Die Fans verliessen das Stadion noch vor der Pause: Tottenham-Krise immer schlimmer
Dass Fans bei einem klaren Rückstand das Stadion einige Minuten vor Spielende verlassen, ist nichts Neues. «Weisst du, so entgehe ich dem Verkehr», ist eine beliebte Erklärung. Bei den Tottenham Hotspur hatten die Anhänger nun aber dermassen genug, dass sie bereits zur Halbzeit das Stadion massenhaft verliessen.
Kurz vor der Pause hatten die Spurs den dritten Treffer innerhalb von zwölf Minuten kassiert und lagen mit 1:3 gegen Crystal Palace zurück. Dazu kam noch, dass Verteidiger Micky van de Ven nach einer Notbremse vom Platz geflogen war. In der zweiten Halbzeit verpassten die frühzeitig abgereisten Fans nichts mehr, das Ergebnis blieb das gleiche. Die fünfte Niederlage hintereinander war besiegelt und Tottenham nähert sich mit grossen Schritten dem Abstiegsplatz.
Am 28. Dezember gewannen die Nordlondoner zum letzten Mal in der Meisterschaft. Seither folgten vier Unentschieden und sieben Niederlagen. Während der amtierende Europa-League-Sieger zu Beginn des Jahres noch zwölf Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz hatte, ist es mittlerweile nur noch ein Zähler.
Auch der erwünschte Trainereffekt blieb bisher aus. Igor Tudor wurde Mitte Februar als Nachfolger von Thomas Frank an die Seitenlinie geholt. Die ersten drei Partien unter dem 47-Jährigen erbrachten aber allesamt nichts Zählbares. Trotzdem zeigt sich Tudor nach der Niederlage gegen Palace selbstbewusst: «Ich muss die richtigen Leute auswählen, denn das Boot fährt in die Richtung, in die ich fahren möchte und muss. Wer im Boot sitzt, kann bleiben. Andernfalls können sie, wie sagt man so schön, das Boot verlassen.»
Bereits abgeschrieben wird Tudor von den englischen Medien. So schrieb der «Mirror» nach der jüngsten Niederlage: «Igor der Schreckliche! Ein elendiges Tottenham muss akzeptieren, dass Tudor gehen muss, wenn es in der Liga bleiben will.»
In den letzten neun Meisterschaftspartien muss Tottenham schleunigst den Turnaround schaffen. Nach dem schwierigen Auswärtsspiel bei Liverpool in eineinhalb Wochen kommt es zum Abstiegskracher gegen den direkten Konkurrenten Nottingham Forest. Auch das letztjährige Überraschungsteam der Premier League steckt in einer grossen Krise und konnte seit über einem Monat keine Partie in der Liga für sich entscheiden.
Während Burnley und Wolverhampton deutlich abgeschlagen auf den letzten zwei Plätzen liegen, wird es ein Kampf zwischen Leeds, Tottenham, Nottingham und West Ham gegen den Abstieg. Die Spurs spielen seit 1978 in der höchsten englischen Liga und es wäre in England wohl der sensationellste Abstieg seit vielen Jahren.
Noch hat Tottenham aber eine kleine Chance, die Saison zu retten. Neben dem Abstiegskampf sind die Engländer auch noch in der Champions League dabei. Nach einer starken Ligaphase konnten sich die Spurs direkt für den Achtelfinal qualifizieren und treffen in diesem auf Atlético Madrid. Bereits in der letzten Spielzeit enttäuschte Tottenham in der Meisterschaft (Platz 17), qualifizierte sich aber durch den Sieg in der Europa League trotzdem für die Königsklasse.
