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João Paiva (links) spielte in der Schweiz unter anderem für Winterthur, GC und Luzern.
João Paiva (links) spielte in der Schweiz unter anderem für Winterthur, GC und Luzern.
Bild: KEYSTONE

Schwere Zeit für arbeitslose Fussballer: «Es hat Spieler, die 900 Franken verdient haben»

João Paiva, der ehemalige Stürmer des FC Luzern und GC, trainiert in Glattbrugg rund zwei Dutzend vertragslose Fussballer.
13.07.2021, 20:03
nicola berger / ch media

Es ist Freitag, und der Trainer sagt nach dem Ende seines Arbeitstages zufrieden, er spüre in seinem Kollektiv einen Zusammenhalt, eine Solidarität, wie sie in diesem Geschäft nicht alltäglich sei. Die Rede ist nicht von Vladimir Petkovic und der Schweizer Nationalmannschaft, die am Abend gegen Spanien aus dem EM-Viertelfinal fliegt. Sondern von einer Gemeinschaft am anderen Ende der wirtschaftlichen Nahrungskette in diesem Metier: Den vertragslosen Fussballern, die sich unter Anleitung des früheren Super-League-Stürmers João Paiva in Glattbrugg fit halten und auf bessere Zeiten hoffen.

Die Sportanlage Au ist in diesen Tagen die Anlaufstelle für jene, die das sich rasant drehende Karussell Profifussball zumindest temporär abgeworfen hat, für die Gestrandeten. Viel weiter weg vom EM-Glamour kann man nicht sein, Glattbrugg im Juli bedeutet Existenzkampf statt Millionenverdienst.

Knapp zwei Dutzend Akteure dirigiert Paiva an diesem Vormittag, unter ihnen tummelt sich Prominenz, Gambias Captain Pa Modou etwa, bis vor einem Jahr beim FC Zürich engagiert. Der frühere FCL-Offensivspieler Eric Tia. Bryan Verboom, der beim FC Aarau ausgemusterte Linksverteidiger. Bis vor wenigen Tagen war der zuletzt in Rumänien aktive Goran Karanovic da, ehe er offenbar einen neuen Verein fand. Ivan Audino, früher in Aarau und Wil unter Vertrag, meldet sich ab, weil er zum Probetraining nach Malta fliegt.

Ivan Audino (oben), hier 2017 im Zweikampf mit Gilles Yapi.
Ivan Audino (oben), hier 2017 im Zweikampf mit Gilles Yapi.
Bild: KEYSTONE

«Viele Spieler, die einem Challenge-League-Klub helfen können»

Am Mittagstisch erhält Paiva eine Nachricht: Der Transfer klappt nicht, Audino steht für die nächsten Testspiele der Spielergewerkschaft Safp zur Verfügung. Das gilt auch für Rafael Zbinden und Albin Sadrijaj, die zuletzt in Kriens spielten. Bei einer Portion Schnitzel mit Spaghetti und Salat sagt Paiva, in seinem täglich wechselnden, wild zusammengewürfelten Kader gebe es «viele Spieler, die einem Challenge-League-Klub helfen können».

Paivas Aufgabe ist es, die Spieler in diesem Sommer in Schuss zu halten, körperlich und mental. Die Arbeitssuche kann desillusionierend sein, deshalb sagt der Portugiese: «Meine Aufgabe ist es auch, positive Energie zu verbreiten. Der vertragslose Zustand ist keine Schande, er ist absolut normal, ein Teil des Geschäfts. Schauen wir Lionel Messi an, dem geht es gleich.»

Wobei Messi die eine oder andere Million auf dem Konto hat. Und es bei den Gefährten von Glattbrugg teilweise darum geht, wie man im nächsten Monat die Miete zahlt. Paiva sagt: «Es hat Spieler darunter, die in der Challenge League 900 Franken verdient haben. Das ist einfach die Realität.»

Paiva berichtet von hoffnungsvollen Spielern aus dem Amateurfussball, die ihre Karriere während der Pandemie beendet haben, weil ihnen die Perspektive fehlte. Er sagt:

«Es gibt Spieler, wirklich gute Fussballer, die lieber auf den Bau oder ins Büro gehen, weil sie dort einfach mehr verdienen.»

Paiva muss es wissen: Er coachte bis vor kurzem den Zürcher Erstligisten FC Dietikon und macht sich selber Gedanken um die Zukunft, jetzt, mit 38 Jahren. Er berichtet von Gesprächen mit einem Challenge-League-Verein, die nicht zum Erfolg geführt hätten, und sagt: «Ich will in den Profibereich. Und wenn es nicht klappt, mache ich halt etwas anderes, vielleicht im Bereich Management.»

Nicht alle finden einen Verein

Es ist der gleiche Wunsch, den auch die Spieler in Glattbrugg hegen. Nicht alle werden Unterschlupf finden, Paiva weiss das. Er sagt: «Manche musst du aus ihren Träumen wachrütteln. Das ist das Blöde an diesem Job.» Aber noch hoffen sie alle auf ein besseres Morgen, die Transferperiode hat erst gerade begonnen. Paiva lobt den Spirit der Gruppe, er sagt: «Es gibt viele Egoisten im Fussball. Aber hier ist eine Gemeinschaft entstanden. Man hilft und respektiert einander. Solidarität ist so wichtig, der EM-Achtelfinal der Schweiz gegen Frankreich hat das wieder einmal aufgezeigt.»

Die EM, sie ist auch in Glattbrugg das vorherrschende Thema, man diskutiert über Aufstellungen und Taktik. Der grosse Fussball: Er ist hier so nah und doch so fern.

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