Sport
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02.04.2015; Basel; Eishockey - Nationalmannschaft;
Trainer Glen Hanlon
(Pius Koller/freshfocus)

Weil er Kanadier ist, bevorzugt Glen Hanlon die NHL gegenüber der NLA. Bild: Pius Koller

Eismeister Zaugg

Warum der blinde NHL-Glaube der Kanadier ein Problem ist

Im Viertelfinale haben wir nur mit Leonardo Genoni im Tor eine Chance. Aber Glen Hanlon muss über seinen Schatten springen.

klaus zaugg, prag



Drei Buchstaben lähmen das gesunde Urteilsvermögen jedes Kanadiers. NHL. In die NHL will jeder, von der NHL träumt jeder und alles, was aus der NHL kommt ist besser.

Das ist der Grund, weshalb die WM-Nomination von Damien Brunner (ex-NHL) nie in Frage stand und warum Lino Martschini und Inti Pestoni (nur NLA) nie eine WM-Chance hatten. Obwohl sie vor der WM besser in Form waren als Brunner. Das ist auch der Grund, warum in der Schlussminute gegen Österreich, als es darum ging, das 3:2 über die Zeit zu bringen, zum einzigen Mal bei dieser WM auf einmal die beiden NHL-Verteidiger Roman Josi und Mark Streit gemeinsam auf dem Eis standen – und prompt schaffte der Aussenseiter den Ausgleich. 

07.04.2014; Rapperswil; Eishockey - Training Schweiz;
Inti Pestoni und Tristan Scherwey (Claudia Minder/freshfocus)

Inti Pestoni fiel dem NHL-Glauben zum Opfer. Bild: Claudia Minder/freshfocus

Nationaltrainer Glen Hanlons blinder NHL-Glaube liess ihn auch noch während der WM von einem Einsatz von Nino Niederreiter träumen und er mochte auf entsprechende Fragen nicht sagen, dass der NHL- Stürmer nicht nachnominiert wird. Dabei hatte ihm Nino Niederreiters Agent schon vor der WM unmissverständlich gesagt, dass sein Klient nicht zur WM kommen wird, wenn dieser mit Minnesota die erste Runde übersteht.

Hat der NHL-Glaube uns den WM-Titel gekostet?

2013 hat uns dieser blinde NHL-Glaube der Kanadier wahrscheinlich den WM-Titel gekostet. Im WM-Finale setzte Nationaltrainer Sean Simpson wider besseres Wissen Martin Gerber statt Reto Berra ein. Berra hatte uns beim 3:0 gegen die USA ins Finale gehext und war in der Form seines Lebens. 

Er erreichte bei der WM 2013 bei vier Einsätzen eine Fangquote von grandiosen 96,70 Prozent. Aber er hatte bis dahin nur bei den ZSC Lions, Davos und Biel gespielt. Martin Gerber hingegen bei Anaheim, Carolina, Ottawa und Toronto. Also in der NHL. Einer der Gründe für die 1:5-Finalniederlage gegen Schweden bei einem Torschuss-Verhältnis von 27:27: Martin Gerber spielte eines seiner schwächsten Spiele im Nationalteam.

Team Switzerland goalie Martin Gerber and defenseman Roman Josi look on as Team Sweden forward Henrik Sedin scores on the power play during first period gold medal game action at the world hockey championship in Stockholm, Sweden, on Sunday, May 19, 2013. (AP Photo/THE CANADIAN PRESS/Jacques Boissinot)

Gerber zeigt im WM-Final 2013 eine äusserst durchzogene Leistung. Bild: AP CP

Vor der WM 2015 hat Glen Hanlon wider besseres Wissen Reto Berra voreilig zur Nummer 1 erklärt. Dabei spielte Leonardo Genoni schon in den Playoffs in der Form seines Lebens. Aber Reto Berra hat diese Saison bei Colorado in der NHL gespielt. Leonardo Genoni hingegen nur beim HC Davos. NHL ist halt bei einem Kanadier immer besser.

Die Bilanz bei dieser WM: Leonardo Genonis Fangquote aus drei Spielen steht bei 95,52 Prozent. Er ist die Nummer 2 aller WM-Goalies. Reto Berra hat 86,96 Prozent aller Schüsse gehalten. Er ist die Nummer 17 aller WM-Torhüter. Trotzdem hat sich Glen Hanlon wider besseres Wissen noch nicht dazu durchgerungen, Leonardo Genoni fürs Viertelfinale zu setzen.

Reto Berra – tragischer Held von Prag

Wir können allerdings davon ausgehen, dass er über seinen Schatten springen und es doch tun wird. Dass er entgegen seiner innersten Überzeugung einen NLA-Goalie und nicht einen NHL-Torhüter für sein bisher wichtigstes Spiel im Viertelfinale ins Tor stellt. Wenn nicht, müsste seine Entlassung thematisiert werden.

Reto Berra ist so oder so der tragische Held von Prag. Er hat die hohen Erwartungen nicht erfüllen können. Dabei hatte er das Pech, in den falschen Spielen den Kopf hinhalten zu müssen. Er büsste für die miserable Einstellung seiner Vorderleute im Startspiel gegen Österreich (3:4 n.P) und im dritten Einsatz musste er beim 2:7 gegen Kanada die Rechnung für die Auflösungserscheinungen der Mannschaft bezahlen.

Prag, 10.5.2015, Eishockey WM 2015 - Schweiz - Kanada, Torhueter Reto Berra (sui) (Melanie Duchene/EQ Images)

Reto Berra: Je höher die Erwartungen, desto höher die Fallhöhe. Bild: Melanie Duchene

Aber Reto Berra wird in den nächsten zwei Jahren einer der meistbeachteten Schweizer Spieler sein. Sein Dreijahresvertrag, durchschnittlich dotiert mit 1,45 Millionen Dollar, läuft noch bis 2017. Er ist 28 und hat noch mindestens sieben bis zehn gute Goalie-Jahre vor sich.

In den nächsten zwei Jahren braucht der SC Bern einen neuen Torhüter. Der Vertrag mit Marco Bührer läuft 2016 aus. Die Frage, die SCB-Sportchef Sven Leuenberger umtreibt: Wäre Reto Berra bereit, seinen NHL-Vertrag in einem Jahr fahren zu lassen um nach Bern zu wechseln? 1,45 Millionen Dollar brutto entsprechen etwa einem Nettosalär von 700'000 Dollar. Bei einer SCB-Offerte über sechs Jahre und 3,5 Millionen würde sich Reto Berra wohl die vorzeitige Rückkehr in die NLA überlegen und die Torhüterprobleme beim SCB lösen.

Berra will sich in der NHL durchbeissen

Oder doch nicht? Eine Kapitulation in der NHL weist Reto Berra jetzt jedenfalls weit von sich. Er denkt nicht einmal daran, sein NHL-Abenteuer vorzeitig abzubrechen. «Ich habe hart gearbeitet um in die NHL zu kommen. Aufgeben kommt für mich ganz sicher nicht in Frage.» Er hat es in Colorado unter Trainer Patrick Roy nicht einfach. «Aber es war eben auch eine schwierige Situation. Vor einem Jahr lief alles gut. Doch diese Saison geriet selbst er in die Kritik.»

Patrick Roy gilt als einer der besten NHL-Goalies aller Zeiten. Es dürfte gerade für einen Torhüter unter diesem Trainer nicht einfach sein. Patrick Roy kritisierte den Schweizer öffentlich wegen mangelnder Arbeitseinstellung und schickte ihn zwischendurch ins Farmteam. Reto Berra beklagt sich nicht. «Die Kritik hat schon ihren Grund. Ich war über eine so lange Zeit die Nummer zwei und in dieser Situation bist du immer der erste im Training und der letzte, der vom Eis geht. Dabei geht viel Energie verloren. Ich habe wohl ab und zu im Training nicht einen energiegeladenen Eindruck gemacht.»

Colorado Avalanche's Ryan O'Reilly (90) and Reto Berra (20) celebrate a win against the Winnipeg Jets in an NHL hockey game, Thursday, April 9, 2015, in Denver. The Avalanche defeated the Jets 1-0 in a shootout. (AP Photo/Jack Dempsey)

Gegen Ende Saison lief es bei Berra wieder ganz ordentlich. Bild: AP/FR42408 AP

Reto Berra wird im nächsten Herbst im Trainingscamp den Kampf um die Torhüterpositionen bei Colorado wieder aufnehmen. In den letzten Partien der NHL-Saison, als die Playoffs nicht mehr möglich waren, hatte er wieder eine Chance bekommen – und spielte gut, bekam exzellente Kritiken und viel Anerkennung. In insgesamt 19 NHL-Einsätzen kam er auf eine gute Fangquote von 91,80 Prozent und gewann drei seiner letzten fünf NHL-Spiele. Darauf lässt sich aufbauen.

2013 in Stockholm war er ein Silberheld. 2015 haben die Hockeygötter für ihn bei der WM keine Heldenrolle vorgesehen. In einem Jahr kann schon alles wieder anders sein.

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Amboss 13.05.2015 10:27
    Highlight Highlight Berra zum SCB - Das passt. Berra ist dann auch fast 30.
    Hat man in Bern nicht einen jungen guten Goalie neben Marco Bührer aufgebaut? Ah nein, zuletzt war ja der alte Hase Schaefer die Nr. 2.
    Berra zum SCB, das würde völlig in die SCB-Transferpolitik der letzten Zeit passen, alte Hasen mit grossen Namen zu holen, welche zwar noch sehr gut sind, aber kein Versprechen für die Zukunft. Und die jungen aussen vor lassen.
    Die alten Hasen mit grossen Namen können zwar eine Quali gewinnen, aber der unbedingte Wille und grosse Hunger nach Titeln fehlt ihnen.


    • manolo 14.05.2015 10:04
      Highlight Highlight vergiss es ! berra wird auch mit viel Geld nicht in Bern seine karriere beenden!
  • Steven Shank 12.05.2015 15:11
    Highlight Highlight Bin absolut einverstanden! Die Herren Streit, Berra und Brunner sind noch Einiges schuldig! Aber der Marke "NHL" wird oft zu viel Gehorsam geleistet. Oder z.B. die WM vor ein paar Jahren (ich weiss nicht mehr wann genau). Damals gehörten die NHL cracks Sbisa und wiederum Streit zu den Schlechtesten. Streit ist zweifellos einer der grössten CH Spieler aller Zeiten, aber an den WM will es einfach nie richtig hinhauen.
    • Ehringer 12.05.2015 17:02
      Highlight Highlight Bis auf Streit stimme ich zu. Dieser jedoch spielt aus meiner Sicht keine schlechte WM. Keine Überragende, aber auch keine schlechte. Er kann in der Nati nicht so glänzen wie in der NHL, das liegt aber auch daran, dass ihm dort eine andere Rolle zuteil kommt. Er leistet aber auch an dieser WM solide Arbeit.
    • Adrian Bürgler 12.05.2015 17:06
      Highlight Highlight Brunner ist mit vier Punkten bester Schweizer Skorer. Klar ist er nicht in Topform aber er macht seine Sache nicht schlecht. Ich würde sowieso keine Einzelspieler negativ hervorheben. Das Team als Ganzes ist noch etwas schuldig.
    • Attilaquetzal 12.05.2015 21:16
      Highlight Highlight Brunner spielt vielleicht nicht so überragend wie auch schon, aber dass er ständig an den Pranger gestellt wird, ist auch nicht fair. Immerhin ist er bester Skorer! Es ist schliesslich eine A-WM, man kann nicht erwarten, dass einer in jedem Spiel das entscheidende Tor schiesst. Wir sollten vor allem froh sein, ist Cunti nicht dabei!
  • Topoisomerase 12.05.2015 13:32
    Highlight Highlight Dieses Kanadier-Phänomen hält auch in der NLA Einzug, ich denke an den Transfer den Ambrì-Piotta getätigt hat: Francis Bouillon, 39-jährig, ohne neuen Vertrag bei Montréal, wurde von Serge Pelletier verpflichtet, da er als NHL Spieler "genug" Talent mitbringt. Seine Statistiken sprechen Bände.

So sieht der neue Gästesektor in Fribourg aus (es ist ein «Käfig»)

Im Schweizer Eishockey gibt es derzeit ein heiss diskutiertes Thema: Gästesektoren in neuen Stadien. Der mit 200 Plätzen sehr klein ausgefallene Gästesektor im neuen Stadion des Lausanne HC sorgte bei den Fans für Kopfschütteln. Nun hat auch Fribourg erstmals sein (zur Hälfte) neu renoviertes Stadion präsentiert.

Und auch in der Saanestadt wirkt der Sektor für die Gäste nicht gerade einladend. Glas auf allen vier Seiten und dicke schwarze Streben lassen ihn wie einen Käfig aussehen. Immerhin: …

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