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18.11.2014; Breslau; Fussball EM Quali - Polen - Schweiz; Josip Drmic (SUI)
(Lukasz Swiderek/freshfocus)

Auf dem Platz gibt es keine Bussen. Josip Drmic will am Freitag gegen Estland mit der Nati Gas geben. Bild: freshfocus

Darum kann Josip Drmic über den Trubel um seinen Strafzettel nur lachen und fühlt sich bei der Nati wie auf einem Ponyhof

Mit viel Aufregung um eine Parkbusse ist Josip Drmics Woche in der Heimat nicht wirklich optimal gestartet. Trotzdem fühlt sich der Stürmer bei der Schweizer Nati und im Klub derzeit gerade pudelwohl.



So heftig wurde in der Schweiz wohl noch nie über eine Parkbusse von 40 Franken diskutiert. Gleich zu Beginn des Nati-Zusammenzugs für die EM-Quali-Partie gegen Estland löst Josip Drmic damit auf Facebook einen Riesenwirbel aus.

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Fast alle Schweizer Medien nehmen das Thema dankbar auf. Bei Facebook hagelt es 11'000 Likes und hunderte von Kommentaren. Ein Ziel hat der 22-jährige Goalgetter damit erreicht. 

«Ich habe gedacht, dass die Leute das lustig finden.»

Josip Drmic

Nach dem Mittwochstraining der Nati in Freienbach verrät er nämlich, dass auch Kalkül hinter der Aktion gesteckt hat: «Mein Agent hat mir gesagt, dass ich auf Facebook mehr von meinem Leben zeigen soll. Ich habe schon viele Strafzettel bekommen und da habe ich gedacht, dass die Leute das lustig finden. Deshalb habe ich es geteilt.»

23.03.2015; Feusisberg; Fussball EM Quali - Besammlung Nationalmannschft; Josip Drmic (SUI)  vor dem Mannschaftshotel  (Andreas Meier/freshfocus)

Josip Drmic hat ein schönes Auto und eine beachtliche Strafzettel-Sammlung. Bild: Andreas Meier/freshfocus

Die Rechnung mit der Rechnung geht für Drmic nicht komplett auf. Zwar zeigt er sich mit der Aktion trotz Star-Status als einer mit Sorgen wie du und ich – und die meisten Fans goutieren das. Aber nicht alle: «Ihr verdient eh zuviel für die paar Tore im Jahr», oder «Wie auf dem Feld. Kaum ist man berühmt, fängt man an rumzuheulen» sind noch die harmlosesten unter den Dutzenden von Negativkommentaren zu Drmics Beitrag.

Er selbst nimmt das gelassen: «Ich hätte nie gedacht, dass es so eine Aufregung gibt. Aber für mich war das doch eigentlich einfach nur ein Spass

Manchmal ist das Leben eben doch ein Ponyhof

Auch wer Drmic dieser Tage im Nati-Camp auf dem Feld beobachtet, kann nur zu einem Schluss gelangen: Da hat einer gerade mehr Freude an seinem Job als eine Sechsjährige bei der Ferienaushilfe auf dem Ponyhof.

Josip Drmic im Training der Schweizer Nationalmannschaft am Montag, 23. Maerz 2015, in Freienbach. Die Schweizer Fussballnationalmannschaft bereitet sich in Freienbach auf das EM-Qualifikationsspiel gegen Estland vom kommenden Freitag in Luzern vor. (KEYSTONE/Valeriano Di Domenico)

Josip Drmic hat beim Nati-Training in Freienbach jede Menge Spass. Bild: KEYSTONE

Beispiel gefällig? Als Vladimir Petkovic seine Mannschaft am Ende einer Übung zusammentrommelt, wird Drmic stattdessen vom Spieltrieb übermannt. Er schnappt sich einen Ball und versucht Keeper Marwin Hitz zu vernaschen. Als sein frecher Lob am Pfosten vorbeisegelt, schlägt er theatralisch die Hände vors Gesicht und kringelt sich vor Lachen fast.

Die gute Laune ist nicht unbegründet. Es scheint derzeit als ob sich der Schweizer Angreifer bei Leverkusen nach einem Horror-Start doch noch durchzusetzen vermag. 

Im Herbst war Drmic in der Nati Top und im Klub Flop

Noch beim letzten Nati-Zusammenzug im vergangenen November steckt Drmic bei seinem neuen Verein tief im Loch. Nur 189 Spielminuten und ein mickriges Törchen stehen damals auf der Haben-Seite. Viel zu wenig für einen, dessen 17 Vorjahres-Treffer für Nürnberg dem Pillenklub sieben Millionen Euro Ablöse wert gewesen sind. «Ich habe mir alles ziemlich anders vorgestellt. Ich wäre bereit, um mit Leverkusen viel zu bewegen. Stattdessen habe ich das Gefühl, auf der Stelle zu treten», gibt Drmic im Spätherbst geknickt zu Protokoll.

«Ich habe mir alles ziemlich anders vorgestellt.»

Josip Drmic im November

Es folgt ein Befreiungsschlag der Extraklasse in der Nationalmannschaft. Beim 4:0 in der EM-Quali gegen Litauen bucht Josip Drmic ein Tor und gibt zwei Assists. Drei Tage später doppelt er mit einem Treffer beim 2:2-Testspiel gegen Polen nach.

Nur im Klub nützt das alles nichts. Der Schweizer bleibt unter Trainer Roger Schmidt weiterhin nur eine Randfigur. Dieser setzt stattdessen konsequent auf die ehemalige Tormaschine Stefan Kiessling. Drmic scheint wie einst Eren Derdiyok hinter dem kopfballstarken Hünen zu versauern. In der Winterpause hat der Schweizer genug gesehen und will einen Leihwechsel zum HSV forcieren. Doch die Bayer-Verantwortlichen winken ab.

LEVERKUSEN, GERMANY - DECEMBER 20: Josip Drmic 8r9 and Stefan Kiessling of Leverkusen react during the Bundesliga match between Bayer 04 Leverkusen and Eintracht Frankfurt at BayArena on December 20, 2014 in Leverkusen, Germany.  (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Nach seinem Wechsel zu Leverkusen steht Josip Drmic lange in Stefan Kiesslings Schatten. Bild: Bongarts

Der Frühling bringt die Wende

Ein Glücksfall für Drmic, wie dieser heute eingestehen muss. Denn in der Rückrunde steigt der Schweizer in Leverkusen plötzlich wie ein Phönix aus der Asche. Immer öfter steht er statt Kiessling in der Startelf, so auch in den beiden Achtelfinalspielen der Champions League gegen Atlético Madrid. Als er sich vor zwei Wochen mit einem Doppelpack gegen Stuttgart die Saisontore Nummer 5 und 6 gutschreiben lässt, skandiert der Leverkusen-Anhang bei seiner Auswechslung erstmals geschlossen Drmics Namen.

13.03.2015; Leverkusen; Fussball 1. Bundesliga - Bayer 04 Leverkusen - VfB Stuttgart;
Jubel Josip Drmic (Leverkusen) nach seinem Tor zum 2:0 (Thienel/Expa/freshfocus)

Gegen den VfB Stuttgart gelingt Josip Drmic kurz vor der Nati-Pause ein Doppelpack. Bild: Thienel/freshfocus

Der Schweizer erklärt sein Formhoch: «Wir haben im Winter sehr offene Gespräche geführt. Jetzt habe ich mehr Spielminuten und spüre das Vertrauen des Trainers. Das gibt mir viel Selbstvertrauen und ich hoffe, dass es weiterhin so bleibt.»

Dazu kann er im anstehenden Spiel gegen Estland und im Test gegen die USA auch mit der Nati einen grossen Beitrag leisten. Trotz aller Lockerheit im Training weiss der Angreifer, dass zumindest die EM-Quali-Partie wohl kein Selbstläufer wird: «Estland wird am Freitag hinten sehr stabil stehen und uns das Leben schwer machen. Es ist ein unangenehmer Gegner. Wir müssen alles geben für die Schweiz und unsere Chancen verwerten.»

Wenn ihm das gelingt, dann könnte Josip Drmic auf dem Rückweg nach Leverkusen wohl sogar noch einen Strafzettel verkraften.

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