Er bestätigt nämlich:
Reto Kläy, seit 2014 im Amt, ist der Architekt der Meisterteams von 2021 und 2022 und kein Romantiker.
Will heissen: Ein Transfer muss sportlich Sinn machen. Nur um der Romantik willen wird niemand verpflichtet.
Nun wäre die Rückkehr von Raphael Diaz (38) ein Romantik-Transfer sondergleichen, eine Cinderella-Story im besten Wortsinn: Weil er sich mit Reto Kläy nicht einigen konnte, zügelte der Captain des Zuger Meisterteams von 2021, der in der Liga nie zuvor für ein anderes Team als Zug verteidigt hatte, im Sommer 2021 nach Fribourg.
Nun hat er soeben mit Gottéron den Spengler Cup gewonnen. Der erste Titel für den Klub. Er kann Meister und Spengler Cup. Raphael Diaz wird im Januar 39. Gottéron hat bereits verkündet, dass es keine Vertragsverlängerung gibt.
Inzwischen interessiert sich die halbe Liga für den doppelten WM-Silberhelden (2013, 2018). Darunter besonders intensiv der SC Bern. Untersportchef Patrik Bärtschi hat bereits ein Gespräch geführt. Aber Priorität hat die Rückkehr nach Zug.
Reto Kläy sagt, man habe sich damals 2021 einfach nicht einigen können.
Um eine ganze Saison zu bestreiten, brauche man neun Verteidiger. Und einer dieser neun könnte nächste Saison eben Raphael Diaz sein. Keine Frage: Einer mit der Erfahrung aus mehr als 900 Partien kann selbst einem potenziellen Spitzenteam wie Zug sehr wohl helfen.
Die Statistiken sind auch in dieser Saison beeindruckend: Raphael Diaz hat bisher alle 33 Spiele für Gottéron (und alle Partien beim Spengler Cup) bestritten, am meisten Eiszeit von allen Schweizer Verteidigern im Team geschultert (18:29 Minuten) und zusammen mit Dave Sutter am meisten Tore der Schweizer Verteidiger erzielt (3). Er wäre diese Saison mit diesen Werten bei Zug nach Tobias Geisser (19:54 Minuten) der Schweizer Verteidiger mit der längsten Eiszeit.
Wann ist in der «Causa Diaz» mit einem Entscheid zu rechnen?
Reto Kläy setzt keine Frist. «Warten wir einfach mal ab, was im Januar sein wird.» An unterschiedlichen finanziellen Vorstellungen (die 2021 zur Trennung geführt haben) dürfte die Sache nicht scheitern: Eine Heimkehr wäre ja auch für Raphael Diaz eine «Cinderella-Story» und die Vermögensbildung hat er nach mehr als 15 Jahren Profi-Hockey inkl. gut 3,5 Millionen Dollar während seiner Zeit in Nordamerika weitgehend abgeschlossen.
Eine Zuger Transferoffensive ist nicht mehr zu erwarten. Das Fundament des Teams für die nächste Saison steht und mit Michael Liniger ist ja auch schon der neue Trainer bekannt. Neben der möglichen Rückkehr von Raphael Diaz ist noch ein Transfer eines Schweizer Stürmers vorgesehen. Reto Kläy sagt: «Der Abgang von Attilio Biasca hat uns überrascht. Damit hatten wir nicht gerechnet.»
Der 21-jährige Nationalstürmer hat diese Saison bisher in 29 Partien 6 Punkte produziert, allerdings «nur» 13:04 Minuten Eiszeit bekommen und ist damit bei Zug lediglich die Nummer 7 der Schweizer Stürmer. Auf die neue Saison wechselt er mit Vertrag bis 2028 zu Gottéron. Dort kann er mit einer wesentlich wichtigeren Rolle und erheblich mehr Eiszeit rechnen.
Zugs Sportchef führt aus, es sei nicht möglich, Attilio Biasca durch eigene Nachwuchsspieler zu ersetzen. «Wir halten Ausschau nach einem Schweizer Stürmer.» Auf dem heimischen Transfermarkt sei zwar aktuell kein Biasca-Ersatz zu haben.
Klar doch: Wer geduldig warten kann, dem bietet sich auf einmal noch im Juli die Chance auf einen guten Deal. Gesucht wird ein kräftiger Schweizer, Typ Powerstürmer mit hoher Spielintensität. Sicher kein Schillerfalter.
Also auch in diesem Fall kein Sinn für Romantik, sondern Transfer-Realismus im Sinne der Sache.