Wie der SC Bern sein Stadionproblem lösen will
Der SCB-Hockeytempel (PostFinance-Arena) ist längst eine «Flachland-Valascia» geworden: Wenig Komfort für das Proletariat und ungastlich kalt. Warm haben nur die VIP-Gäste. Will der SCB mittelfristig unser Hockey wieder rocken, dann muss das Stadionproblem gelöst werden. Die Stadionfrage ist also mittelfristig wichtiger als sportlicher Ruhm. Weil die Sache wichtig ist, hat sich der Chronist ein wenig herumgehört und erstattet Bericht über das, was er in der Stadionsache vernommen hat. Geschrieben nach bestem Wissen und Gewissen.
Die PostFinance-Arena gehört der Swiss Prime Sites AG. Ein milliardenschweres, börsenkotiertes Unternehmen der Immobilienbranche mit Sitz in Zug. Eines der grössten dieser Art in unserem Land mit europäischer Ausstrahlung. Der SCB ist Generalmieter des Stadions. Nun wird an einer Übernahme des Hockey-Tempels gearbeitet. Läuft alles wie vorgesehen, wird der SCB künftig Besitzer des Stadions sein. Eine Investition, die gut amortisiert werden kann. Weil dann nicht nur alle Erträge in die SCB-Kasse fliessen, sondern auch keine Mietkosten mehr abfliessen.
Intensiv ist die Möglichkeit eines neuen Standortes rund um Bern geprüft worden. Letztlich sind alle Neubau-Projekte in der Schublade verschwunden. Der zentrale Grund: Einsprachen würden im Falle eines Neubaus an einem neuen Standort das ganze Geschäft auf Jahre hinaus blockieren. Zügig kann das Stadionproblem nur mit einer Sanierung am aktuellen Standort gelöst werden.
Wobei die Bauarbeiten den Spielbetrieb schon ein wenig beeinträchtigen. Der SCB kann während den Arbeiten am Stadion nicht vorübergehend in eine andere Arena zügeln. Es gibt kein Ausweichstadion, das auch nur die Saisonkarten-Besitzer (rund 12'000) aufnehmen könnte.
Für den Umbau bzw. die Sanierung werden rund 15 Monate veranschlagt. Die Umbauzeit soll daher auf drei Jahre verteilt werden. Während knapp 5 Monaten pro Jahr werden keine Meisterschaftsspiele ausgetragen und es kann Vollgas gebaut werden. Ein Umbau bei laufendem Spielbetrieb bringt zwar Unannehmlichkeiten für alle, ist aber machbar. Auch Gottéron hat sein Stadion rundum erneuert, ohne in eine andere Arena auszuweichen.
Vorgesehen ist ein reines Hockey-Stadion. Also keine multifunktionelle Arena. Da die Berner Festhalle gleich nebenan steht, macht es wenig Sinn, diese Einrichtung (Fassungsvermögen rund 9000 Plätzen) mit kulturellen Veranstaltungen zu konkurrenzieren.
Die PostFinance-Arena ist mit 17'031 Plätzen vor der Swiss Life Arena in Zürich (12'000) die grösste im Land. Das soll trotz künftig kleinerem Fassungsvermögen so bleiben. Vorgesehen sind rund 15'000 Plätze und davon nur noch 4000 bis 6000 für Stehplatzfans. Die legendäre Stehrampe auf der Längsseite verschwindet also und die Stehplätze kommen hinter einem der beiden Tore näher ans Spielfeld heran. Die Stimmung wird so besser sein. Der aktuelle VIP-Bereich passt hingegen weitgehend unverändert auch ins neue Stadion. Die rundum erneuerte Arena wird nicht mehr Platz beanspruchen als die alte.
Die Anschlüsse für den privaten und den öffentlichen Verkehr sind bereits vorhanden und eine Mehrbelastung durch höheres Verkehrsaufkommen gibt es nicht. Daher entfällt der ganze Bewilligungs- und Einspracheprozess, der ein solches Projekt jahrelang blockieren kann. Eine Volksabstimmung ist auch nicht erforderlich.
Bleibt die Finanzierungsfrage. Im Detail sind die Kosten noch nicht berechnet. Aber die neue bzw. rundum erneuerte Arena wird mehr als 100 Millionen kosten. Das Geld soll von privaten Investoren kommen. Soweit die getreuliche Wiedergabe dessen, was der Chronist rund um die SCB-Stadionfrage gehört hat.
Eine Stadionerneuerung, so wie sie offenbar aufgegleist wird, bedeutet: Der SCB wird drei Saisons in einer Baustelle spielen. Eigentlich kein Problem: Sportlich ist der SCB ja bereits seit 2019 eine Baustelle und es gibt eine Gemeinsamkeit: Sowohl beim Spiel auf dem Eis als auch bei Bauarbeiten gibt es eine strikte Helmpflicht. Spielen und arbeiten ohne Schutzhelm ist nicht gestattet.
Bis das Stadion rundum erneuert ist, dürften wohl auch die sportlichen «Umbauarbeiten» endlich, endlich, endlich erfolgreich abgeschlossen sein. Die SCB-Fans sollten sich auf ein Leben mit einer Baustelle auf und neben dem Eis einstellen.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
-
Erwarte
