Paolo Duca, eine grosse Versuchung und die «Ascona-Mafia»
Damit dem Chronisten nicht verantwortungslose Gerüchtemacherei vorgeworfen werden kann: Reto Kläy und Martin Plüss werden intern als Sportchefs in Zug und Bern nicht in Frage gestellt. Sie werden vielmehr durch alle Böden hindurch gestützt und bei kritischen Fragen virtuos verteidigt und in Schutz genommen.
Aber Eishockey ist ein schnelllebiges Geschäft. Das ehrlich gemeinte Treue-Bekenntnis von heute kann unverhofft zum Verrat des neuen Tages werden («Auch du Brutus …»). Was die Dynamik des Geschäfts und die Lust an einem Meinungsumschwung befeuert, sind Versuchungen. Unverhoffte Gelegenheiten.
In Nordamerika gibt es bei Krisen das bestens bewährte Rezept des «House Cleaning». Das funktioniert, weil es zwischen Pazifik und Atlantik so viele Profiklubs gibt, dass es nie ein Problem ist, fähiges neues Personal zu rekrutieren.
In unserer National League ist die Ausgangslage eine viel schwierigere. Wer beispielsweise den Sportchef ersetzen möchte, steht vor einem schier unlösbaren Problem: Wo finde ich dann einen neuen Mann, der mindestens gleich gut oder noch besser ist?
Für einmal gibt es dieses Problem nicht. Paolo Duca, eine grosse, charismatische Persönlichkeit, der Architekt des neuen Ambri, hat im letzten Herbst nach Verrat in den eigenen Reihen nach sieben Jahren sein Amt niedergelegt. Allenthalben ist erwartet worden, dass er als Nachfolger von Lars Weibel neuer Sportdirektor beim Verband wird. Patrick von Gunten hat soeben den Job bekommen. Paolo Duca steht also den Klubs der National League zur Verfügung.
Paolo Duca ante portas! Dieser wunderbare lateinische Ausdruck «ante portas» bedeutet wörtlich «vor den Toren». Der Schreckensruf geht auf die alten Römer zurück, als der grosse Feldherr Hannibal direkt vor den Toren Roms stand. Die Not in der Stadt war ähnlich gross wie heute die sportliche Not in Zug und Bern.
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Damit dem Chronisten nicht verantwortungslose Gerüchtemacherei vorgeworfen werden kann: Es gibt keine Meldungen von verlässlichen Gewährsleuten, dass Reto Kläy in Zug oder Martin Plüss in Bern wegen glücklosem «mänätschen» der Sportabteilung zeitnah mit einer Amtsenthebung rechnen müssen. Es hat auch keine Gespräche von Zugs oder Berns Bürogenerälen mit Paolo Duca gegeben.
Trotzdem empfiehlt der Chronist ganz allgemein allen Sportchefs, in den nächsten Monaten noch fleissiger zu sein, intern mit Engelszungen zu reden, und es hilft Martin Plüss, wenn er in nächster Zeit vermehrt sofort das Hosentelefon abnimmt, wenn sein Dienstherr, ein Spieleragent oder ein Verwaltungsrat anruft.
Paolo Duca hat beste Verbindungen zum EV Zug und zum SC Bern. Von 2002 bis 2007 stürmte er für die Zuger und brachte es bis zum Vize-Captain hinter Livio Fazio.
Viel reizvoller noch ist die Verbindung zum SC Bern. Paolo Duca gehört zu den «Dorfkönigen» im ehemaligen Fischerdorf Ascona. Er sitzt dort für die Partei der Mitte im siebenköpfigen Gemeinderat. Er versteht also etwas vom «Mänätschen» und vom Regieren.
Ascona ist von der Sozialstruktur her ein Dorf geblieben. Mit nicht einmal 6000 Bewohnenden. Jeder kennt jeden. Seit Jahren bestens bekannt ist ein erfolgreicher Unternehmer aus dem Bernbiet: Jürg Fuhrer. Er hat zwar seinen Lebensmittelpunkt im bernischen Konolfingen, besitzt aber seit Jahren Liegenschaften in Ascona und verbringt gerne seine Mussestunden auf seinen Latifundien an seinem «Zweitwohnsitz» im Tessin.
Die Versuchung ist also gross, in diesem Zusammenhang – aber nicht ganz ernstzunehmend – von einer «Ascona-Mafia» im Hockey zu reden. Jürg Fuhrer ist als Nachfolger von Marc Lüthi ab 1. Mai der neue General Manager beim SC Bern und beseelt von der Mission «Make the SCB great again!». Die Verbindungen ins Bernbiet gehen sogar noch weiter: Der Berner Medienunternehmer Erwin Gross, ein enger Vertrauter des bisherigen SCB-Managers Marc Lüthi und langjähriger SCB-Einflüsterer, hat auf einem Grundstück von Paolo Duca einen Parkplatz für seine Ferienwohnung in Ascona gemietet.
Würde der Chronist nicht auf diese zufälligen Verbindungen und Verflechtungen hinweisen und mit ein wenig Boshaftigkeit von einer «Ascona-Mafia» fabulieren, würde er sicherlich als altersmüde geschmäht und zu Recht die Frage gestellt: Hat er eigentlich keine Fantasie mehr?
P. S. Die Anregung insbesondere an Reto Kläy und Martin Plüss, mittelfristig noch fleissiger zu sein, ist ernst gemeint. Denn: Duca ante Portas!
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