Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Swiss Ramona Bachmann, right, against Netherland's Sherida Spitse, left, during the 2019 FIFA Women's World Cup play-off final match between Switzerland and Netherlands in Schaffhausen, Switzerland,  November, 13. 2018 (KEYSTONE/Walter Bieri)

Bachmann am Boden: Während die Schweiz die WM verpasste, steht Barragegegner Holland dort im Final. Bild: KEYSTONE

Grossklubs buttern in den Frauenfussball rein – Schweizer träumen von Halbprofitum

Dank der Grossklubs hat sich der Frauenfussball rasant entwickelt. Die WM in Frankreich bricht aktuell einen Zuschauerrekord nach dem anderen und in manchen Ländern können die Spielerinnen davon leben. Was aber tun die Klubs in der Schweiz für den Frauenfussball?

Sébastian Lavoyer / CH Media



Der Traum von der WM platzte für die Schweizerinnen jäh. 0:3 und 1:1 spielten sie im November 2018 gegen Holland, das Aus gegen den Europameister. Während die Gegnerinnen von damals am Sonntag im WM-Final stehen, sind die Frauen um Ramona Bachmann zum Zuschauen verdammt. Auch sie werden Zeuginnen, wie rasant sich ihr Sport entwickelt hat. Vor allem in Europa. Insbesondere dank der Grossklubs.

Von Barcelona über Juventus Turin, Paris Saint-Germain oder Bayern München bis hin zu Manchester City oder Chelsea – kaum ein Grossklub verzichtet mehr auf eine schlagkräftige Frauentruppe. Selbst Real Madrid kauft sich gerade ein Team. Obschon Florentino Perez nicht gerade ein Fan des Frauenfussballs ist. Aber er ist eben auch Geschäftsmann und hat die Zeichen der Zeit erkannt.

Und in der Schweiz, was machen Klubs und Verband hier? Seit Jahren dominierend ist der FC Zürich. Von den letzten elf Meistertiteln gingen neun nach Zürich. In der Champions League verzeichneten sie auch schon 7500 Zuschauerinnen und Zuschauer im Letzigrund. Normalerweise. Der Alltag aber, das sind durchschnittlich 200 Zuschauer auf der Sportanlage Heerenschürli. Mit einem Gesamt-Budget bis zu 650'000 Franken für die Mädchen und Frauen sind sie auch vergangene Saison souverän Meister geworden.

Das Frauen-Geschäft ist grösstenteils selbsttragend. Aber Geld zu finden ist kein Leichtes. Es geht also vor allem darum, die Effizienz zu steigern. Marion Daube, Geschäftsführerin der FCZ-Frauen, sagt: «Wenn alles nach Plan läuft, dann wird die Frauenabteilung nächste Saison komplett in die AG des Männerklubs integriert.

Halb-Profitum als Ziel

Die Zusammenarbeit soll noch weiter intensiviert und vor allem nachhaltig festgehalten werden.» Um Synergien zu nutzen. Daube sieht aber auch Grenzen für die Klubs, solange nicht deutlich mehr Geld über das Sponsoring oder den Verband (zum Beispiel Liga-Sponsoring) reinkommt, ist der Schritt Richtung Halb-Profitum nicht zu schaffen. «Wir waren eben nach Paris eingeladen und haben gesehen, wie sie das in Frankreich machen.» Wie in England und den USA leistet auch dort der Verband einen grossen Beitrag. Vor allem auch finanziell.

Die Zuercherin Fabienne Humm, rechts, wartet gemeinsam mit der Trainerin der Schweizer Frauen Fussballnationalmannschaft, Martina Voss-Tecklenburg, links, auf die Pokaluebergabe nach dem Gewinn der Schweizer Meisterschaft nach dem Finalrundenspiel der Frauen Nationalliga A zwischen dem FC Zuerich und dem FC Neunkirch am Mittwoch, 25. Mai 2016 auf dem Heerenschuerli in Zuerich-Schwamendingen. (KEYSTONE/Sebastian Schneider)

Weit weg von Glamour: Die FCZ-Frauen erhalten auf dem Heerenschürli den Meisterpokal. Bild: KEYSTONE

Andres Meier, Geschäftsführer der YB-Frauen, ist seit Anfang Jahr im Amt. Seither werden die Frauen zwar unter dem Dach des Männerklubs gehalten, aber auch spezifischer gefördert. So haben die Berner eben angefangen, ihr Team separat zu vermarkten, und innert Kürze drei neue Trikotsponsoren gefunden. Die Möglichkeiten sind aber begrenzt. «Es bringt nichts, gross zu träumen, wenn man es nicht zahlen kann. Ein Halbprofitum wäre ein erstrebenswertes Ziel», sagt Meier.

Damit könnten Karrieren verlängert werden. Heute treten viele routinierte Spielerinnen vorzeitig zurück, weil die Belastung von Vollzeitjob und fünf bis sieben Trainings irgendwann zu gross wird. Da mit jeder gestandenen Spielerin Qualität verloren geht, trüge das auch zur Erhaltung des Niveaus im Inland bei. Die Besten zieht es ins Ausland. Dort kann man Geld verdienen, vom Fussball leben. Meist bescheiden.

Dank Instagram ein Star: Nationalspielerin Alisha Lehmann, die für West Ham in London spielt und mit Ramona Bachmann liiert ist, hat fast 700'000 Followerinnen.

Basel kürzte das Budget

Bescheidener wurde man auch in Basel. Man hat das Budget letzten Sommer um rund einen Drittel reduziert (von ungefähr 1,2 Millionen auf 800'000 Franken), aber zugleich nutzt man Synergien schon sehr stark. «Junge Spielerinnen profitieren von den gleichen Voraussetzungen wie die Nachwuchsabteilung, wenn es um die Kombination von Leistungssport und Ausbildung geht», sagt Simon Lombris, Technischer Leiter Frauenfussball beim FCB.

Von einem Campus wie in Basel träumt man bei Servette-Chênois, dem derzeit wohl dynamischsten Verein im Schweizer Frauenfussball. Der Trainer der Genferinnen, Eric Severac, sagt: «Die Stiftung, die den Klub trägt, möchte sowohl die Frauen- als auch die Männerabteilung weiterentwickeln.»

Längst hat man eigene Sponsoren. Man wird viermal im Stade de Genève spielen. Ausserdem ist man bestrebt, ein Gala-Spiel gegen Champions-League-Sieger Lyon zu organisieren. Zudem will man 2020 einen Campus für die Mädchen eröffnen. «Das ist eine nachhaltige Entwicklung, die nicht einfach in zwei, drei Jahren wieder rückgängig gemacht wird», sagt Severac.

Genf profitiert mit Sicherheit von der Sogwirkung der WM in Frankreich. Erstmals werden in der Stadt Spiele der Frauen-WM in Public Viewings gezeigt. Die Politik ist sensibilisiert, die Wirtschaft genauso. Und trotzdem ist Severac davon überzeugt, dass auch der Verband seine Bestrebungen intensivieren muss.

Vorbilder aus dem Ausland

«Wir haben ein Ausbildungszentrum für Mädchen in Biel. Da werden 20 bis 25 Mädchen ausgebildet. Es muss Ziel des Verbandes sein, dass jeder grössere Klub, YB, FCZ, Basel, aber auch Servette, ein solches Zentrum hat. Damit könnten wir die Zahl der top ausgebildeten Spielerinnen auf einen Schlag vervielfachen. Es ist Zeit, zu investieren.» Dessen ist man sich auch beim SFV bewusst. Wer jetzt nicht reagiert, droht den Anschluss zu verpassen. Können wir von den Holländerinnen abschauen? «Wir müssen auf jeden Fall genau analysieren, was sie gemacht haben und wie sie dorthin gekommen sind», sagt Tatjana Haenni, Frauenfussballverantwortliche beim Verband.

Sie sieht Ansätze. Zum Beispiel liesse man Mädchen und Jungs in Holland möglichst lange zusammen spielen. Man habe die Liga professionalisiert. Derweil hat die EM im eigenen Land die Begeisterung entfacht. Deshalb sagt Haenni: «Wir müssen uns unbedingt für die EM 2021 qualifizieren.» Das würde Mädchen für Fussball begeistern, Sponsoren anlocken, Fans und Gönner. Dann könnte man wieder träumen.

Die Arbeiten von Apple-Designer Jony Ive

Wie Elia von Frau zu Mann wurde

Play Icon

Das könnte dich auch interessieren:

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • qolume 05.07.2019 20:36
    Highlight Highlight Also, ab ins Heerenschürli, bis es jeweils keinen Platz mehr hat, und sie ihre Heimspiele in einer grösseren Anlage spielen müssen/dürfen!
  • Ketchum 05.07.2019 15:58
    Highlight Highlight Und in der Ostschweiz hat der FC Staad mit viel weniger Mitteln den FC St.Gallen überholt - und ist von diesem geschluckt worden
  • Reynor 05.07.2019 14:46
    Highlight Highlight Man hört ja immer, wie viel mehr Geld in den Männerfussball fliesst. Git es auch Statistiken, wie es beim Generieren der Umsätze aussieht? Ticketverkäufe und Live Abos? Ich kenne z.B. nur Männer mit Skyabos. In den Stadien scheint es meist auch nicht allzu durchmischt. Beim der Frauen WM sieht es diesbezüglich zwar bedeutend durchmischter aus 👍
  • Elpampa 05.07.2019 14:45
    Highlight Highlight Schon heute können die Mädchen bis zu den C-Junioren bei den Knaben spielen (Und ab 28 schon wieder bei den Männern in den Senioren :-))

    Fördert die Mädchen gezielt und gebt Ihnen die gleichen Möglichkeiten wie den Jungs.

    Positives Beispiel dazu der FCSG mit dem FCO. Zuerst werden Sie mit den Jungs gefördert, dann wenn es nicht mehr erlaubt ist zusammen zu spielen, geht es in die Mädchenteams.



  • Olmabrotwurst vs. Schüblig 05.07.2019 14:41
    Highlight Highlight Ich muss gestehen Frauenfussball gefällt mir immer mehr, viel technischer und nicht so schnell wie unsere profifussballer von heute.
    • Pümpernüssler 05.07.2019 17:59
      Highlight Highlight 🤭
    • Blutgrätscher 05.07.2019 19:34
      Highlight Highlight Viel technischer?
      Bist du dir da sicher?

So übel hat's Basel-Trainer Koller bei seinem Mountainbike-Sturz erwischt

Der FC Basel steht nach einem 4:1-Sieg in Pully in der 2. Runde des Schweizer Cups. Trainer Marcel Koller fehlte im Waadtland – er war tags zuvor mit dem Mountainbike schwer gestürzt. Glasscherben hätten ihn bei einem Tempo von etwa 40 km/h zu Sturz gebracht, erläuterte Koller nun im «Blick». Diese hätten seinen Reifen beschädigt.

Der 58-Jährige brach sich am Freitagabend ein Schlüsselbein, eine Schulter wurde ausgekugelt, Bänder zerstört und an der linke Körperhälfte hat er Schürfwunden. …

Artikel lesen
Link zum Artikel