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Die Schweizer treten in Bratislava selbstbewusst auf.
Die Schweizer treten in Bratislava selbstbewusst auf.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Die Schweizer treten vor dem WM-Start zum ersten Mal wie die «Grossen» auf

So gut wie am Tag vor dem Start zur Hockey-WM war das Ende der «Belle Epoque» unseres Hockeys noch nie spürbar. Die Mannschaft fürs WM-Startspiel gegen Italien (Samstag, 12.15 Uhr) ist formiert.
10.05.2019, 20:0011.05.2019, 12:08
klaus zaugg, bratislava

Die «Belle Epoque» («schöne Zeit») unserer WM-Geschichte gibt es nur noch in den Gärten unserer Erinnerung.

Warum «Belle Epoque»? Weil während dieser Epoche jeder WM-Expedition der aufregende Charme der unkontrollierbaren Unvollkommenheiten innewohnte. Es gab ständig neue Ansätze zu einer Polemik. Um den Nationaltrainer, um sein Aufgebot, um seine Taktik. Aus irgendeiner Ecke kam immer eine gewisse Unruhe. Und jeder, der nicht kommen konnte oder kommen wollte, lieferte eine Story. Weil wir so wenig Spieler hatten, die auf WM-Niveau mithalten konnten, dass der Nationaltrainer eigentlich fast auf jeden angewiesen war.

Salt Lake City 2002: Reto von Arx (links) und Marcel Jenni (rechts) müssen heim reisen.
Salt Lake City 2002: Reto von Arx (links) und Marcel Jenni (rechts) müssen heim reisen.Bild: KEYSTONE

Ach, waren das Zeiten, als Jahr für Jahr die WM-Absenz von Reto von Arx und der Konflikt zwischen Arno Del Curtos HC Davos und den Verbandsgenerälen wochenlang Geschichten lieferten.

Selbst in der langen Phase der Stabilität unter Ralph Krueger (1997 bis 2010) konnten wir doch nie sicher sein, ob es nicht doch zu einem «Absturz» und einer Amtsenthebung des Nationaltrainers kommen wird.

65 Jahre lang, von 1953 bis 2018 reisten wir als Aussenseiter, als «kleine» Nation zur WM. Die letzten sieben Jahre dieser «Belle Epoque» waren zwar geprägt von Aufbruchstimmung und erstaunlichen Fortschritten. Den ersten Siegen gegen die NHL-Kanadier (2006 in Turin) und schliesslich dem silbernen Hockey-Frühling von Stockholm (2013). Aber Hektik, Unsicherheit, Unruhe und Unrast, die Aussenseiter umtreiben, bleiben selbst nach dem WM-Finale von 2013.

Philipp Kuraschew, der erstaunliche WM-Neuling
Mittelstürmer Philipp Kuraschew (19) ist der erstaunlichste Neuling der «Ära Fischer» (seit der WM 2016). Er hat erst drei Spiele (drei AHL-Playoff-Partien) gegen Erwachsene gespielt. Und jetzt gleich bei der WM gegen die besten Erwachsenen der Welt.

U20-Nationaltrainer Christian Wohlwend, hier Assistent von Patrick Fischer und nächste Saison HCD-Coach, erklärt die Nomination: «Er war bei der U20-WM ein dominierender Spieler. Nach dem Ausfall von Enzo Corvi war für uns klar, dass wir ihn durch Philipp Kurachew ersetzen.»

Ist es ein Problem, dass Philipp Kuraschew bisher praktisch nur gegen Junioren gespielt hat? «Nein. Das Junioren-Hockey auf dem kleinen Eisfeld ist in Nordamerika so intensiv wie bei uns das Erwachsenenhockey. Nächste Saison wird er bei Chicago um einen Platz in der NHL kämpfen.»

Die letzten Junioren, die nach einer U20-WM in der gleichen Saison auch die «richtige» WM bestritten haben, sind Nino Niederreiter (WM 2010/4 Spiele/0 Punkte) und Kevin Fiala (WM 2014/7 Spiele/2 Assists) unter Nationaltrainer Sean Simpson und Roman Josi (2009/6 Spiele/0 Punkte) unter Ralph Krueger.

In den Tagen vor der WM war Jahr für Jahr zu spüren: Wir gehören halt doch nicht zu den «Grossen». Wir haben noch nicht das Selbstverständnis, die Ruhe, die Gelassenheit und das Selbstvertrauen, die aus dem Wissen um die unerschütterliche eigene Bedeutung kommen. Aus dem Wissen, dass man zu den Grossen gehört, ganz gleich, was bei der WM passiert. Ein WM-Misserfolg? Na und? Deswegen geht unsere Hockeywelt nicht unter. Was auch in Bratislava passiert wird die Position von Patrick Fischer nicht erschüttern.

Patrick Fischer hat den Schweizern Selbstvertrauen eingeimpft.
Patrick Fischer hat den Schweizern Selbstvertrauen eingeimpft.Bild: EPA/KEYSTONE

Nun hat sich etwas verändert. Der Tag vor dem WM-Start in Bratislava ist anders. So war es noch nie. Die Silber-WM von 2018 wirkt sich aus. 2018 war ganz offensichtlich mehr als bloss eine Bestätigung für die Silber-WM 2013.

Die WM 2018 hat das gesamte Auftreten, das Umfeld der Nationalmannschaft verändert. Freitagmittag. Das Abschlusstraining vor der WM-Startpartie gegen Italien am nächsten Tag (Samstag, 12.15 Uhr) ist zu Ende. Die Spieler, noch in ihren ritterähnlichen Ausrüstungen und Nationaltrainer Patrick Fischer stellen sich den Fragen der Chronistinnen und Chronisten.

Gelassenheit und gesundes Selbstvertrauen ziehen sich durch alle Antworten und durch das Auftreten aller. Inzwischen weiss nicht nur jeder, wie schwierig die Aufgabe ist. Logisch. Aber noch viel wichtiger: jeder weiss, dass man gut genug ist, Erfolg zu haben. Die Schweizer treten zum ersten Mal vor einer WM wie die «Grossen» auf.

Die Absage von NHL-Verteidiger Dean Kukan wäre früher Grund zur Aufregung gewesen. Dieses Thema ist bereits am Donnerstag mit einem einzigen Statement von Patrick Fischer erledigt. Mit der Möglichkeit, dass einer wie Nino Niederreiter vielleicht doch noch nachrücken kann, wären einst alle WM-Hoffnungen verknüpft worden. Jetzt ist es einfach eine Option. Nach dem Grundsatz: Kommt er, umso besser. Kommt er nicht, sind wir trotzdem gut genug.

Dean Kukan bleibt der Nati fern.
Dean Kukan bleibt der Nati fern.Bild: KEYSTONE

Zuletzt haben wir viermal hintereinander im Startspiel gegen den Aufsteiger Punkte abgegeben: 2015 gegen Österreich, 2016 gegen Kasachstan, 2017 gegen Slowenien und 2018 erneut gegen Österreich.

Diese Fehlstarts sind jetzt auch ein Thema. Aber unaufgeregt. Patrick Fischer sagt, man habe das noch einmal thematisiert. Klar. Aber Hektik, Unsicherheit, Unruhe und Unrast der früheren Jahre sind verschwunden. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist grösser als die Angst vor dem Versagen. Das ist das Merkmal der «Grossen». Das eifrige bis lächerliche Starkreden des Gegners (es ist Aufsteiger Italien) entfällt.

Die Mannschaft für die Pflichtaufgabe gegen Italien (Samstag, 12.15 Uhr, live SRF2) ist formiert:

Das Tor hütet entweder Leonardo Genoni oder Reto Berra.

In der Verteidigung treten an:
Roman Josi, Yannick Weber.
Michael Fora, Lukas Frick.
Romain Loeffel, Joël Genazzi.
Raphael Diaz, Janis Moser.

Die Sturmreihen bilden:
Grégory Hofmann, Philipp Kuraschew, Lino Martschini.
Tristan Scherwey, Christoph Bertschy, Noah Rod.
Simon Moser, Gaëtan Haas, Andres Ambühl.
Kevin Fiala, Nico Hischier, Vincent Praplan.

Patrick Fischer hat diese 20 Feldspieler gemeldet. Gaëtan Haas und Raphael Diaz sind die einzigen, die er seit seiner ersten WM 2016 immer nominiert hat.

Gaetan Haas ist eine Konstante unter Fischer.
Gaetan Haas ist eine Konstante unter Fischer.Bild: KEYSTONE

Zwei Plätze bleiben offen. Einen davon übernimmt ab dem dritten Spiel am Dienstag gegen Österreich Sven Andrighetto und der zweite bleibt vorerst offen. Weil die Möglichkeit besteht, dass Nino Niederreiter doch noch zur WM kommen kann. Er hat mit Carolina soeben das erste Stanley-Cup-Halbfinalspiel verloren.

Somit bleiben die beiden Stürmer Alessio Bertaggia und Damien Riat vorerst auf der Tribüne.

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4 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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nüme alli Nadle a de Tanne
10.05.2019 23:25registriert April 2019
Mit 2 Silber seit und mit 2013 gehören wir zu den fetten Fischen. Ob es nun einigen Nörgeln passt oder nicht. Hopp Schwiiz🇨🇭
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Heini Hemmi
11.05.2019 00:15registriert November 2017
Ojee, wenn der Eismeister derart guter Dinge ist, dann geht’s wohl in die Hose.
Trotzdem: Hopp Schwiiz!
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Paris Hilton war ein Eishockey-Talent – 25 Promis mit einer Sport-Karriere
Sie sind heute Politiker oder Schauspielerin, sie verdienen ihr Geld mit Musik oder sind zur Fürstin aufgestiegen. Und sie eint eines: Bevor sie in ihrer Branche Erfolg hatten, waren sie mehr oder weniger talentierte Sportler.

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