Sport
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United States' Megan Rapinoe celebrates after scoring her side's second goal during the Women's World Cup quarterfinal soccer match between France and the United States at the Parc des Princes, in Paris, Friday, June 28, 2019. (AP Photo/Francois Mori)

Ihr Team geht als Favorit in den WM-Final: US-Star Megan Rapinoe jubelt über einen Treffer. Bild: AP

Vor dem Final der Frauen-WM – was für die USA spricht und was für die Holländerinnen

Weltmeister gegen Europameister: Am Sonntag um 17 Uhr spielen die USA gegen die Niederlange um die Krone im Frauenfussball. Die Rollen in diesem Final der Gegensätze sind klar verteilt.

Raphael gutzwiller, sébastian lavoyer / ch media



Die stärkste Phase

USA: Es lohnt sich, den TV am Sonntag rechtzeitig einzuschalten (Spielbeginn: 17 Uhr). Denn die Amerikanerinnen starten meist fulminant. In allen sechs WM-Spielen erzielten sie in der Startviertelstunde das Führungstor und legten damit den Grundstein zum Sieg. Irgendwie sinnbildlich für die Rolle der USA im Frauenfussball. Anders als bei den Männern zählten die Amerikanerinnen bereits früh zu den Topteams. 1991 wurden sie die ersten Weltmeisterinnen, 1999 und 2015 doppelten sie nach.

Holland: Schreiben Sie niemals die Holländerinnen ab. Sie haben an dieser WM in Frankreich in jedem Spiel in der Schlussviertelstunde getroffen – ausser im Halbfinal gegen Schweden. Dort erlöste Jackie Groenen die Holländerinnen erst in der Nachspielzeit. Das passt irgendwie: Der Frauenfussball in Holland erlebte in den letzten fünf bis zehn Jahren einen riesigen Aufschwung. 2015 qualifizierten sich die «Oranje-Leeuwinnen» erstmals für eine WM, zwei Jahre später wurden sie Europameisterinnen, jetzt stehen sie im WM-Final.

Die Stars

epaselect epa07690551 USA's Alex Morgan celebrates after scoring a goal during the Semi final match between England and USA at the FIFA Women's World Cup 2019 in Lyon, France, 02 July 2019.  EPA/SRDJAN SUKI

Umstrittene Jubelgeste: Alex Morgan trinkt imaginären Tee im Halbfinal gegen England. Bild: EPA

USA: Stürmerin Alex Morgan schoss ihr Team mit dem 2:1-Siegtor gegen England in den Final. Es war bereits ihr sechster Turniertreffer. Viel mehr gab aber ihr Jubel zu reden. Sie imitierte eine Tee trinkende Engländerin. Auch abseits des Platzes sorgt die Stürmerin für Schlagzeilen. Sie ist Autorin von Kinderbüchern und spielte im Teenager-Film «Alex and me» sich selber. Auf Instagram hat sie 7,2 Millionen Follower und damit eine Million mehr als Roger Federer.
Der andere grosse Star ist Megan Rapinoe, die am Freitag ihren 34. Geburtstag feierte. Bei den beiden 2:1-Siegen im Achtel final gegen Spanien und im Viertelfinal gegen Frankreich traf sie jeweils doppelt. Im Halbfinal fehlte sie wegen einer Verletzung am Oberschenkel, im Final soll sie voraussichtlich wieder spielen können. Sie setzt sich für die Rechte der Homosexuellen ein und lehnt sich gegen US-Präsident Donald Trump auf. 2016 nahm sie sich ein Vorbild an Footballstar Colin Kaepernick und kniete bei der Nationalhymne nieder gegen Polizeigewalt gegen Schwarze. Zwar steht Rapinoe inzwischen wieder, sie singt die Hymne aber nicht mehr.

Der Zeh der Nation – er gehört Barcelonas holländischer Ballkünstlerin Lieke Martens. Die Verletzung am linken Fuss behindert sie. Vor dem Spiel gegen Italien wärmte sie sich nur auf dem Fahrrad auf, dank einer Schmerztablette spielte sie trotzdem. «Wenn das Adrenalin durch den Körper fliesst, kann man vieles schaffen», sagt sie. Gegen Schweden verliess sie das Feld in der Halbzeit. Für den Final ist sie fraglich. Wetten, dass das ausverkaufte Stadion Adrenalin freisetzt?
Weit weniger verspielt, aber dafür viel effizienter sind die Auftritte von Vivianne Miedema. Die Stürmerin ist mit Arsenal Meister geworden und wurde zur besten Spielerin Englands ausgezeichnet. Zudem hat sie in 81 Länderspielen bereits 61 Tore erzielt – und das mit 22 Jahren. Sie ist schnell, zielstrebig, kopfballstark. «Wir sind im Flow», sagt die Vollblutstürmerin. Sie hat mit ihrem Team die letzten elf Spiele an EM und WM gewonnen.

Die Trainerinnen

United States coach Jill Ellis during the Women's World Cup semifinal soccer match between England and the United States, at the Stade de Lyon outside Lyon, France, Tuesday, July 2, 2019. (AP Photo/Francisco Seco)

Jill Ellis könnte als erste Frau zweifache Weltmeister-Trainerin werden. Bild: AP

USA: Jill Ellis, 52, könnte Geschichte schreiben. Mit der Titelverteidigung könnte sie die erste Trainerin werden, die zweimal den Weltmeistertitel holt. Selbst bei den Männern hatte das nur Vittorio Pozzo 1934 und 1938 mit Italien geschafft. Doch die brittisch-amerikanische Doppel bürgerin wird für ihre Arbeit auch kritisiert. Die ehemalige Starkeeperin Hope Solo ist nicht die Einzige, die ihr vorwirft, dass sie in der gesamten K.-o.-Phase Mittelfeldstar Lindsey Horan nur auf die Bank setzte.

Sarina Wiegmann kam zwar in Den Haag zur Welt, ging dann aber in den USA aufs College. Dort erlebte sie, was Frauenfussball für eine Bedeutung haben kann. Wiegmann übernahm die Oranje-Frauen nach der WM 2015 und führte sie 2017 zum Europameistertitel – eine Riesenüberraschung. Unaufgeregt, kompetent und mit viel Erfahrung führt sie ihr Team. Auf Erfahrung setzt Wiegmann auch im Team, rotiert hat sie nur selten und sie geriet in Kritik, weil sie den Fussball ihrer Frauen nach dem EM-Titel von Hurra auf Effizienz getrimmt hat.

Die Taktik

Netherlands' Jackie Groenen, center, runs with teammates during a training session of the Netherlands Women's soccer team at the Stade du Merlo in Oullins outside Lyon, France, Friday, July 5, 2019. Netherlands will face US in a Women's World Cup final match Sunday in Lyon. (AP Photo/Francois Mori)

Die Holländerinnen spielen im 4-3-3. Bild: AP

USA: Die Amerikanerinnen werden von der ersten Sekunde an Vollgas geben. Die frühen Führungstore rühren daher. Falls es im Final anders kommt, wird es spannend sein, wie sie damit umgehen. Auf dem Papier organisieren sich die US-Frauen in einem 4-3-3-System. Im Viertelfinal und im Halbfinal glich die Formation aber auch einem 5-4-1-System. Trainerin Ellis weiss, dass das Prunkstück die Offensive ist, mit mehr Spielerinnen hinter dem Ball will sie die Defensive stärken.

Holland: Holland ist Holland. Im 4-3-3 schieben sich die Oranje-Frauen den Ball zu. Manchmal betörend schnell und vertikal, dann wieder einschläfernd und quer. Das Team hat in allen Spielen (ausser gegen Kanada) mehr Ballbesitz gehabt. In der Defensivbewegung wechseln sie oft in ein 4-5-1. Das wird gegen die USA kaum anders sein. Aus Respekt vor der Aufgabe. Zu stark ist der Gegner, zu gross die Gelegenheit.

Die Fans

Netherlands fans celebrate at the end of the Women's World Cup quarterfinal soccer match between Italy and the Netherlands, in Valenciennes, France, Saturday, June 29, 2019. (AP Photo/Francois Mori)

Eine orange Wand: Fans der Holländerinnen beim Viertelfinal gegen Italien. Bild: AP

USA: Wer derzeit in Lyon spaziert, der sieht sie überall: die US-Fans. Das Dress des Teams ist in diesem Jahr das meistverkaufte Nike-Trikot überhaupt. Und auch auf den Rängen machen die amerikanischen Fans einen Grossteil aus. Mehrere Zehntausend Zuschauer sollen für Halbfinal und Final angereist sein.

Holland: Sie haben Campingplätze geflutet und bringen Trompetenklänge ins Stadion: Die Fans der «Oranje-Leeuwinnen» strömen zu Tausenden zu den Spielen. Auch in der Heimat sind die Löwinnen ein Renner. Den Halbfinal haben 5 Millionen am TV verfolgt. Die Holländerinnen brauchen die Unterstützung, sie sind krasse Aussenseiterinnen. Auch wenn Halbfinal-Heldin Jackie Groenen kämpferisch sagt: «Wir haben schon Geschichte geschrieben, und das wollen wir jetzt wiederholen.»

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Thoemmeli 07.07.2019 18:26
    Highlight Highlight Frauenfussball ist für Ornithologen völlig uninteressant:
    1. wenig Rumgehühnere
    2. kaum Schwalben
    3. keine sterbenden Schwäne wegen geringsten Berührungen
    Fazit: 100x attraktiver als die völlig überbezahlten Mimosen-Männer
  • DerTaran 07.07.2019 15:28
    Highlight Highlight Soccer ist in den USA fast ein reine Frauensport. Männer spielen dort Soccer normaler nur solange bis sie alt genug sind um American Football spielen zu dürfen.
  • Jol Bear 07.07.2019 11:47
    Highlight Highlight Wird voraussichtlich eine einseitige Angelegenheit, das US-Team ist auf den meisten Positionen besser besetzt, bei Passspiel und Technik den andern weit voraus.
  • Avenarius 07.07.2019 11:46
    Highlight Highlight Ich bin zwar für Oranje - aber ich glaube, die USA wird die einfach überfahren :-( Oder läuft es wie bei Schweden - England :-)
  • Olmabrotwurst vs. Schüblig 07.07.2019 11:40
    Highlight Highlight Hup Holland
  • trio 07.07.2019 11:29
    Highlight Highlight Hup Oranje! 🎉🇱🇺
  • inmi 07.07.2019 10:44
    Highlight Highlight USA!
    USA!
    USA!

    🇺🇸🇺🇸🇺🇸🇺🇸🇺🇸♥️♥️♥️♥️♥️
  • Beat-Galli 07.07.2019 08:18
    Highlight Highlight So, jetzt noch der Final, dann ist Ruhe von dieser WM.
    Ab jetzt einfach über jede Sportart mit mehr Popularität Berichten als die Frauen WM hat, und dann seit Ihr auf einem ehrlichen Weg.

    Ich vermute die Unihockey, Handball, Volleyball, ja sogar die Ping Pong Meisterschaft in der Schweiz hat einen höheren Stellenwert. Sogar „Bure Ping Pong“ (sorry Hornussen) hat mehr zu Bieten.

    Oder wie siehts aus mit der allgemeinen Schweizer Meisterschaft der Frauen?

    Es bringt nichts, eine WM zu Hypen, wenn Ihr das Interesse der Basis nicht erreicht.
    • Bananciaga 07.07.2019 19:13
      Highlight Highlight @Beat-Galli

      Et voilà, zersch mal äs Snickers...
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