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FILE - In this May 25, 2012 file photo Confederation of African Football, CAF, President Issa Hayatou, left,  FIFA President Joseph Blatter, center, and UEFA President Michel Platini during the second day session of the 62nd FIFA Congress in Budapest, Hungary.  Sepp Blatter and Michel Platini have been banned for 8 years, the FIFA ethics committee said Monday,  Dec. 21, 2015.  (Laszlo Beliczay/MTI via AP, file)

Sepp Blatter verstand und respektierte andere Kulturen – genau das kann Gianni Infantino auch.
Bild: AP/MTI

Die Schweiz ein Sport-Imperium: Darum wäre es logisch, wenn ein Walliser Blatters Nachfolger wird

Die europäischen Nationen schicken Gianni Infantino ins Rennen um die Nachfolge von Joseph Blatter. Ein Schweizer, ein Walliser geht – und wird womöglich wieder durch einen Schweizer, einen Walliser ersetzt. Verrückt? Nein, logisch.

24.02.16, 14:28


Die Schweiz ist ein heimliches Sport-Imperium. Während sich der Aufstieg der Schweiz als Werk- und Finanzplatz bereits im 19. Jahrhundert vollzieht, wird unser Land in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert beinahe unbemerkt zu einem heimlichen Sport-Imperium.

Wenn wir den 1. August 1291 als den Geburtstag der Schweiz bezeichnen, dann ist der 10. April 1915 der Tag, an dem das Sport-Imperium Schweiz gegründet worden ist. An diesem Tag schliesst Baron Pierre de Coubertin mit der Stadt Lausanne einen Vertrag, wonach die Stadt die Errichtung «des Verwaltungszentrums und der Archive des neu entstandenen Olympismus» bewilligt. Dafür wird ihm das Schlösschen «Mon Repos» zur Verfügung gestellt.

International Olympic Committee (IOC) president German Thomas Bach, center, and executive members during the opening of an executive board meeting of the International Olympic Committee (IOC) at the IOC headquarters, in Lausanne, Switzerland, Tuesday, December 8, 2015. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Das IOC tagt seit 100 Jahren am Lac Leman.
Bild: KEYSTONE

Der Baron verlegt den Sitz des IOC von Paris nach Lausanne. In ein neutrales, vom Krieg verschontes Land. Wie in der Wirtschaft und in der Finanzindustrie profitiert die Schweiz davon, dass sie als neutraler Staat im Krieg verschont bleibt. Als der Sport immer wichtiger wird, zieht es die Sportverbände in die Nähe des IOC, in die Nähe des Machtzentrums. Diese Sportverbände beschäftigen logischerweise in ihrer Administration Schweizer.

Heute, hundert Jahre später, hat die Schweiz in keinem anderen Bereich so viel Macht wie im Sport. Der Sportplatz Schweiz hat eine grössere Bedeutung als der Werk- und Finanzplatz Schweiz. Wir haben im IOC, der Weltregierung des Sports, vier Mitglieder. Mehr als die Deutschen, die Amerikaner, die Russen und die Chinesen.

Die Schweizer Sportpolitiker haben ausserhalb der Landesgrenzen mehr Einfluss als jeder Bundesrat. Sie verfügen über eine eigene Gerichtsbarkeit, regieren über Landes- und Religionsgrenzen hinweg, verschieben Milliarden rund um den Globus und dominieren die TV-Kanäle nach Belieben. Diese Titanen des Sportes haben heute mehr Strahlkraft und Macht denn je.

Die wichtigsten Schweizer Sport-Funktionäre

Eine Mischung aus Vatikan, Hollywood und Wall Street

Das Imperium des Sportes ist längst eine Mischung aus Vatikan, Hollywood und Wall Street geworden. Es entzieht sich weitgehend den staatlichen Gewalten und Steuerpflichten, privatisiert die Gewinne und sozialisiert die Kosten, kümmert sich nicht um EU-Vögte und fürchtet nur noch die bissigen US-Staatsanwälte (die dann aber wie der Teufel das geweihte Wasser) – und wird von der Schweiz aus regiert.

Warum ist das so? Die Schweizer haben einen Standortvorteil. Die politische Stabilität, die guten Flugverbindungen, die hohe Lebensqualität und die steuerlichen Vorteile machen die Schweiz nach wie vor zum weltweit wichtigsten Standort für Sportorganisationen. So ist Lausanne als Sitz des IOC inzwischen der Vatikan des Weltsports geworden und die Schweizer Funktionäre sind die Kardinäle des Weltsportes.

Nicht weniger als 30 internationale Sportverbände haben ihren Sitz in der Schweiz, die meisten in und um Lausanne. In den Kommandozentralen dieser Verbände arbeitet viel helvetisches Personal – und der Weg ganz nach oben beginnt sehr oft in der Administration. So sind Gian-Franco Kasper und Sepp Blatter ganz nach oben gekommen – und auch Sepp Blatters möglicher Nachfolger Gianni Infantino kommt aus der Administration des europäischen Kontinentalverbandes UEFA.

epa04674710 Gian-Franco Kasper, President of the President of the International Ski Federation FIS during the podium ceremony of the FIS Alpine Skiing World Cup Finals in Meribel, France, 22 March 2015.  EPA/PATRICK SEEGER

FIS-Präsident Gian-Franco Kasper: Einer der es von ganz unten nach oben schaffte.
Bild: PATRICK SEEGER/EPA/KEYSTONE

Der Weg für die Schweizer ist viel weiter

Aber noch wichtiger als der Standortvorteil ist das Wesen der Schweizer Funktionäre. Sie bringen den besseren «Schulsack» für eine sportpolitische Karriere mit. In den meisten Ländern ist einfacher in den Hierarchien der nationalen Sportverbände aufzusteigen und Karriere zu machen. Eine Sprache, eine gut gefüllte Kriegskasse und genügend Briefumschläge genügen in den meisten IOC- oder FIFA-Mitgliederländer.

Bei uns ist es anders. Wer im helvetischen Sport eine Rolle spielen will, muss mehrsprachig, diskret, multikulturell, charmant, gewinnend, tolerant, aber auch politisch schlau und ein kleiner Machiavellist und dazu in der Lage sein, die Teutonen der Deutschschweiz und die Welschen auf seine Seite zu ziehen.

Der typische Schweizer Sportpolitiker ist so ziemlich exakt und in jeder Beziehung das Gegenstück zu Donald Trump. Wer andere Kulturen versteht und respektiert, ist im internationalen Streben um Macht und Einfluss immer erfolgreicher als jene, die in einer Monokultur aufgewachsen sind wie etwa die Amerikaner, die Russen, die Deutschen, die Franzosen oder die Chinesen. Niemand beherrscht die Kunst des Kompromisses so gut wie die Schweizer.

UEFA secretary general Gianni Infantino, arrives at a press briefing in Cape Town, South Africa, Monday, Feb. 22, 2016. Infantino expects more than half of Africa's 54 countries to back him in the FIFA presidential election on Friday. (AP Photo/Schalk van Zuydam)

Ein Prototyp des Sport-Karrieristen und oft ist den grossen Verbänden ein Schweizer lieber, als einer aus einem konkurrierenden und mächtigen Land.
Bild: Schalk van Zuydam/AP/KEYSTONE

Gianni Infantino der Prototyp eines Schweizer Sport-Karrieristen. Er spricht sechs Sprachen. Schliesslich und endlich hilft den Schweizern der Status unseres Landes als neutraler Kleinstaat. Sehr oft ist den Grossen ein Schweizer in einer Spitzenposition lieber als einer aus einem anderen, konkurrierenden und mächtigen Land.

Umfrage

Wer wird der neue FIFA-Präsident?

  • Abstimmen

166 Votes zu: Wer wird der neue FIFA-Präsident?

  • 86%Gianni Infantino (Schweiz)
  • 7%Scheich Salman bin Ebrahim al-Khalifa (Bahrain)
  • 2%Prinz Ali bin al-Hussein (Jordanien)
  • 2%Jérôme Champagne (Frankreich)
  • 2%Tokyo Sexwale (Südafrika)

Gianni Infantino ist, wie Sepp Blatter, Walliser. Aber die Verwunderung «aber doch nicht schon wieder einer wie Blatter» greift viel zu kurz. Sepp Blatter mag in der Schweiz und in Europa seine Ehre in der öffentlichen Wahrnehmung verloren haben. Aber sein Wesen und Wirken wird in der überwiegenden Mehrheit der FIFA-Mitgliederländer, in Afrika, Asien und Südamerika, ganz anders gesehen.

Er wird wechselweise als machtbewusster, schlauer Caudillo (für die Südamerikaner) oder als «altes Krokodil» (in Afrika eine Ehrenbezeichnung) wahrgenommen. Und es hat daher seine Logik, dass sich nun wieder einer aus seinem «Stamm», seinem «Kraal», aus dem Wallis also, um das höchste Amt bewirbt.

ZUM RUECKTRITT VON JOSEPH S. BLATTER STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG, 02. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Former South African President Nelson Mandela, right, is lead to the podium by FIFA President Joseph Blatter, of Switzerland, left, after learning that South Africa will host the 2010 FIFA World Cup, in Zurich, Switzerland, Saturday, May 15, 2004. FIFA's executive committee on Saturday picked South Africa ahead of Morocco and Egypt for the first World Cup to be staged in Africa. (KEYSTONE/AP Photo/Michael Probst)

Sepp Blatter wird in Afrika gerne als «altes Krokodil» bezeichnet, eine grosse Ehre.
Bild: AP

Allerdings neigt sich die ganz grosse Zeit unserer Sportpolitiker dem Ende zu. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zählten die vorgängig aufgeführten Talente noch mehr als heute. Die heute mächtigsten Schweizer haben ihre Machtbasis noch im letzten Jahrhundert unter günstigeren Voraussetzungen aufgebaut.

FILE - In this Thursday, April 30, 2015 file photo, Asian Football Confederation President Sheikh Salman bin Ebrahim Al Khalifa leaves the AFC Congress in Manama, Bahrain. Al Khalifa is one of the five candidates to succeed Sepp Blatter as FIFA President on Friday, Feb. 26, 2016 when soccer's scandal-scarred world body picks a new president after nine months of crisis.   (AP Photo/Hasan Jamali, file)

Aussichtsreichster Kandidat für das FIFA-Amt: Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa.
Bild: Hasan Jamali/AP/KEYSTONE

Im ausufernden Sportkapitalismus des 21. Jahrhunderts geht es immer mehr um die Verteilung riesiger Geldmengen. Schweizer sind möglicherweise um eine Spur zu anständig und zu korrekt und zu wenig skrupellos, um sich in diesem «globalen Bazar» durchsetzen zu können. Deshalb gilt ausgerechnet Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa aus Bahrain, aus aussichtsreichster Gegenkandidat von Gianni Infantino.

Die FIFA soll nun also ausgerechnet von einem Öl-Märchenprinzen aus einer der konfliktreichsten Regionen der Erde geführt werden. Das ist im Quadrat absurder als ein Blatter-Nachfolger aus dem Wallis.

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    Alle Leser-Kommentare
  • TanookiStormtrooper 24.02.2016 15:38
    Highlight Im Bezug auf die Verbreitung des Fussballs ist die Rolle der Schweiz auch interessant.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Fußballs#Schweiz_als_Vorreiter
    2 0 Melden
  • pierolefou 24.02.2016 15:31
    Highlight Besten Dank Herr Zaugg für diesen interessanten Bericht.
    Sollte am Freitag Herr Infantino gewählt werden, dürfen
    wir nicht innerhalb von 1 Woche tiefgreifende Reformen
    erhoffen, aber das Licht am Ende des Tunnels wird sicher
    etwas heller erleuchten. Hoffnung stirbt zuletzt.
    5 0 Melden
  • klugundweise 24.02.2016 15:08
    Highlight Ach Herr Zaugg, nie was davon gehört, dass ausgerechnet Herr Infantino als UEFA Sekretär die dringend nötigen Reformen der FIFA verhindert hat, die er nun ankündigt?
    Keiner der Kandidaten wird den Korruptionssumpf austrocknen, da alle sehr gut von diesem Leben. Und dass die Schweiz einem kommerziellen Miliardenunternehmen Steuerfreiheit gewährt ist auch kein Ruhmesblatt.
    Sicher ist, dass keiner der Insider den Stall ausmisten wird und die Macht- und Korruptionsspiele weitergehen.
    9 6 Melden

Nati-Debütant Mvogo «musste leiden, aber es war für mich ein Supermatch»

Die Schweiz ist zum Siegen zurückgekehrt. Nach zuletzt zwei Niederlagen gewann die Nati in Reykjavik nach einer hektischen Schlussphase das dritte Spiel der Nations League gegen Island 2:1.

In den Schlussminuten mussten die Schweizer doch noch zittern. Alfred Finnbogason hatte in der 81. Minute mit einem herrlichen Weitschuss den starken Debütanten Yvon Mvogo bezwungen, womit die Isländer plötzlich wieder an sich glaubten.

Und nachdem die Schweizer defensiv lange überzeugt hatten, brachen sie plötzlich in Hektik aus. Fabian Schär klärte im letzten Moment auf der Linie (87.), Mvogo parierte den Schuss von Gylfi Sigurdsson glänzend (89.) und der Ex-Basler Birkir Bjarnason …

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