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09.11.2019, Nordrhein-Westfalen, Krefeld: Eishockey: Deutschland Cup, Deutschland - Schweiz, 2. Spieltag in der Yayla-Arena. Die Schweizer Luca Fazzini (r) und Pius Suter (l) freuen sich nach dem 3:3. Foto: Marcel Kusch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bild: dpa

Eismeister Zaugg

Ein grosser Sieg gegen Deutschland und doppelt so gut wie vor 10 Jahren

Eishockey ist, wenn gegen Deutschland doch die Schweiz gewinnt. Eine halbe Sekunde vor Schluss der Verlängerung trifft Pius Suter gegen Deutschland zum 4:3. Und doch hat er seinen Platz im WM-Team nicht garantiert.

Klaus zaugg, krefeld



Der Anfang vom Ende kommt, als sich die Deutschen als Sieger fühlen. Deutschland führt 3:2 und das Spiel dauert noch gut sieben Minuten. Zum ersten Mal folgt die Aufforderung: «Steht auf, wenn ihr Deutsche seid….»

Die Zuschauerinnen und Zuschauer auf den Sitzplätzen erheben sich. Jubel braust durch die fast volle Arena. Deutschland auf dem Weg zum Sieg.

Und dann ist es, als habe jemand den Stecker gezogen. Luca Fazzini trifft zum 3:3 (53.). Die Leute setzen sich wieder. Der Lärm ebbt ab. Es war ein Puck ins Herz der Deutschen, der Spieler und der Zuschauerinnen und Zuschauer. Natürlich werden die Deutschen weiterkämpfen. Wie immer. Aber die Wucht, das Momentum, die Dominanz sind weg.

In der allerletzten Szene des Dramas bekommt Pius Suter noch einmal eine Chance und trifft eine halbe Sekunde vor Schluss zum 4:3. «Ich wusste gar nicht, wie knapp die Zeit war» wird er hinterher sagen. Es ist sein zweiter Treffer und dritter Skorerpunkt in diesem Spiel. Er hatte bei allen Toren den Stock im Spiel. Aber der Assist zum 1:1 wird ihm später nicht gut geschrieben.

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Die Highlights des Overtime-Siegs gegen Deutschland. Video: YouTube/MySports

Der Sieg gegen Deutschland «nur» ein Trostpreis

Ein grosser Sieg gegen Deutschland eine halbe Sekunde vor Schluss ist ein Trostpreis für das «Aus» bei der WM. Als Kanada 0,4 Sekunden vor Spielende der Ausgleich gelingt und das Viertelfinale in der Verlängerung verloren geht. «Aber ein Sieg gegen die Kanadier wäre mir lieber gewesen» sagt Nationaltrainer Patrick Fischer.

Auch wenn ein Sieg beim Deutschland Cup gegen Deutschland (mit drei Spieler aus dem Olympia-Finalteam) im Vergleich zum Scheitern bei der WM eben doch «nur» ein Trostpreis ist – es war hockeytechnisch fast ein gefühlter Lottotreffer. Eishockey ist inzwischen, wenn die Schweiz gegen Deutschland doch gewinnt. Vor einem Jahr beim gleichen Anlass am gleichen Ort gewannen die Schweizer 4:3 nach Penaltys.

Patrick Fischer, Schweizer Eishockey Head Coach orientiert an einer Medienkonferenz in Zuerich am Donnerstag, 24. Oktober 2019 ueber die Vetragsverlaengerung.  (KEYSTONE/Walter Bieri)

Nati-Trainer Patrick Fischer wäre ein Sieg gegen Kanada lieber gewesen. Bild: KEYSTONE

Welch ein Unterschied zu den Auftritten der November-Spielen in den turbulenten Jahren nach Ralph Krueger bis zur «Ära Fischer» (2009 bis 2015). Da hatten die Auftritte der Schweizer oft etwas Operettenhaftes, Improvisiertes, Ratloses, Zufälliges. Mit der bestmöglichen Mannschaft traten wir auch früher nie an. Aber eine klare spielerische und taktische Linie war eher selten erkennbar.

Das hat sich geändert. Die Schweizer brachten bei diesem 4:3 nach Verlängerung eine nahezu perfekte Mischung aus Leidenschaft und spielerischer Schlauheit, Improvisation und Organisation. Patrick Fischer sagt, das Ziel sei es, auch unter Druck etwas zu kreieren. Und tatsächlich: in keiner Phase haben die Schweizer die Linie verloren, auch unter Druck standen sie auf den Zehenspitzen und konterten blitzschnell. Dieses 4:3 war nicht nur spektakulär. Der Sieg war auch das Produkt einer reifen taktischen Leistung und einer erstaunlichen Kaltblütigkeit: vier Tore aus verhältnismässig wenig Chancen. Haben wir je aus so wenig Chancen gegen Deutschland so viel herausgeholt? Wahrscheinlich nicht. Eigentlich ist die Schwäche der Schweizer ja, aus verhältnismässig vielen Chancen wenig zu machen.

Kein einziger Spieler hat seinen Platz im WM-Team auf sicher

Noah Rod ist der einzige Spieler aus dem letzten WM-Team. Seit Patrick Fischer die Nationalmannschaft übernommen hat, sind immer mindestens vier Spieler am Ende der Saison zur WM gefahren, die zum Deutschland Cup aufgeboten worden sind.

09.11.2019, Nordrhein-Westfalen, Krefeld: Eishockey: Deutschland Cup, Deutschland - Schweiz, 2. Spieltag in der Yayla-Arena. Deutschlands Colin Ugbekile (l) kämpft mit dem Schweizer Noah Rod um den Puck. Foto: Marcel Kusch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Noah Rod im Zweikampf mit Deutschlands Ugbekile. Bild: dpa

Noch vor 10 Jahren wären mindestens die Hälfte dieser «Deutschland-Cup-Helden» WM-Fixstarter gewesen. Beispielsweise das Verteidigerpaar Andrea Glauser/Yannick Rathgeb. Pius Suter (2 Tore, 1 Assist) wäre jetzt schon als WM-Schlüsselspieler gefeiert worden. Und warum nicht gleich mit den Linien Alessio Bertaggia/ Marco Müller/Dario Simion und Noah Rod/Jason Fuchs/Luca Fazzini zur WM?

Inzwischen sind wir doppelt so gut wie vor zehn Jahren. Nicht ein einziger dieser Sieger über Deutschland hat seinen Platz im WM-Team auf sicher. Wenn alle in der NHL engagierten Schweizer zur WM kommen können, wenn wir die WM-Kandidaten aus unserer Liga dazu zählen, die jetzt nicht aufgeboten worden sind und wenn wir schliesslich noch KHL-Stürmer Sven Andrighetto berücksichtigen – dann gibt es höchstens noch zwei oder drei Plätze für die «Helden von Krefeld.»

Fischer will vier offensiv kreative Linien

Offen sind primär Plätze im vierten Sturm. Also eher defensivhandwerklich starke Spieler und nicht Skorer und Läufer. Patrick Fischer sagt, in der Vergangenheit habe man tatsächlich beim WM-Aufgebot bei zwei Blöcken auf eine eher defensive Ausrichtung geachtet. Doch das Ziel seien vier Formationen, die offensiv kreativ sein können.

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Das sagt Pius Suter nach dem Spiel. Video: YouTube/MySports

Wenn es also nicht mehr so ist, dass die letzten Plätze im WM Team primär an «defensive Handwerker» vergeben werden, dann ist es denkbar, dass einer wie Pius Suter im WM-Team im vierten Sturm eingesetzt wird. Einer, der mit zwei Toren und einem Assist der offensive Leitwolf bei einem grossen Sieg über Deutschland war, im nächsten Frühjahr im WM-Team im vierten Block – wahrlich, das sind gute Perspektiven für die Heim-WM.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Der müde Joe 10.11.2019 07:53
    Highlight Highlight Was mir sehr positiv aufgefallen ist, ist dass unsere Eisgenossen, nach dem Doppelschlag, völlig cool geblieben sind.
    Noch vor wenigen Jahren, wäre man der Panik zerfallen.

    Auch das Duo Fuchs/Fazzini hat mir sehr gefallen.

    Jetzt kommt noch Russland, der richtige Härtetest. Da wird sich zeigen, wie weit unsere Jungen schon sind.
  • Beat-Galli 10.11.2019 04:55
    Highlight Highlight Offensiv ist toll.
    Aber früher hiess es: Mit einer guten Offensive gewinnst du Spiele. Mit der Defensive Meistertitel😎
  • M.Corleone 09.11.2019 21:12
    Highlight Highlight "Fischer will vier offensiv kreative Linien"
    Bin am FLA@NYI schauen. Malgin ist wiedermal einer der kreativsten und besten Offensivspieler auf dem Feld.
    Wäre schön Fischi spräche vor der WM nochmals mit Malgin.
    • Adrian Buergler 09.11.2019 21:14
      Highlight Highlight Vor allem scheibensicher. Wenn der Junge mal den Puck hat, gibt er ihn kaum mehr her – ausser natürlich er spielt den Pass.
    • manolo 10.11.2019 09:15
      Highlight Highlight hört auf Malgin zu fordern! Fischer bleibt seiner Linie treu. Malgin kann sich nächste Saison ja wieder aufdrängen!
  • zeusli 09.11.2019 20:45
    Highlight Highlight Vier erste Blöcke ?
    • beaetel 09.11.2019 21:01
      Highlight Highlight Nein. Vier offensive Blöcke.

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