia, Friday, Nov. 28, 2014. (AP Photo/RIA-Novosti, Alexei Druzhinin, Presidential Press Service)

Alte und neue KHL-Führung: Wladimir Putin mit Dmitri Tschernyschenko (l.) und Alexander Medwedew (r.).  Bild: AP RIA Novosti Kremlin

Fast unbemerkt vom Westen hat die Kontinental Hockey League (KHL) die Führung ausgewechselt. Seit dem 27. November amtiert Dmitri Tschernyschenko als neuer Präsident. Er war OK-Chef der Olympischen Winterspiele in Sotschi und ersetzt nach sechsjähriger Amtszeit das KHL-Gründungsmitglied Alexander Medwedew. Unter Medwedews Führung ist das Projekt «Helvetics» aufgegleist worden.

Der zweite starke Mann der KHL ist neu Gennadi Timtschenko als Vorstandsvorsitzender. Er hat seit 2002 einen Wohnsitz in Genf (wo er pauschal besteuert wird) und sein Vermögen wird auf rund 14 Milliarden Franken geschätzt. Er ist Präsident von SKA St. Petersburg und mit Servette-Präsident Hugh Quennec befreundet und auch Sponsor des NLA-Klubs.

KHL mit wirtschaftlichen Problemen

Der unerwartete Führungswechsel ist das Resultat eines Machtkampfes über die Ausrichtung einer multinationalen Liga, die mittlerweile 28 Teams in sieben Ländern (Russland, Finnland, Lettland, Kroatien, Kasachstan, Weissrussland, Slowakei) umfasst.

Wirtschaftlich ist die zweitwichtigste Liga der Welt nach der nordamerikanischen NHL nach wie vor fragil. Die Klubs leben grösstenteils von Mäzenen. Sie können bei weitem nicht genug Geld erwirtschaften, um den Spielbetrieb zu finanzieren. Der KHL fehlt der Zugriff auf die lukrativen westlichen TV- und Werbe-Märkte. Die Ticketpreise müssen den lokalen wirtschaftlichen Verhältnissen angepasst werden. Inzwischen beeinträchtigen die politischen Spannungen (Wirtschafts-Sanktionen) die Geschäftstätigkeit einiger Klubbesitzer. Der Westen ist für die Oligarchen kein sicheres Territorium mehr.

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Die Hockey-Arena von Medveščak Zagreb. bild: getty images europe

Alexander Medwedew hatte die Expansion der KHL mit neuen Teams in neue westliche Märkte vorangetrieben. Diese Strategie ist nicht richtig aufgegangen. Klubs in Poprad und Prag (Tsch) gingen in Konkurs, andere Projekte wie Markus Bösigers «Helvetics» in der Schweiz, Teams in Italien (Mailand) und in Deutschland sind trotz offizieller Partnerschaft nicht aus den Startlöchern gekommen. Gleichzeitig mussten traditionsreiche Teams daheim in Russland wegen wirtschaftlichen Schwierigkeiten aus der KHL aussteigen.

Die neue Strategie

Die neue Führung hat eine andere Strategie. Sie will erst einmal Russland, das Kernland der KHL stärken und die traditionellen russischen Klubs wieder in die KHL bringen. Im Westen setzt sie auf bereits bestehende, starke, traditionelle Hockeyunternehmen aus Skandinavien und Mitteleuropa, die nicht der Subventionierung durch die KHL bedürfen. Aber genau das wäre die Voraussetzung für das Gelingen des Projekts «Helvetics» gewesen.

Die 28 KHL-Teams der Saison 2014/15

KHL teams

Bild: imgur

Gennadi Timtschenko war bereits die treibende Kraft des Wechsels von Jokerit Helsinki in die KHL. Jokerit ist der «SCB Finnlands» und der erste Klub in der KHL aus einem Land, das nicht zum ehemaligen Ostblock gehörte. Die Teilnahme mit drei Klubs am Spengler Cup (Jokerit, Ufa, Zagreb) passt in die neue KHL-Strategie (vom Westen profitieren statt investieren). Die KHL bekommt im Westen kostenlos einen Werbeauftritt, der bis nach Nordamerika ausstrahlt.

Die neue KHL-Führung arbeitet inzwischen intensiv an einer Expansion nach Osten. Dort soll Geld investiert werden. Die möglichen neuen Märkte sind China, Südkorea (wo 2018 die Olympischen Winterspiele stattfinden) und Japan. Es gibt erst rund 500 lizenzierte Eishockeyspieler in China. Bei über einer Milliarde Chinesen also ein grosses Entwicklungspotenzial.

Wird Servette lieber in der KHL nie Meister?

Die KHL führt inzwischen intensive Gespräche mit dem chinesischen Hockeyverband: Es geht auch um eine Expansion der multinationalen Nachwuchsliga MHL nach Asien. Die 2009 von der KHL und dem russischen Verband gegründete MHL (Molodjoschnaja Chokkeinaja Liga) ist die grösste Juniorenliga (für 17- bis 20-Jährige) der Welt mit mehr als 1000 Spielern und umfasst 39 Teams aus Russland, Österreich (Salzburg), Weissrussland, Tschechien, Kasachstan und Lettland.

Eine Ausdehnung nach China könnte der erste Schritt sein, um den grössten Markt der Welt fürs Eishockey zu erschliessen. Da helfen die guten Beziehungen von Gennadi Timtschenko. Eine seiner Firmen (Volga Group) ist mit Pipeline-Projekten von Sibirien nach China beschäftigt.

Geneve-Servette's Head coach Chris McSorley speaks to his players, during the game of National League A (NLA) Swiss Championship between Geneve-Servette HC and Lausanne HC, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, September 30, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Muss Chris McSorley seine Mannen bald auf die KHL einschwören? Bild: KEYSTONE

Die politischen Spannungen führen dazu, dass sich Russland wieder vermehrt auf der Suche nach neuen Partnern und Märkten nach Osten wendet – und damit ist Markus Bösiger letztlich so etwas wie ein Opfer der weltpolitischen Entwicklung. Das «Aus» für seine «Helvetics»? Ja, mit ziemlicher Sicherheit.

Wir könnten aus dem Fragezeichen eigentlich ein Ausrufezeichen machen. Die Neuausrichtung der KHL-Strategie belebt aber auch die Gerüchte, eines Tages könne Gennadi Timtschenkos lieber Freund Hugh Quennec Servette in die KHL überführen. Es wäre attraktiver, in der KHL statt in der NLA nie Meister zu werden.



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    Alle Leser-Kommentare
  • Darkside 08.12.2014 23:28
    Highlight Highlight Die KHL in der Schweiz etablieren ist praktisch unmöglich. Dazu müssten zuallererst die Spiele umfassend im Free TV übertragen werden. Und zwar nicht nur die des Schweizer Teams. Ganz ehrlich, wer kann mehr als 10 KHL Spieler aus dem Stand nennen? Oder gar nur 10 russische Spieler? Noch schwieriger, 10 Teams? Die Meisten kennen doch von den 28 Teams nur die, die mal am Davoser Grümpi gespielt haben. Für die allermeisten CH Hockeyfans ist das eine Liga mit diversen Teams von denen sie nicht mal den Namen aussprechen können und hunderten komplett unbekannten Spielern und ein paar russischen Superstars (wie kovalchuk oder Radulov) und ein paar Europäern wie Omark oder Kapanen die man aus der NHL kennt oder weil sie mal in der CH oder an einer WM gespielt haben. Wen interessiert das? Für wie viele Sponsoren und Geldgeber ist das attraktiv? Die KHL hat zudem nicht den Glanz der grossen NHL, ist quasi 'unsexy', obwohl viele auch in NA nur ein paar Superstars kennen. Aber man kennt die Teams, man hat eine gewisse Berichterstattung in den Mainstream-Medien weil mittlerweile 11 Schweizer dort mehr oder weniger regelmässige Auftritte haben und die NHL hat eine gewaltige Tradition im Eishockey. Meine Meinung: Die KHL in der Schweiz bei den Fans zu etablieren ist eine Utopie die nur zum Scheitern verurteilt sein kann.
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    • Amboss 09.12.2014 11:47
      Highlight Highlight @Darkside: Eishockey findet innerhalb der nationalen Grenzen statt. Die KHL oder andere europäische Ligen werden kaum verfolgt. Aber wenn Servette da spielen würde und das CH-Fernsehen mindestens Spielzusammenfassungen im Sport aktuell zeigt, dann könnte sich doch eine Dynamik ergeben, dass immer mehr Leute die KHL verfolgen. Und wenn gutes Hockey geboten wird, besuchen die Leute doch auch das Station; auch gegen klingende Namen wie Neftekhimik Nizhnekamsk :)

      Aber ich gebe ihnen recht: Die top attraktive NLA Richtung KHL zu verlassen ist ein Wagnis, welches auch schiefgehen kann.



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  • Amboss 08.12.2014 18:22
    Highlight Highlight Ich fände es super, wenn ein Schweizer Vertreter in der zweitbesten Liga der Welt mittun würde.
    Der Qualität der schweizer Hockeys würde dies sehr gut tun.
    Ein Wagnis ist es aber dennoch. Vermutlich ist die NLA einfach zu attraktiv, als dass sich ein Verein aufs KHL-Wagnis einlässt.
    Die nicht-russischen Vereine aus Bratislava, Zagreb, Minsk, Riga sind in ihrem Land fünf, sechs Nummern grösser als alle anderen Vereine, die KHL ist da eine echte Perspektive.
    Servette muss einen sehr sicheren Hafen verlassen.

    Dennoch: Mach es, Chris!!! Wenn nicht du, dann macht es keiner
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  • Zwingli 08.12.2014 12:22
    Highlight Highlight eventuell kann die KHL auch den Modus so ändern, damit Langnau in die KHL aufsteigen kann.
    46 5 Melden
  • Pascal Mona 08.12.2014 11:58
    Highlight Highlight Obwohl ich die KHL nicht im Detail kenne, bin ich nicht so überzeugt vom letzten Satz. Ich glaube kaum (zumindest vorerst nicht) das die KHL attraktiver für Servette ist als die "NLA". Hier lebt Eishockey vorallem von Rivalitäten/Derby's, das ein Spiel Servette gegen Mytishi oder Cherepovets das grosse Zuschauerinteresse weckt, darf doch bezweifelt werden; wodurch nebst Zuschauereinnahmen wohl auch Sponsoren verschwinden werden. Ich glaube nicht, dass die KHL bei uns ohne sehr finanzstarken Mäzen funktioniert. Gibt es Zuschauerzahlen von Jokerit diese Saison? Habe nichts gefunden.
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