Wie der FCB nach dem Brand trainieren kann und woher er neues Material erhält
Am Freitagabend brannte im Joggeli der komplette Kabinentrakt des FC Basel nieder. Die am Samstag angesetzte Partie der Basler in Thun musste verschoben werden, der Schaden wird auf einen Millionenbetrag geschätzt. Menschen kamen glücklicherweise keine zu Schaden.
Was der Vorfall für einen Einfluss auf den Alltag des FCB hat und was die weiteren Folgen sind. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Wann hat es die Mannschaft erfahren?
Die Spieler des FC Basel trafen am Samstagmorgen im Joggeli ein, um vor der Fahrt nach Thun ihr Abschlusstraining absolvieren zu können. Dort wurden sie über den Vorfall informiert und darüber, dass all ihre Gegenstände verbrannt oder voller Russ sind. Die Spieler lagern in der Kabine nicht nur ihre Fussballschuhe oder Schienbeinschoner, sondern auch private Gegenstände. «Die Kabine ist wie ein zweites zu Hause für sie. Daher hat es auch einen emotionalen Wert, den man nicht wegdenken darf», mahnte daher auch FCB-Sportchef Daniel Stucki.
Wo kann der FC Basel trainieren, beziehungsweise sein Material lagern?
Der FCB hat das grosse Glück, dass er über einen topmodernen Nachwuchscampus verfügt, der nur ein paar Schritte von den Trainingsplätzen der Profis zu finden ist. Die Stiftung Nachwuchscampus, welche diesen Campus betreibt, hat umgehend ihre Hilfe zugesagt. Oder besser: Zugang zu den Plätzen, den Garderoben und den Fitness- und Physioräumen gewährt. So kann der FCB seinen Trainingsbetrieb – unter den gegebenen Umständen – dennoch einigermassen normal und vor allem professionell weiterführen.
Die Spieler der 1. Mannschaft kennen das Gelände, während der kalten Monate wird oft dorthin ausgewichen, weil der Campus über einen beheizten Platz verfügt. Und auch im vergangenen Sommer, als die Profis ihre Kabine aufgrund der Frauen-Europameisterschaft räumen mussten, bezogen sie bereits auf dem Campus Quartier.
Büroräumlichkeiten sind ebenfalls genügend vorhanden, damit auch der Staff der ersten Mannschaft einen Platz hat, an dem gearbeitet werden kann. Auch dies ist nicht zu unterschätzen. Cheftrainer Stephan Lichtsteiner kennt diese Büros ebenfalls bestens, war er doch vor seiner Zeit bei Wettswil-Bonstetten im Nachwuchs des FCB engagiert.
Damit steht einer Wiederaufnahme des ordentlichen Trainingsbetriebs am Montag diesbezüglich nichts im Weg.
Woher kriegt der FCB sein Ersatzmaterial her?
Während der Umzug auf den Campus speditiv und unkompliziert bewerkstelligt werden kann, ist die Suche nach Ersatzmaterial schwieriger. Trikots könnten aus dem Fanshop oder aus anderen Sportartikel-Läden zusammengesammelt und neu beflockt werden. Auch das medizinische Material sollte relativ einfach ersetzbar sein. Sämtliche Daten und Analysen – zur Fitness der Spieler, zum Gegner – sind im besten Fall auf einer Cloud gespeichert und könnten auf neue Laptops überspielt werden.
Schwieriger gestaltet sich aber der Ersatz der Bälle und Schuhe. «Wir mussten Bälle von anderen Klubs erfragen, um Super-League-taugliche zu haben», so Stucki. Da die Wege in der Schweiz nicht allzu weit sind, sollte auch dies in nützlicher Frist geklärt worden sein.
Bei den Schuhen ist es etwas komplizierter. Die meisten Spieler haben kein einziges Paar mehr, weil auch die Ersatz-Stücke verbrannt oder voller Russ sind. Wer zu Hause noch ein Paar herumliegen hat, hat dieses kaum eingetragen. «Mit nicht eingelaufenen Schuhen ist es unmöglich, einen Match zu spielen», so Stucki, der das Schuhwerk als Hauptproblem festmachte, wenn es darum ging, wieso die Partie gegen Thun verschoben werden musste.
Um immerhin im Training ein Pärchen anschnüren zu können, wurden die Profis am Samstag mit der Aufgabe betraut, für sie passende Schuhe aufzutreiben – sowohl Fussball- als auch Laufschuhe. Diverse Spieler, unter ihnen Albian Ajeti, Kevin Rüegg oder Marin Soticek, aber auch Staff-Mitglieder wie Assistenz-Coach Luigi Nocentini und Goalie-Trainer Gabriel Wüthrich suchten im «11teamsports Store» in Muttenz nach Ersatz, wie Bilder zeigen, die in den sozialen Medien kursieren.
Bis die Nachholpartie am Samstag stattfindet, dürften die Profis wohl wieder mit Schuhen ihrer jeweiligen Sponsoren ausgestattet sein.
Ist das an den Kabinentrakt angrenzende Shoppingcenter ebenfalls betroffen?
Jein. Das Shoppingcenter konnte am Samstag normal geöffnet werden, der Brand ist räumlich effektiv nur auf den Kabinentrakt des FCB beschränkt. Jedoch wurden an einigen Stellen im Shoppingcenter Fangbecken für Wasser aufgestellt – so vor dem «Fust» und dem «Coop». Von den Decken tropfte dort Löschwasser, welches beim Einsatz der Feuerwehr-Einsatzkräfte am Vorabend in den einen Stock über besagten Läden situierten Kabinen eingesetzt wurde. Besucher des Shoppingcenters berichteten von einem starken Geruch, der vernommen werden kann.
Wie geht es für den FCB weiter?
Momentan heisst es: Geduld haben. Erst wenn die Forensik alle Untersuchungen abgeschlossen hat, kann die effektive Ursache – wohl ein Brand im Saunabereich – bestätigt werden. Auch dann erst ist klar, wie hoch der Schaden effektiv sein wird. Für die Spieler und den Staff geht es nun darum, sich ein zweites Mal und trotz der Umstände so gut wie möglich auf das Nachholspiel vom Samstag vorzubereiten.
Ob das eine Woche später angesetzte Spiel zu Hause im Joggeli gegen Sion wird stattfinden können, wird sich ebenfalls erst zeigen. Die vom FCB extra ins Leben gerufene Taskforce wird in den nächsten Tagen und Wochen alle Hände voll zu tun haben.

