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Captain Dino Wieser mit dem Pokal für den zweiten Rang.
Captain Dino Wieser mit dem Pokal für den zweiten Rang.
Bild: freshfocus
Nach dem ersten Turnier mit Glen Hanlon: 

Hoffnung auf das «Hitzfeld-Gen»

Ein geschenkter und ein billiger Sieg, dazu eine bittere Niederlage – so lässt sich der Deutschland Cup auf einen Nenner bringen. Wir können uns einen Nationaltrainer wie Glen Hanlon wahrscheinlich leisten.
09.11.2014, 18:5110.11.2014, 07:34
klaus zaugg, münchen

Die Schweizer haben beim ersten Turnier unter dem neuen Nationaltrainer Glen Hanlon einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Vor zehn Jahren hätten wir bei zwei Siege, einer Niederlage und einem zweiten Schlussrang beim Deutschland Cup noch gejubelt. Doch wenn der Anspruch eine WM-Medaille ist, dann ist die Beurteilung im November kritischer.

Der Sieg gegen Kanada war geschenkt (Siegestreffer ins leere Netz), gegen Deutschland (1:3) waren wir chancen- und konzeptlos und der heutige Sieg gegen die Slowakei (2:1) war in gewisser Weise in billiger Erfolg: Beide Teams hatten keine Chance mehr auf den Turniersieg. Die Intensität war durchschnittlich und die Niederlage der Slowaken trotz eines 0:1-Rückstandes absehbar. Nationaltrainer Glen Hanlon sagte, er sei stolz auf das letzte Drittel dieser Partie, das die Schweizer 2:0 gewonnen haben. «Es war unser bestes Drittel des ganzen Turniers.» Aber eben: Gegen den schwächsten Gegner des Turniers. 

Diese Partie bescherte uns zwei Highlights. Das erste Länderspieltor von Lino Martschini. Die nur 168 cm grosse Tanzmaus war der spektakulärste Stürmer der Schweizer. So beweglich, schlau, schussstark und schnell, dass er an NHL-Star Martin St. Louis (173 cm) mahnt. Er kann es bis ins WM-Team bringen. Fürs zweite Highlight sorgte Torhüter Sandro Zurkirchen. Er hat seine zwei ersten Länderspiele (2:1 Kanada, 2:1 Slowakei) mit einer phänomenalen Abwehrquote von 96,88 Prozent gewonnen. Er ist, je nachdem wer aus der NHL zur Verfügung steht, WM-Kandidat.

Gaetan Haas jubelt mit Torschütze Lino Martschini (l.).
Gaetan Haas jubelt mit Torschütze Lino Martschini (l.).
Bild: freshfocus

Der Steigerungslauf

Die Mannschaft steigerte sich vom ersten bis zum dritten Spiel, hatte allerdings den mit Abstand stärksten Gegner in der ersten Partie. Gegen die robusten Deutschen fehlten Durchsetzungsvermögen, Mut und Konzept – und das ist, weil diese Partie einem WM-Spiel am nächsten kam, schon ein wenig beunruhigend.

Der Deutschland Cup bescherte auch einige Enttäuschungen. Tristan Scherwey, der König von Bern, war nur der Zwerg von München. Ohne Energie, ohne Lust, ohne Mut. Auch sein SCB-Teamkollege Christoph Bertschy, einer der schnellsten Spieler der Liga, stürmte wie mit angezogener Handbremse. Klotens Simon Bodenmann, ein Silberheld von 2013, war sogar ein Ausfall und alles in allem der wirkungsloseste Spieler.

Reto Suri war hier in München zum ersten Mal in der Nationalmannschaft der Leitwolf. Der Kreis hat sich geschlossen. Seine Nationalmannschafts-Karriere hat im November 2010 mit einem Aufgebot von Sean Simpson zum Deutschland Cup begonnen. Jetzt war er vier Jahre später am gleichen Ort der charismatischste Einzelspieler, hat schon zwei WM- und ein Olympia-Turnier bestritten und stand nun in der Teamhierarchie erstmals ganz oben.

Reto Suri ist der Leader.
Reto Suri ist der Leader.
Bild: freshfocus

«Das mag die Wahrnehmung von aussen sein» relativiert er seine Rolle. «Aber ich habe viel Verantwortung übernommen, vielleicht wollte ich im ersten Spiel sogar zu viel. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie schwierig es für junge Spieler bei den ersten Länderspielen ist. Wir haben alles versucht um den Jungen den Einstieg zu erleichtern.»

Das Turnier sei ein Steigerungslauf gewesen. Das System sei zwar nicht grundsätzlich neu. «Aber Details wie die Varianten bei der Angriffsauslösung oder beim Forechecking sind neu und das braucht Zeit.» Reto Suri hat den ersten Treffer von Lino Martschini vorbereitet – und vorausgesagt. «Ich habe ihm gesagt, jetzt sei es Zeit, dass er das erste Tor mache. Er ist unglaublich schnell und beweglich und kreativ. Er ist nach meinem Pass losgestürmt und sein Schuss war super». Von allen hier in München eingesetzten Spielern hat Reto Suri auf Grund seiner Leistung und seiner Verdienste das WM-Ticket als einziger schon auf sicher.

Glen Hanlon ist zufrieden mit dem Turnier. 
Glen Hanlon ist zufrieden mit dem Turnier. 
Bild: freshfocus

Vergleich mit seinen Vorgängern

Am Ende der Saison fragt niemand mehr nach den Resultaten des Novembers. Und doch hat dieser Deutschland Cup 2014 eine ganz besondere Bedeutung. Dieses Turnier ist ja der Anfang einer neuen Ära. Wir haben hier in München zum ersten Mal eine Antwort auf die Frage bekommen, ob dieser freundliche Kanadier das Format hat, um in die grossen Schuhe seiner Vorgänger Ralph Krueger und Sean Simpson zu treten.

Etwas zugespitzt formuliert: Bei diesem Deutschland Cup gab es – wie eingangs erwähnt - nur ein richtiges Spiel: Die Partie gegen Deutschland. Und da waren Glen Hanlon und die junge, unerfahrene Mannschaft (11 Neulinge) überfordert. Gegen Kanada und die Slowakei zeigten die Schweizer gute Ansätze zu defensiver Stabilität und Tempospiel. Aber diese beiden Gegner hatten eben nur Operetten-Format.

Beim Debüt von Glen Hanlon hat sich bestätigt, was wir schon bei seiner Einstellung wussten: Dieser nette Opportunist, der in seiner Karriere noch nie irgendetwas gewonnen oder bewegt hat, wird unsere Nationalmannschaft nicht führen, inspirieren und formen wie seine Vorgänger. Er wird sie verwalten und so wohl auch nicht weiter entwickeln. Die Mannschaft wird eher eine Selbsterfahrungsgruppe und Spieler sind viel stärker in die Verantwortung gebunden als unter Ralph Krueger und Sean Simpson.

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Clarence Kparghai, Dario Simion, Lorenz Kienzle, Dino Wieser und Samuel Walser freuen sich nach dem Tor zum 2:1.
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Bild: freshfocus

Die Frage ist also: Sind wir schon gut genug, haben wir genug international erfahrene Leitwölfe, die das Team zusammenhalten und führen können um uns an der nationalen Bande einen Verwalter leisten zu können? Um Mittelmass zu sein – also bei der WM nicht in Abstiegsgefahr zu geraten und ab und zu ins Viertelfinale zu kommen – reicht es auch mit einem Glen Hanlon so wie wir ihn hier in München erlebt haben. Aber über dieses Mittelmass hinaus kommen wir nur mit grossen Leistungen in grossen Partien.

Bei seinem Debüt war Glen Hanlon noch kein Bandengeneral für grosse Partien. Aber wir haben in München mit elf Neulingen zwei von drei Partien gewonnen. Wir sind inzwischen wohl gut genug, um trotz Glen Hanlon mit etwas Glück mehr als Mittelmass zu sein. Und noch etwas stimmt recht optimistisch: Der Kanadier scheint ein «Hitzfeld-Gen» zu haben. Der geschenkte Sieg gegen Kanada macht Hoffnung, dass Glen Hanlon einer ist, der wie Ottmar Hitzfeld das Wettkampfglück als Schweizer Nationaltrainer auf seiner Seite hat.  

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