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Zwei perfekte Spiele – die WM-Form stimmt

Die Schweizer-Spieler feiern den Sieg gegen Finnland.
Die Schweizer-Spieler feiern den Sieg gegen Finnland.Bild: imago-images
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Zwei perfekte Spiele – die WM-Form stimmt

So gut waren die Schweizer in den beiden letzten WM-Testpartien noch nie. In zwei perfekten Spielen besiegten sie Finnland (2:1) und Tschechien (3:2) und holten den Turniersieg. Mit dem überzeugenden Auftritt haben sie sich die Teilnahme an der Euro Hockey Tour bis 2027 gesichert.
08.05.2023, 12:1108.05.2023, 14:55
klaus zaugg, brno
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Dreimal kehrt eine fast gespenstische Ruhe in diesem Hexenkessel ein. Fast 5000 sind in Brno in die Arena gekommen, die Stimmung ist grandios. Aber niemand bejubelt die drei Treffer der Schweizer. Es gibt auch keine Pfiffe. Atemloses, beinahe lautloses Staunen. So stille Tore hat es in einem fast ausverkauften Stadion noch nicht oft gegeben.

Am Samstag sind die Spieler von Patrick Fischer den finnischen Olympiasiegern und Weltmeistern davongelaufen (2:1). Am Sonntagnachmittag dominieren sie die vom grossen Kari Jalonen gecoachten Tschechen taktisch und läuferisch, mit besserem Powerplay, mit 28:21 Torschüssen und triumphieren 3:2.

Besonders wichtig: Drei Tore (eines gegen Finnland, zwei gegen Tschechien) werden Powerplay erzielt. Kommt dazu: Die Schweizer sind defensiv ausserordentlich stabil und haben sowohl gegen Finnland wie gegen Tschechien nicht mehr als zehn gegnerische Torchancen zugelassen.

Das Forechecking hat die Finnen und die Tschechen zermürbt. Die Schweizer standen gegen diese hochkarätigen Gegner ständig auf den Zehenspitzen. In jeder Situation suchten sie eine offensive Lösung. Patrick Fischer sagt dazu: «Wir haben in diesen beiden Spielen unsere DNA wieder gefunden.» Diese DNA steht für Intensität, Energie, Tempo und fast «unschweizerisches» Selbstvertrauen.

Am 29. April hatten die Schweizer in Lettland ein Testspiel noch 1:5 verloren. Wie ist die Steigerung in der Zeitspanne von bloss einer Woche möglich? Patrick Fischer hatte dieser Niederlage keine grosse Bedeutung zugemessen. «Wir waren nach einer langen Vorbereitung mit harten Trainings müde. Die Beine fehlten uns, um mit dem wilden Forechecking der Letten zurechtzukommen. Wir sind richtiggehend überrannt worden.» Er könne verstehen, dass sich seine Spieler nicht mehr gegen die Niederlage aufgelehnt hatten. Bereits bei der 0:3-Niederlage am Donnerstag gegen Schweden (die erste Partie des Turniers) sei eine klare Steigerung gelungen.

Zum ersten Mal haben die Schweizer ein Turnier der Euro Hockey Tour gewonnen. Preisgeld gibt es für den Turniersieger nicht. Aber eine sportpolitische Dividende: Der überraschende Erfolg in Brno kommt just zum richtigen Zeitpunkt.

Verbandsgeschäftsführer Patrick Bloch ist nämlich extra nach Brünn gereist, um die Verträge für die kommenden Jahre auszuarbeiten. Die Schweiz ersetzt die vom internationalen Spielverkehr ausgeschlossenen Russen vorerst nur bis und mit der nächsten Saison. Nach sieben Niederlagen hintereinander im Rahmen dieses Wettbewerbes haben die Schweizer nun in Brünn ihre internationale Konkurrenzfähigkeit unter Beweis gestellt und ihre Berufung in diese Turnierserie als Ersatz für die Russen gerechtfertigt. Die Gefahr, dass wir nach der nächsten Saison in der Euro Hockey Tour durch Deutschland ersetzt werden, ist damit gebannt.

Patrick Bloch sagt: «Wir haben eine mündliche Einigung bis 2027 erzielt. Die Verträge sollten in den nächsten Tagen unterschrieben werden.» Die Schweiz wird also in den nächsten vier Jahren während der Saison die vier Turniere pro Saison mit Schweden, Finnland und Tschechien bestreiten können. Das ist für die Entwicklung unseres Hockeys enorm wichtig: Partien gegen die Grossen bringen mehr als die Operettenländerspiele gegen Frankreich, Lettland, Norwegen oder die Slowakei.

Zurück von Patrick Blochs Schreibtisch an die Bande von Patrick Fischer: Die letzte Partie vor der WM hätte gegen Tschechien nicht schlimmer beginnen können: Der erste Puck auf das von Robert Mayer gehütete Tor fährt gleich zum 0:1 ins Netz. Und noch einmal kassieren die Schweizer einen schnellen Gegentreffer. In der ersten Minute des Schlussdrittels kassieren sie wiederum mit dem ersten Schuss das 2:2.

Normalerweise erschüttern solche Missgeschicke Selbstvertrauen und Zuversicht der Spieler und die Stabilität des Teams. Erst recht auf diesem hohen internationalen Niveau. Doch die Schweizer liessen sich nicht verunsichern. Servettes Meistergoalie personifizierte die mentale Unerschütterlichkeit der Schweizer. Er rettete den Sieg (3:2) in der Schlussphase mit einer Serie von grossen Paraden, als die Tschechen den Torhüter durch einen sechsten Feldspieler ersetzt hatten und seine Vorderleute durch einen Zweiminutenausschluss sowieso in Unterzahl waren, mit. Für Robert Mayer ein ganz besonderer Sieg: Er ist in Tschechien (in Havirov) geboren und schweizerisch-tschechischer Doppelbürger.

Goalie of Switzerland Robert Mayer in action during the Euro Hockey Challenge match Switzerland vs Czech Republic in Brno, Czech Republic, May 7, 2023. CTKxPhoto/VaclavxSalek CTKPhotoP2023050705449 PU ...
Robert Mayer im Spiel gegen Tschechien.Bild: www.imago-images.de

Leonardo Genoni – im Kasten gegen Finnland, auf der Bank gegen Tschechien – brachte es auf den Punkt: «Uns sind zwei perfekte Spiele gelungen.» Das sei bemerkenswert. «Die Finnen sind von unserem Forechecking überrascht worden. Normalerweise kann sich der Gegner im nächsten Spiel darauf einstellen und zwei perfekte Spiele hintereinander sind sehr schwierig.»

Die Schweizer waren in Brno mental und körperlich so robust wie seit der Rückkehr aufs höchste WM-Niveau (1998) noch nie in den letzten zwei Partien vor einer WM. Der Formaufbau stimmt.

Die Mannschaft reiste am Sonntagabend nach Prag und flog am Montag heim nach Zürich. Die Spieler haben am Montag und am Dienstag frei. «Diese freien Tage sind für die Regeneration wichtig», sagt Patrick Fischer.

Am Mittwochabend folgt dann der Abflug nach Riga und am Samstag folgt die erste WM-Partie gegen Slowenien.

Die Chancen sind gross, dass sich Zuversicht und Optimismus nicht als Irrtum erweisen werden.

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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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James R
08.05.2023 13:47registriert Februar 2014
Diese zwei Spiele erhöhen die Zuversicht für die WM. Leider kommt bei mir immer ein ungutes Gefühl auf, wenn die Schweiz bei den Vorbereitungsspielen brilliert.
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