Russland holt 1. Paralympics-Gold – Konkurrentin: «Haben wir uns alle so nicht gewünscht»
Die Siegerin des Super-G in der Kategorie Stehend bei den Paralympics 2026 kommt aus Russland. Warwara Worontschichina, der eine Hand fehlt, distanzierte die Konkurrenz um 1,96 Sekunden und mehr und sicherte sich damit Gold. Schon in der Abfahrt hatte die 23-Jährige Bronze gewonnen. Nun durfte sie aber zuoberst aufs Podest steigen und sorgte dafür, dass erstmals seit 2014 bei einer Siegerehrung bei einem sportlichen Grossereignis die russische Fahne gehisst und die Hymne gespielt wurde.
«Es ist wirklich etwas Besonderes für mich. Noch verstehe ich nicht, was passiert ist. Es ist unglaublich. Ich habe grossen Rückhalt in meiner Familie und bei meinen Freunden und bei allen Leuten in Russland», sagte Worontschichina nach ihrem Triumph.
Konkurrentin Andrea Rothfuss, die als Vierte das Podest um über eine Sekunde verpasste, sprach nach Worontschichinas Sieg hingegen von einem «Ergebnis, das wir uns alle so nicht gewünscht haben mit der Situation momentan». Dennoch fand die 36-jährige Deutsche auch lobende Worte für die Russin: «Man muss aus sportlicher Sicht ganz klar sagen, dass Warwara die beste Fahrt hingelegt hat.» Eine Schweizerin war in dem Rennen nicht dabei.
Die Rückkehr von Russland und Belarus unter eigener Flagge bei den Paralympics hatte bereits im Vorfeld für Diskussionen gesorgt. Mehrere Nationen boykottierten deshalb die Eröffnungsfeier vom Freitag. Bei der Siegerehrung von Worontschichina gab es aber keine Störungen, auch Buhrufe oder Pfiffe waren nicht zu hören. Das russische Aussenministerium nutzte bereits ein Video auf X, in welchem die Hymne bei der Siegerehrung zu hören ist.
Russland war wegen staatlich organisierten Dopings und ab 2022 des Angriffskriegs gegen die Ukraine, an dem auch Belarus beteiligt ist, jahrelang von Olympischen und Paralympischen Spielen ausgeschlossen. Auch im Februar durften Athletinnen und Athleten aus den beiden Ländern nicht unter der Flagge ihres Heimatlandes an den Olympischen Spielen teilnehmen. Für eine Teilnahme unter neutraler Flagge mussten diese zudem glaubwürdig beweisen, dass es keine Verbindungen zum Militär gebe.
Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) entschied unter Führung des Brasilianers Andrew Parsons jedoch, Russinnen und Belarussen wieder unter eigener Flagge teilnehmen zu lassen. Einige Weltverbände, darunter auch der Skiverband FIS, wollten die Sperre zunächst aufrechterhalten. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) erklärte den pauschalen Ausschluss nach einem Einspruch Russlands als nicht rechtens. Und so erklang nun erstmals seit zwölf Jahren wieder die Hymne des Aggressors im Krieg mit der Ukraine bei einem sportlichen Grossanlass. (nih)
