23 wunderbare Bilder und Anekdoten von Olympia 1956
Geht ja gleich gut los! Bei der Eröffnungsfeier stolpert Guido Caroli mit der olympischen Flamme in der Hand über ein Kabel. Er rappelt sich auf – und entzündet das olympische Feuer.
Jahre später schildert Caroli den Vorfall so: «Ich hatte das Kabel bei der Probe am Vortag bemerkt. Der Chef der Eröffnungsfeier versprach mir, dass man es entfernen würde. Doch dann war es in der Nacht so kalt, dass der Stecker festfror. Niemand konnte ihn entfernen. Leider dachte auch niemand daran, mich vor dem Kabel auf dem Eis zu warnen.»
Im spektakulären Eisstadion finden rund 12'000 Zuschauer Platz. In dieser Finalrunden-Partie sehen sie, wie Kanada aus Westdeutschland Kleinholz macht und 10:0 gewinnt. Die «Ahornblätter» holen Bronze, Gold geht erstmals an die Sowjetunion. Die Schweiz kann nur Österreich schlagen und wird Vorletzte.
«Soldaten sind überall auf der Welt gleich», heisst es in der originalen Bildlegende zu diesem Foto. Italienische Soldaten umschwärmen Eiskunstläuferin Tenley Albright, die als zweifache Weltmeisterin antritt. Die 20-jährige Amerikanerin hält dem Druck Stand und wird in Cortina Olympiasiegerin. Die Soldaten sind da, weil sie mit vielen Lastwagen Schnee nach Cortina bringen, denn der Winter 1956 ist ein aussergewöhnlich schneearmer.
Bis zur Erfindung der Kippstangen sollten noch mehr als zwei Jahrzehnte vergehen. Der Neuenburger Georges Schneider hat mit dicken Stecken zu kämpfen. Er war 1950 Slalom-Weltmeister geworden, bis 2025 und zum Titelgewinn von Loïc Meillard als bisher letzter Schweizer. In Cortina wird Schneider Fünfter.
Mit dieser «Hocke» gewinnt man 1956 Abfahrts-Silber. Frieda Dänzer, eine Berner Oberländer Bauerntochter, wird nur von der Waadtländerin Madeleine Berthod geschlagen – aber das gleich um 4,7 Sekunden.
Einen spektakulären Abgang legen im Training die beiden Spanier Alfonso de Portago – der auch in der Formel 1 für Ferrari fuhr – und Vicente Sartorius y Cabeza de Vaca hin. Die beiden Adligen überstehen ihn unverletzt – und verpassen im Wettkampf als Vierte das Podest nur um 14 Hundertstel. So jubelt Schweiz I mit Max Angst und Harry Warburton über die Bronzemedaille.
Der grosse Star der Spiele zeigt, was er nach Österreich nach Hause mitnimmt. Der 20-jährige Toni Sailer gewinnt alle drei Alpin-Bewerbe. Der «Schwarze Blitz aus Kitz» dominiert die Konkurrenz nach Belieben: Abfahrts-Gold holt Sailer mit einem Vorsprung von 3,5 Sekunden, im Slalom ist er 4 Sekunden schneller als der Rest und im Riesenslalom 6,2 Sekunden.
Was für Tage für Hallgeir Brenden! Erst triumphiert der norwegische Langläufer im Rennen über 15 Kilometer, dann drückt ihm niemand anderes als Filmstar Sophia Loren einen Kuss auf die Wange.
Und aus welchem Fenster klettert Brenden hier? Gemäss der Legende der Bildagentur flüchtet er so vor aufdringlichen Autogrammjägern. Oder versucht er, unbemerkt aus Lorens Zimmer zu verduften?
Die Eisschnelllauf-Bewerbe finden vor spektakulärer Bergkulisse auf dem Lago di Misurina statt. Niederländer nehmen zwar teil, gewinnen aber keine Medaillen. Gold geht an die Sowjetunion (vier) und nach Schweden (eine).
Sex sells – das gilt damals wie heute. Ein Model posiert in Cortina in einem Badeanzug vor einem Eisfall.
Tollkühne Männer in ihrer fliegenden Kiste: Schweiz 1 rast im Viererbob zur Goldmedaille. Franz Kapus pilotiert Gottfried Diener, Robert Alt und Heinrich Angst.
Den Paarlauf beim Eiskunstlauf gewinnt das österreichische Duo Sissy Schwarz und Kurt Oppelt. Sie sind nicht im Bild, dafür die Wertungsrichter, die ihre Benotung präsentieren.
Besonders gut gefüllt ist die Tribüne nicht, als Veikko Hakulinen als Silbermedaillengewinner über 50 Kilometer ins Ziel läuft.
Sixten Jernberg kehrt mit vier Medaillen nach Schweden zurück. Der Langläufer triumphiert über 50 Kilometer, gewinnt über 15 und 30 Kilometer jeweils Silber und mit der Staffel Bronze.
Auf einen Helm wird 1956 noch verzichtet. Dafür läuft der Schwede Lasse Björn mit einer Sonnenbrille auf.
Fans bitten die 19-jährige Jill Kinmont um ein Autogramm. Die Amerikanerin kann in Cortina nur als Zuschauerin dabei sein: Im Winter zuvor war die nationale Slalom-Meisterin in einer Abfahrt in einen Baum geprallt. Seit diesem Unfall ist Kinmont querschnittgelähmt. Ihre Lebensgeschichte kommt später ins Kino, Hauptdarstellerin Marilyn Hassett gewinnt einen Golden Globe.
Bis zur Entwicklung des heute gebräuchlichen V-Stils dauert es 1956 noch Jahrzehnte. Die meisten springen so wie Conrad Rochat: mit parallel geführten Skis und mit den Armen nach vorne. Der Jurassier wird 40., Andreas Däscher auf Rang 6 ist beim Olympiasieg des Finnen Antti Hyvärinen der beste Schweizer.
Viel Volk beim Skispringen, wo der weiteste Flug an diesem Tag 84 Meter weit geht. Detail am unteren rechten Bildrand: Die Athleten müssen zu Fuss nach oben.
Prinzessin Birgitta von Schweden (Zweite von links) lässt sich von schwedischen Langläuferinnen die Strecke erklären. Ob sie ihnen Tipps gibt, wo sie am besten attackieren? Fakt ist: Das Trio Irma Johansson, Anna-Lisa Eriksson und Sonja Edström gewinnt nach der adligen Visite in der Staffel die Bronzemedaille.
Denis Brodeur – beim Namen von Kanadas Nummer 1 klingelt's. Er ist der Vater von Martin Brodeur, der als Goalie mit drei Stanley-Cup- und zwei Olympiasiegen einer der grössten seiner Zunft ist. Dem Vater reicht es 1956 für die Bronzemedaille.
Aus heutiger Sicht kaum zu glauben: Spaghetti sind 1956 für Norweger exotisch. Sie kommen im hohen Norden erst ein paar Jahre später an. Den Eisschnellläufern Knut Johannesen, Roald Aas und Alv Gjestvang scheint das fremde Essen zu schmecken.
Ganz schön anstrengend, so ein Dasein als Eisbär im Dienste der fünf Ringe!
