Fall Patrick Fischer: SRF-Chefredaktion steht hinter Reporter
Bei einem Gespräch am Mittagstisch hat mittlerweile Ex-Naticoach Patrick Fischer gegenüber dem SRF-Journalisten Pascal Schmitz erklärt, dass er 2022 ein gefälschtes Covid-Zertifikat gekauft hatte. Daraufhin begann der Reporter und Moderator zu recherchieren. Noch bevor ein enthüllender Bericht veröffentlicht wurde, ergriff Fischer selbst die Initiative und beichtete öffentlich. Schnell wurde jedoch klar, dass er dies wegen des medialen Drucks gemacht hatte.
Schmitz wurde daraufhin besonders aus Kreisen von Covid-Massnahmenkritikern heftig angefeindet. Auf Social Media wurde er beleidigt, bei SRF gingen rund 170 Meldungen ein, wie das Branchenportal «Persönlich» berichtete. Schmitz erklärte daraufhin sein Vorgehen. Es habe sich nicht um ein Off-the-Record-Gespräch gehandelt und man hätte sich mitschuldig gemacht, hätte man geschwiegen.
Chefredaktion steht hinter Schmitz
Nun äussert sich auch die Chefredaktion von SRF. Der stellvertretende Chefredaktor Gregor Meier erklärt in einem Post auf Linkedin: «Dass SRF-Reporter Pascal Schmitz jetzt zum Sündenbock gemacht wird, ist nicht akzeptabel.» Schmitz habe sich professionell verhalten und seinen Job als Journalist gemacht. Der Entscheid, den Fall publik zu machen, habe man gemeinsam getroffen. «Und zwar, weil es nicht ein vertrauliches Off-the-record-Gespräch war. Weil wir als Mitwisser mit einer Nicht-Publikation gegen unsere journalistischen Standards verstossen hätten. Und weil das öffentliche Interesse zweifellos gegeben war.»
Das hätten auch die Reaktionen der Sportverbände und der Medien gezeigt. «Ein Journalist, der die Wahrheit ans Licht bringt, ist nicht ein Verräter und nicht ein Denunziant. Sondern einer, der seinen Job richtig macht», erklärt Meier.
Auch für Dominique Strebel, Medienethiker und Chefredaktor vom «Beobachter», lief alles mit rechten Dingen. «Das Mittagessen war kein freundschaftliches Treffen. Die Rollen waren klar verteilt», sagt er zum Tages-Anzeiger. Zudem sei der Kommunikationschef des Verbands ebenfalls dabei gewesen. «Off the Record» bedeute nicht, dass wichtige Informationen nicht öffentlich gemacht werden dürften. «Der Interviewte hat eine Herrschaft über die Zitate, aber nicht über die Information.»
Medienexperten haben unterschiedliche Meinungen
Ursina Wey, Geschäftsführerin des Schweizer Presserats, sieht das Vorgehen von SRF kritischer. In einer persönlichen Einschätzung gegenüber dem Branchenportal Persönlich erklärt sie: «Ich würde ein überwiegendes öffentliches Interesse für eine Veröffentlichung, die einen solchen Vertrauensbruch rechtfertigen würde, eher verneinen. Es sind keine Personen zu Schaden gekommen, der Vorfall liegt eine gewisse Zeit zurück, eine Verurteilung hat stattgefunden.»
Laut Wey braucht es gute Gründe, um mit einer vertraulichen Information an die Öffentlichkeit zu gehen. Da ein Portraitdreh – das hatte Schmitz ursprünglich geplant – eine Vertrauenssituation darstelle, könne hier ein Vertrauensbruch stattgefunden haben. Sie betont jedoch auch, dass sie die genauen Umstände des Gesprächs nicht kenne.
Journalismusprofessor Vinzenz Wyss hat da eine andere Meinung. Im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagt er über Fischers Verhalten: «Er hat die brisante Information seinem Arbeitgeber, Spielern, Fans und der Öffentlichkeit vorenthalten. Ausserdem plädierte Fischer stets für Aufrichtigkeit und nimmt eine Vorbildfunktion ein. Hätte der Journalist diese Geschichte verschwiegen, müsste man ihm das vorwerfen.»
