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Fertig gekuschelt! Vladimir Petkovic holt nach Rückkehr in die Schweiz den Vorschlaghammer raus

Vladimir Petkovic ist genervt: «Man sollte uns mehr ‹Positivität› entgegenbringen.»
Vladimir Petkovic ist genervt: «Man sollte uns mehr ‹Positivität› entgegenbringen.»Bild: EPA/KEYSTONE
«Ich bin frustriert»

Fertig gekuschelt! Vladimir Petkovic holt nach Rückkehr in die Schweiz den Vorschlaghammer raus

Völlig unerwartet übt Vladimir Petkovic am Ende des zehntägigen Nati-Zusammenzugs heftige Kritik am Umgang mit seinem Team. Es fehle der Schweizer Öffentlichkeit an einer positiven Haltung zur Nati.
15.10.2014, 15:1615.10.2014, 15:32
Alex Dutler
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Eigentlich sollte Vladimir Petkovics Pressekonferenz am Flughafen Zürich nach der Landung mit dem Swiss-Flug WK2016 aus San Marino nur ein letzter Pflichttermin werden. Eigentlich.

Aber nach zehn intensiven Tagen mit der Mannschaft platzt dem Nati-Trainer beim Resümee völlig unerwartet der Kragen. Nach der bitteren Niederlage in Slowenien und dem glanzlosen 4:0 bei San Marino muss Petkovic plötzlich Dampf ablassen.

Vladimir Petkovic hat zehn aufreibende Tage mit der Nationalmannschaft hinter sich.
Vladimir Petkovic hat zehn aufreibende Tage mit der Nationalmannschaft hinter sich.Bild: Lydia Bischofberger/freshfocus

Ausgangspunkt ist eine Frage nach seinem persönlichen Befinden. Herrscht Freude und Erleichterung, nachdem Petkovic im dritten Anlauf endlich den ersten Sieg gelandet hat? Vergessen Sie es!

«Man sollte uns mehr ‹Positivität› entgegenbringen.»
Vladimir Petkovic  

«Nein, ich bin frustriert. Wenn ich den Umgang der Schweizer Öffentlichkeit mit der Mannschaft betrachte, dann bekomme ich Zweifel daran, ob wir alle das gleiche Ziel und die gleiche Ideen haben. Man sollte uns mehr ‹Positivität› entgegenbringen», ledert Petkovic hörbar genervt.

Konkrete Gründe will der Coach partout nicht nennen

Man ist als Zuhörer verwirrt. Denn dank des neuen Qualifikations-Modus, bei welchem sich auch der Drittplatzierte noch Chancen auf die EM ausrechnen darf, ist die Stimmung eigentlich auch nach der Niederlage in Maribor gemässigt geblieben. Es gab Kritik in verschiedenen Medien, doch das war zu erwarten. Waren es etwa die vereinzelten Pfiffe der mitgereisten Fans in San Marino, welche gestern damit ihrem Unmut über den Leistungsabbau in der zweiten Halbzeit Luft gemacht haben?

«So, wie es jetzt ist, verlieren wir alle: Die Mannschaft und das ganze Schweizer Volk.»
Vladimir Petkovic

Es bleibt unklar, welche Laus Vladimir Petkovic über die Leber gelaufen ist. Er will partout keine Beispiele nennen. Stattdessen setzt er seine Predigt fort: «Wir brauchen euch und ihr braucht uns – wir müssen zusammenstehen. Nur dann können wir nach Frankreich fahren. So, wie es jetzt ist, verlieren wir alle: Die Mannschaft und das ganze Schweizer Volk. Es tut weh, wenn gegen uns gearbeitet wird.»

Bei Vladimir Petkovic und seiner Mannschaft kommt nach dem Pflichtsieg in San Marino keine Jubelstimmung auf.
Bei Vladimir Petkovic und seiner Mannschaft kommt nach dem Pflichtsieg in San Marino keine Jubelstimmung auf.Bild: KEYSTONE

Für Petkovic überwiegt das Positive

Sechs Punkte aus den beiden Partien gegen Slowenien und San Marino waren das erklärte Ziel der Nati. Es wurde verfehlt. Trotzdem zieht der Trainer halbwegs zufrieden Bilanz: «Ich habe mehr Positives als Negatives gesehen. Als Problem sehe ich die Chancenauswertung. Wir hatten 19 Schüsse gegen Slowenien und neben den Toren noch 21 Chancen gegen San Marino. Da können wir noch nicht sagen, dass wir jetzt ruhig schlafen werden. Aber das ist ein Prozess, den wir erst angefangen haben. Die Mannschaft hat meine Vorstellungen in der kurzen Zeit gut umgesetzt.»

Als Beleg für diese Aussage hat der Nati-Coach über Nacht extra ein Video mit allen Torchancen zusammenschneiden lassen. Vergebene Liebesmühe, denn es dauert eine halbe Stunde, und niemand unter den Anwesenden hat Zeit, es sich anzusehen.

Die Trainingsarbeit der Nati stellt Vladimir Petkovic zufrieden.
Die Trainingsarbeit der Nati stellt Vladimir Petkovic zufrieden.Bild: KEYSTONE

Eine Warnung an die Stammspieler

Die Nationalspieler sind zu diesem Zeitpunkt schon wieder auf dem Weg zu ihren Klubs. Der Trainer schickt ihnen eine Botschaft hinterher: «Sorgen macht mir die Spielpraxis. Das habe ich schon immer gesagt. Ich hoffe, die Spieler kommen dazu, im Verein mehr Minuten zu tanken. Das fehlt noch, um bis zum Schluss druckvoll zu bleiben und erfolgreich zu sein. Man hat es bei beiden Spielen in gewissen Momenten gesehen.»

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Es ist eine Ansage, die Petkovic auch schon nach der Auftaktniederlage gegen England gemacht hat. Doch dieses Mal verschärft er sie noch: «Wir haben auch Alternativen und ich will den Konkurrenzkampf erweitern. Das ist auch eine Warnung an diejenigen Spieler, welche derzeit einen Stammplatz haben. Sie müssen sich immer wieder beweisen, auch in ihren Klubs.»

So endet ein mässig erfolgreicher Nati-Zusammenzug ungemütlicher, als er begonnen hat. Es wird spannend zu sehen, ob Vladimir Petkovic beim nächsten Termin rund um das Heimspiel gegen Litauen im November dort weitermacht, wo er heute aufgehört hat – oder ob dann wieder friedlich gekuschelt wird.

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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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teha drey
15.10.2014 15:44registriert September 2014
Wunderbares Beispiel für die diametrale Interpretation von Aussagen oder von subjektiven Berichterstattungen: Wenn ich obigen Artikel von Alex Dutler lesen und nachher jenen vom BLICK (Zitat: "Nati-Trainer Vladimir Petkovic zeigt sich an der Pressekonferenz zur vergangenen Nati-Kampagne zufrieden." Zitat Ende), weiss ich als Leser einfach nicht, ob die beiden Journalisten an derselben Veranstaltung waren...
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stiberium
15.10.2014 15:54registriert September 2014
Die Nati hatte einen schlechten Start in die EM Quali, wie auch z.B. der Weltmeister Deutschland. Trotzdem befindet sie sich auf dem richtigen Weg. Schade konnten sie nicht am WM Achtelfinal anknüpfen aber ich denke das wird schon noch. Ich kann den Frust Petkovics deshalb verstehen. Die Form einer Nati ist keine Momentaufnahme, was die meisten Laien nicht zu verstehen scheinen und deshalb nach 2 Niederlagen drauflos poltern.
ALLEZ SUISSE!!
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