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Eismeister Zaugg

Nach der Entlassung

Präsident der Kloten Flyers – das wäre der ideale Job für Felix Hollenstein

Felix Hollenstein, als er noch an der Bande stand. Bild: freshfocus

Der Milliardär Philippe Gaydoul kann Millionen sparen. Wenn er den gefeierten Trainer Felix Hollenstein zum neuen Präsidenten von den Kloten Flyers macht.  



Felix Hollenstein zum Präsidenten machen? Völlig verrückt! Hat der Zaugg wieder einmal schlecht geschlafen oder am Ende gar bewusstseinsverändernde Pilze geraucht? Weder noch. Er hat nur die wirtschaftliche und politische und dorfkulturelle Lage der Kloten Flyers ganz nüchtern analysiert. 

Mit der Entlassung von Felix Hollenstein ist die Zeit der Dorfromantik vorbei. Die Kloten Flyers sind jetzt ein unerbittlich resultatorientiertes und kapitalistisches Sportunternehmen geworden.  

Zum Ruecktritt von Trainer Felix Hollenstein (Kloten);06.12.2014; Zuerich; Eishockey NLA - ZSC Lions - Kloten Flyers; Trainer Felix Hollenstein (Kloten) (Patrick Straub/freshfocus)

Felix Hollenstein: Wird er wieder in irgendeiner Form für Kloten tätig sein? Bild: Patrick Straub/freshfocus

Aber so wie aus einem Schaf auch im Wolfspelz kein Raubtier wird, so wird aus den dörflichen Kloten Flyers in der Aussenwahrnehmung nie ein Hockeykonzern mit der Strahlkraft von den ZSC Lions. Präsident und Besitzer Philippe Gaydoul kann die 100 besten PR-Strategen auf der Welt engagieren und bringt den Stallgeruch des Dorfclubs doch nicht aus dem feinen Tuch von seinen Anzügen. 

Umfrage

Soll Felix Hollenstein Klotens Präsident werden?

50

  • Ja78%
  • Nein18%

Kloten wird das Dorfclub-Image nie los

Die Kloten Flyers mahnen uns alleine wegen dem Klang von ihrem Namen immer an Provinz und Dorf. Niemals an Reichtum und Exklusivität und Macht wie die ZSC Lions oder Lugano oder der SC Bern. Und Kloten steht auch nicht für den Alpencharme und die Schneeromantik vom HC Davos oder die Sentimentalität von Ambrì. Die Kloten Flyers können 80 Jahre ruhmreiche Geschichte aus dem Dorfe nicht von einem Tag auf den anderen aufgeben. Man kann die Kloten Flyers aus dem Dorf herausnehmen. Aber nicht das Dorf aus den Kloten Flyers. 

03.04.2014; Kloten; Eishockey NLA Playoff Kloten Flyers - HC Fribourg-Gotteron ; Fans vor dem Stadion der Kloten Flyers (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Kloten kann seine Vergangenheit als Dorfklub nicht verleugnen. Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Der grösste Fehler von Präsident und Besitzer Philippe Gaydoul ist der freiwillige Verzicht auf diese dörfliche Kultur. Dieser Verzicht kostet ihn Millionen. Warum denn nicht die dörfliche Kultur hegen und pflegen und bewirtschaften statt sie zu verleugnen? Er kann bei den Kloten Flyers nach innen das Leistungsprinzip unerbittlich durchsetzen – und mit der Pflege der Dorfromantik nach aussen Millionen hereinholen.  

Grosses Potential im lokalen Markt

Die Mächtigen und Reichen, die bei den ZSC Lions oder beim SC Bern ins Hockeybusiness investieren, werden nie Geld für die Kloten Flyers ausgeben. Kloten muss seine Gelder bei den KMU in der Provinz im Zürcher Unterland erwirtschaften. Bei jedem einzelnen Ladenbesitzer und Garagisten und Sattler und Glaser und Schreiner und Sanitär-Installateur und Klimatechniker und Optiker und Notar und Gärtner und Baugeschäft und Zahnarzt und Zimmermann und Treuhänder und Dachdecker und Gastwirt. Bei jedem Computer- und Käse- und Holz- und Velo- und Möbel- und Pneu- und Landmaschinenhändler. Bei jedem einzelnen Zuschauer. Das mag nicht die Welt von Philippe Gaydoul sein. Aber der grosse Vorsitzende von Kloten unterschätzt, welch enormes Potenzial in diesem lokalen Markt schlummert. 

Kloten Flyers Investor Philippe Gaydoul anlaesslich der Generalversammlung der Kloten Flyers am Montag, 20. August 2012 in Kloten. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Philippe Gaydoul sollte das Potential im lokalen Markt nicht unterschätzen. Bild: KEYSTONE

Geld für die Kloten Flyers gibt nur aus, wer eine emotionale Bindung zu den Kloten Flyers hat. Mit dem Verzicht auf die 80-jährige Geschichte als Dorfverein ist diese emotionale Bindung in den letzten zwei Jahren nach und nach aufgelöst worden. Die Kloten Flyers sind deshalb heimatlos geworden. Gestrandet im Niemandsland zwischen Grosszürich und Seldwyla. Das Gerede vom Grossklub und vom Lugano im Norden ist zwar durchaus treffend für das Geschäftsgebaren von den Kloten Flyers. Aber eben nicht für die Seele, die nach 80 Jahren nach wie vor in diesem Unternehmen wohnt. Das Erfolgsrezept wäre deshalb: Geschäften wie Lugano, aber so tun als wäre man immer noch Kloten. 

Wie kann Philippe Gaydoul sein Hockeyunternehmen emotional wieder mit dem Umfeld und dem Dorf und der lokalen Wirtschaft und den Fans verkabeln? Wie kann er nach aussen die Romantik vom alten Kloten vorgaukeln? Selber ist er dazu nicht in der Lage. Er würde sich nur lächerlich machen, wenn er auf einmal die Nähe zur Vergangenheit und zur Basis und zum Proletariat suchen würde. Er muss das auch gar nicht. 

Klotener Fans praesentieren ihre Choreographie, im Eishockeyspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und dem HC Davos, am Sonntag, 7. Dezember 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Kloten-Fans lieben ihre Geschichte. Bild: KEYSTONE

Nur wer den Weg zu den Herzen von den Fans findet, kann ihr Portemonnaie öffnen

Blicken wir doch einmal hinüber nach Nordamerika. Wie wird dort das «Big Business» betrieben? Dort wird das Leistungsprinzip unerbittlich durchgesetzt. Aber gleichzeitig hegt und pflegt jedes Sportunternehmen seine Seele und seine Geschichte und seine Traditionen wie ein seltenes Tier.  

Die grossen Heldenfiguren aus der Vergangenheit werden verehrt. Sie sorgen für die Bindung zur Basis und zur Stadt und zur Geschäftswelt. Sie werden als Botschafter sehr oft lebenslänglich für den Klub eingesetzt. Manchmal werden sie sogar zum Präsidenten gemacht. Die Amerikaner wissen nämlich noch besser als wir: Nur wer im Sportbusiness den Weg in die Herzen von den Menschen findet, kann auch ihr Portemonnaie öffnen. 

Felix Hollenstein, «der letzte Klotener»

Niemand personifiziert das wahre und echte und ewige Kloten so sehr wie Felix Hollenstein. Der Hockeychronist Roland Jauch, mit den örtlichen Verhältnissen bestens vertraut, nennt ihn im «Landboten» so treffend «den letzten Klotener».  

04.10.2014; Kloten; Eishockey NLA - Kloten Flyers - Rapperswil Jona Lakers; Trainer Felix Hollenstein (Kloten) (Daniela Frutiger/freshfocus)

Felix Hollenstein, «der letzte Klotener». Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Felix Hollenstein könnte für Kloten neben dem Eis noch mehr leisten, als er sportlich auf dem Eis oder an der Bande geleistet hat. Als Präsident. Nicht als profaner Inserate- oder Werbeverkäufer. Felix Hollenstein ist eine Autorität, von der das Charisma im Universum Kloten über den Niederungen im Tagesgeschäft strahlt. 

Philippe Gaydoul hat «Fige» als Trainer gefeuert und zurückgeholt und wieder gefeuert. Er kann ihn nun erneut zurückholen und zum Präsidenten ernennen ohne das Gesicht zu verlieren. 

Felix Hollenstein ist die einzige Persönlichkeit, die das Umfeld von den Kloten Flyers mit der eigenen Geschichte versöhnen und gleichzeitig die Brücke ins Sportbusiness im 21. Jahrhundert bauen kann. Die Anhänger von den Kloten Flyers brauchen für ihr Glück nicht in erster Linie Siege und Titel. Davon haben sie in ihrer Geschichte schon genug geholt. Sie brauchen ein bisschen emotionale Nestwärme und die Illusion eine grosse Hockeyfamilie zu sein. Dann öffnen sie auch wieder das Portemonnaie und helfen Philippe Gaydoul das Defizit zu reduzieren. Niemand kann ihnen diese Illusion besser vorgaukeln als Felix Hollenstein, der letzte und der wahre und der ewige Klotener. 

P.S. Ich weiss, dass Kloten eine Stadt und kein Dorf ist. Aber die Klotener Hockeykultur mahnt an Seldwyla. Nicht an Manhattan. Deshalb ist sie so stark. 

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Senftube 21.12.2014 09:36
    Highlight Highlight Mit der Entlassung von Fige verliert Kloten effektiv sein Gesicht, seine Identifikationsfigur, seine "Fige" (Visage) eben. Aber ein Präsident muss doch auch Geld investieren und vor allem etwas zu sagen haben, ansonsten wäre er nur ein "Fige-Blatt", eine machtlose Marionette von Gaydoul - "Figaydoul" würde man ihn dann wohl nennen... Wo ich Klaus recht gebe ist, dass Kloten (trotz Milliarden-Phippu) unbedingt zu den lokalen Firmen (Gönner, Sponsoren, usw.) Sorge tragen muss, denn nur mit ihnen kann der Club langfristig überleben, sollte dereinst Gaydoul sich ein neues Hobby suchen...
  • Ralphster 20.12.2014 15:05
    Highlight Highlight 'Die Anhänger von Kloten brauchen für ihr Glück keine Siege oder Titel' - so treffend hat der Eismeister die Klotener Situation noch nie beschrieben...wenn die Mannschaft mit Leidenschaft und Engagement spielt, wird ihnen so manche Niederlage verziehen...der Slogan 'Kloten - mis Herzbluet' ist eigentlich genial...aber wenn das nur geschrieben steht und man es auf dem Eis nicht sieht, helfen die besten PR-Aktionen nicht...
  • grunderhans 20.12.2014 14:50
    Highlight Highlight Komischer Artikel.. Weder die Langnauer als positives-, noch die Lakers als negatives Beispiel benutzt.. Was läuft Zaugg?!

So sieht der neue Gästesektor in Fribourg aus (es ist ein «Käfig»)

Im Schweizer Eishockey gibt es derzeit ein heiss diskutiertes Thema: Gästesektoren in neuen Stadien. Der mit 200 Plätzen sehr klein ausgefallene Gästesektor im neuen Stadion des Lausanne HC sorgte bei den Fans für Kopfschütteln. Nun hat auch Fribourg erstmals sein (zur Hälfte) neu renoviertes Stadion präsentiert.

Und auch in der Saanestadt wirkt der Sektor für die Gäste nicht gerade einladend. Glas auf allen vier Seiten und dicke schwarze Streben lassen ihn wie einen Käfig aussehen. Immerhin: …

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