Naiv oder böse? René Fasel ist wieder ein Teil der Hockey-Familie
René Fasel wohnt am Mittwoch mit seiner Gattin Fabienne in Zürich dem Spiel der Schweizer gegen Österreich bei. Die beiden sind persönliche Gäste von Luc Tardif, dem Präsidenten des internationalen Eishockey-Verbandes IIHF. Dem Schirmherrn der WM in Zürich und Fribourg.
Nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hatte René Fasel zwar sein Amt als IIHF-Ehrenpräsident behalten, war aber beim internationalen Verband zur «Persona non Grata» erklärt worden und seit 2021 bei der WM nie mehr im Stadion. Für die WM in Zürich und Fribourg hatte er bereits vorgesorgt und acht VIP-Tickets für Spiele der Schweizer sowie die Viertelfinals, die Halbfinals und den Final in Zürich für seine Familie und Freunde gekauft.
Nun also der Tag der Versöhnung. René Fasel ist offiziell begnadigt worden. Er sieht die Sache nicht ganz so. «Begnadigt? Nein. Nur wer Schuld auf sich geladen hat, kann begnadigt werden …»
Seine Schuld: Seine Nähe zur russischen Hockeykultur. Seine Mitarbeit im Schiedsrichterkomitee der höchsten russischen Liga KHL. Seine Freundschaft zu den alten Titanen des sowjetischen Hockeys, zu Igor Larionow, Wladislaw Fetisow oder Wjatscheslaw Tretjak. Die Entgegennahme des russischen Passes, den er nun neben der helvetischen Staatsbürgerschaft besitzt. Sein Lebensmittelpunkt ist zwar im Katon Schwyz. Aber er hat auch eine permanente Unterkunft in Moskau. Im Herzen des Bösen.
Ist das alles böse? Hat er Schuld auf sich geladen? René Fasel ist 1985 Präsident unseres Verbandes geworden und dann im Laufe der 1980er und 1990er Jahre, als die Welt noch eine ganz andere war, auch dank den Freunden aus Russland zum erfolgreichsten IIHF-Präsidenten mit einer biblischen Amtszeit von mehr als 20 Jahren (1994 bis 2021) und zum IOC-Mitglied aufgestiegen.
Letztlich ist der ehemalige Schiedsrichter und Zahnarzt auch das Opfer seiner Naivität geworden: Er hat geglaubt, Sport könne man von Politik trennen und musste erfahren, dass Sport immer untrennbar mit der Politik verbunden bleibt. Erst recht in Russland und Weissrussland, wo Eishockey als Nationalsport gilt. Die Nähe zum Eishockey führt in diesen Ländern automatisch zur Nähe zu den Machthabern in Minsk und Moskau, zu Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin. Das hätte René Fasel mit seiner immensen sportpolitischen Erfahrung wissen können. Eigentlich wissen müssen.
Sein Schicksal als Sportfunktionär, seine Nibelungentreue zu seinen russischen Freunden, hätte einst sicherlich auch den grossen russischen Dichter Dostojewski interessiert: Er hat den grandiosen Roman «Schuld und Sühne» geschrieben.
Nun denn: Bereits vor der WM ist René Fasel durch Urs Kessler, den Präsidenten unseres Verbandes (SIHF), offiziell zur WM eingeladen und damit auf nationaler Ebene begnadigt worden und war in Fribourg bereits im WM-Stadion. Am 12. Mai, am Dienstag vor einer Woche, hat er nun von der Begnadigung auf höchster Ebene durch Luc Tardif erfahren und ist beim Spiel der Schweizer gegen Österreich nun erstmals dessen Gast in Zürich.
Es ist eine versöhnliche Geste des kanadisch-französischen Doppelbürgers, der nur ins höchste Amt des Welteishockeys gewählt worden ist, weil ihm sein Vorgänger René Fasel den Weg dorthin geebnet hat.
Verbunden mit der Begnadigung und der damit verbundenen Ehre, nun offizieller IIHF-Gast zu sein, ist natürlich auch ein Parkplatz im Bauch der Arena in Zürich. Parkplätze sind in Zürich ein rares Gut. Das ist auch ein Highlight am Tag der Versöhnung: Parkieren in Zürich.
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