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Goalie Leonardo Genoni, Stürmer Simon Moser, Verteidiger Raphael Diaz (von links). bilder: keystone/watson

Eismeister Zaugg

Genoni, Moser, Diaz – was aus einem sehr guten einen grossen Spieler macht

Es gibt viele gute und zahlreiche sehr gute, aber nur wenige ganz grosse Eishockeyspieler. Woran erkennen wir, ob einer ein grosser Spieler ist? Wir erkennen die Differenz manchmal schon im Herbst oder Frühwinter.



Manchmal sind die Statistiken einfach atemberaubend. Dann bleibt nur das Urteil: ein grosser Spieler. Zum Beispiel bei Wayne Gretzky, Gordie Howe oder Bobby Orr. Andere sind so charismatische Leitwölfe, dass das Prädikat «gross» einfach nicht ausbleiben kann. Wie bei Mark Messier, Sandro Bertaggia, Denis Potvin, Felix Hollenstein, Martin Plüss oder Reto von Arx.

Der Eishockeyspieler Felix Hollenstein des EHC Kloten kuesst am 1. April 1995 im Stadion Schluefweg in Kloten, Schweiz, den Pokal der Schweizer Eishockeymeisterschaft. (KEYSTONE/Str)

Mister Kloten: Felix Hollenstein. Bild: KEYSTONE

Wenn Talent, Eleganz und Persönlichkeit zusammenkommen, dann haben wir ebenfalls einen Grossen vor uns. Das gilt für Igor Larionow, André Rötheli, Guy Lafleur, Michel Türler oder Slawa Bykow.

epa04224294 Russian former ice hockey players Vyacheslav Bykov (L) and Andrei Khomutov (R) pose for photographers during the Hall of Fame Induction Ceremony 2014 in Minsk, Belarus, 25 May 2014.  EPA/ANATOLY MALTSEV

Fribourgs Super-Russen: Slawa Bykow und Andrej Chomutow. Bild: EPA

Manchmal sind es Effizienz und Kaltblütigkeit, die kein anderes Urteil als «gross» zulassen. Bei Brett Hull, Peter Jaks, Alex Owetschkin, Jari Kurri oder Andrej Chomutow.

Glückspilze können durch ein einziges Tor das Prädikat «gross» erlangen: Paul Henderson durch den Siegestreffer in der legendären Serie zwischen den NHL-Profis und den Sowjets 1972 oder Morgan Samuelsson mit seinem Verlängerungstreffer, der den ZSC Lions den Titel von 2001 bescherte.

Sagen, was Sache ist

Auch Härte kann einem Hockeyspieler die Adelung «gross» eintragen. Das gilt für Marty McSorley, den Bruder von Chris McSorley, für Timo Helbling, Gaston Furrer, Bob Probert, Martin Steinegger oder John Ferguson. Es gibt auch Karrieren, die so erstaunlich sind, dass nur das Prädikat «gross» bleibt. Beispielsweise bei Martin Gerber, Bibi Torriani, Köbi Kölliker, Jörg Eberle, Mark Streit, Gil Montandon oder Roman Josi.

ARCHIVBILD ZUM RUECKTRITT VON MARK STREIT --- Switzerland's Mark Streit poses with the Stanley Cup trophy in Bern, Switzerland, August 2, 2017. Streit won the trophy with the Pittsburgh Penguins in 2017. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Berner Stanley-Cup-Sieger: Mark Streit. Bild: KEYSTONE

Neben Talent, Charisma, Statistiken, rauer Spielweise, historischen Treffern und Titelgewinnen gibt es noch ein Kriterium: Hinstehen und gestehen. Sagen, was Sache ist. Es geht dabei um eine Besonderheit, die es nur in unserer National League gibt: Die vorzeitige Vertragsunterzeichnung bei einem anderen Klub. Ein Kuriosum in der Hockeywelt.

Leonardo Genoni hat, als er noch ein meisterlicher Held in Davos war, am 1. Oktober 2015, lange vor der Zeit beim SCB unterschrieben. Und als er beim SCB war, unterzeichnete er gar schon am 6. August 2018 noch vor seiner letzten SCB-Saison einen neuen Arbeitsvertrag beim EV Zug. Und holte 2019 auch mit dem SCB den Titel. Im Final gegen seinen neuen Arbeitgeber Zug.

Zugs Golaie Leonardo Genoni waehrend dem Swiss Ice Hockey Cup 1/8 Final zwischen dem SC Langenthal und den EV Zug, am Sonntag 25. Oktober 2020, in der Eishalle Schoren in Langenthal. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Ehrliche Haut: Leonardo Genoni. Bild: keystone

Beide Male hat er aus seinem Transfer kein Geheimnis gemacht und hat den Wechsel verkündet. Er ist also hingestanden und hat gesagt: So ist es. Denkt, was ihr wollt. Ende der Durchsage. Punkt.

Fehler zugeben können

Zu diesem Schritt gehört Mut, Format, Persönlichkeit – und Klugheit. Alle Spekulationen waren vom Tisch. Nach ein paar Erregungen war das Thema bald aus den Medien und dem Sinn und seine Mitspieler und er konnten sich wieder ungestört auf ihr Spiel, ihre tägliche Arbeit konzentrieren.

Es gibt noch eine andere Art, hinzustehen. Simon Moser war Captain des Langnauer Abstiegsteams von 2013. Zwei Tage nach dem Abstieg, nach einem der bittersten Momente der Klubgeschichte (am gleichen Tag, an dem die Langnauer durch eine Niederlage in Lausanne relegiert wurden, sicherte sich der SCB den Titel) wird im Tigersaal des neuen Hockey-Tempels ein Podiumsgespräch organisiert. Mehr als 800 Anhängerinnen und Anhänger des Klubs sind gekommen, um zu hören, was Sache ist. Captain Simon Moser steht hin, stellt sich allen kritischen Fragen. Und er sagt auch: Ja, es war ein Fehler, dass ich schon vor dem Ende der Saison, als wir noch um den Ligaerhalt kämpften, schon beim SCB unterschrieben habe.

Berns Simon Moser, jubelt nach seinem Tor (2-2), beim Eishockey-Testpiel zwischen dem SC Bern und Red Bull Muenchen in der Postfinance Arena in Bern, am Sonntag, 6. September 2020. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Gibt Fehler zu: Simon Moser. Bild: keystone

Da war mir klar: Ein grosser Spieler. Ein kommender Titan. Und er ist ja wahrlich beim SC Bern ein grosser Captain, ein Titan geworden. Mehrfacher Meister und zweifacher WM-Silberheld. Also: hinstehen. Die Nordamerikaner haben dafür einen wunderbaren Ausdruck kreiert: Face the music.

Das Wechseltheater um Diaz

Somit sind wir bei Raphael Diaz angelangt. Ein sehr guter Spieler. Einer der besten Verteidiger der Schweizer Eishockeygeschichte. Captain in Zug, zweifacher WM-Silberheld und Captain des zweiten WM-Finalteams von 2018. Ein Musterprofi ohne Fehl und Tadel.

Ist Raphael Diaz nicht nur ein sehr guter, sondern auch ein grosser Spieler? Nein, ist er noch nicht. Aus den Medien erfahren wir, dass er den EV Zug Ende Saison verlassen wird. Was inzwischen offiziell bestätigt ist. Aus den Medien erfahren wir, dass er bei Gottéron unterschrieben hat. Was Gottéron und er nicht bestätigen.

Zugs Raphael Diaz spielt den Puck im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem EV Zug am Dienstag, 13. November 2018, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Lässt Taten statt Worte sprechen: Raphael Diaz. Bild: KEYSTONE

Es gibt keine Vorschriften, wann ein Klub oder ein Spieler einen Transfer zu bestätigen und zu vermelden haben. Wer in der Schweiz vorzeitig bei einem anderen Klub unterschreibt oder zusagt, muss damit rechnen, dass die Sache publik wird. Grundsätzlich gilt wie im richtigen Leben: Wenn nur ich etwas weiss, vernimmt es niemand oder ich bin selbst schuld, wenn es jemand erfährt. Wenn nur ich und der Sportchef des neuen Klubs etwas wissen, weiss ich wenigstens, wer geplaudert hat. Sobald es drei Personen wissen, weiss ich nicht einmal mehr, wer nicht dichtgehalten hat.

Schweigen ist Diaz' gutes Recht

Wenn ein Spieler vorzeitig bei einem anderen Klub unterschreibt, dann wissen es der Sportchef, die Familienangehörigen des Sportchefs, der Präsident und seine Familienangehörigen, die Verwaltungsräte und deren Familienangehörigen, der Spieleragent und dessen Familienangehörigen, der Spieler selber und seine Familienangehörigen, Freunde und Freundinnen, Cousinen und Cousins, Tanten und Onkel, Göttis und Gotten der Familienangehörigen des Sportchefs, des Präsidenten, der Verwaltungsräte, des Spielerangenten und des Spielers und wenn es ganz dumm läuft auch noch irgend ein Chronist. Wir sehen: Geheimhaltung ist gar nicht möglich.

Deshalb ist es klug, sofort hinzustehen und zu sagen, was Sache ist. Wird der Deal geheim gehalten, köchelt die Gerüchteküche und es gibt einfach keine Ruhe. Raphael Diaz mag nicht hinstehen und sagen, was Sache ist. Sein gutes Recht. Dafür ist er nicht zu kritisieren.

Aber vielleicht ist es halt doch kein Zufall, dass Leonardo Genoni und Simon Moser schon mehrmals Meister waren und als Titanen, als grosse Spieler gelten. Und Raphael Diaz noch nicht.

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