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Für Transparenz und Reformen bei der FIFA wird jetzt die Justiz sorgen.<br data-editable="remove">
Für Transparenz und Reformen bei der FIFA wird jetzt die Justiz sorgen.
Bild: EPA/KEYSTONE FILE

Das Verfahren gegen Blatter bedeutet das Ende der FIFA, wie wir sie bisher kannten

Nun also auch die Schweizer Bundesanwaltschaft. Das Ende für Sepp Blatter, das Ende der FIFA wie wir sie bisher kannten – und alles umrahmt von einem weiteren grandiosen Possenspiel.
25.09.2015, 18:0826.09.2015, 10:17

Das Schweigen der Männer. So können wir es sagen. Kein Wort ist gesprochen worden. Die grosse Medienkonferenz wird einfach ohne Erklärung abgesagt und die Weltöffentlichkeit wird mit einer dürren schriftlichen Mitteilung abgefertigt.

Und doch haben wir an einem wunderschönen Herbsttag über die FIFA und ihr Innenleben, ihre Zerrüttung und ihre neue Ohnmacht mehr erfahren und gelernt als bei allen Medienkonferenzen, die je vom Weltfussballverband veranstaltet worden sind. Wir haben den letzten Tag der alten FIFA erlebt.

Hoch über Zürich wird das Ende der alten FIFA eingeläutet.<br data-editable="remove">
Hoch über Zürich wird das Ende der alten FIFA eingeläutet.
Bild: freshfocus

Auf Augenhöhe mit dem Papst

Die FIFA ist ja nicht einfach ein Sportverband. Auch nicht bloss ein Milliardenunternehmen. Um es ein bisschen salopp zu formulieren: Die FIFA ist eine global vernetzte Männerrunde, die über Milliarden nach Gutdünken verfügt. Die Mitglieder sehen sich selber auf Augenhöhe (oder höher) mit Staatsoberhäuptern und dem Papst. Aber sie haben alle ein Problem. Sie müssen sich bessern. Sonst landen noch mehr in den Kerkern der unerbittlichen Justiz.

Aber diese Besserung ist nicht ohne eine tiefgreifende Reform der FIFA zu machen. Mit ziemlicher Sicherheit wäre es einfacher gewesen, den Kommunismus zu reformieren. Seit gestern wissen wir, dass es tatsächlich so ist. Und längst sind es nicht nur die «bösen» Amerikaner, die Fussball-Sonnenkönig Sepp Blatter an den Kragen wollen. Nun hat auch noch unsere Bundesanwaltschaft ein Verfahren eröffnet.

11 oder 14 Uhr, wer weiss das schon

Das Exekutiv-Komitee der FIFA, die Fussball-Weltregierung, bestehend aus 24 Männern und einer Frau (also eine Männerrunde), wollte nach zweitätiger Sitzung die Reformvorschläge der Weltöffentlichkeit präsentieren. Also die Massnahmen zur moralischen und sonstigen Läuterung der FIFA.

Wie weiter? Die Weltöffentlichkeit hat gespannt auf Blatters Erläuterungen der Reformpläne gewartet.<br data-editable="remove">
Wie weiter? Die Weltöffentlichkeit hat gespannt auf Blatters Erläuterungen der Reformpläne gewartet.
Bild: EPA/KEYSTONE FILE

Die FIFA-Reformen interessieren die Welt. Es hätte ein grosser Tag werden sollen. Es wird auch ein grosser Tag. Aber anders, als es alle erwarten. Es wird der jüngste Tag für die FIFA. Ein aufwändiges Anmeldungsverfahren ist für die Chronistinnen und Chronisten in Gang gesetzt worden. Wochen vorher hatte man sich anzumelden. Ein persönlicher Ausweis mit Foto wird für alle fabriziert. Nur so ist der Einlass auf den Ölberg des Sportes hoch über Zürich möglich. Im Grunde ist es ein Aufwand, der nur bei einem Staatsbesuch zelebriert wird. Oder wenn ein Staatsoberhaupt etwas zu verkünden hat.

Der Beginn der Offenbarung ist auf 11 Uhr terminiert. Es könne aber auch 14 Uhr werden. So muss es einst bei den Audienzen bei den grossen Königen im Schloss Versailles gewesen sein. Kommt um 11 Uhr herbei, seine Majestät geruht euch zu empfangen – aber wann genau,   können wir nicht sagen. Man stelle sich vor, die Kloten Flyers laden um 11 Uhr zur Medienorientierung und geben zugleich eine Warnung aus, es könnte 14 Uhr werden. Diese Arroganz kann sich nur Sepp Blatters Männerrunde leisten. Ob er wohl von vier Nubiern in einer Sänfte in den Saal getragen wird? Man hätte sich nicht verwundert.

Vergebenes Warten mit einem jähen Ende

Über 100 Chronistinnen und Chronisten, Kameramänner und -frauen haben sich also vor dem FIFA-Hauptsitz auf dem Zürichberg versammelt. Ein eindrückliches Gebäude, das den Charme diskreter Arroganz und Macht ausstrahlt. Das Warten ist angenehm. Die Sonne wärmt, die Brötchen sind frisch, die Getränke gratis, die Diskussionen lebhaft. Die meisten erwarten ein Pfingsterlebnis. Endlich werden wir erfahren, werden wir erleuchtet, wie die FIFA reformiert werden soll.

Medien aus aller Welt haben sich am Zürichberg in Stellung gebracht.<br data-editable="remove">
Medien aus aller Welt haben sich am Zürichberg in Stellung gebracht.
Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Es endet wie der Turmbau zu Babel. Die Menschen zerstreuen sich unverrichteter Dinge in alle Welt. Keine Medienkonferenz. Kurz nach 15 Uhr einfach abgesagt. Ohne Begründung. Noch ahnt niemand, dass hinter der Absage noch etwas ganz anderes steht: das Verfahren unserer Bundesanwaltschaft gegen Sepp Blatter. Er darf gar nicht mehr Auskunft geben. Laufendes Verfahren. Seine Büros werden durchsucht. Und vorerst ahnungslos wie die Passagiere auf der Titanic nach dem Zusammenstoss mit dem Eisberg stehen alle vor dem FIFA-Hauptsitz. Noch nicht wissend, dass wir den letzten Tag, den jüngsten Tag der FIFA erleben. Der FIFA, wie wir sie kannten. Mächtig, arrogant, glamourös, korrupt.

Wie wird die neue FIFA sein?

Für Transparenz und Reformen wird jetzt die Justiz sorgen. Es braucht keinen Beschluss der FIFA-Vollversammlung mit Dreiviertelmehrheit.

Und wie wird die neue FIFA sein? Die FIFA ohne Sepp Blatter, Michel Platini und ihre Freunde? Es wird immer noch die FIFA der 209 Mitgliederländer sein, die letztlich mit ihren Repräsentanten die Kultur der FIFA prägen, bestimmen. In mehr als 150 dieser Länder werden Sepp Blatter und seine Freunde nicht als korrupte Funktionäre wahrgenommen. Sondern als alte Krokodile verehrt. Daran wird sich nichts ändern. Wird sich wohl nie etwas ändern.

Wer glaubt, es werde sich bei der FIFA wirklich dauerhaft etwas Grundlegendes ändern, ist so naiv wie jene, die glaubten, VW sei eine ehrliche Autofabrik. Die FIFA, wie wir sie kannten, gibt es zwar nicht mehr. Die Männer, die die FIFA so regierten, wie wir es kannten, werden nicht an die Macht zurückkehren. Aber ihre Nachfolger werden durch die Milliarden, die sie weiterhin zur Verfügung haben, eher früher als später so oder ähnlich werden wie ihre Vorgänger. Aber sie werden schlauer sein. US-Justiz hin, Bundesanwaltschaft her.

Komiker bewirft Blatter mit Banknoten

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Komiker bewirft Blatter mit Banknoten
quelle: x00493 / arnd wiegmann
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