Mit neuem Verwaltungsrat und grossen Namen: So möchte der FCZ wieder erfolgreich werden
Am Donnerstag wurde Claudio Cisullo beim FC Zürich in den Verwaltungsrat gewählt. Der 61-Jährige Unternehmer, den die «Bilanz» zu den 300 reichsten Schweizern zählt, übernimmt die Funktion des «Lead Independent Director».
Am Freitagnachmittag haben FCZ-Präsident Ancillo Canepa und der neue starke Mann Cisullo weitere wichtige Entscheide für die sportliche Zukunft des Klubs bekanntgegeben. Unter anderem besitzen die Zürcher neu einen sechsköpfigen Beirat um den Vorsitzenden Cisullo – und der hat es von den Namen her in sich.
Denn mit im Beirat sitzen Roberto Donadoni und Roberto Di Matteo. Das neue Gremium dient laut dem FC Zürich «als Plattform für den strukturierten Austausch von Ideen, die Einbringung und Nutzung relevanter Netzwerke». Der Beirat soll zudem Partnerschaften anbahnen und fördern. Die weiteren Mitglieder sind der Unternehmer Samuel Widmann, der Banker Björn Wäspe und der Kommunikationsfachmann Peter Marti.
Ehre für Donadoni, dass sich der grosse FCZ gemeldet hat
Ihre Fussball-Kompetenz bringen die beiden Robertos ein. Donadoni gewann als Mittelfeldspieler mit der AC Milan mehrere Meistertitel und die Champions League, er lief 63 Mal für Italien auf und war Trainer der «Squadra Azzurra» an der Euro 08 in der Schweiz. Wie Cisullo an seiner ersten Pressekonferenz als Verwaltungsrat erklärt, hat sich Donadoni «geehrt gefühlt, dass sich der grosse FC Zürich bei ihm gemeldet hat.»
Roberto Di Matteo eroberte von Schaffhausen aus die Fussballwelt. Der Doppelbürger wurde in den 1990er-Jahren bei Lazio Rom zum italienischen Nationalspieler, später spielte er mehrere Jahre bei Chelsea. Als dessen Trainer gewann er 2012 die Champions League.
«Es sind alles Persönlichkeiten mit grosser Erfahrung und grossem Leistungsausweis», sagt Cisullo und stellt klar, dass der Beirat keine operativen Aufgaben übernehmen wird. Viermal im Jahr wird aber eine Sitzung in diesem Gremium stattfinden. Auch Präsident Canepa ist sehr erfreut über diesen Schritt: «Für mich ist es eine grosse Chance. Ich bin mehr als zufrieden, dass wir ein solches Gremium haben.»
Planung für die Zeit nach Canepa wird gestartet
Ebenfalls wird es neuerdings einen CEO bei den Zürchern geben. Bis die passende Person für diesen Posten gefunden ist, wird Canepa ad interim diese Position übernehmen.
Der neue Verwaltungsrat Cisullo soll auch bei der Zukunftsplanung des Vereins beteiligt sein. Ancillo und Heliane Canepa sitzen seit fast zwanzig Jahren beim FCZ am Ruder und möchten bereits jetzt eine saubere Übergabe planen. «Es geht nicht um einen kurzfristigen Rückzug. Aber wir wollen Klarheit und den Zukunftsprozess strategisch aufgleisen», sagt der 72-Jährige Canepa.
Obwohl Cisullo erst am Donnerstag offiziell als Verwaltungsrat gewählt wurde, arbeitet er schon seit knapp zwei Monaten fast täglich mit dem Ehepaar Canepa zusammen. Der erfahrene Unternehmer soll auch helfen, den 13-fachen Schweizer Meister wieder erfolgreich zu machen. Bei den Transfers wird er sich aber nicht einmischen. Das Sportliche sei nichts für ihn und seine Aufgabe werde es sein, das Geld zu organisieren. Es ist auch nicht vorgesehen, dass er Aktionär beim FCZ wird.
Für Cisullo ist Zürich ein Verein, der gut organisiert ist und ein grosses Potential hat. «Der FCZ ist schon immer eine Institution und ist es auch heute noch. Es ehrt mich, dass ich einen Teil dazu beitragen kann zu dem, was der FCZ in den letzten 20 Jahren gemacht hat.», freut sich der 61-Jährige über seine neue Stelle.
Sportchef wird durch den technischen Direktor ersetzt
Nachdem der ehemalige Sportchef Milos Malenovic kurz vor Weihnachten freigestellt wurde, wird diese Stelle so nicht mehr besetzt. Dafür wurde Alessandro Mangiarratti an Bord geholt und dieser übernimmt die Rolle des Technischen Direktors. Der ehemalige Yverdon-Trainer wird nicht nur für Transfers zuständig sein, sondern auch für das Frauen-, und Nachwuchsteam.
Die Aufgabe von Mangiarratti vergleicht Canepa mit der eines Innenministers. Im Transferwesen soll jeweils die Sportkommission mitentscheiden, in der auch der neue technische Direktor dabei ist.
Sportlich gesehen bleibt beim FCZ das grosse Ziel, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Aktuell stehen die Zürcher nur auf dem achten Platz und sind vier Punkte von der Championship Group entfernt. «Schwierig ist es so oder so, jeder schlägt dieses Jahr in dieser Liga jeden. Der Europacup ist das Ziel, auch vom Cheftrainer und der Mannschaft», sagt Canepa über die Erwartungen in der restlichen Saison.
Canepa schliesst Rückkehr von Rodriguez und Kryeziu nicht aus
Nach den Abgängen von Steven Zuber, Mario Gómez, Nemanja Tosic und Milan Rodic könnten auch noch Markelo und Junior Ligue den Verein verlassen. «Wir sind offen für einen Wechsel, aber dafür müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen», bestätigt Canepa. Dafür könnten vielleicht zwei Altbekannte zurückkehren: Canepa schliesst eine Verpflichtung von Ricardo Rodriguez und Mirlind Kryeziu nicht aus.
Am Sonntag geht es beim FCZ sportlich mit dem Klassiker weiter. Im Letzigrund wird der kriselnde Schweizer Meister Basel zu Gast sein.
