Tim Meyer von GC zu ManUtd? So schnell kann ein Transfergerücht entstehen
Transfermarkt hat sich längst als Referenzseite für Fussballer und ihre Statistiken etabliert. Dort finden Fans auch – von anderen Nutzern zusammengetragen – mögliche Wechselgerüchte ihrer Lieblinge.
Anhänger der Zürcher Grasshoppers dürften am Mittwochmorgen gestaunt haben. Wechselt ihr junger Mittelfeldspieler Tim Meyer zu Manchester United?! Dieses Gerücht wurde auf Transfermarkt gepostet.
Zwar hecheln die «Red Devils» ihren erfolgreichen Zeiten gerade hinterher. Für das GC-Eigengewächs Meyer (21), das sich beim Tabellen-Vorletzten der Super League in den letzten Monaten einen Stammplatz erkämpft hat, wäre ein Wechsel zum englischen Weltklub dennoch ein sehr grosser Schritt.
Aber ist an diesem Gerücht überhaupt etwas dran? Als Quelle ist ein Artikel sauber verlinkt. Der Klick führt zu einem «Kölner Abendblatt» und sollte bereits stutzig machen. Denn der Artikel ist Englisch: «Manchester United identify Grasshopper starlet Tim Meyer as key target for midfield rebuild», heisst der Titel.
Warum sollte eine Kölner Zeitung einen englischen Artikel über einen jungen GC-Fussballer schreiben? Spätestens jetzt sollten die Alarmglocken schrillen. Kann das echt sein?
Die Antwort lautet: Nein. Es handelt sich um Fake-News. Alles nur erfunden.
Man muss das nicht einmal aufwändig prüfen. Am Ende des Artikels wird transparent darüber informiert: «Hier kann jeder innerhalb von Sekunden eigene Satire oder Scherzartikel in verschiedenen fiktiven Magazinen veröffentlichen. Daher solltest du diesen Artikel auf gar keinen Fall als seriöse Quellenangabe nutzen.»
In der Hektik des «Calciomercato», des Geschäfts mit den Transfergerüchten, kann das schon mal untergehen. Möglich, dass das eine oder andere Medium das Gerücht über Tim Meyer für bare Münze nimmt. Dass der Schweizer U21-Nationalspieler schon bald für Manchester United aufläuft, ist aber eher unwahrscheinlich.
Kritik am «Transfer-Guru»
Im Dschungel der Transfergerüchte stellt sich deshalb immer die gleiche Frage: Wem kann man überhaupt glauben?
Ein Name fällt dabei fast immer: Fabrizio Romano. Der Italiener hat sich über die Jahre zum «Transfer-Guru Nr. 1» entwickelt. Für viele Fans gilt: Wenn Romano etwas meldet, dann stimmt es auch. Sein berühmtes «Here we go» gilt als Signal, dass ein Transfer praktisch fix ist.
Doch auch Romano ist nicht unumstritten. Er hat sich gerade in die Nesseln gesetzt, weil er in einem Video für die humanitäre Hilfe Saudi-Arabiens wirbt. Dafür kassierte er viel Kritik, ihm wurde vorgeworfen, käuflich zu sein. Mit dem Hashtag #ad (für advertisement, deutsch: Werbung) machte Romano wenigstens transparent, dass er Geld dafür erhielt.
Global Humanitarian Role of Saudi Arabia @KSRelief_EN #ad pic.twitter.com/GcmHu7LEUj
— Fabrizio Romano (@FabrizioRomano) March 3, 2026
Lokalzeitungen sind oft gut vernetzt
Auch solche Informationen helfen einem bei der Beurteilung von Transfergerüchten. Wer sie postet, hat womöglich ein persönliches Interesse daran – das sollte man im Hinterkopf haben. Romano und Co. wollen im Falle eines Transfers damit werben können, es vor allen anderen gewusst und verbreitet zu haben. Wenn dann neun von zehn anderen Gerüchten nicht zu Tatsachen wurden: Schwamm drüber.
Suche bei einer Meldung immer nach der ursprünglichen Quelle. Ist von unbestimmten «italienischen Medien» die Rede, stimmt das Gerücht eher nicht. Je lokaler eine Quelle ist, desto mehr Fleisch ist am Knochen: Das «St.Galler Tagblatt» ist beim FC St.Gallen besser vernetzt als «La Gazzetta dello Sport» aus Italien. Und die Lokalzeitung ist garantiert näher am FCSG dran als das erfundene «Kölner Abendblatt» an GC.
