DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Sie haben uns in der ersten EM-Woche am meisten beschäftigt. bild: az/keystone

Sommer, Schär, Xhaka und Seferovic – die Geschichten hinter den Schlagzeilen

Vier Punkte aus zwei Spielen und mit einem Bein im Achtelfinal: Der Schweizer Nati ist der EM-Start geglückt. Das Gleiche kann man über drei der vier prägenden Schweizer Protagonisten dieser ersten EM-Woche auch sagen.

ETIENNE WUILLEMIN, MONTPELLIER / aargauer Zeitung



Yann Sommer: Der Vielgelobte

Die Schweiz hatte Jörg Stiel, der über die Jahre zur Kultfigur geworden ist. Die Schweiz hatte Pascal Zuberbühler, der viel zu häufig in der Kritik stand und plötzlich als einziger Torhüter der Geschichte eine WM ohne Gegentor absolvierte. Die Schweiz hatte Diego Benaglio, auch er: über Jahre die Verlässlichkeit in Person.

Und nun hat die Schweiz eben Yann Sommer. Den nächsten Weltklasse-Goalie. Wer Stiel, Zuberbühler oder auch den Schweizer Torhütertrainer Patrick Foletti über Sommer reden hört, muss sich konzentrieren, damit er sich alles Lob merken kann. Sommer war es, der seinen Teamkollegen den Sieg gegen Albanien schenkte. Und der Schweizer Delegation damit einen ersten Spiessrutenlauf ersparte.

Football Soccer - Albania v Switzerland - EURO 2016 - Group A - Stade Bollaert-Delelis, Lens, France - 11/6/16 Switzerland's goalkeeper Yann Sommer makes a save.  REUTERS/John Sibley

Mit seiner Parade gegen Shkelzen Gashi hat Yann Sommer der Nati den Sieg gegen Albanien gerettet.
Bild: JOHN SIBLEY/REUTERS

Sommer ist ein Mann mit vielen Talenten. Als er zu Mönchengladbach wechselte, beschäftigte sich der Boulevard noch mit seiner für einen Torhüter nicht überragenden Grösse. Die Diskussionen haben schnell aufgehört. Er ist bei der Borussia zum souveränen Teamleader gereift, der stets voranschreitet. In der Freizeit spielt er gerne Gitarre. Und betreibt einen eigenen Kochblog. Dafür geht er in Düsseldorf, wo er wohnt, fast täglich auf dem Markt einkaufen.

Es waren Sommers erste Spiele als Stammtorhüter an einem grossen Turnier. Und die Eindrücke haben gereicht für die Prognose, dass sein Weg nicht bei Mönchengladbach enden muss. Auch die letzte Erkenntnis liegt auf der Hand. Wichtig ist sie trotzdem: Die Schweiz braucht einen Yann Sommer in Weltklasse-Verfassung, wenn sie sich für den Viertelfinal qualifizieren will.

Fabian Schär, das Tormonster

Vielleicht gibt es in diesem Schweizer Team keinen Spieler, bei dem Genie und Wahnsinn näher beisammen liegen als bei Fabian Schär. Und vielleicht weiss er das selbst ziemlich gut.

Der Verteidiger Schär ist häufig auch ein gefährlicher Stürmer. Manch ein Stürmer in der Schweizer Auswahl würde die Bilanz von Schär sehr gerne im eigenen Portfolio haben. Sechs Tore in 22 Spielen, das ist herausragend für einen Innenverteidiger. Wenn es dann auch gleich noch so wichtige Tore sind wie gegen Albanien zum EM-Auftakt – umso beeindruckender.

epa05356929 Switzerland's Fabian Schaer (2-R) scores the opening goal past Albania goalkeeper Etrit Berisha (C) during the UEFA EURO 2016 group A preliminary round match between Albania and Switzerland at Stade Bollaert-Delelis in Lens Agglomeration, France, 11 June 2016.

(RESTRICTIONS APPLY: For editorial news reporting purposes only. Not used for commercial or marketing purposes without prior written approval of UEFA. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications (whether via the Internet or otherwise) shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.)  EPA/LAURENT DUBRULE   EDITORIAL USE ONLY

Fabian Schär köpft die Nati gegen Albanien zum Sieg.
Bild: LAURENT DUBRULE/EPA/KEYSTONE

Doch wird man Schär wirklich gerecht, wenn man bei ihm stets die offensiven Qualitäten herausstreicht? Wenn man auf seine langen Bälle und tollen Spielauslösungen verweist, um seine technische Beschlagenheit und Kreativität zu unterstreichen – gleichzeitig jedoch stets ein Fragezeichen hinter seine defensive Verlässlichkeit setzt?

Dass seine erste Saison in der Bundesliga nicht einfach war, verschweigt Schär in keinem Moment. Aber die Spiele gegen Albanien und Rumänien haben nun Indizien geliefert, dass Schär mehr als nur ein sehr solider Nationalverteidiger sein kann. Gewiss, es gab gegen Albanien diese eine Szene, als ihm Gashi davonlief. Und es gab das eine missratene Tackling an der Seitenlinie gegen Rumänien. Aber sonst? Tadellos. Schär köpfelte und grätschte und spielte alles weg, was aufs Schweizer Tor zurollte.

Der langjährige Schweizer Nationalverteidiger Stéphane Henchoz kanzelte Schär jüngst mit den Worten «zu wenig Persönlichkeit» ab. Vielleicht vergisst manch einer eben auch, dass Schär erst drei Jahre auf höchstem Niveau spielt.

Public Viewing mit watson

Lust auf ein Public Viewing in Zürich? watson ist Partner der Veranstaltungen beim «Glatten Köbi» und der «Amboss Rampe». Ein Besuch lohnt sich!

Granit Xhaka: Das Puzzleteil

Der Reporter des englischen «Guardian» ruft euphorisch: «Dieser Granit Xhaka kann wirklich das fehlende Puzzle-Teil zum lang ersehnten Arsenal-Titel in der Premier League sein!» Natürlich hat Xhaka mitbekommen, wie gross die Erwartungen in London sind. Er antwortet ganz entspannt: «Ich bin ein 23-jähriger Jüngling. Und werde darum weiterhin Fehler machen. Hauptsache, ich behalte meine Lockerheit. Denn wenn ich eines gelernt habe, dann dies: Wenn ich mich zu sehr unter Druck setze wie anfangs in Mönchengladbach, dann geht es ziemlich in die Hose.»

An dieser EM, da ist für Xhaka bis anhin ziemlich wenig schief gelaufen. Im emotionalen Bruderduell spielte er eine Halbzeit lang hervorragend. Dann, gegen Rumänien, gelang ihm eine Leistung, wie man sie in der Schweiz schon so lange ersehnt hatte. Vielleicht sogar seine beste im Nationalteam überhaupt. Endlich war er der Xhaka, den man Woche für Woche in Mönchengladbach sah – und nicht ein verkleideter Zwillingsbruder.

Football Soccer - Albania v Switzerland - EURO 2016 - Group A - Stade Bollaert-Delelis, Lens, France - 11/6/16
Switzerland's Granit Xhaka in action with Albania's Taulant Xhaka
REUTERS/Carl Recine
Livepic

Granit Xhaka hat das Bruderduell mit Taulant bravourös gemeistert.
Bild: Carl Recine/REUTERS

Noch zu Beginn dieser EM-Qualifikationskampagne musste Xhaka hinter Ex-Captain Inler anstehen. Und wirkte dabei stets gehemmt. Es geht manchmal fast ein wenig vergessen, weil Inler gar nicht mehr im Kader ist bei dieser EM, aber die Entscheidung von Vladimir Petkovic, Xhaka zum Chef auf dem Platz dieser Equipe zu machen, dürfte sich als wichtigste des Nationaltrainers erweisen.

Wenn Xhaka auf diesem Level weitermacht, sind die Voraussetzungen gegeben, um weitere grosse Spiele zu machen. Die Frage ist höchstens, ob seine Mitspieler seine Ideen auch zu veredeln wissen.

Haris Seferovic: Der Unüberlegte

Endlich klappte es! Haris Seferovic erreichte doch noch ein Ziel an diesem Abend. Und zwar ziemlich beeindruckend. Um die Ecke biegen, Kopf nach unten, immer schön geradeaus blicken und so zügig wie möglich vorangehen. Das Ziel: kein Wort darüber verlieren, was in den vergangenen Stunden passierte. Die Flucht gelang. Und wenn Seferovic schon zuvor auf dem Rasen des Pariser Prinzenparks nur schon halb so erfolgreich gewesen wäre, dann hätte die Schweiz einen ungefährdeten Sieg eingefahren.

Doch Seferovic vergab alle seine Chancen. Erneut. Und darum beschäftigt sich die Schweiz wieder einmal damit, wer denn irgendwann in einem vielleicht entscheidenden Moment die Tore schiessen soll. Als Seferovics erster Verteidiger tritt Admir Mehmedi auf. «Es tut mir unglaublich Leid für ihn», sagt er, «er macht derzeit so viel Gutes für das Team. Aber er trifft das Tor einfach nicht.»

Football Soccer - Romania v Switzerland - EURO 2016 - Group A - Parc des Princes, Paris, France  - 15/6/16
Switzerland's Haris Seferovic reacts after a missed chance
REUTERS/Darren Staples
Livepic

Haris Seferovic will das Tor einfach nicht treffen. Bild: Darren Staples/REUTERS

Nun muss das noch nicht zwingend etwas heissen, wenn ein Stürmer, der das Gefühl, Torhunger zu haben, bestens kennt, für seinen Nebenmann einsteht. Aber Mehmedi hat tatsächlich recht mit seinen Aussagen. Seferovic präsentiert sich an dieser Euro tatsächlich von einer erfreulichen Seite. Nur eben, was nützt das, wenn er die Tore nicht schiesst?

Was tun, um einer solchen Krise zu entkommen? «Immer weiter machen, nur nicht aufgeben, nicht viel überlegen», sagt Mehmedi. Und dann gelingt Mehmedi ganz plötzlich noch der Satz des Tages, vielleicht so treffend wie sein wunderbares Tor am Tag zuvor: «Haris ist ja allgemein eher einer, der nicht so viel überlegt – so gesehen, kommt ihm das ja entgegen.»

Die 20 besten Nati-Spieler aller Zeiten

EM 2016: Wichtige Infos zum Fussballturnier in Frankreich

Hier wird gespielt: Die 10 Stadien der Fussball-EM 2016 in Frankreich

Link zum Artikel

Der Spielplan der Fussball-EM 2016 in Frankreich: Die Gruppenphase

Link zum Artikel

So schnitt die Schweizer Fussball-Nati bei ihren bisherigen EM-Auftritten ab

Link zum Artikel

Das Maskottchen der EM 2016 in Frankreich: «Salut, je m'appelle Super Victor!»

Link zum Artikel

«Beau jeu» – der offizielle Ball der EM 2016 verspricht ein schönes Spiel

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

England sucht den schnellsten Fussballer – und einer mit Hangover gewinnt

12. April 1992: Wer ist der schnellste Fussballer im Land? Heute schaut man wohl einfach im FIFA-Game nach dem «Speed»-Wert. Aber 1992 ist das noch anders: Da lässt man einen Spieler von jedem englischen Profiklub um 10'000 Pfund sprinten.

1992 ist ein bedeutsames Jahr in Englands Fussball. Nein, nicht weil im Sommer die Premier League ihren Betrieb aufnimmt. Sondern weil ein paar Monate vorher in einem offiziellen Wettkampf über mehrere Runden ermittelt wird, wer der schnellste Fussballer im ganzen Land ist.

10'000 Pfund beträgt die Siegerprämie, welcher der Sponsor des Liga-Cups ausgelobt hat, das entspricht damals rund 25'000 Franken. Viel Geld selbst für Erstliga-Profis und erst recht für einen Akteur aus den drei unteren …

Artikel lesen
Link zum Artikel