Sport
FIFA

Ist die Wahl schon entschieden, bevor es Kandidaten gibt? Blatter forciert WM 2026 in Kanada

Am Dienstag wurde in Toronto die U20-Frauen-WM eröffnet. Findet in Kanada in zwölf Jahren die Männer-WM statt?
Am Dienstag wurde in Toronto die U20-Frauen-WM eröffnet. Findet in Kanada in zwölf Jahren die Männer-WM statt?Bild: AP/The Canadian Press
Soccer boomt wie nie in Nordamerika

Ist die Wahl schon entschieden, bevor es Kandidaten gibt? Blatter forciert WM 2026 in Kanada

Derzeit findet in Kanada die U20-Juniorinnen-WM statt, im nächsten Jahr die A-WM der Frauen. Die Anlässe gelten als Probeläufe für die WM der Männer 2026, für die sich Kanada zwar noch nicht beworben hat, aber interessiert zeigt. Ganz zur Freude von FIFA-Präsident Sepp Blatter.
06.08.2014, 14:21
Ralf Meile
Folge mir
Mehr «Sport»

In Nordamerika ist Fussball, also Soccer, so populär wie nie. Die US-Nationalmannschaft sorgte an der WM in Brasilien für neue TV-Rekorde und Begeisterung bei vielen Public Viewings, und selbst Präsident Barack Obama drückte vor dem Bildschirm die Daumen. In diesem Sog fand vor wenigen Tagen mit dem Champions Cup ein Turnier statt, das nicht nur hochkarätig besetzt war, sondern auch exzellent besucht. Beim Spiel zwischen Manchester United und Real wurde mit fast 110'000 Anwesenden gar ein neuer Zuschauerrekord für Fussball in den USA aufgestellt.

Gewiss, Kanada und die Vereinigten Staaten von Amerika sind zwei Paar Schuhe. Im Sport jedoch teilen sich die beiden Nachbarn die Leidenschaften: Eishockey (in Kanada die Nummer 1), Football (in den USA die Nummer 1), Basketball und Baseball sind seit langer Zeit die Favoriten – doch Soccer hat mächtig aufgeholt. Zwar erhoffte man sich schon von der WM 1994 in den USA einen Schub, doch dieser setzte erst jetzt richtig ein.

Das Michigan Stadium in Ann Arbor beim Freundschaftsspiel zwischen Manchester United und Real Madrid.
Das Michigan Stadium in Ann Arbor beim Freundschaftsspiel zwischen Manchester United und Real Madrid.Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

«Hier fühle ich mich äusserst willkommen»

Kanada ist ein sportbegeistertes Land, das mit der nun laufenden U20-Frauen-WM nicht zum ersten Mal ein Turnier ausrichtet. So waren 2007 schon die männlichen Alterskollegen zu Gast, der heutige Superstar Sergio Agüero schoss Argentinien damals zum Titel. Zuvor fanden 1987 die U17-WM und 2002 bereits einmal die U20-Frauen-WM in Kanada statt.

Das Gerücht, wonach sich Kanada womöglich für die Männer-WM 2026 bewerben will, sickerte bereits während des Turniers in Brasilien durch. Nun, zum Start der U20-Frauen-WM sorgte FIFA-Präsident Sepp Blatter höchstpersönlich dafür, dass aus dem Gerücht vielleicht schon bald mehr wird. «Ich bin gespannt darauf zu sehen, ob ihr es schafft, die WM ins Land zu holen», sagte Blatter in Toronto. «Ich bin sicher, Kanada wird so friedlich sein, wie es jetzt ist. Hier fühle ich mich äusserst willkommen.»

Mehr zum Thema

Blatters Logik: Wenn es in Brasilien geht, dann geht es in Kanada erst recht

Das gestern gestartete Juniorinnen-Turnier bezeichnete der FIFA-Präsident als einen notwendigen Schritt für eine erfolgreiche Kandidatur für 2026. «Wenn man eine Männer-WM austragen will, benötigt man Zeit und Erfahrungen. Der kanadische Verband war mutig genug, eine Frauen-WM mit 24 Teilnehmern auf die Beine zu stellen», nahm Blatter auf das Turnier im nächsten Jahr Bezug.

1986 konnte sich Kanada zum bislang einzigen Mal für eine WM qualifizieren. Dieser Dok-Film erinnert daran.Video: Youtube/sstackh2

Die WM in Brasilien habe Kanada gezeigt, dass es ebenfalls eine Weltmeisterschaft ausrichten könne, so Blatter weiter. «In Brasilien waren die Distanzen zwischen den Städten ebenfalls gross und es gab drei verschiedene Klimazonen. In Kanada wird das Klima überall gleich sein und Distanzen spielen sowieso keine Rolle.»

Ohne Zweifel: Nach der umstrittenen Vergabe der WM 2018 an Russland und der WM 2022 an Katar käme es der FIFA wohl mehr als nur gelegen, den grössten Sportanlass der Welt wieder einmal in einem ruhigen, wenig umstrittenen Land auszutragen. Ist das Rennen also etwa bereits entschieden, noch bevor überhaupt Kandidaturen bekannt sind?

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
4 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4
Doping? So kontert Tour-Dominator Pogacar die Vorwürfe
Tadej Pogacars Auftritt an der Tour de France war unwiderstehlich. Der Slowene war so überlegen, dass er zwangsläufig mit der Frage konfrontiert wurde, wie er zum Thema Doping stehe.

Seinen dritten Gesamtsieg an der Tour de France tütete Tadej Pogacar am Sonntagabend standesgemäss ein. Er triumphierte im abschliessenden Einzelzeitfahren von Monaco nach Nizza mit mehr als einer Minute Vorsprung.

Zur Story