DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Hängende Köpfe im Hinspiel – in Schweden hat der HC Davos nichts mehr zu verlieren.<br data-editable="remove">
Hängende Köpfe im Hinspiel – in Schweden hat der HC Davos nichts mehr zu verlieren.
Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Hoffnung für den HC Davos dank Hoffnungslosigkeit

Die «Champions Hockey League» wird mit dem aktuellen Format nie funktionieren. Trotzdem wäre ein attraktiver europäischer Klub-Wettbewerb möglich.
19.01.2016, 13:5019.01.2016, 15:12
klaus zaugg, göteborg

In Göteborg gibt es bei winterlichen Temperaturen die perfekten Voraussetzungen für ein sportliches Wunder. Der HC Davos hat das Halbfinal-Hinspiel der «Champions Hockey League» zu Hause 0:5 verloren. Nach menschlichem Ermessen das Ende aller Champions League-Träume.

Aber diese Hoffnungslosigkeit nährt die Hoffnung auf eine sporthistorische Überraschung. Jede Form von Erfolgs- oder Erwartungsruck, von Nervosität oder Lampenfieber ist entschwunden. So sorglos, so heiteren Mutes wie der HC Davos ist noch selten eine ambitionierte Mannschaft zu einem europäischen Eishockey-Abenteuer aufgebrochen.

Der HC Davos braucht im Rückspiel gegen Göteborg ein Sportwunder.<br data-editable="remove">
Der HC Davos braucht im Rückspiel gegen Göteborg ein Sportwunder.
Bild: KEYSTONE

Der Vergleich mit dem FC Basel

Die Reise beginnt mit einer Chartermaschine («Helvetic») in Kloten. Ohne öffentliches Aufsehen. Beim Check-In-Schalter verlieren sich ein oder zwei Chronistinnen und Chronisten, die vor dem Abflug noch ein paar Interviews machen. Sie wirken wie Zugvögel, die den Abflug nach Süden verpasst haben. Man stelle sich vor, was da los wäre, wenn der FC Basel zu einem Halbfinalspiel der Champions League abreisen würde!

Der HC Davos reist um Trainer Arno del Curto gut gelaunt nach Schweden.<br data-editable="remove">
Der HC Davos reist um Trainer Arno del Curto gut gelaunt nach Schweden.
Bild: KEYSTONE

So beginnt auf beschauliche Art und Weise ein schöner Ausflug der grossen HCD-Familie. Weil irgendwo eine Tasche vergessen worden ist, verspätet sich der Abflug um eine Stunde. Macht nichts. So etwas kann die gute Laune nicht verderben.

Arno Del Curto, seine Jungs, die Spengler-Cup-Generäle Marc Gianola und Fredi Pargätzi, Juniorentrainer Jan von Arx, ein paar Chronisten und vor allem ältere HCD-Anhänger füllen das Flugzeug. Und weil ja nach dem 0:5 im Hinspiel eigentlich alle Hoffnungen dahin sind, ist die Stimmung so locker und entspannt.

«Wenn wir schnell 3:0 führen ...»

Die Spieler haben durchaus ihren Spass an dieser Ausgangslage. Wie meistert man eine scheinbar hoffnungslose Situation? So wie man einen Elefanten verspeist. Stück für Stück. «Und was ist, wenn wir schnell 3:0 führen. Dann sind wir auf einmal wieder dabei» sagt Leitwolf Andres Ambühl. Bei Cheftrainer Arno Del Curto ist so etwas wie Sarkasmus herauszuhören, wenn er vorrechnet, wie es gelingen könnte, ein 0:5 aufzuholen.

Andres Ambühl erhofft sich Chancen, falls der HCD von Beginn weg richtig aufs Gas drückt.<br data-editable="remove">
Andres Ambühl erhofft sich Chancen, falls der HCD von Beginn weg richtig aufs Gas drückt.
Bild: SPENGLER CUP

Zumindest wird der HCD nicht an den äusseren Bedingungen scheitern. Kein Hexenkessel wartet auf die Spieler. Göteborg vibriert nicht. Keine TV-Kameras warten bei der Ankunft am Flughafen. Man stelle sich vor, was da los wäre, wenn der FC Basel zu einem Halbfinalspiel der Champions League anreisen würde!

Davos wird gegen Frölunda nicht im schönen, 12'000 Zuschauer fassenden «Scandinavium», dem Hallenstadion von Göteborg antreten. Dort wird bereits an den Vorbereitungen für ein Konzert von morgen Mittwochabend gearbeitet. Gespielt wird heute Abend draussen im «Frölundaborgs Isstadion». In einem fast 60-jährigen Lotterstadion ohne Anzeigewürfel und einem Fassungsvermögen von rund 6000 Fans. Gerade recht für die Champions Hockey League. Bisher wollten hier durchschnittlich bloss rund 1800 Fans die Partien des europäischen Wettbewerbes sehen.

Die Champions League ist nur im Fussball ein Millionengeschäft

Der Gegensatz zur Champions League im Fussball könnte nicht extremer sein. Im Klubfussball ist es der glamouröseste Wettbewerb überhaupt. Eine Gelddruckmaschine. Ein TV-Ereignis. Jede Stadt vibriert, wenn gespielt ist. Warum funktioniert der paneuropäische Wettbewerb im Eishockey nicht?

Der Vergleich mit der Champions League im Fussball ist nicht möglich. Weil der Begriff «Champions League» irreführend ist. Die Champions League funktioniert nur im Fussball als Millionengeschäft. In allen anderen Sportarten ist sie mehr oder weniger ein Zuschussgeschäft – und wird es bleiben.

Martin Baumann (links), CEO der Champions Hockey League und HCD-Präsident Gaudenz Domenig.<br data-editable="remove">
Martin Baumann (links), CEO der Champions Hockey League und HCD-Präsident Gaudenz Domenig.
Bild: KEYSTONE

Der HCD muss alle Reisekosten (Flüge, Unterkunft) selber bezahlen und als Einnahmen bleiben nur die Zuschauereintritte. Mit dem Erreichen des Viertelfinals wurde ein kleiner Gewinn erzielt. Die Qualifikation fürs Halbfinale beschert dem HCD nun einen tiefen sechsstelligen Gewinn. Aber der ist auch mit einem guten NLA-Heimspiel zu erzielen. Und Präsident Gaudenz Domenig relativiert: «Wenn wir eine Vollkostenrechnung mit allen Zusatzaufwendungen machen, die für die Champions League notwendig sind, dann erreichen wir nur knapp schwarze Zahlen.»

Ein Geschäft ist möglich, aber ...

Ist also die Champions Hockey League kommerziell gescheitert? Nein. Ein europäischer Wettbewerb ist möglich. Aber alle müssen sich endlich von der Vorstellung, vom Wahn befreien, es könnte einmal ein Geschäft werden wie im Fussball.

Alle, die immer wieder von einer grossen «Champions League» schnattern, sind Träumer, Dilettanten, Romantiker, Illusionisten wirtschaftliche Gaukler und Abenteurer – oder gleich alles zusammen. Wenn die dreijährige Versuchsphase nach der nächsten Saison im Frühjahr 2017 ausläuft, braucht es unter dem Arbeitstitel «Zurück zur Bescheidenheit und zur Wirklichkeit» ein paar dringende Reformen.

Die Fans des HC Davos in der Kraft Arena in Skelleftea.<br data-editable="remove">
Die Fans des HC Davos in der Kraft Arena in Skelleftea.
Bild: KEYSTONE/TT NEWS AGENCY

Erstens eine Verkleinerung desTeilnehmerfeldes von heute 48 auf 32 oder besser noch 24 Teams. Damit es eine Liga der Champions, also der Meister oder mindestens der Qualifikationssieger wird. Und nicht wie jetzt eine «Kreti-und-Pleti-Liga».

Zweitens die Rückkehr der KHL. Ohne russische Teams hat ein europäischer Klubwettbewerb kein Charisma und eigentlich gar keine Berechtigung.

Drittens eine Reduktion des Spielplans. Eishockey hat, anders als der Fussball, viel mehr Partien in den nationalen Meisterschaften plus jedes Jahr eine WM und damit ein zu gedrängtes Programm. Gruppenspiele im August sind unsinnig. Das beste Format wäre die Rückkehr zur einstigen Europacup-Formel des Fussballs: Hin- und Rückspiele im K.O-System. Immer am gleichen Wochentag. Einfach, wahr und klar. Diese simple Formel entspricht auch dem Charakter des Hockeys. Und würde den beteiligten Teams bei geringem Aufwand einen kleinen Gewinn bescheren.

Die Fehlgeburt

Warum ist das nicht jetzt schon so? Weil die «Champions Hockey League» eine Fehlgeburt ist. Der Internationale Hockeyverband (IIHF) scheiterte mit dem Wettbewerb nach nur einem Jahr (und einem Triumph der ZSC Lions) weil ein dilettantischer IIHF-Generalsekretär es versäumt hatte, die Sponsoren- und Investorenverträge mit einer Bankgarantie abzusichern. Nun haben die Klubs eine Aktiengesellschaft gegründet, die für die Organisation der Champions League zuständig ist. Weil alle Klubs die Aktien halten auch mitspielen dürfen, ist daraus eine Champions League geworden, in der die Champions, die grossen Teams, in der Minderheit sind. Quantität statt Qualität.

Der HC Davos bei der Meisterfeier. Ein europäischer Europacup der Meister macht Sinn, die grosskotzige Bezeichnung «Champions League» braucht es nicht.<br data-editable="remove">
Der HC Davos bei der Meisterfeier. Ein europäischer Europacup der Meister macht Sinn, die grosskotzige Bezeichnung «Champions League» braucht es nicht.
Bild: KEYSTONE

Es würde im Frühjahr 2017 die dringend notwendige Rückkehr zur Bescheidenheit und zum Realismus erleichtern, künftig auf die grössenwahnsinnige Bezeichnung «Champions League» zu verzichtet. «Europacup der Meister» wäre für einen netten, bescheidenen aber sportlich durchaus reizvollen europäischen Klub-Wettbewerb viel treffender.

Der HC Davos ist zum 31. Mal Schweizer Meister

Du hast watson gern?
Sag das doch deinen Freunden!
Mit Whatsapp empfehlen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Zeigt ein bisschen Respekt» – Medwedew legt sich nach Kyrgios-Zirkus mit dem Publikum an

Es war keine leichte Aufgabe, doch Daniil Medwedew meisterte sie am Abend souverän: Der als Nummer 2 gesetzte US--Open-Champion besiegte in der 2. Runde des Australian Open den Publikumsliebling Nick Kyrgios mit 7:6 (7:1), 4:6, 6:4 und 6:2. Fast drei Stunden lieferten sich Medwedew und Lokalmatador Kyrgios einen harten Fight, bei dem sich der 25-jährige Russe am Ende als der konstantere Spieler erwies.

Zur Story