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Fussball-Nati

EM 2024: So liefen Fussball-Duelle zwischen der Schweiz und Deutschland

EM 2024: Schweiz gegen Deutschland – so liefen die bisherigen Duelle.
53 Mal ist die Schweiz bereits auf Deutschland getroffen. Bild: keystone, watson

Seit 16 Jahren nicht mehr verloren – so gut ist die Nati in Duellen mit Deutschland

Die Schweiz trifft heute (21 Uhr) in der Vorrunde der Fussball-EM auf den Gastgeber Deutschland. Wir werfen einen Blick in die Geschichtsbücher und stellen fest: Es wird schwierig. Anlass zu Hoffnung gibt es aber trotzdem.
23.06.2024, 12:0923.06.2024, 12:45
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Am Sonntag trifft die Schweiz in der Vorrunde der Europameisterschaft zum ersten Mal seit 1966 an einer Endrunde auf Deutschland. Ein Blick zurück auf die vergangenen Nachbarschaftsduelle gibt Anlass zu Hoffnung, denn die letzte Niederlage der Schweiz liegt 16 Jahre zurück (ein 0:4 2008 in Basel). Das Ganze hat aber einen Haken.

Serie der Ungeschlagenheit, aber ...

Das Spieler-Reservoir des EM-Gastgebers ist zehnmal grösser als dasjenige der Schweiz. Entsprechend deutlich sind auch die Kräfteverhältnisse verteilt – ein Sieg der Schweiz gegen Deutschland wäre eine Überraschung. Blickt man aber zurück auf die Begegnungen der letzten Jahre, wird deutlich, dass die Schweizer Nationalmannschaft in der jüngeren Vergangenheit durchaus in der Lage war, die Deutschen zu ärgern. In den letzten 12 Jahren traf die Schweiz zwar nur drei Mal auf den Nachbarn, ging in diesen Begegnungen aber nie als Verliererin vom Platz:

  • Nations League Gruppenphase, 2020: 3:3-Unentschieden
  • Nations League Gruppenphase, 2020: 1:1-Unentschieden
  • Testspiel, 2012: Die Schweiz gewinnt 5:3.
Die Schweizer Spieler freuen sich waehrend dem Fussball Testspiel der Schweiz gegen Deutschland am Samstag, 26. Mai 2012 im St. Jakobsstadion in Basel. (PHOTOPRESS/Samuel Truempy)
So sah die Nati beim letzten Sieg gegen Deutschland aus. Bild: PHOTOPRESS

Und nun zum grossen Aber: Blickt man in der Statistik weiter zurück, so sieht es für die Schweiz weniger rosig aus. Der Sieg im Jahr 2012 hatte historisches Ausmass, denn davor hatte die Nati gegen den dreifachen Europa- und vierfachen Weltmeister 56 (!) Jahre nicht mehr gewonnen. Nach dem letzten Sieg in einem Testspiel im Jahr 1956 trafen die beiden Mannschaften 18 Mal aufeinander, die Schweiz verlor davon 16 Partien und spielte zweimal unentschieden.

Spielszene vor dem Schweizer Tor im Freundschaftsspiel Deutschland-Schweiz am 21. November 1956 in Frankfurt mit den Schweizer Spielern Frosio, Thueler, Koch, dem Deutschen Heinz Vollmar, sowie Willy  ...
Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Auch die Gesamtbilanz spricht eine deutliche Sprache:

Torreiche Begegnungen

Beim letzten Sieg der Schweiz gegen Deutschland entzückte die Nati mit fünf Toren – Eren Derdiyok erzielte einen Hattrick, Admir Mehmedi und Stephan Lichtsteiner sorgten für den 5:3-Schlussstand. Dass zwischen der Schweiz und Deutschland viele Tore fallen, ist keine Seltenheit. In 23 der 53 gespielten Partien fielen fünf oder mehr Tore. Über alle Spiele hinweg fielen im Schnitt fast vier Tore. Zum Vergleich: In der Bundesliga liegt der Rekord bei 3,58 Treffern pro Spiel in der Saison 1983/84.

Eine Begegnung, die zu reden gab

Die Favoritenrolle zwischen der Schweiz und Deutschland war und ist immer relativ klar verteilt. Es gab jedoch eine kurze Zeitspanne, in der die Schweiz mit Deutschland auf Augenhöhe spielte. In der Zeit des Nationalsozialismus trafen die Nachbarn zwischen 1941 und 1942 viermal aufeinander – die Schweiz gewann zweimal. Kurz vor dem Krieg, an der WM 1938 in Frankreich, gelang der Schweiz zudem etwas, das bis heute unerreicht bleiben sollte. Sie bezwang Deutschland an einer Endrunde (4:2 im Achtelfinal).

Der Sieg im WM-Achtelfinal fiel in eine Zeit, in welcher der Krieg in Europa bereits in der Luft lag. Kriegerisch war auch die Rhetorik in den Schweizer Zeitungen. So schrieb die NZZ: «Sie berannten die deutsche Festung unaufhörlich, bis sie schliesslich kapitulierte.» Die «Basler Arbeiterzeitung» sieht den «Unbesiegbarkeitsfimmel der braunen Bataillone» beendet.

Die Schweiz besiegt in der ersten Runde der Fussball-Weltmeisterschaft 1938 im Wiederholungsspiel die Nationalmannschaft Grossdeutschlands mit 4 : 2, aufgenommen am 9. Juni 1938 im Prinzenparkstadion  ...
Die Schweiz schlägt Deutschland an der WM im Prinzenstadion in Paris.Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

So oft wie zu Zeiten des Nationalsozialismus hat die Schweiz nie zuvor und nie danach gegen Deutschland gespielt. Erst nachdem der Krieg 1942 eine Wende genommen hatte, stellte die Schweiz die sportlichen Kontakte zum Nachbarn ein. Die Niederlage 1941 stiess dem deutschen Regime besonders sauer auf, vielleicht auch deshalb, weil sie zufälligerweise mit Adolf Hitlers Geburtstag zusammenfiel. Propagandaminister Joseph Goebbels forderte, dass sportlicher Austausch nur dann stattfinden soll, «wenn das Ergebnis nicht im Geringsten zweifelhaft» sei.

Das nächste Duell steht vor der Tür

An der Europameisterschaft 2024 ist die Atmosphäre rund um das Duell zwischen der Schweiz und Deutschland zum Glück weitaus friedlicher. Und – formuliert man es positiv – so hat die Schweiz die Möglichkeit, die Serie der Ungeschlagenheit gegen Deutschland weiter auszubauen. Die Schweiz steht mit eindreiviertel Füssen zwar bereits im Achtelfinal, gelingt ihnen gegen Deutschland heute (21 Uhr im watson-Liveticker) ein Exploit, könnte sie dem Gastgeber in der Gruppe A aber gar noch den ersten Platz streitig machen.

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21 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
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raab23@gmail.com
23.06.2024 13:41registriert Mai 2022
Besonders legendär: die siege von 1938 und 1942. 1942 ausgerechnet am führergeburtstag! Josef goebbels tobte!
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Nony
23.06.2024 13:47registriert Februar 2019
Mit den Ergebnissen von Fussballspielen verhält es sich ähnlich wie mit Aktienkursen. Ergebnisse aus der Vergangenheit haben keinerlei Aussagekraft für künftige Ergebnisse.
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    Petteri Puhakka kommt – ein Leitwolf oder ein Schillerfalter für Kloten?
    Die Gerüchte sind Wirklichkeit geworden: Petteri Puhakka hat in Kloten als Ersatz für Niko Ojamäki unterschrieben. Die Tinte unter dem Vertrag ist trocken. Nun lautet die bange Frage: Ein Leitwolf wie einst Felix und Denis Hollenstein oder bloss ein billiger Schillerfalter?

    Nun gut, der Vergleich mit dem legendären Meister-Captain Felix Hollenstein aus den 1990er Jahren oder seinem aktuell verletzten Sohn Denis Hollenstein bei den ZSC Lions mag schon ein wenig verwegen sein. Petteri Puhakka ist erst 23, hat gerade mal drei Operetten-Länderspiele für Finnland bestritten und noch nie im Ausland gespielt. Ein NHL-Draft ist er nicht. Auch seine Statistiken aus dieser Saison sind überschaubar: 9 Tore und 14 Assists aus 44 Spielen.

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