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24.01.2016; Biel; Eishockey NLA - EHC Biel - SC Bern;
von links: Martin Pluess (Bern), Luca Hischier (Bern), Tristan Scherwey (Bern), Simon Moser Bern), Alain Berger (Bern), Beat Gerber (Bern), Pascal Berger (Bern) und David Jobin (Bern) nach dem Spiel
(Sandro Stutz/freshfocus)

Enttäuschte Stadtberner nach der Niederlage in Biel.
Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Eismeister Zaugg

Zwei HD-Soldaten statt ein richtiger Bandengeneral – der SCB auf dem Weg in die Playoffs oder die NLB

Selbst Schlusslicht Biel besiegt den SCB (4:3 n.V.). Nun taumeln die Berner führungslos in ihre sportliche «Überlebenswoche».



Ach, welch ein Schauspiel im Kabinengang des prächtigen neuen Bieler Hockey-Tempels! SCB-General Marc Lüthi schreitet nach dem Spiel, bebend vor Zorn, Richtung SCB-Kabine, schmettert die Türe zu und tobt drinnen. Hie und da geht die Türe wieder auf und man hört Wortfetzen. Es ist eine einfach strukturierte Kabinenpredigt. Eigentlich eine zornige Aneinanderreihung von Kraftwörtern.

Ein gewaltiges verbales Donnerwetter geht über der Mannschaft nieder. Cheftrainer Lars Leuenberger wirkt, als er hinterher den Chronisten Red und Antwort steht, noch kleiner als er eigentlich schon ist (173 cm). Er bestätigt auf Nachfrage, so habe er den Chef noch nie erlebt.

Marc Luethi, Geschaeftsfuehrer des SC Bern, waehrend einer Medienkonferenz in der PostFinance Arena in Bern am Mittwoch, 18. November 2015. Guy Boucher ist per sofort nicht mehr Trainer des SC Bern. Die Berner gaben die Trennung an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz bekannt. Nachfolger von Boucher wird der bisherige Assistent Lars Leuenberger. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Marc Lüthi konnte sich in Biel nicht mehr zurückhalten.
Bild: KEYSTONE

Marc Lüthis heiliger Zorn ist verständlich. Denn dümmer kann eine Mannschaft fast nicht verlieren. Sein SCB war in Biel ein disziplinloser Haufen. Die Stadtberner brachten es fertig, ein Spiel zu verlieren, das von Anfang an für sie lief. Sie vergeigten eine 2:0-Führung in nur 18 Sekunden.

Schafft es der SCB noch in die Playoffs?

Ausreden, Fehler und Disziplinlosigkeiten

Der Auftakt zur «Überlebenswoche» mit den Partien in Lausanne, Ambri und gegen Zug ist also missglückt. So wie der längst abgesetzte Guy Boucher die Karikatur eines Bandengenerals war, so sind Lars Leuenberger und sein Assistent Marco Bayer nun das andere Extrem. Ohnmächtige Banden-HD-Soldaten ohne jede Autorität. Beim SCB ist ein überdrehter Bandengeneral durch HD Läppli ersetzt worden.

Das mag respektlos klingen und sagt nichts über die fachliche Qualifikation von Lars Leuenberger und Marco Bayer. Aber die beiden haben kein Charisma und strahlen die Autorität eines Küchenburschen in einem Fünfsternhotel aus. Und sowieso gilt: Die Kabine ist das Königreich des Trainers. Wenn er hier unfreiwillig einem anderen das grosse Wort überlassen muss, dann ist seine Autorität bei den Spielern für immer dahin.

Berns Trainer Lars Leuenberger gibt Anweisungen im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und dem SC Bern, am Sonntag, 24. Januar 2016, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Lars Leuenberger versucht alles, doch er scheint seine Spieler nicht zu erreichen.
Bild: KEYSTONE

Das 3:3, das 3,9 Sekunden vor der zweiten Pause den Weg in die sechste Niederlage de suite ebnete (3:4 n.V), war die Folge einer Strafe die sich Lars Leuenberger und Marco Bayer durch wiederholtes Reklamieren bei den Schiris einhandelten. Noch nie seit dem Wiederaufstieg von 1986 hat der SCB sechsmal hintereinander verloren. Der schwächste SCB seit 30 Jahren.

Lars Leuenberger monierte hinterher, man habe die Schiris vergeblich auf die nicht laufende Uhr aufmerksam gemacht. «Und wenn man etwas anständig sagt und nicht verstanden wird, dann muss man deutlicher werden. Wäre die Uhr korrekt gelaufen, dann hätten wir das 3:3 Sekunden vor der zweiten Pause nicht kassiert.»

Aber nicht nur die Schiedsrichter hören Lars Leuenberger und seinem Assistenten nicht mehr zu. Auch die Spieler tun es nicht. Die Niederlage in Biel ist die Folge von vielen Disziplinlosigkeiten und Fehlern, die gut gecoachte Spieler einfach nicht begehen.

Löwen geführt von Eseln

Inzwischen ist die Analyse der SCB-Krise einfacher geworden. Die schlimmsten Fehler sind korrigiert. Trainer Guy Boucher ist längst gefeuert, das Torhüterproblem durch einen ausländischen Goalie gelöst. Die Mannschaft ist nicht auseinandergefallen und ist talentiert genug für den Playoff-Final. Die Berner haben zwar sechsmal hintereinander verloren. Aber dabei haben sie viermal gepunktet. Die Spieler wollen. Sie versuchen alles. Aber sie wissen nicht mehr, was sie tun sollen. Löwen, geführt von Eseln. Die Trainer sind hilflose Helfer.

Das Bayern München unseres Hockeys taumelt nun führungslos in die sportliche «Überlebenswoche.» Es ist ein gewagtes Spiel, die Mannschaft und die  Trainer einfach dem Schicksal zu überlassen. Weil sich weitere Investitionen in eine missglücke Saison nicht mehr rechnen. In der Hoffnung, man werde am Ende den Ligaerhalt ja sowieso schaffen und dann werde in der nächsten Saison sowieso alles gut. Eigentlich müsste jemand im Büro so mit Marc Lüthi toben wie Marc Lüthi soeben in der SCB-Kabine getobt hat.

Berns Torhueter Jakub Stepanek und Martin Pluess liegen auf dem Eis nach dem entscheidenden Tor zum 4-3 in der Overtime durch Biels David Moss (nicht im Bild) im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und dem SC Bern, am Sonntag, 24. Januar 2016, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Beim SCB passt derzeit einfach nicht viel zusammen.
Bild: KEYSTONE

Wir dürfen uns bei dieser Ausgangslage auf grossartige Unterhaltung freuen. Lars Leuenberger und Marco Bayer werden in der Kabine noch einmal mächtig Dampf machen. Es ist allerdings ein gefährliches Spiel. Es ist nicht auszuschliessen, dass sich der immense Frust bald einmal in Form eines «Rumpelspiels» auf dem Eis entlädt. Ganz wie Goethes Zauberlehrling, der die Geister, die er gerufen hatte, nicht mehr unter Kontrolle brachte.

So bleiben nur noch zwei Varianten. Wenn es dem SCB irgendwie gelingt, doch noch in die Playoffs zu stolpern, so ist dort ein grandioses Schlussfeuerwerk zu erwarten. Befreit von allem Druck und aller Nervosität könnte es gelingen, das grosse Potenzial abzurufen.

Sollten die Playoffs allerdings verpasst werden, dann drohen in diesem Zustand die Playouts gegen Biel, anschliessend die Liga-Qualifikation und dort, weil nur noch zwei Ausländer eingesetzt werden dürfen – der SCB müsste eine Ausländerlizenz für den Goalie einsetzen – nichts anderes als der Abstieg.

Larry Huras als mögliche Alternative?

Eigentlich müsste der SCB noch einmal den Trainer wechseln. Lars Leuenberger schliesst einen freiwilligen Rücktritt allerdings aus. Er sagt: «Zu tausend Prozent.» Das ist richtig so. Wenn er jetzt das Handtuch wirft, ist seine Karriere als Klubtrainer zu Ende. Dann bleibt nur noch ein Verbandsjob (U20-Nationaltrainer).

Aber wen an die Bande stellen? Der beste zur Verfügung stehende Mann heisst Larry Huras. Ihn hat SCB-General Marc Lüthi im Oktober 2011 ohne jede sportliche Not entlassen. Mit der Begründung, er biete zu wenig Spektakel. Die Mannschaft stand auf Rang 5. Mit 11 Punkten Vorsprung auf den «Strich».

MANNHEIM, GERMANY - APRIL 10:  Head coach Larry Huras of Ingolstadt smiles during the DEL Play-offs Final Game 1 between Adler Mannheim and ERC Ingolstadt at SAP Arena on April 10, 2015 in Mannheim, Germany.  (Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

Warum nicht Larry Huras zurückholen?
Bild: Bongarts

Zumindest an Spektakel, Blitz und Donner geizt der SCB unter Lars Leuenberger nicht. Aber es ist triviale, billige Unterhaltung, nicht sportlich hochstehende. Marc Lüthi wird sich sicherlich auch schon gedacht haben, es ginge dem SCB besser mit einem Trainer, der ein bisschen weniger Spektakel veranstaltet und dafür genügend Punkte holt. Wie damals Larry Huras.

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Play-offs 1985/86

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24
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    Alle Leser-Kommentare
  • MARC AUREL 27.01.2016 15:46
    Highlight Highlight Bettina, 2er wird man nicht zufällig.. da braucht es konstant gute Leistungen... und komm mir nicht mit DIE ANDEREN schwächelten. können wir in Bern auch sagen... das Problem in Bern ist die Ungeduld! Mit Törmännen hätte was aufgebaut werden können.. Amboss, bei gewisse Punkte gebe ich dir Recht! Aber erst nach Törmännen ging es wirklich bergab!
  • rollerboy 25.01.2016 20:41
    Highlight Highlight @ amboss
    immer full house??? lach lach
    ich war für einmal in bern in der vip lounge gegen genf, sah viiiele leere plätze. und die stimmung..... wow eine berdigung macht mehr spass. und du kommst mit dem vergleich dortmund ts zieh mal deine brille ab und wasch dir die ohren und schau und hör mal genau hin...
    null emotionen nur dämliches gepfeiffe von ....naja ....fans oder wie nennt ihr euch?
    meinem club gehts nicht besser aber er lebt von emotionen
    scb nie und nimmer
  • Staal 25.01.2016 16:09
    Highlight Highlight sie verkommen eher zum HSV der NLA. Aber Playoffs oder gar Liga ohne SCB ist auch nix
  • länzu 25.01.2016 11:50
    Highlight Highlight Dem gibt es absolut nichts hinzuzufügen, ausser dem Vergleich mit Bayern München.
  • Grinder 25.01.2016 11:50
    Highlight Highlight Man sollte einfach auch mal die Qualität der Spieler beurteilen, von wegen gut genug für den Final ... Qualitativ ist man schlichtweg nicht besser! Hinten offen wie ein Scheunentor, diverse Backs zu limitiert! und mit Gragnani immerhin bester Verteidiger der NLA gemäss Skorerpunkte, fehlt auch ein wichtiges Element welches nicht ersetzt wurde.
    Mit Kousa nun den wohl schwächsten Ausländer der letzten Jahre geholt..
    Und offensiv hat man vielleicht 1 1/2 Linien die was reissen könnten, rest ist Durchschnitt! Leider Leider
    • offspring 25.01.2016 18:17
      Highlight Highlight Gragniani? Spannend konnte den in einer Scorerliste Saison 15/16 finden... ;) Meinst wohl Blum... Aber auch da liegst du falsch. Bspw. Sondell hat mehr Punkte als Blum, unterschiedliche Anzahl Spiele berücksichtigt.
  • CheGue 25.01.2016 10:54
    Highlight Highlight Marc Lüthi ist ein grossartiger Geschäftsmann! Wenn er aber glaubt, in der momentanen Situation sei ein Donnerwetter, dass die Balken krachen, das Beste, hat er von Sport keine Ahnung! Die Spieler sind verunsichert und haben kein Selbstvertrauen! Bei Lars Leuenberger wusste er, dass das Unterfangen vor zwei Jahren gescheitert war! Wo oder bei wem (Boucher?!) sollte dieser nun die Erfahrung gesammelt haben?! Wie sollten so neue Impulse in die Mannschaft kommen?! Lüthi ist mitschuldig an dieser Situation!
  • monospace 25.01.2016 10:49
    Highlight Highlight Was beim FC Sion der CC, ist beim SCB der ML - nur ohne Selbstironie.
  • Hockrates 25.01.2016 10:25
    Highlight Highlight Bitte aufhööööören mit diesem Bayern München-SCB-Vergleich. Bayern München ist Rekordmeister, hat Fans überall und gewinnt fast immer.

    Man kann natürlich sagen, der SCB sei eine erfolglose Version der Bayern, aber das ergibt auch keinen Sinn, da sich die Bayern über ihren Erfolg definieren.

    Wenn ein Vergleich zu deutschen Fussballclubs, dann meinetwegen Dortmund.
    • Pascal Mona 25.01.2016 11:25
      Highlight Highlight Hättest du den letzten Satz weggelassen hätte ich dir voll und ganz zugestimmt. Der Vergleich mit dem BVB hinkt aber gewaltig, da kann ich dich nur blitzen...
    • Amboss 25.01.2016 13:02
      Highlight Highlight @Mona: Vergleiche sind immer so eine Sache, aber der mit dem BVB ist nicht so schlecht:
      Zwischen SCB und BVB sind doch einige Gemeinsamkeiten vorhanden
      - Mit Abstand die meisten Zuschauer der Liga
      - Hochpopuläre Vereine
      - DAS Aushängeschild einer Stadt/Region
      - Beiden stehen Vereinen vor der Sonne, die sportlich erfolgreicher sind und besser/konstanter/kompetenter arbeiten
      - Titel sind möglich, aber nur wenn alles passt
      - Ein Fall unter den Strich ist durchaus mal möglich, Abstiegsgefahr besteht aber nicht.

      Weshalb findest du denn, der Vergleich hinkt?
    • Kuba 25.01.2016 13:10
      Highlight Highlight uiuiui und ich dachte der vergleich mit bayern sei schon schlecht aber dortmund??
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bettina Lüthi 25.01.2016 10:12
    Highlight Highlight Hör mal auf mit deinem Bayern München des Hockey das ist ein Witz. Die Mannschaft ist ein bisschen besser als die Klassierung zeigt aber zu durchschnittlich für ein Spitzenteam. Sollten sie noch in die Playoffs stolpern liegt das an der Unfähigkeit der anderen Mannschaften ihre Chancen zu nutzen. Ausserdem wird gegen den ZSC oder allenfalls Zug je nachdem sehr schnell Endstation sein... Dann gilt es diese Saison abzuhaken und schnell wieder konkurrenzfähig werden. An einen Abstieg glaube ich allerdings nicht.
    • Amboss 25.01.2016 11:36
      Highlight Highlight @Bettina: Zu deinem Kommentar kann ich 1000% zustimmen.
      Die Bezeichnung "Bayern München des Hockeys" trifft es einfach nicht.
      Passend wäre das "Borussia Dortmund". Hochpopulär, immer Full House, und wenn alles passt, liegt auch mal der Titel drin, ansonsten sind andere aber stärker und konstanter.

      Und sollte es noch für die Playoffs reichen, wäre dann bald Endstation. Zu viel stimmt einfach nicht.
      Abstieg ist aber auch kein Thema. Zu viele Punkte nehmen sie in die Zwischenrunde mit.
    • Porcupine Tree 25.01.2016 12:00
      Highlight Highlight @Amboss: Der SCB hat nur 5 Punkte mehr als die SCL Tigers. Das sind nicht "zu viele Punkte". Der Abstieg ist realistischer als du glaubst! Sehr realistisch. Momentan sicher der Favorit Nr. 1 für den Abstieg.
    • Amboss 25.01.2016 12:54
      Highlight Highlight @Tree: Als Favorit Nummer 1 für den Abstieg würde ich den SCB dennoch nicht bezeichnen.
      Ich glaube schon, dass der SCB noch hin und da punkten wird und deshalb nie echt in Abstiegsgefahr kommen wird.

      Aber du hast natürlich schon:
      - Es ist eng.
      - Lausanne, Biel, Langnau und Ambri sind Playout-gestählt, was man von Bern nicht sagen kann. Gut möglich, dass der SCB in einer allfälligen Playout-Serie gegen Biel die Nerven verliert...
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