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ARCHIV - ZUM KEYSTONE-SDA SPORT-TEXT UEBER DIE CHAMPIONS LEAGUE-QUALIFIKATION ZWISCHEN DEM FC THUN UND MALMOE FF STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - JAHRESRUECKBLICK 2005 - SPORT - DER FC THUN BEJUBELT DEN SIEG UEBER MALMOE: Thun's players celebrate with their fans, after their 3:0 victory after the UEFA Champions League, third qualifying round second leg soccer match opposing FC Thun to Malmoe FF in the Stade de Suisse Wankdorf in Bern, Switzerland, Tuesday, August 23, 2005. Thun qualified for the Champions League at a total score of 4:0. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

2005: Der FC Thun jubelt über den Einzug in die Champions-League-Gruppenphase. Bild: KEYSTONE

Als der FC Thun Europa verblüffte, Millionen einsackte – und Chaos folgte

Vor knapp 15 Jahren schreibt der FC Thun das erstaunlichste Kapitel seiner Vereinsgeschichte. Im ausverkauften Stade de Suisse zieht er mit dem 3:0 gegen Malmö in die Champions League ein.



Andres Gerber, der heutige Sportchef und damalige Captain des FC Thun, nannte die Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League «eine der grössten Sensationen im europäischen Fussball».

Die Berner Oberländer kamen nicht nur aus einer relativ kleinen Stadt und hatten keinen einzigen Titel vorzuweisen, sie waren auch noch im Massstab des europäischen Fussballs mausearm. Kaum ein anderer Klub dürfte zuvor oder danach mit einem Budget von 5.5 Millionen Franken die Gruppenphase der Champions League bestritten haben.

Eldin Jakupovic of FC Thun celebrates after the Group B UEFA Champions League soccer match between Czech team Sparta Prague and Swiss team FC Thun played in Prague, Czech Republic on Wednesday, Dec. 7, 2005. Thun tied with Sparta 0-0 and advanced to UEFA Cup from third position in the Group B. (KEYSTONE/AP Photo/Petr David Josek)

Eldin Jakupovic war damals kaum zu bezwingen. Bild: AP

Der FC Thun faszinierte mit seinem steilen Aufstieg einige Wochen lang ganz Europa: 1997 Promotion in die NLB, 2002 Aufstieg in die Super League, 2005 Meisterschafts-Zweiter und einige Monate später diese traumhafte Qualifikation. Dank dem überragenden Goalie Eldin Jakupovic wurde Dynamo Kiew eliminiert und dann mit Malmö ein machbares Los gezogen.

«Wir haben mit wenig Geld, aber viel Arbeit Erfolg. Das gefällt den Leuten.»

Silvan Aegerter, Mittelfeldspieler FC Thun 2005

Dabei kam den Thunern entgegen, dass sie im Lostopf die gesetzte Position der geschlagenen Ukrainer übernahmen und so gegen eine ungesetzte Mannschaft antreten durften. Heute würde den Thunern nach dem Exploit gegen Dynamo Kiew gleich nochmals ein Schwergewicht vorgesetzt.

Spätestens nach dem 1:0 in Malmö wurde das Berner Oberland von der Euphorie gepackt. Es gab FC-Thun-Törtchen zu kaufen, ein Grossbildschirm wurde in der Stadt aufgestellt und eine Freinacht bewilligt. «Wir haben mit wenig Geld, aber viel Arbeit Erfolg. Das gefällt den Leuten», sagte der damalige Mittelfeldspieler Silvan Aegerter. Für die Partie im Stade de Suisse wurden 32'000 Tickets abgesetzt. Dass schliesslich einige Plätze frei blieben, lag an den Umständen im Berner Oberland.

Premiere im Stade de Suisse

Während die Spieler des FC Thun sich auf den Match vorbereiteten, brach über die Region nämlich sintflutartiger Regen aus und sorgt für das Jahrhunderthochwasser. Der Thunersee stieg am 22. August 2005, am Tag vor der Partie, so stark an, dass das Stadion Lachen, damals die eigentliche Heimstätte des FC Thun, unter Wasser stand.

The Lachen soccer stadium of the FC Thun is completely flooded in Thun, Switzerland, Tuesday, August 23, 2005. After several days of continuous rainfall several rivers and lakes in central Switzerland have inundated large areas of the country. FC Thun plays its third round Champions League qualifyer match against FC Malmoe later today, luckily the match will take place in the Stade de Suisse Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

August 2005: Das Thuner Lachenstadion steht unter Wasser. Bild: KEYSTONE

An die geplante Übertragung auf Grossbildschirm war nicht mehr zu denken, auch die Freinacht fiel aus. Einige Dörfer im Berner Oberland waren durch die Unwetter abgeschnitten.

Das Stade de Suisse war am Matchabend – es war erst der zehnte Europacup-Auftritt der Thuner – trotzdem rot-weiss. 31'243 Zuschauer fanden den Weg ins Stadion, das erstmals seit der Eröffnung einige Wochen zuvor ausverkauft war. Schon zur Pause befand sich die Mannschaft dank der 2:0-Führung auf Kurs.

So blickte das SRF zurück auf die Thuner Euphorie. Video: SRF

Nach einer guten Stunde sorgte Mauro Lustrinelli mit einem herrlichen Weitschuss aus 35 Metern für den Schlussstand. Der Weg für weitere Höhepunkte im Stade de Suisse war geebnet: Auch gegen Arsenal, Ajax Amsterdam und Sparta Prag waren in der Gruppenphase mehr als 30'000 Fans im Stadion. Als Gruppendritter qualifizierte sich Thun sogar noch für Sechzehntelfinals im UEFA-Cup gegen den Hamburger SV.

Entlassungen und Exodus

Es wäre übertrieben zu sagen, dass auf den Aufstieg der Fall folgte. Aber wahr ist, dass der FC Thun nach der Champions League ins Schlittern geriet. Zwischen der deutlich verlorenen Abstimmung für einen Stadionneubau und der UEFA-Cup-Partie gegen Hamburg wurde im Februar 2006 Trainer Urs Schönenberger entlassen.

«Es gab nur noch zwei Themen: Geld und Medien»

Kurt Weder, Präsident FC Thun 2005

Einen guten Monat zuvor war schon Sportchef Werner Gerber entmachtet worden. Die beiden gerieten sich immer wieder in die Haare, wenn es darum ging, was mit den Zusatzeinnahmen von über zehn Millionen Franken geschehen sollte.

ARCHIV - ZUM KEYSTONE-SDA SPORT-TEXT UEBER DIE CHAMPIONS LEAGUE-QUALIFIKATION ZWISCHEN DEM FC THUN UND MALMOE FF STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Thun's coach Urs Schoenenberger, right, hugs his top scorer Mauro Lustrinelli after Thun's 3:0 victory after the UEFA Champions League, third qualifying round second leg soccer match opposing FC Thun to Malmoe FF in the Stade de Suisse Wankdorf in Bern, Switzerland, Tuesday, August 23, 2005. Thun qualified for the Champions League at a total score of 4:0. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Kurz nach dem Europa-Märchen verliess Mauro Lustrinelli Thun und Trainer Urs Schönenberger wurde entlassen. Bild: KEYSTONE

«Es gab nur noch zwei Themen: Geld und Medien», sagte der damalige Präsident Kurt Weder ziemlich genau ein Jahr nach dem europäischen Höhenflug. Im September 2006 war der FC Thun Letzter der Super League und besass nur noch fünf Spieler im Kader, die gegen Malmö in der Startformation gestanden hatten.

Die meisten Champions-League-Helden hatte es in alle Himmelsrichtungen verschlagen: nach Moskau (Jakupovic), Bochum (David Pallas), Edinburgh (José Gonçalves) oder Prag (Lustrinelli). Nur einer, Silvan Aegerter, spielte nach dem Thuner Höhenflug nochmals in der Champions League – 2009 mit dem FC Zürich, als sein ehemaliger Klub längst wieder zu seiner Bodenständigkeit gefunden hatte. (abu/sda)

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • StéphaneC 05.05.2020 21:16
    Highlight Highlight In diesem Zusammenhang gilt es - einmal mehr - darauf hinzuweisen, dass es bis dato in der Schweiz nur vier Klubs gibt, welche über Championsleague-Erfahrung verfügen. Ein sehr elitärer Zirkel also! Hervorzuheben ist weiterhin auch die Tatsache, dass eine Qualifikation für die CHL - Gruppenphase vor den Platini'schen Reformen sich ungleich schwieriger gestaltete dazumals.
  • Limpleg 05.05.2020 18:08
    Highlight Highlight Geilste Stimmung ever beim 3:0 gegen Malmö... Und gegen Arsenal war sehr viel Schiripech dabei...
  • aussenrist 05.05.2020 17:25
    Highlight Highlight Die CL 2005 war eine unglaubliche Erfolgsstory!
    Ich war damals in der U-15 vom FCT und durfte in der Gruppenphase Ballboy und "Tuchschwenker" im Mittelkreis zur legendären Hymne sein. =)
    Mit Verlaub ist der FC Thun heute einer der sympathischsten Profivereine der Schweiz!

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