Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ZUM BEGINN DER NATIONAL LEAGUE A SAISON 2016/17 STELLEN WIR IHNEN HEUTE, FREITAG, 2. SEPTEMBER 2016, FOLGENDE TORHUETER-PORTRAITSERIE ZUR VERFUEGUNG (DIE TORHUETER DER VERBLEIBENDEN  4 KLUBS FOLGEN AM FREITAG, 9. SEPTEMBER) --- Portrait of Jonas Hiller (1), goaltender of Swiss National League A hockey club EHC Biel, in Biel, Switzerland, on August 31, 2016. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Jonas Hiller (1), Torhueter des National League A Eishockeyclubs EHC Biel, portraitiert am 31. August 2016 in Biel. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Die Entschlossenheit von Jonas Hiller wird bei Biel einen Grossteil des Erfolgs ausmachen. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Trainer Kevin Schläpfer ist nicht mehr der wichtigste Mann bei Biel – das ist nun Jonas Hiller

«Hockeygott» Kevin Schläpfer ist in Biel nicht mehr unumstritten. Zum ersten Mal seit der Rückkehr in die NLA im Frühjahr 2008. Nach acht Jahren in der höchsten Liga und nach einer Saison im neuen Hockey-Tempel steht Biel sportlich nach wie vor auf dünnem Eis.



Biel ist aus dem Traum erwacht, in der NLA eine feste Grösse zu sein. Im Sommer 2015, nach dem spektakulär im 7. Spiel verlorenen Viertelfinal gegen die ZSC Lions, stand Kevin Schläpfer (fast) auf Augenhöhe mit Arno Del Curto. Er galt nicht nur im Seeland als «Hockey-Gott». Nun spekulieren wir ein Jahr später über eine mögliche Entlassung. Was ist passiert?

Die Spieler von Biel, links, und den ZSC Lions stehen auf dem Eis nach dem sechsten Playoff-Viertelfinalspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions, am Donnerstag, 12. Maerz 2015 in der Eishalle in Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Feurig ging's zu und her im Playoff-Duell von Biel gegen den ZSC 2015. Bild: KEYSTONE

Kevin Schläpfer ist das Opfer seines eigenen Erfolges geworden. Durch die Playoffs von 2015 hat er vor dem Einzug in den neuen Bieler Hockeytempel zu hohe Erwartungen geweckt und sogar die Verbandsgeneräle auf den Gedanken gebracht, ihn als Nationaltrainer zu engagieren. Ausgerechnet in dieser kritischen Situation ist mit Jonas Hiller zum ersten Mal in Biel ein Spieler wichtiger als der Trainer.

Wenn es nicht läuft, wird nicht Jonas Hiller in Frage gestellt. Sondern sein Trainer Kevin Schläpfer. Zumal es genug gute Coaches gibt, die keinen Job haben und nur auf einen Telefonanruf aus Biel warten. Lars Leuenberger kann bereits eine Stunde nach einem Anruf von Sportchef Martin Steinegger auf dem Eis stehen und übernehmen.

Sportlicher Aussenseiter

Kevin Schläpfer ist sich seiner kritischen Situation sehr wohl bewusst. Er hat mit Dino Stecher seinen Wunschassistenten durchgesetzt. Auf dessen bedingungslose Loyalität kann er sich verlassen. Und die wird er brauchen. Wir dürfen in dieser schwierigen Situation den besten Kevin Schläpfer aller Zeiten erwarten. Sein Kampfgeist («ich gegen die ganze Welt») ist grösser denn je – und deshalb kann er sich durchsetzen.

08.Jan.2012; Bern; Eishockey NLA - SC Bern - EHC Biel;
Assistenz-Trainer Dino Stecher (Biel).
(Urs Lindt/freshfocus)

Schläpfers Assistent Dino Stecher. Bild: freshfocus

Einfach wird es allerdings nicht. Die Bieler haben die erste Saison im neuen Stadion so beendet wie die erste Saison nach dem Wiederaufstieg im Frühjahr 2009: auf dem letzten Platz. Sie verloren die Playouts gegen Langnau und waren froh, dass die Liga-Qualifikation nicht gespielt werden musste, weil NLB-Meister Ajoie nicht aufsteigen konnte. Biel war im letzten Frühjahr hochgradig abstiegsgefährdet.

Was ist schief gelaufen? Wer hat versagt? Es gibt keinen Sündenbock. Es hat sich bloss gezeigt, auf welch dünnem Eis Biel nach wie vor steht. Ein paar Episoden, jede für sich alleine ohne grosse Wirkung, reichen aus, um ein gut geführtes Hockeyunternehmen zu erschüttern. Der dilettantische Versuch des Verbandes Kevin Schläpfer zum Nationaltrainer zu machen, miserable Leistungen einzelner ausländischer Spieler, teure Schweizer Transfers, die sich als Flop erwiesen haben (Daniel Steiner, Fabian Sutter), Verletzungspech – und schon geht es um die Existenz. Biel ist in der höchsten Liga nach wie vor ein sportlicher Aussenseiter.

NHL-Goalie hinter NLB-Abwehr

Oder ändert sich mit Jonas Hiller alles? Nein. Er ist zwar Biels wichtigster Transfer in diesem Jahrhundert. Er weckt himmelhohe Erwartungen – so wie einst Montréals NHL-Superstar und Stanley Cup-Sieger Jacques Lemaire in den 1970er Jahren als Spielertrainer beim NLB-Team Sierre. Er stieg in zwei Anläufen nicht in die NLA auf.

Sind die Erwartungen hoch? Ja. Jonas Hiller gehört immer noch zu den grossen Torhütern, die eine Mannschaft besser machen können. Aber selbst ein Jonas Hiller, der sein bestes Hockey spielt, kann Biel in dieser ausgeglichenen Liga nicht im Alleingang in die Playoffs hexen. Viel besser als Reto Berra in seinen besten Bieler Tagen kann auch er nicht sein.

Der Bieler Goalie Reto Berra reagiert nach einem weiteren Gegentreffer, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem EHC Biel Bienne, am Dienstag, 6. Oktober 2009 im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/PHOTOPRESS/Steffen Schmidt)

Reto Berra war in Biel ein starker Rückhalt. Bild: PHOTOPRESS

Nie seit Einführung der Playoffs war das Leistungsgefälle zwischen dem Torhüter (Jonas Hiller) und seinen Vorderleuten (den Verteidigern) so gross wie nun bei Biel. Etwas polemisch formuliert: Ein NHL-Goalie steht hinter einer NLB-Abwehr und daran ändert auch der ausländische Verteidiger Mike Lundin nicht viel.

Was ist neu?

Die Schlüsselspieler beim EHC Biel

Transferbilanz:

Dank dem Transfer von Jonas Hiller gut gehalten

Jobsicherheit des Trainers:

So gering wie nie seit 2010

Die bange Frage:

Ist Kevin Schläpfer nach wie vor ein Hockey-Gott?

Prognose: Platz 11

Wie schneidet Biel in der Regular Season ab?

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Playoffs 1985/86

Eishockey Saisonvorschauen 2016/17

Trainer Kevin Schläpfer ist nicht mehr der wichtigste Mann bei Biel – das ist nun Jonas Hiller

Link zum Artikel

Zug ist endlich wieder so böse wie im Meisterjahr 1998 – aber auch so gut?

Link zum Artikel

Ist das «Grande Lugano» auferstanden? Noch nicht. Aber es gibt keine Ausreden mehr

Link zum Artikel

Die Konkurrenz sollte sich wappnen: Der SCB ist noch stärker als in der Meistersaison

Link zum Artikel

Diesmal ist Arno Del Curtos Tiefstapelei nicht nur Theater: Der HCD hat ein Torhüterproblem

Link zum Artikel

Sind die ZSC Lions zu gut, um regelmässig Meister zu werden?

Link zum Artikel

Die SCL Tigers und das riskante Experiment mit den «Billig-Trainern»

Link zum Artikel

Ambri kehrt zu den Ursprüngen zurück – aber auch in die Playoffs?

Link zum Artikel

Lausanne kopiert ausgerechnet die SCL Tigers – ob das gut geht?

Link zum Artikel

Vieles ist neu bei Gottéron: Zeigt der Drache sein wahres Gesicht?

Link zum Artikel

Trotz den stets fehlenden zwei Millionen: Servette will den Ruf als «YB des Hockeys» loswerden

Link zum Artikel

Kloten mit wiedergewonnener Bodenständigkeit – das Zünglein an der Waage sind die Goalies

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Ambri und die Valascia – des Eismeisters Abschied von der steinernen Seele unseres Hockeys

Nach dieser Saison wird mit der Valascia ein Kraftort des Schweizer Eishockeys für immer von der Landkarte verschwinden. Ein letzter Rundgang durchs mythischste Stadion unseres Hockeys.

Beginnen wir unsere letzte Geschichte über die Valascia mit ein wenig Pathos. Gustave Flaubert ist ein französischer Dichter aus dem 19. Jahrhundert. Er hat einmal geschrieben: «Es gibt Orte auf der Welt, die so schön sind, dass man sie an sein Herz pressen möchte.» Wäre er ein Hockey-Chronist gewesen, dann hätte er mit diesem Satz die Valascia gemeint.

Soweit die Romantik. Aber Polemik gehört auch dazu. Es gibt ein Buch über Ambri, zusammengestellt von Ruedi Ingold. Darin gibt es eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel