«Will das live sehen»: Seferovic über Bosniens WM-Traum und Duell mit der Schweiz
Die Freude ist grenzenlos. Ganz Bosnien feiert die Qualifikation für die WM. Die Menschen in Sarajevo feiern bis tief in die Nacht. Die WM 2026 wird die zweite für Bosnien nach 2014.
Einer, der die Bilder aus der Ferne genaustens verfolgt hat, ist Haris Seferovic. Der mittlerweile 34-Jährige ist eine Schweizer Nati-Legende. Seine Bilanz: 25 Tore in 93 Länderspielen. Nur sechs Schweizer haben für die Nati mehr Tore geschossen. Seferovic, dank SRF-Kommentator Sascha Ruefer auch als «der Mann aus Sursee» bekannt, hat bosnische Wurzeln.
«Ich habe mich sehr gefreut», sagt Seferovic am Telefon zu CH Media, «dieser Sieg bedeutet für Bosnien sehr viel mehr als nur die WM-Qualifikation. Er tut der ganzen Gesellschaft gut. Noch immer sind nicht alle Narben des Balkan-Krieges verheilt. Schön, hat das gesamte Land wieder einmal Grund, so richtig zu feiern.»
«Möge der Bessere gewinnen …»
Für Seferovic wird das Duell zwischen der Schweiz und Bosnien an der WM «sehr, sehr speziell», wie er sagt. «Das möchte ich mir nicht entgehen lassen. Ich versuche, Tickets zu kaufen und das Spiel live im Stadion von Los Angeles zu sehen.» Und für wen schlägt sein Herz? «Möge der Bessere gewinnen …»
Aktuell spielt Seferovic in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei United FC. In Dubai ist er täglich mit dem Krieg konfrontiert. «Wir hören immer wieder Dinge», sagt er. Aber er fügt auch an: «Es ist nicht so, dass wir ständig Angst hätten. Die Regierung macht einen super Job. Fussball-Trainings und Meisterschaft laufen weiter. Für die Kinder wurde umgestellt auf Online-Schule.»
Seferovic wohnt mit seiner Frau und den beiden Töchtern in unmittelbarer Nähe von Dubai. «Viele Touristen sind derzeit nicht mehr hier. Aber die Versorgung ist weiterhin ganz ok. Es gibt keine Essensknappheit.»
Tabakovic im Fokus
Der Held von Bosnien heisst Haris Tabakovic. Mit seinem Tor beginnt der italienische Sturz ins Tal der Tränen. Pikant: Für die Schweiz war Tabakovic nicht gut genug. Nun trifft der 31-Jährige mit Bosnien an der WM ausgerechnet auf die Nati. Aber wie ist es dazu gekommen?
Aufgewachsen in Grenchen, verbringt Tabakovic seine Juniorenzeiten bei YB. Den Durchbruch schafft der 1,96m grosse Stürmer nicht. Genauso wenig wie später bei GC. Also verlässt Tabakovic Ende der Saison 2016/17 die Schweiz.
In den Niederungen der Ligen von Ungarn und Österreich findet Tabakovic sein Glück. Plötzlich schiesst er unzählige Tore. Über Austria Wien schafft er den Sprung zu Hertha BSC Berlin. Mittlerweile spielt er bei Borussia Mönchengladbach. Auch in dieser Saison hat er bereits wieder 11 Bundesliga-Tore erzielt. Das sind einige mehr als jeder Schweizer Nationalspieler in den Top-Ligen.
In der U21 spielt Tabakovic noch für die Schweiz. 2015 absolviert er gar ein Spiel im roten Trikot gegen Bosnien.
Fürs Schweizer A-Team wird er danach nie aufgeboten. Der Kontakt wird auch nicht intensiviert, als Tabakovic in Deutschland immer mehr Tore erzielt. Im November 2023 vollzieht Tabakovic den Nationenwechsel und debütiert für seine zweite Heimat Bosnien.
Beeindruckend ist der Lauf von Tabakovic seit letztem Herbst. Vier Tore in fünf Länderspielen. Und nun die WM-Qualifikation als Lohn. Die Party-Nacht in Sarajevo bleibt für ganz viele Bosnier unvergesslich.

