Nicht das beste, aber das spektakulärste WM-Team unserer Geschichte
Die Wahrheit steht immer oben auf der Resultatanzeige. 6:1 gegen ein Deutschland, das dringend einen Sieg für die Viertelfinal-Qualifikation benötigt. 5:0 in einem Drittel. Der höchste Sieg gegen Deutschland seit dem 6:0 (2:0, 2:0, 2:0) am 26. Februar 1937 bei der WM in London. Haben wir also am Montag in Zürich das beste WM-Team unserer Geschichte gesehen?
Die Resultatanzeige ist auf der Suche nach der Bezeichnung «das beste Team» nur bedingt eine Hilfe. Die Schweizer haben in der Neuzeit bei Titelturnieren eine ganze Reihe von Partien gespielt, die vom Resultat und den Umständen her zwingend auf die Bestenliste gehören.
- Das 2:1 gegen Finnland zum Auftakt des Olympiaturniers von 1988 in Calgary.
- Das 4:2 gegen Russland bei der WM 1998 in Basel, der erste Schweizer Sieg gegen diesen Gegner im Rahmen einer WM.
- Das 3:2 von 2000 in St. Petersburg, das uns letztlich auf Kosten der Russen den Viertelfinal beschert.
- Das 1:0 gegen Deutschland 2004 in Prag, das den Deutschen den Viertelfinal und Kult-Nationaltrainer Hans Zach den Job kostet.
- Das 2:0 gegen die kanadischen NHL-Profis beim Olympischen Turnier 2006 in Turin.
- Auf die Liste gehören zudem die insgesamt acht Siege in den Viertelfinals und Halbfinals, die uns 2013, 2018, 2024 und 2025 in den WM-Final gebracht haben.
Bei einer rein hockeytechnischen Beurteilung sind auch die taktische Ausrichtung, die Anpassung an die Spielweise des Gegners und das eigene und das gegnerische Potenzial zu berücksichtigen. Die Schweizer haben bei Titelturnieren schon so viel Lob und Preis geerntet, dass es selbst nach einem vierwöchigen Seminar nicht möglich wäre, zweifelsfrei die beste WM- oder Olympiapartie zu nennen.
Wir müssen die Frage etwas abändern und fragen: Haben wir in Zürich gegen Deutschland unser spektakulärstes WM-Team gesehen? Dann lautet die Antwort: Ja!
Spektakulär bedeutet in diesem Zusammenhang: Ein aussergewöhnliches, mitreissendes, begeisterndes, spektakuläres, denkwürdiges und grosses Spiel. Bei der Beurteilung berücksichtigen wir auch die Stimmung in der Arena.
So gesehen ist dieses 6:1 die spektakulärste WM-Partie unserer Geschichte. So laut wie in Zürich gegen die Deutschen war es bei einer WM-Partie der Schweizer noch nie, nicht einmal beim WM-Final 2025 in Prag. Dezibel wie bei einem Rockkonzert. Was auch damit zusammenhängt, dass die Schweizer in unserem Land noch nie eine WM-Partie in einem so modernen, mit einer so gewaltigen Soundanlage ausgestatteten Stadion gespielt haben. Das Publikum war so gesehen noch nie besser, die Begeisterung nie grösser. Und im zweiten Drittel ist die perfekte spielerische Welle über die Deutschen hinweggefegt.
Hockeytechnisch war es zudem ein Spiel nahe an der Perfektion: Erst die Geduld und Ruhe im ersten Drittel, als es im offensiven Maschinenraum noch knarzte, dann eine spielerische Entfaltung im zweiten Drittel mit fünf Toren, herausgespielt mit einer noch nie gesehenen Mischung aus Genie, Eleganz, Leichtigkeit, Berechnung und Präzision plus anschliessend die solide Verwaltung im letzten Drittel. Zur vollständigen Perfektion fehlte nur das «zu null».
Zweifelsfrei dürfen wir hingegen sagen: Das zweite Drittel (5:0) war das beste eines Schweizer WM-Teams seit der Rückkehr in die höchste WM-Klasse im Frühjahr 1998. Denn es ist gegen Deutschland, ein Team auf Augenhöhe, den internationalen Erzrivalen im besten Wortsinn herausgespielt worden. Nicht gegen einen Hinterbänkler wie Ungarn oder Italien. Nie zuvor war bei einem unserer Ernstkämpfe im Rahmen eines Titelturniers gegen einen vom Potenzial her mehr oder weniger gleichwertigen Gegner Eishockey so sehr ein Spiel, gab es diese elegante, fast tänzerische Leichtigkeit wie in diesem historischen Mitteldrittel. Der finale Triumph der helvetischen Eleganz über rumpelndes teutonisches Hockeyhandwerk.
Was dieses 6:1 noch sagt: Unsere National League ist die spektakulärste Europas. Die Besten aus unserer heimischen Liga spielen auf Augenhöhe mit den NHL-Stars und NL-Teams haben in den letzten drei Jahren zweimal die Champions League gewonnen.
Die Reise ist noch nicht zu Ende. Es ist möglich, dass dieses 6:1 gegen Deutschland im Viertelfinal, im Halbfinal und im Final zeitnah in Zürich übertroffen wird. Sollten die Schweizer Weltmeister werden, dann wäre die Diskussion beendet. Denn das erste Weltmeister-Team wäre das beste unserer Geschichte, die mit dem ersten offiziellen Titelturnier – einer Europameisterschaft – in Les Avants oberhalb von Montreux am 10. Januar mit einem 1:8 gegen Grossbritannien begonnen hat. Und sollten wir bereits im Viertelfinal scheitern, so werden wir noch in ein paar Jahren in nostalgischer Verklärung sagen: Aber den Deutschen haben wir es damals gezeigt …
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