Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Lara Gut of Switzerland is pictured during a press event of the FIS Alpine Ski World Cup season in Soelden, Austria, on Thursday, October 25, 2018. The Alpine Skiing World Cup season 2018/2019 will be opened this weekend in Soelden, the traditional start of the FIS Ski World Cup. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Lara Gut will mit Doppelnamen noch einmal voll angreifen. Bild: KEYSTONE

Lara Gut-Behrami über ihr neues Leben: «Es gibt Wichtigeres als Siege»

Beziehung, Heirat, Rückzug aus den sozialen Medien und Doppelname: Lara Gut-Behrami hat ihr Leben umgekrempelt. Im Gespräch erklärt sie, wie es gelungen ist, sich aus dem Hamsterrad zu befreien.



Lara Gut-Behrami, vor einem Jahr gaben Sie in Lake Louise Ihr Comeback nach dem Kreuzbandriss im linken Knie und blickten auf eine schwierige Zeit zurück. Seither hat sich viel getan in Ihrem Leben. Warum ist es Ihnen wichtig, im Weltcup nun mit Lara Gut-Behrami angesprochen zu werden?
Mir wurde bewusst, dass sonst etwas fehlt. Ich bin nicht mehr Lara Gut. Ich bin die Tochter meiner Eltern und gleichzeitig stolz auf die Heirat. Und darum will ich so, mit dem Doppelnamen, am Start stehen.

Sie sagen, früher habe sich bei Ihnen alles ums Gewinnen gedreht. Wie ist es gelungen, sich aus diesem Hamsterrad zu befreien?
Erstens hat mich die Verletzung daraus herausgerissen, und zweitens habe ich in Valon jemanden gefunden, der mir zeigte, dass es noch anderes gibt. Er hat mir geholfen, mich zu verändern, mich weiterzuentwickeln und mich auch besser zu verstehen. Dank ihm wurde mir bewusst, dass ich das Skifahren zwar liebe, dass es aber viel mehr gibt als das. Durch ihn merkte ich, dass ich mich selbst eingeschränkt habe und meine Zufriedenheit nur vom Siegen abhing.

Bild

Die Hochzeit mit Valon Behrami hat das Leben von Lara Gut-Behrami auf den Kopf gestellt. bild: instagram

Ihnen fehlte der Ausgleich?
Rückblickend realisiere ich, dass ich mich in einem Tunnel befunden habe. Ich war einzig auf den Erfolg fokussiert. In alles andere wollte ich keine Energie investieren, dabei hätte mir das geholfen. Irgendwann reicht es nicht mehr, im Sport gut zu sein, um als Mensch glücklich zu sein. Je erwachsener ich wurde, desto grösser wurde das Bedürfnis nach anderem. Auch als Athlet geht es dir dann gut, wenn es dir als Mensch gut geht.

«Es fehlte mir die Lockerheit. Ich erkannte nicht, dass es okay ist, zu scheitern, solange ich alles versucht habe.»

Lara Gut-Behrami

Brauchte es diesen Sturz beim Einfahren zur WM-Kombination in St.Moritz Anfang 2017, um das zu realisieren?
Wahrscheinlich schon. Ich war so fokussiert, dass ich es nicht merkte. Die Verletzung stellte sich als Chance heraus, dank ihr machte ich menschlich einen riesigen Schritt vorwärts. Nun kann ich ein schlechtes Rennen leichter abhaken. Das merkte ich auch in den beiden Riesenslaloms diese Saison, die nicht nach Wunsch liefen. Ich brauche jetzt weniger Zeit, um mir bewusst zu machen, was für ein Glück ich habe mit meinem Leben. Auch weiss ich, dass Leidenschaft und Arbeit mich wieder zum Erfolg führen werden.

Waren Sie zu verbissen?
Ab und zu schon. Es fehlte mir die Lockerheit. Ich erkannte nicht, dass es okay ist, zu scheitern, solange ich alles versucht habe. Jetzt denke ich: Ein Sieg weniger ist mir lieber, wenn ich dafür meine Karriere geniessen und mein Leben mit der Familie und dem Ehemann teilen kann. Es gibt Wichtigeres als Siege. Heute geht es mir bedeutend besser als vor einem Jahr. Damals kam ich aus einer schwierigen Zeit nach Lake Louise, speziell in den Monaten bis zur Verletzung hatte ich zu kämpfen. Ich freue mich richtig, dass sich vieles in meinem Leben zum Guten entwickelt hat und dass ich Ski fahren darf. Ich empfinde meine aktuelle Situation als grosses Glück.

Die Skifahrerin Lara Gut posiert mit Fans am Samstag, 16. April 2016, im Kongresszentrum von Lugano fuer ein Selfie. Rund einen Monat nach ihrem Sieg im Gesamtweltcup ist Ski-Star Lara Gut fuer einen grossen Empfang ins Tessin gekommen. Am Morgen wurde sie von drei Tessiner Staatsraeten in Bellinzona empfangen, am Nachmittag stand in Lugano der

Lara Gut-Behrami posiert für ein Foto mit ihren Fans. Bild: TI-PRESS

Als Skirennfahrerin muss man Risiken eingehen. Wie beeinflusst die neue Sichtweise Ihre Risikobereitschaft?
Überhaupt nicht. Ich will immer noch gewinnen, bin erfahren und kenne die Strecken. Ich habe einfach mehr Freude und will die Momente noch intensiver ausleben.

Wie hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie mit Valon Behrami zusammen sind?
Völlig, zum Glück. Wir sind jetzt zu zweit, und Valon hat zwei Töchter (Isabel, 9, und Sofia, 2 – die Red.), für die wir beide das Beste wollen. Sie kamen für mich aus dem Nichts, aber es fühlt sich wie meine eigene Familie an. In Valon fand ich einen Menschen, der viel Ähnliches erlebt hat wie ich. Einen, der mich spürt und der mir die Kraft gibt, mich zu wehren. Er sagt mir: 'Sag, was du fühlst, ohne dieses Wenn und Aber. Hau wenn nötig die Faust auf den Tisch.' Früher wollte ich es allen recht machen. Dabei plagte mich ständig das Gefühl, es doch nicht zu schaffen. Wenn jemand Rot hören wollte, getraute ich mich nicht Weiss zu sagen, und wenn jemand Weiss hören wollte, hatte ich das Gefühl, ich dürfe nicht Schwarz sagen.

Bild

Valon und Lara – ein Herz und eine Seele. bild: instagram

Und heute?
Wenn meine innere Stimme jetzt Weiss sagt, dann sage ich Weiss. Die, die anders denken, müssen meine Meinung akzeptieren. Diese Herangehensweise macht es mir viel leichter. Die Dinge beschäftigen mich nicht mehr über Tage hinweg. Dass ich nicht happy bin, wenn ich Zweite bin, ist klar. Jeder gewinnt lieber.

Konnten Sie die bisherigen Rennen der Saison mehr geniessen als früher?
Ganz anders war es nicht. Ich spürte einfach, dass ich wieder mehr Freude hatte, dass ich glücklich bin, auch wenn es nicht nach Wunsch lief. Letzte Saison war der Riesenslalom ein einziger Kampf. Die Ergebnisse stimmten nicht. Aus der Krise kommst du nur, wenn du die Situation akzeptierst und hart arbeitest. Ich weiss, dass ich es nicht verlernt habe und eine neue Chance erhalte.

Sehenswert:

abspielen

Die SRF-DOK über Lara Gut-Behrami von 2010.  Video: YouTube/Schweizer Radio und Fernsehen

abspielen

«Looking for Sunshine» – der Trailer zum Film über Lara Gut-Behrami. Video: YouTube/Niccolò Castelli

Was brachte sie dazu, sich aus den sozialen Medien zurückzuziehen?
Ich sprach viel mit Valon darüber. Dabei reifte die Erkenntnis, dass zu viel im Leben online stattfand. Ich war ständig auf der Suche nach Sachen, die ich dort noch tun konnte, sass zu oft am Handy. Dabei vergass ich, zu schätzen, was ich im richtigen Leben habe: einen Mann, den ich unendlich liebe und eine unglaubliche Familie. Ich will die Zeit nutzen, das zu geniessen. Mir hatten zuvor schon viele gesagt, dass es Blödsinn ist, so viel online zu sein, und ich wusste es auch selbst. Aber ich war lange zu stur. Jetzt bin ich endlich konsequent.

Alle Schweizer Gesamtweltcupsieger

Unvergessene Ski-Geschichten

Wie der Ski-Salto zu Didier Cuches Markenzeichen wurde: «Fans glaubten, es war geplant»

Link zum Artikel

Eine TV-Drohne kracht um ein Haar auf Marcel Hirscher

Link zum Artikel

Verrückteste Abfahrt aller Zeiten: Markus Foser macht sich mit der Nummer 66 unsterblich

Link zum Artikel

Weil Hermann Maier falsch jubelt, erbt Mike von Grünigen den Sieg

Link zum Artikel

06.03.1994: Heidi Zeller-Bähler stürzt sich aus dem Starthaus, wie vor und nach ihr nie mehr eine Skifahrerin

Link zum Artikel

06.02.1989: Eine deutsche Eintagsfliege vereitelt in Vail einen Schweizer Vierfach-Triumph und wird Abfahrts-Weltmeister

Link zum Artikel

Heinzers Bindung bricht – was für eine Blamage für den Olympia-Favoriten

Link zum Artikel

31.01.1987: So wie in Crans-Montana haben wir die Österreicher nie mehr paniert

Link zum Artikel

23.01.1994: Vreni Schneider steht noch nicht für den Kafi am Pistenrand, sondern ist der Evergreen im Stangenwald

Link zum Artikel

19.01.2013: Nie rast einer schneller über eine Weltcup-Piste als Johan Clarey am Lauberhorn

Link zum Artikel

18.01.1987: Pirmin Zurbriggen kommt zum billigsten Weltcupsieg – er ist der einzige Starter

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Wir haben das erste 5G-Handy der Schweiz ausprobiert – und es ist ziemlich spektakulär

Link zum Artikel

16 Fakten, die wir viel zu spät (ODER ERST JETZT!) gecheckt haben 🤯

Link zum Artikel

Das? Das ist nur die wohl umfangreichste Schatzkarte aller bisherigen Zeiten

Link zum Artikel

25 geniale Erfindungen, die beweisen, dass wir schon in der Zukunft leben

Link zum Artikel

Über Nacht blind – die Geschichte vom Aushängeschild des Zürich Marathons

Link zum Artikel

Tödlicher Hefepilz – warum Candida auris so gefährlich ist

Link zum Artikel

«Die unendliche Geschichte» wird 35 – das wurde aus den Darstellern

Link zum Artikel

Stell dir vor, du bist Anwältin für Menschenrechte und die «Bunte» schreibt über deine Haare

Link zum Artikel

Samsung will nicht, dass du diesen Bericht zum Galaxy Fold siehst

Link zum Artikel

8 Dinge, die jeden Schweizer aus der Fassung bringen. Garantiert!

Link zum Artikel

«Sorry, ich muss heute noch fahren» – aus dem Leben eines Rollstuhlfahrers

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Staedy 29.11.2018 22:57
    Highlight Highlight Weisheiten von Lara hören sich leider nicht überzeugend an. Viel Talent und auch gute Resultate, aber für den ganz grossen Erfolg stand sie sich halt selber im Weg.
  • Hans der Dampfer 29.11.2018 10:29
    Highlight Highlight Ich gönne es Lara wenn sie zufrieden ist und einen Weg gefunden hat mit allem im reinen zu sein. Für mich hört sich das alles irgendwie nach Hirnwäsche an. Würde mich nicht wundern wenn bald diese Saison dann Schluss wäre. Ob Valon eine erfolgreiche Frau neben sich akzeptiert? Na ja, aber geht mich ja auch gar nichts an. Alles gute Lara!
  • John Geilo 29.11.2018 09:27
    Highlight Highlight Bald wird sie sich ganz vom Skisport verabschieden und nur noch die Frau von Behrami sein.

    Ein verschwendetes Talent mehr...

    ...aber als Hausfrau macht sie sicher auch guten Job.

    Ps: ist nicht als Beleidigung gemeint. Das Land braucht gute Hausfrauen!
    • Elsslin die Schachkönigin 29.11.2018 10:50
      Highlight Highlight Deine Meinung sieht vielleicht auf den Ersten Blick Frauenfeindlich aus.

      Ich fühl mich jedoch keineswegs beleidigt durch das Wort Hausfrau, auch wenn ich dafür meine Träume eines eigenen Nagelstudios begraben habe. Der Mann geht vor, das war schon immer so & hat sich bewährt.

      Stark Lara 💁🏻‍♀️ Powerfrau!
    • Olmabrotwurst 29.11.2018 11:48
      Highlight Highlight Häää????
    • John Geilo 29.11.2018 12:29
      Highlight Highlight @Elsslin: Bravo! Du bist noch eine Frau die echte Werte lebt.👍🏼

      @olmabratwurscht: Was genau verstehst du nicht?
    Weitere Antworten anzeigen

«Es ist einfach geil!» Odermatt rast erstmals in seiner Karriere aufs Podest

Der Nidwaldner Marco Odermatt schafft es erstmals in seiner noch jungen Karriere aufs Podium. Im Riesenslalom von Kranjska Gora wird der erst 21-jährige Junioren-Weltmeister Dritter. Odermatt musste sich nur von den beiden Norwegern Henrik Kristoffersen und Rasmus Windingstad geschlagen geben. Kristoffersen errang vor seinem Landsmann Windingstad, der es wie Odermatt erstmals in die Top 3 schaffte, seinen zweiten Saisonsieg, inklusive der WM aber den dritten in Serie. Kristoffersen siegte 24 …

Artikel lesen
Link zum Artikel