Sport
International

Entführung? Belarussische Sprinterin Timanowskaja in Obhut der Polizei

Krystsina Tsimanouskaya, of Belarus, runs in the women's 100-meter run at the 2020 Summer Olympics, Friday, July 30, 2021. Tsimanouskaya alleged her Olympic team tried to remove her from Japan in ...
Für Kristina Timanowskaja sind die Olympischen Spiele vorbei – unfreiwillig.Bild: keystone

Versuchtes Staats-Kidnapping? Belarussische Sprinterin in Obhut der japanischen Polizei

02.08.2021, 07:3502.08.2021, 10:17

Die belarussische Leichtathletin Kristina Timanowskaja hätte heute in den Vorläufen über 200 Meter antreten sollen. Doch dazu kam es nicht. Wie das belarussische olympische Komitees mitteilt, sei die Sprinterin von einem Arzt untersucht worden und aufgrund ihrer «emotional-psychischen Verfassung» nicht einsatzfähig.

Timanowskaja bestreitet und bezeichnet diese Darstellung als «Lüge». Sie sagt, man wolle sie von den Olympischen Spielen entfernen, weil sie belarussische Sportfunktionäre kritisiert habe. Einem Radiosender erzählt sie: «Funktionäre unserer Delegation haben mir einfach gesagt, meine Sachen zu packen und nach Hause zu fliegen.» Doch am Flughafen angekommen, setzt sich Timanowskaja zur Wehr.

Sie weigert sich, am Sonntag um 22.50 Uhr in die Turkish-Airlines-Maschine nach Istanbul zu steigen. Timanowskaja wendet sich an das Internationale Olympische Komitee: «Ich bitte das IOC um Hilfe. Auf mich wird Druck ausgeübt, sie versuchen, mich ohne meine Zustimmung aus Japan wegzubringen. Ich hoffe, dass das IOC interveniert.»

Die japanische Polizei reagiert und nimmt Timanowskaja in Schutzgewahrsam. Auch das IOC und die Organisatoren in Tokio sprechen daraufhin mit ihr. «Ich bin in Sicherheit, und es wird gerade entschieden, wo ich die Nacht verbringen werde», erklärt die Sprinterin am späten Sonntagabend über die Belarussische Sport-Solidaritäts-Stiftung (BSSF), die oppositionelle belarussische Athleten vertritt. Die BSSF spricht vom Versuch einer «gewaltsamen» Ausreise.

«Ich mache mir Sorgen um meine Sicherheit. Und ich denke, dass es im Moment in Belarus für mich unsicher ist», sagt Timanowskaja noch am selben Abend in einem Interview gegenüber «byTribuna». Die Belarussin wolle um Asyl in Europa bitten und sich dafür an die österreichische Botschaft in Tokio wenden.

Auch Tschechien ist bereit zu helfen: Aussenminister Jakub Kulhanek verkündet auf Twitter: «Wir bieten Kristina Timanowskaja ein Visum und internationalen Schutz an. Auch unsere Botschaft in Tokio ist bereit zu helfen.» Was mit der Sprinterin passiere, sei ein Skandal, erklärt Kulhanek.

«Das ist ein weiterer Beweis für die Unmenschlichkeit und Unzulänglichkeit des Regimes», sagte die gewählte, im Exil lebende belarussische Präsidentin Swetlana Tichanowskaja zur «Bild». (abu)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Bilder der Olympischen Spiele 2020 in Tokio
1 / 96
Die besten Bilder der Olympischen Spiele 2020 in Tokio
Eintauchen und geniessen! Eindrückliche, besondere und schöne Bilder der Olympischen Spiele 2020 in Tokio.
quelle: keystone / martin meissner
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Nico «surft» mit Legende Robby Naish – und weiss nicht mehr, wo oben und unten ist
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
TikTok-Gründer ist dank KI-Boom reichster Mann Chinas
TikTok-Gründer Zhang Yiming hat Dank des Booms bei Künstlicher Intelligenz in einem Ranking den Spitzenplatz als reichster Mann Chinas zurückerobert. Das Vermögen des 43-Jährigen werde auf 99,7 Milliarden US-Dollar, geschätzt, was 43 Prozent über dem Vorjahreswert liege, teilte die in Shanghai ansässige Forschungsinstitut in seinem «Hurun»-Report mit.
Zur Story