Sport
Fussball

Schweizer Fussballfans vor dem TV: Verliert Blue die Champions League?

Verliert Blue die Champions-League-Rechte? Schweizer Fussballfans droht TV-Hammer

Wie hinter den Kulissen mit Millionen um die Zukunft der Königsklasse des europäischen Fussballs in der Schweiz gepokert wird.
30.01.2026, 14:2630.01.2026, 14:26
Simon Häring / ch media

Wer die Spiele der Super League und Challenge League sehen will, kommt an einem Abo beim Swisscom-Sender Blue Sport nicht vorbei. Auch die europäischen Auftritte des FC Basel und von YB sind grösstenteils dort zu sehen. Das politisch unter Druck stehende Schweizer Fernsehen kann sich aus Kostengründen noch maximal eine Sublizenz leisten.

Doch im internationalen Fussball hat Blue zuletzt an Boden verloren. Die Rechte an der italienischen Serie A, der französischen Ligue 1 und ab der kommenden Saison auch an der spanischen La Liga gingen an DAZN oder Sky. Die Bundesliga läuft in der Schweiz bei Sky. Damit zeigt Blue aus den fünf grossen Ligen künftig nur noch die englische Premier League – und davon nur gut die Hälfte der Spiele live. Studiosendungen und Kommentar stammen zudem von «Canal+ Premier League» und sind auf Französisch.

Die 11 schlechtesten Symbolbilder von Menschen, die Fussball im TV schauen

1 / 14
Die 11 schlechtesten Symbolbilder von Menschen, die Fussball im TV schauen

Hopp Schwiiz! Seit Generationen feuern Menschen die Nati vor dem Bildschirm GENAU SO an.

quelle: www.imago-images.de / sumners
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Karten werden neu gemischt

Herstzück des Programms ist die Champions League der Männer. Seit 2018 und bis 2027 zeigt Blue alle Spiele live, das Schweizer Fernsehen überträgt seit 2024 dank einer Sublizenz ein Spiel pro Runde. Doch nun droht Blue auch diese Rechte zu verlieren. Die Karten werden neu gemischt.

Denn während in den grossen Märkten Europas (Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien) die Entscheidungen für die kommende Rechteperiode (2027 bis 2031) bereits gefallen sind, hat die Ausschreibung für die Schweiz laut UC3 noch nicht einmal begonnen.

US-Agentur löst Burgener-Firma ab

Bei UC3 handelt es sich um ein erst 2025 gegründetes Unternehmen des europäischen Fussballverband Uefa und der European Club Association (ECA), das die kommerziellen Rechte (Medien, Sponsoring, Lizenzierung) der europäischen Klubwettbewerbe der Männer und Frauen vermarktet.

UC3 hat die globale Vermarktung erstmals an das US-Unternehmen Relevent Sports vergeben. Es löst nach 35 Jahren die Schweizer Team Marketing AG des früheren FC-Basel-Präsidenten Bernhard Burgener ab. Relevent hatte für die Periode 2024 bis 2027 Rechte in ihrem Heimmarkt Nordamerika veräussert und dort den Erlös um 150 Prozent gesteigert.

Netflix, Facebook oder Amazon?

Der Auftrag der Uefa an Relevent scheint dabei klar: die Einnahmen noch weiter steigern. Begünstigt wird diese Strategie durch den Markteintritt globaler Plattformen wie Amazon, Paramount+, Netflix oder Youtube, die klassischen Pay-TV-Anbietern wie Blue zunehmend Konkurrenz machen.

An klassischen Fernsehsendern scheint Relevent kein Interesse zu haben. In Deutschland gingen die Champions-League-Rechte an Paramount+ und Amazon, der Final wird zusätzlich bei Netflix gezeigt. In England setzten sich die US-Plattformen ebenfalls durch. Und auch Facebook (Meta), Youtube (Alphabet) und Apple drängen in den Markt der Sportrechte.

Blue-Chefin gibt keine Auskunft

Ob und in welcher Form diese Plattformen ein auf ein Schweizer Publikum zugeschnittenes Programm anbieten würden wie derzeit Blue, ist fraglich. Wie aus Branchenkreisen zu vernehmen ist, zeigt der französische Sender Canal+ offenbar ernsthaftes Interesse an den Schweizer Rechten.

Entsprechend gross ist die Anspannung bei Blue. Programmchefin Claudia Lässer gibt generell nur selten Interviews, eine Anfrage von CH Media ist seit Monaten offen. Zu konkreten Fragen zur aktuellen Rechtesituation gibt der Sender mit Hinweis auf den laufenden Prozess auch keine Auskunft.

Claudia Laesser, Leiterin Teleclub Sport bei der Medienkonferenz Fussballjahr bei Swisscom und Teleclub in Zuerich am Donnerstag, 5. April 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Blue-Programmchefin Claudia Lässer.Bild: KEYSTONE

Rechte für Polen, Japan und Türkei

Intern beschäftigt sich Blue schon seit Monaten intensiv mit Szenarien für den Fall des Rechteverlusts. Eine stärkere Fokussierung auf den Schweizer Sport ist aber gescheitert: Die National League im Eishockey verkaufte die Rechte bis 2035 an den Sunrise-Sender MySports. Die Blue Entertainment AG geht derzeit bei der Wettbewerbskommission Weko dagegen vor.

Zwar umfasst das Angebot von Blue 24 Ligen – doch das Interesse der Zuschauer an Spielen aus Polen, Japan oder dem türkischen Supercup dürfte sehr begrenzt sein. Das Abo kostet 34.90 Franken pro Monat. DAZN bietet zum gleichen Preis Serie A, Ligue 1 und Bundesliga, Sky ist günstiger und kombiniert sein Angebot gegen Aufpreis mit DAZN und MySports.

SRF wirft bereits das Handtuch

Am Mittwoch inszenierte Blue mit der «Nacht der Entscheidung» noch einmal seine ganze Stärke und zeigte alle 18 Champions-League-Spiele gleichzeitig. Rund 125 Mitarbeitende standen in Volketswil und in Granges-Paccot in Freiburg im Einsatz. Sollte Blue die Rechte an der Königsklasse verlieren, dürfte das auch Auswirkungen auf viele Arbeitsplätze haben.

Im Gegensatz zu Blue beteiligt sich das Schweizer Fernsehen gar nicht am Wettbieten. «Aktuell laufen keine für uns relevanten Ausschreibungen im Bereich der Sportrechte», schreibt die SRG auf Anfrage von CH Media.

Den Schweizer Fussballfans droht ohnehin ein markanter Einschnitt: So könnten die Spiele der Champions League künftig auf internationalen Plattformen laufen. Und zwar ohne deutschsprachige Studios, ohne lokale Experten, und ohne ein auf die Schweiz zugeschnittenes Programm.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die 11 schlechtesten Symbolbilder von Menschen, die Fussball im TV schauen
1 / 14
Die 11 schlechtesten Symbolbilder von Menschen, die Fussball im TV schauen

Hopp Schwiiz! Seit Generationen feuern Menschen die Nati vor dem Bildschirm GENAU SO an.

quelle: www.imago-images.de / sumners
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Nico Hischier erzielt den Overtime-Winner gegen Nashville
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
45 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Truth Hurts
30.01.2026 14:33registriert Mai 2016
Blue soll kläglich scheitern. Ursprünglich gab es Spiele der Super League für 1.-, jetzt kann man nicht einmal mehr einzelne Spiele mieten. Denen trauert kein Mensch nach.
1237
Melden
Zum Kommentar
avatar
deMicha
30.01.2026 14:39registriert Januar 2016
Ich bin froh, habe ich schon lange aufgehört für jede Liga, jede Serie, Film, usw ein Abo zu bezahlen.
Piraterie lässt grüssen, back to the Roots
916
Melden
Zum Kommentar
avatar
Karl33
30.01.2026 14:57registriert April 2015
Aus Erfahrung kann ich sagen: Man überlebt auch ohne das Schauen der Champions League. Es gibt ebenbürtige Dinge, da man anstattdessen tun kann.
602
Melden
Zum Kommentar
45
Dem FCB misslingt die Lichtsteiner-Premiere – das EL-Aus ist Tatsache
Der FC Basel verliert das erste Spiel unter dem neuen Coach Stephan Lichtsteiner. Nach dem 0:1 gegen Viktoria Pilsen scheiden die Basler aus der Europa League aus.
Viel Zeit blieb Stephan Lichtsteiner nicht, um sich am neuen Arbeitsort einzuleben. Gerade zwei Trainings konnte der am Dienstag vorgestellte Coach des FC Basel mit seiner neuen Mannschaft absolvieren, ehe es für den FCB bereits ein erstes Mal ernst galt. Viel könne er in so kurzer Zeit sicher nicht verändern, hatte der frühere Captain der Schweizer Nationalmannschaft im Vorfeld gesagt. Das Wichtigste sei, dass auf dem Feld jeder Spieler genau wisse, was er zu tun habe.
Zur Story