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Eismeister Zaugg

Eismeister Zaugg: Weshalb Berra Fribourg endlich zum Meister machen kann

Torhueter Reto Berra (HCFG) im vierten Playoff-Viertelfinalspiel der National League zwischen den Rapperswil-Jona Lakers (SCRJ) und dem HC Fribourg-Gotteron (HCFG), am Donnerstag, 26. Maerz 2026, in d ...
Reto Berra will sich mit dem historischen Meistertitel aus Fribourg verabschieden.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Nur Reto Berra kann die HCD-Magie brechen

Endlich Drama auf dem Eis. Nach einem historischen Sieg in Davos (3:2) geht es auch um diese zwei Fragen: Wird Sandro Aeschlimann zum Dino Stecher der Berge?
19.04.2026, 05:1119.04.2026, 08:34

Zerbricht die HCD-Magie? Dino Stecher der Berge? Dino Stecher war einer der besten Torhüter seiner Zeit und doch nie die Nummer 1 im Nationalteam. Aber auch der Sündenbock für Gottérons drei Finalniederlagen von 1992, 1993 und 1994. Er war mental zu zerbrechlich.

Sandro Aeschlimann ist einer der besten Torhüter unserer Zeit, war aber noch nie die Nummer 1 im Nationalteam. Ein wichtiger Faktor bei der HCD-Renaissance. Einer der wichtigsten Einzelspieler, der den ersten Final seit 2015 ermöglicht hat. Aber noch ist er kein Meistergoalie. In den wichtigen Phasen des Viertelfinals gegen Zug und vor allem im Halbfinal gegen die ZSC Lions hat er mehrmals die «Meisterprüfung» bestanden. Aber die wahre «Meisterprüfung» beginnt jetzt. Die erste hat er soeben nicht bestanden. Hat er beim Finalauftakt einen «Haltbaren» zugelassen? Nein. Aber zwei der drei Treffer hätte Reto Berra wahrscheinlich nicht kassiert.

Torhueter Sandro Aeschlimann (HCD) reagiert nach dem Tor zum 2:1 enttaeuscht bei dem Spiel 2 des Playoff Halbfinal der Eishockey National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos am Montag, 6. A ...
Sandro Aeschlimann will 2026 den Schritt zum Meistergoalie machen.Bild: keystone

Welche Bedeutung hat die HCD-Magie? Diese Saison gilt ein Grundsatz: Eishockey ist, wenn am Ende doch der HCD gewinnt. Erfolg produziert Erfolg und im Laufe der letzten Monate ist bei den Davosern das zarte Pflänzchen des Selbstvertrauens zu einer Bergarve der Zuversicht gewachsen. Die Bergarve ist der «Wächterbaum» der Berge, wächst langsam, aber unaufhaltsam, steht für Widerstandsfähigkeit und Unzerstörbarkeit und übersteht alle Stürme.

Genau so ist das HCD-Selbstvertrauen zur HCD-Magie geworden. Zu einer tiefen Überzeugung, dass es am Ende eben doch reichen wird. So sind viele Spiele während der Qualifikation gewonnen worden und wunderbar zeigte sich diese HCD-Magie in den Playoffs. Zug war im ersten Viertelfinal-Spiel in Davos ganz, ganz nahe am Sieg. Aber die Davoser machten in den letzten gut sechs Minuten aus einem 1:3 ein 4:3.

Die ZSC Lions holten im ersten Halbfinalspiel einen 0:2-Rückstand auf. Aber der HCD machte daraus im Schlussdrittel in restlos überzeugender Art und Weise gegen den Doppelmeister, dem es auch nicht an Selbstvertrauen gebricht, ein 4:2. Und im letzten Halbfinalspiel gab es keine Zweifel, wer die Verlängerung gewinnen würde. Nach 65 Sekunden beendete Brendan Lemieux die Saison der Zürcher mit dem 2:1.

Und nun dieser historische Auftakt. Historisch? Ja. Bei der 5. Finalteilnahme hat Gottéron zum ersten Mal überhaupt das erste Finalspiel gewonnen. Der Blick zurück zeigt die geschichtliche Bedeutung.

  • 1992: 3:4 gegen den SCB (h)
  • 1993: 3:4 gegen Kloten (a)
  • 1994: 4:5 gegen Kloten (h)
  • 2013: 1:4 gegen den SCB (h)

Nun hat Gottéron beim fünften Anlauf das erste Finalspiel gewonnen – und erst noch auswärts. Bisher musste Gottéron gleich beim Finalauftakt die Segel wieder einrollen. Nun sind beim Finalauftakt die Segel gesetzt worden. Der Rückenwind der Zuversicht bläht sie zumindest bis zum zweiten Spiel am Montag.

Gottéron hat die Gunst der Stunde genutzt. Der unbedingt erforderliche Auswärtssieg gelingt einem «Unterdog» in der Regel am ehesten im ersten Spiel. Nun bringen drei Heimsiege den ersten Titel der Geschichte. Was für eine Ausgangslage! Ein wahres Drama hat begonnen.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Das Schnattern der Experten mit ihrem statistischen Kram können wir vergessen. Dieser Final wird in allererster Linie in den Köpfen der Spieler entschieden. Selbstvertrauen und Zweifel sind Faktoren, die in keiner Statistik erfasst werden. Die nun aber die Differenz machen. Weil keines der beiden Teams mit rein spielerischen und taktischen Mitteln die Entscheidung herbeiführen kann. Weckt diese Niederlage die Dämonen des Zweifels oder schütteln die Davoser das Missgeschick aus ihren Gedanken wie ein Hund das Wasser aus dem Fell? Time will tell.

Keines der beiden Teams lässt sich einschüchtern. Und die Provokation ist ein Spiel mit dem Feuer, das leicht dazu führen kann, dass die eigenen Spieler die Nerven verlieren. Bleibt Gottéron im eigenen Stadion cool? Nie zuvor waren die Erwartungen so gross, war der Pegelstand der Emotionen so hoch wie nun am Montag beim ersten Finalheimspiel. Wenn das Jahrmarktstreiben rund um das Team zu gross wird, wenn sich die Spieler nicht in den Tunnel der totalen Konzentration zurückziehen können, dann wird aus einem vermeintlichen Heimvorteil ein Heimnachteil. Ja, eine Heimhypothek. Wer sich ablenken lässt, verliert.

Julien Sprunger (HCFG), left, and goaltender Reto Berra (HCFG), right, celebrate their victory after defeating Geneve-Servette HC, GSHC, after the fifth leg of the National League semifinal playoff ga ...
Julien Sprunger und Reto Berra jubeln nach dem Finaleinzug im heimischen Stadion gegen Genf.Bild: keystone

Und nun kommen wir zum Punkt, der dieses Drama mit ziemlicher Sicherheit entscheiden wird. Am Ende aller Analysen steht immer der Torhüter. Das war, ist und bleibt bis in alle Ewigkeit so. Gottéron ist auf einer Mission und hat zum ersten Mal im Final den besten Torhüter der Liga als Rückhalt. Nie war Reto Berra besser als heute. Die Mischung stimmt: Erfahrung, Talent, Selbstvertrauen und Wehrhaftigkeit. 194 Zentimeter gross, knapp 100 Kilo schwer. Er würde auch als Abräumer in der Verteidigung gute Figur machen.

Kein anderer Goalie ist so dominant und kann sich rund um sein Gehäuse so viel Respekt verschaffen wie er. Ein entscheidender Faktor gegen die Davoser, das nun mit bissigstem und zähestem Forechecking versuchen werden, Gottérons Spiel bereits tief in der gegnerischen Zone an der Wurzel zu packen. Sozusagen eine taktische Wurzelbehandlung. Nur so kann der HCD Gottéron letztlich besiegen.

Wird es ein taktisches Schachspiel, dann wird Gottéron triumphieren. Reto Beras Körpersprache im ersten Spiel war die eines Triumphators. Was ihm hilft: Noch nie war Gottérons Spiel in einem Final so gut strukturiert. Sandro Aeschlimanns Körpersprache war im ersten Finalspiel die des Zweifels. Das darf nicht so bleiben. Der HCD ist noch immer Favorit. Aber Reto Berra kann dafür sorgen, dass der Favorit gestürzt wird. Alles hängt von ihm ab. So einfach ist es.

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HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
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