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Die Serie A ist besser als die Premier League und die Bundesliga – und zwar deutlich!

Juventus hat Grund zur Freude: Der italienische Serienmeister stösst in der Champions League ins Halbfinale vor.
Juventus hat Grund zur Freude: Der italienische Serienmeister stösst in der Champions League ins Halbfinale vor.Bild: GUILLAUME HORCAJUELO/EPA/KEYSTONE

Die Serie A ist besser als die Premier League und die Bundesliga – und zwar deutlich!

Die italienische Serie A war mausetot, doch Totgesagte leben bekanntlich länger. In diesem Jahr schneiden die Klubs aus der obersten italienischen Liga europäisch klar besser ab als die «Hype-Ligen» Premier League und Bundesliga. Es ist an der Zeit, dies zu akzeptieren.
24.04.2015, 09:55
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Es ist manchmal nicht einfach, als Italiener in einer Schweizer Sportredaktion. Meine werten Arbeitskollegen finden an allen möglichen fussballerischen Wettbewerben – von der U18-Frauen-Afrikameisterschafts-Qualifikation bis zur 5. Schweizer Liga – Interesse, ausser an der Serie A. 

Amateurfussball: Interessiert die meisten watson-Sportredakteure mehr als die Serie A.
Amateurfussball: Interessiert die meisten watson-Sportredakteure mehr als die Serie A.Bild: KEYSTONE
UEFA-Fünfjahreswertung
Die UEFA-Fünfjahreswertung – auch UEFA-Koeffizient genannt – ist eine von der UEFA aufgestellte Rangliste. Die Länderwertung dient der Ermittlung der Anzahl der Fussball-Europapokal-Startplätze der einzelnen Landesverbände. 

Die Klubwertung wird bei Auslosungen in den UEFA-Klubwettbewerben (UEFA Champions League und UEFA Europa League) bis einschliesslich der Gruppenphase für die Einteilung der Lostöpfe verwendet.
Eine komplette Übersicht sowie die genauen Regeln für die Punktevergabe gibt es hier zu sehen.
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Der grosse Hype herrscht vor allem um die Premier League und die Bundesliga. Das sind die «coolen» Ligen – nur sind sie derzeit schlechter als die Serie A, und zwar deutlich. 

Die Aussage mag etwas gewagt sein und hängt wohl auch ein wenig mit meiner grün-weiss-roten Italien-Brille zusammen. Aber sie ist wahr – das unterstreichen die Resultate auf internationaler Ebene, welche sich in der UEFA-Fünfjahreswertung widerspiegeln. Und dies ist die einzig mögliche objektive Messgrösse für die Stärke der einzelnen Ligen.

Die Serie A hat ihre Probleme, aber ...

Ob die Serie A eine attraktive Liga ist, sei dahingestellt. Zuschauer- und atmosphäretechnisch können viele Teams in Italien wohl nicht ganz mit der internationalen Konkurrenz mithalten. Zudem hat die Serie A ein ernstes Rassismus-Problem. Doch das ist ein anderes Bier. 

Rein auf das fussballerische Niveau reduziert, befindet sich die Serie A auf der Überholspur. In dieser Saison hat sie dank guten Resultaten in Champions- und Europa League klar mehr Punkte als die englische und deutsche Konkurrenz geholt. Einzig Spanien hat in dieser Saison knapp mehr Zähler gesammelt als Italien – die Spanier sind jedoch auch eine Klasse für sich und das wird wohl auch noch einige Jahre so bleiben.

Die UEFA-Fünfjahreswertung zeigt's: Italien hat in der Saison 2014/15 bisher deutlich mehr Punkte geholt als Deutschland und England.
Die UEFA-Fünfjahreswertung zeigt's: Italien hat in der Saison 2014/15 bisher deutlich mehr Punkte geholt als Deutschland und England.screenshot: 5-jahres-wertung.de

Das Träumen von den alten Zeiten

Das waren noch Zeiten: Die Aufstellungen des Champions-League-Finals 2003 zwischen Milan und Juventus.
Das waren noch Zeiten: Die Aufstellungen des Champions-League-Finals 2003 zwischen Milan und Juventus.screenshot: wikipedia

Lange ist es her, seit die Italiener in der Champions League dominiert haben. 2003 waren drei von vier Halbfinalisten Italiener (Final: Milan – Juventus). In diesem Jahr schafften es gerade mal zwei Teams in die Gruppen- und eins in die K.O.-Phase. Da steht Juventus aber immerhin in den Halbfinals – als erstes italienisches Team seit dem Titelgewinn von Inter 2010.

Klar hat Juventus bisher keinen ganz harten Brocken zugelost bekommen, trotzdem hat die «Vecchia Signora» in den letzten sechs Champions-League-Partien nur ein mickriges Gegentor kassiert und unter anderem Dortmund in seine Einzelteile zerlegt. Dennoch ist man sich jetzt weitgehend sicher: Juventus ist nur ein Halbfinal-Opfer der grossen Haie im Champions-League-Becken – wir werden es noch sehen.

Alle wollen sie: Die Juve im Halbfinale.
Alle wollen sie: Die Juve im Halbfinale.Bild: twitter

Wertvolle Punkte durch die Hintertür

Enorm viele Punkte für die Fünfjahreswertung holten die italienischen Mannschaften in der Europa League. Mit Napoli und Fiorentina sind immer noch zwei Teams in den Halbfinals vertreten. Damit sind in Europa von acht verbleibenden Teams drei aus Italien und drei aus Spanien sowie eine deutsche und eine ukrainische Mannschaft dabei.  

Dominant: Italien und Spanien stellen sechs von acht verbleibenden Mannschaften.

«Wen interessiert schon die Europa League?» Es ist eine Aussage, wie diejenige eurer Freundinnen, die sagen, sie schauen schon Fussball – also einfach die WM! Wer sich intensiv mit Fussball beschäftigt, der verfolgt und beachtet auch die Europa League. 

Und wer sich dann tatsächlich mal die zweite Garde der Ligen ansieht, merkt schnell, dass es auch beim kleinen Bruder der Champions League attraktive Begegnungen gibt und die Italiener gar nicht so schlecht sind: Die Fiorentina (6. Platz in der Serie A) hat Tottenham bereits im Achtelfinale locker rausgekegelt. 

Napoli (4. Platz in der Serie A) hat den VfL Wolfsburg, den neuen Liebling am deutschen Fussballhimmel, sogar deklassiert. Da muss ich schon schmunzeln, wenn meine Kollegen auf der Sportredaktion Spieler wie Kevin de Bruyne oder Ricardo Rodriguez in ihre fiktive Weltauswahl stellen. Die massive Überschätzung der Bundesliga lässt grüssen. 

Deutschland hat die Bayern. Und England?

Deutschland hat mit dem FC Bayern München eine der drei ganz grossen Mannschaften Europas, welche auch jährlich fleissig Punkte für die Fünfjahreswertung sammelt. Und dann? Ausser der Ausnahmesaison von Dortmund 2012/13, haben die deutschen Teams nie wirklich etwas gerissen. 

Die Bayern spielen zusammen mit Real und Barça in eigenen Sphären.
Die Bayern spielen zusammen mit Real und Barça in eigenen Sphären.Bild: EPA/DPA

Wir dürfen uns auf die Auftritte von Mannschaften wie Mönchengladbach und Wolfsburg in der nächsten Champions-League-Saison freuen. Das ist vor allem aus Schweizer Sicht eine tolle Sache. Aber ob man sich mit diesen Mannschaften tatsächlich auf höchster internationaler Ebene durchsetzen kann?

England hat einige «Topteams», viele überteuerte Spieler und eine ausgeglichene Liga. Aber vor allem etwas: Eine sensationelle Vermarktung, weshalb die Liga besser wirkt, als sie tatsächlich ist. Zugegeben, auch ich gönne mir meinen wöchentlichen «Match-of-the-Day»-Rückblick der Premier League. Da ist ganz viel Spektakel zu sehen, taktisch und vor allem defensiv ist das jedoch oftmals Stückwerk. 

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Das kann man bestreiten, muss man aber nicht. An der Tatsache, dass Liverpool peinlich an Basel gescheitert ist (bei allem Respekt für die Leistung des FCB), Chelsea gegen PSG über zwei Spiele den Fussball verweigert hat und Arsenal gegen das vermeintlich kleine Monaco ausgeschieden ist, ändert es nichts. Das hat Gründe – andere als Pech, schwere Gegner oder Zufall. Die Premier-League-Fanatiker werden es bestreiten. 

Italien bald mit dem vierten CL-Startplatz?

So wie sich die UEFA-Fünfjahreswertung entwickelt, hat Italien in ein bis zwei Jahren den vierten Startplatz in den Champions League zurückerobert – wahrscheinlich auf Kosten von England. Sollte Fiorentina oder Napoli dieses Jahr die Europa League gewinnen, gibt es auf die Saison 2014/15 bereits einen zusätzlichen Platz in der Königsklasse.  

Die Entwicklung der Ligen in der Fünfjahreswertung. Bei Italien geht es nach oben, bei England nach unten.

Wer sich intensiv mit Fussball auseinandersetzt, der weiss, dass die Serie A besser ist als ihr Ruf. Wer sich hingegen seine Meinung anhand von Marktwerten oder der Spielerstärke in FIFA 15 bildet, darf gerne Ignorant bleiben.

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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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El_Guero
24.04.2015 11:20registriert Juni 2014
Alle Ligen haben doch das gleiche Problem: 1-3 Spitzenmannschaften und danach ein Riesenloch. ESP: Atletico, Barca, Real; ITA: Juve, Roma,; DE: Bayern (und bis letzte Saison Dortmund) ; ENG: ManCity, ManU; Chelsea, teilweise Arsenal. Das sage ich als Athletic Bilbao, Fiorentina und Liverpool Fan... Was die starke italienische Liga betrifft: Gestern stand bei der Fiorentina und Napoli insgesamt ein (!) Italiener auf dem Platz. So von wegen Söldner-Liga...
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indubioproreto
24.04.2015 11:13registriert Dezember 2014
Was etwas fehlt in diesem Artikel: Die grossen italienischen Mannschaften bestehen vor allem aus afrikanischen und südamerikanischen Spielern.
Zudem: Bezüglich Attraktivität ist die italienische Liga doch sehr schwach geworden, da schafft es z.B. Napoli gegen Wolfsburg auch nicht im Ansatz, ein Stadion zu füllen.
Also ich glaube, die italieinische Liga ist stark, stärker als viele meinen, aber nicht so stark, wie der Autor dies hier suggeriert.
Man beachte zudem das relativ schwache Abschneiden der AS Roma in der CL/EL dieses Jahr.
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Tobi-wan
24.04.2015 11:22registriert März 2015
Ich glaube der Grund warum viele die BuLi als beste Liga sehen, kommt vor allem daher, da sich der Deutsche Fussball in ein Offensivspektakel entwickelt hat. Da sieht man bei BuLi-Spielen nur selten ein gemauere (ausser bei Schalke unter Di Matteo...), sondern Tempofussball auf hohem Niveau. Dasselbe bei der Nationalmannschaft.
Aber ob das zur "besten Liga" reicht? Attraktiver oder nicht attraktiver Fussball ist halt das, was die Fans sehen und damit wohl auch die Ligen vergleichen. Da kann Italien halt noch nicht mithalten.
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