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Switzerland's Christoph Bertschy, left, and Switzerland's Roman Josi, during a training session of the Swiss team at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, on Friday, May 10, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Die Schweizer treten in Bratislava selbstbewusst auf. Bild: KEYSTONE

Die Schweizer treten vor dem WM-Start zum ersten Mal wie die «Grossen» auf

So gut wie am Tag vor dem Start zur Hockey-WM war das Ende der «Belle Epoque» unseres Hockeys noch nie spürbar. Die Mannschaft fürs WM-Startspiel gegen Italien (Samstag, 12.15 Uhr) ist formiert.

klaus zaugg, bratislava



Die «Belle Epoque» («schöne Zeit») unserer WM-Geschichte gibt es nur noch in den Gärten unserer Erinnerung.

Warum «Belle Epoque»? Weil während dieser Epoche jeder WM-Expedition der aufregende Charme der unkontrollierbaren Unvollkommenheiten innewohnte. Es gab ständig neue Ansätze zu einer Polemik. Um den Nationaltrainer, um sein Aufgebot, um seine Taktik. Aus irgendeiner Ecke kam immer eine gewisse Unruhe. Und jeder, der nicht kommen konnte oder kommen wollte, lieferte eine Story. Weil wir so wenig Spieler hatten, die auf WM-Niveau mithalten konnten, dass der Nationaltrainer eigentlich fast auf jeden angewiesen war.

Die Eishockeyspieler Reto von Arx, links, und Marcel Jenni, rechts, mit ihrem Manager Peter Dietrich, Mitte, im Gespraech nach ihrer Ankunft von Salt Lake City auf dem Flughafen Zuerich-Kloten, am Donnerstag, 14. Februar 2002. Marcel Jenni und Reto von Arx sind von Nationalcoach Ralph Krueger aus dem Olympia-Team ausgeschlossen worden. Nach der Niederlage gegen die Ukraine kamen sie nach einer langen Nacht erst um 07.00 Uhr zurueck ins Olympische Dorf. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Salt Lake City 2002: Reto von Arx (links) und Marcel Jenni (rechts) müssen heim reisen. Bild: KEYSTONE

Ach, waren das Zeiten, als Jahr für Jahr die WM-Absenz von Reto von Arx und der Konflikt zwischen Arno Del Curtos HC Davos und den Verbandsgenerälen wochenlang Geschichten lieferten.

Selbst in der langen Phase der Stabilität unter Ralph Krueger (1997 bis 2010) konnten wir doch nie sicher sein, ob es nicht doch zu einem «Absturz» und einer Amtsenthebung des Nationaltrainers kommen wird.

65 Jahre lang, von 1953 bis 2018 reisten wir als Aussenseiter, als «kleine» Nation zur WM. Die letzten sieben Jahre dieser «Belle Epoque» waren zwar geprägt von Aufbruchstimmung und erstaunlichen Fortschritten. Den ersten Siegen gegen die NHL-Kanadier (2006 in Turin) und schliesslich dem silbernen Hockey-Frühling von Stockholm (2013). Aber Hektik, Unsicherheit, Unruhe und Unrast, die Aussenseiter umtreiben, bleiben selbst nach dem WM-Finale von 2013.

Philipp Kuraschew, der erstaunliche WM-Neuling

Mittelstürmer Philipp Kuraschew (19) ist der erstaunlichste Neuling der «Ära Fischer» (seit der WM 2016). Er hat erst drei Spiele (drei AHL-Playoff-Partien) gegen Erwachsene gespielt. Und jetzt gleich bei der WM gegen die besten Erwachsenen der Welt.

U20-Nationaltrainer Christian Wohlwend, hier Assistent von Patrick Fischer und nächste Saison HCD-Coach, erklärt die Nomination: «Er war bei der U20-WM ein dominierender Spieler. Nach dem Ausfall von Enzo Corvi war für uns klar, dass wir ihn durch Philipp Kurachew ersetzen.»

Ist es ein Problem, dass Philipp Kuraschew bisher praktisch nur gegen Junioren gespielt hat? «Nein. Das Junioren-Hockey auf dem kleinen Eisfeld ist in Nordamerika so intensiv wie bei uns das Erwachsenenhockey. Nächste Saison wird er bei Chicago um einen Platz in der NHL kämpfen.»

Die letzten Junioren, die nach einer U20-WM in der gleichen Saison auch die «richtige» WM bestritten haben, sind Nino Niederreiter (WM 2010/4 Spiele/0 Punkte) und Kevin Fiala (WM 2014/7 Spiele/2 Assists) unter Nationaltrainer Sean Simpson und Roman Josi (2009/6 Spiele/0 Punkte) unter Ralph Krueger.

In den Tagen vor der WM war Jahr für Jahr zu spüren: Wir gehören halt doch nicht zu den «Grossen». Wir haben noch nicht das Selbstverständnis, die Ruhe, die Gelassenheit und das Selbstvertrauen, die aus dem Wissen um die unerschütterliche eigene Bedeutung kommen. Aus dem Wissen, dass man zu den Grossen gehört, ganz gleich, was bei der WM passiert. Ein WM-Misserfolg? Na und? Deswegen geht unsere Hockeywelt nicht unter. Was auch in Bratislava passiert wird die Position von Patrick Fischer nicht erschüttern.

epa07558659 Switzerland's head coach Patrick Fischer leads his team's training session for the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, 09 May 2019. The IIHF Ice Hockey World Championship 2019 will take place in Slovakia from 10 May until 26 May 2019.  EPA/MELANIE DUCHENE

Patrick Fischer hat den Schweizern Selbstvertrauen eingeimpft. Bild: EPA/KEYSTONE

Nun hat sich etwas verändert. Der Tag vor dem WM-Start in Bratislava ist anders. So war es noch nie. Die Silber-WM von 2018 wirkt sich aus. 2018 war ganz offensichtlich mehr als bloss eine Bestätigung für die Silber-WM 2013.

Die WM 2018 hat das gesamte Auftreten, das Umfeld der Nationalmannschaft verändert. Freitagmittag. Das Abschlusstraining vor der WM-Startpartie gegen Italien am nächsten Tag (Samstag, 12.15 Uhr) ist zu Ende. Die Spieler, noch in ihren ritterähnlichen Ausrüstungen und Nationaltrainer Patrick Fischer stellen sich den Fragen der Chronistinnen und Chronisten.

Gelassenheit und gesundes Selbstvertrauen ziehen sich durch alle Antworten und durch das Auftreten aller. Inzwischen weiss nicht nur jeder, wie schwierig die Aufgabe ist. Logisch. Aber noch viel wichtiger: jeder weiss, dass man gut genug ist, Erfolg zu haben. Die Schweizer treten zum ersten Mal vor einer WM wie die «Grossen» auf.

Die Absage von NHL-Verteidiger Dean Kukan wäre früher Grund zur Aufregung gewesen. Dieses Thema ist bereits am Donnerstag mit einem einzigen Statement von Patrick Fischer erledigt. Mit der Möglichkeit, dass einer wie Nino Niederreiter vielleicht doch noch nachrücken kann, wären einst alle WM-Hoffnungen verknüpft worden. Jetzt ist es einfach eine Option. Nach dem Grundsatz: Kommt er, umso besser. Kommt er nicht, sind wir trotzdem gut genug.

Switzerland's Dean Kukan speaks to reporters, after a training session, at the IIHF 2015 World Championship, at the Tipsport Arena, in Prague, Czech Republic, Thursday, May 7, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Dean Kukan bleibt der Nati fern. Bild: KEYSTONE

Zuletzt haben wir viermal hintereinander im Startspiel gegen den Aufsteiger Punkte abgegeben: 2015 gegen Österreich, 2016 gegen Kasachstan, 2017 gegen Slowenien und 2018 erneut gegen Österreich.

Diese Fehlstarts sind jetzt auch ein Thema. Aber unaufgeregt. Patrick Fischer sagt, man habe das noch einmal thematisiert. Klar. Aber Hektik, Unsicherheit, Unruhe und Unrast der früheren Jahre sind verschwunden. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist grösser als die Angst vor dem Versagen. Das ist das Merkmal der «Grossen». Das eifrige bis lächerliche Starkreden des Gegners (es ist Aufsteiger Italien) entfällt.

Die Mannschaft für die Pflichtaufgabe gegen Italien (Samstag, 12.15 Uhr, live SRF2) ist formiert:

Das Tor hütet entweder Leonardo Genoni oder Reto Berra.

In der Verteidigung treten an:
Roman Josi, Yannick Weber.
Michael Fora, Lukas Frick.
Romain Loeffel, Joël Genazzi.
Raphael Diaz, Janis Moser.

Die Sturmreihen bilden:
Grégory Hofmann, Philipp Kuraschew, Lino Martschini.
Tristan Scherwey, Christoph Bertschy, Noah Rod.
Simon Moser, Gaëtan Haas, Andres Ambühl.
Kevin Fiala, Nico Hischier, Vincent Praplan.

Patrick Fischer hat diese 20 Feldspieler gemeldet. Gaëtan Haas und Raphael Diaz sind die einzigen, die er seit seiner ersten WM 2016 immer nominiert hat.

Switzerland's Gaetan Haas and Switzerland's coach Patrick Fischer during a training session of the Swiss team at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, on Friday, May 10, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Gaetan Haas ist eine Konstante unter Fischer. Bild: KEYSTONE

Zwei Plätze bleiben offen. Einen davon übernimmt ab dem dritten Spiel am Dienstag gegen Österreich Sven Andrighetto und der zweite bleibt vorerst offen. Weil die Möglichkeit besteht, dass Nino Niederreiter doch noch zur WM kommen kann. Er hat mit Carolina soeben das erste Stanley-Cup-Halbfinalspiel verloren.

Somit bleiben die beiden Stürmer Alessio Bertaggia und Damien Riat vorerst auf der Tribüne.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zbude 11.05.2019 11:51
    Highlight Highlight Ich teile die Zuversicht von Klaus Zaugg nicht. Die Schweizer sind bei den Kleinsten und Leichtesten, das unterscheidet dieses Team von 2018. Die Durchschlagskraft wird fehlen. Heute gibts vor allem noch „dirty goals“, das bedeutet Präsenz und Arbeit vor dem Tor. Das kann Moser, aber wer sonst noch? Für die jungen Filigrantechniker oder Spieler wie Martschini ist da nichts zu holen. Denn die Hünen bei den Finnen, Kanadiern etc. sind nicht nur gross und schwer, sie sind auch schnell.
  • Heini Hemmi 11.05.2019 00:15
    Highlight Highlight Ojee, wenn der Eismeister derart guter Dinge ist, dann geht’s wohl in die Hose.
    Trotzdem: Hopp Schwiiz!
  • Team Insomnia 10.05.2019 23:25
    Highlight Highlight Mit 2 Silber seit und mit 2013 gehören wir zu den fetten Fischen. Ob es nun einigen Nörgeln passt oder nicht. Hopp Schwiiz🇨🇭
    • DINIMAMIISCHNDUDE 11.05.2019 06:21
      Highlight Highlight Ganz genau, der siebtdickste Fisch. Hopp Schwiiz!

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