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Nico Hischier wird 2017 an erster Stelle gedraftet. Seither ist die Schweizer Bilanz im NHL-Draft eher mager.
Nico Hischier wird 2017 an erster Stelle gedraftet. Seither ist die Schweizer Bilanz im NHL-Draft eher mager.
Bild: AP/AP
Eismeister Zaugg

Kein NHL-Draft: Noch kein Grund zur Panik, aber Gefahr durch Narren

Erst zum dritten Mal in diesem Jahrhundert zeigte die NHL im Draft kein Interesse an Schweizern. Auch für die nächsten Jahre sieht es nicht viel besser aus. Deshalb ist die Gefahr durch die Narren der Liga so gross wie noch nie.
08.10.2020, 13:1308.10.2020, 13:46

Zufall oder Alarmzeichen? Die NHL-Klubs haben beim Draft keine Schweizer berücksichtigt. Wie 1992, 1995, 2005 und 2009 ist beim NHL-Draft kein Schweizer «gezogen» worden. Nach der Euphorie von 2017 mit Nico Hischier als Nummer-1-Draft nun also ein Tiefpunkt. Und ein Grund zur Sorge? Ja.

Es gibt auch einen Grund, warum wir uns keine Sorgen machen müssen: Die Schweiz hat nach wie vor ein begrenztes Potenzial. Wenn soeben im Draft mehr Kanadier (73), Amerikaner (51), Schweden (32), Russen (23) oder Finnen (17) berücksichtigt worden sind, so hat das eine statistische Logik. Kanada hat 427'000 registrierte Junioren, die USA 322'000, Schweden 35'000, Russland 92'000 und Finnland 30'000. Die Schweiz ist mit 16'000 lizenzierten Junioren zwar kein Hockey-Zwerg. Aber bei dieser schmalen Basis sind NHL-Drafts nie eine Selbstverständlichkeit. Schwankungen – Jahre ohne Draft, Jahre mit bis zu fünf Drafts (wie zuletzt 2015) – sind an und für sich normal. Einen Trend aus einem einzigen Jahr abzulesen, ist wenig sinnvoll.

Nun haben wir allerdings zum zweiten Mal hintereinander sehr magere Jahre: ein einziger Draft 2019, keiner 2020. So war es in diesem Jahrhundert noch nie. Und ein Blick ins 580 Seiten dicke «NHL Draft Black Book», das sich auch mit den Aussichten bis und mit dem Draft von 2023 befasst, sind die Schweizer kein Thema. Wir stehen tatsächlich vor mageren Jahren.

Auffallend ist, dass die Kanadier, Amerikaner und Russen gemessen an der grossen Anzahl Junioren im Vergleich etwa zu Schweden eigentlich zu wenig herausholen. Das hängt damit zusammen, dass in diesen Ländern bereits auf Juniorenstufe ein gnadenloses Leistungsprinzip herrscht. Nur die Besten setzen sich durch. Würden wir mit unseren Talenten so umspringen und ihnen nicht eine zweite, dritte oder vierte Chance geben – dann hätten wir praktisch keine NHL-Drafts. Wir müssen zu unseren Nachwuchsspielern viel mehr Sorge tragen als die Grossen und – ähnlich wie in Schweden und Finnland – den Förderungs- und Ausbildungsfaktor stärker gewichten als das reine Leistungsdenken. Hinzu kommt, dass bei uns die Schul- und Berufsbildung richtigerweise stark gewichtet wird. Damit sind wir bisher sehr gut gefahren. Unsere Hockeykultur gilt als die erstaunlichste der Welt. Aber sie ist eben auch fragil und sie bedarf stetiger Hege und Pflege.

Den Untergang des Abendlandes müssen wir also noch nicht ausrufen. Aber zwei Trends sind beunruhigend. Es geht um ein strukturelles und ein politisches Problem. Das strukturelle Problem: Durch den Aufbau der Farmteams (GCK Lions, EVZ Academy, Rockets) und die enge Zusammenarbeit mit den Klubs der Swiss League und durch die «MySports League» werden der höchsten Juniorenliga (U 20) die besten Spieler entzogen. Das Niveau der Elite-Junioren sinkt seit mehreren Jahren.

Die Folge: Es rücken zwar mehr jüngere Jahrgänge bereits in die Elite-Meisterschaft nach. Aber so wird auch das Niveau der unteren Nachwuchsklassen verwässert. Diese Problematik ist erkannt worden. Die Idee, die U-20-Meisterschaft in die «MySports League» (die höchste Amateurliga) zu integrieren, wird zwar nicht umgesetzt. Voraussichtlich wird die Altersgrenze bei den Elitejunioren um zwei Jahre erhöht (U 22), um Intensität und Niveau anzuheben.

Viel gefährlicher ist allerdings für die künftige Entwicklung die Idee, die Anzahl Ausländer in der National League zu erhöhen. Sie geht einher mit einer weiteren absurden Idee: die Lizenz-Schweizer (ausländische Spieler, die als Junioren bei uns ausgebildet werden und eine Schweizer Lizenz bekommen) abzuschaffen. Die Schweiz wird international um ihre Ausländerlösung beneidet. Nur der Schweiz ist es gelungen, die Anzahl ausländischer Spieler auf ein vernünftiges Mass (vier dürfen pro Partie eingesetzt werden) zu begrenzen. Dadurch ist es nicht nur einfacher, Schweizer Spieler zu fördern und zu fordern. Dadurch wird auch die Chance auf eine Profi-Karriere viel grösser.

Das spielt eine Rolle, wenn sich ein talentierter Bub zusammen mit seinen Eltern entscheidet, ob er Fussball oder Hockey spielen oder ob er später auf eine Profikarriere setzen soll. Die Lizenz-Schweizer beleben unsere Junioren-Meisterschaft auf allen Ebenen, «unsere» einzigen NHL-Drafts in diesem Jahr sind Lizenz-Schweizer: Österreicher, die in der Schweiz ausgebildet wurden.

Der Österreicher Marco Rossi, der im Draft an neunter Stelle gezogen wurde, ist ein Produkt der ZSC/GCK-Organisation.

Die Schnapsidee der Ausländererhöhung (ein anderer Ausdruck wird dem Unsinn nicht gerecht) wird primär in Bern von Marc Lüthi ausgebrütet. Die Erhöhung der Anzahl Ausländer ist politisch nur machbar, wenn das Geschäft vom grossen SCB-Zampano vertreten wird. Inzwischen wird hinter wohlweislich verschlossenen Türen schon eine Aufstockung auf 10 Ausländer vorbereitet. Der einflussreiche SCB-Mitbesitzer und -Verwaltungsrat glaubt an das Märchen, man könne mit billigen Ausländern aus Skandinavien, der Slowakei oder Slowenien Geld sparen. Weil die billiger seien als die Mitläufer mit Schweizer Pass. Was erstens reines Wunschdenken ist, und zweitens würden die zusätzlichen Ausländer nicht seine teuren Mitläufer ersetzen. Sondern die letzten Plätze der eigenen Talente wegnehmen.

Marc Lüthi arbeitet immer noch an einer Aufstockung des Ausländerkontingents in der Schweiz.
Marc Lüthi arbeitet immer noch an einer Aufstockung des Ausländerkontingents in der Schweiz.
Bild: keystone

Marc Lüthi mag als bester Sportmanager im Land gelten – aber hier irrt er. Weil er nach wie vor nicht realisiert (oder nicht einsehen will), wie schwach seine Sportabteilung geführt wird, sucht er die Lösung seines hausgemachten Problems auswärts. Bei der Ausländerfrage. Der SCB zahlt heute die höchsten Löhne für Mitläufer bei gleichzeitiger Geringschätzung der eigenen Talente. Jüngste Beispiele: Der HCD wollte eigentlich Thierry Bader behalten. Er hat ein gewisses Potenzial, bedarf aber noch der Weiterbildung. Also hat der Stürmer ein Angebot von 120'000 Franken pro Saison bekommen. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit sagte er dem HCD ab: Der SCB zahle ihm 240'000 Franken, er werde nach Bern zügeln.

Thierry Bader verdient in Bern doppelt so viel, wie ihm Davos geboten hätte.
Thierry Bader verdient in Bern doppelt so viel, wie ihm Davos geboten hätte.
Bild: KEYSTONE

Worauf ihm der HCD-Sportdirektor für das Verhandlungsgeschick seines Agenten gratuliert haben soll. Und als der SCB beim durchaus guten Ergänzungsspieler Jan Neuenschwander wie gewohnt kräftig an der Preisschraube zu drehen begann, mochte Biels Sportchef Martin Steinegger nicht mehr mithalten und liess Neuenschwander ziehen. Wenn es aber dann um die Transfers der Stars geht, hat der SCB kein Geld mehr.

Kein NHL-Draft 2020 ist also noch kein Grund zur Panik. Aber ein Grund, laufend über die Strukturen nachzudenken (was bereits passiert) und vor allem die Narren zu stoppen, die die Anzahl Ausländer erhöhen und unser Hockey ruinieren wollen. Es kann ja nicht sein, dass der SCB die Probleme seiner Sportabteilung auf Kosten des Wohles unserer Hockeykultur zu lösen versucht.

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