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Für die Schweizer Nati gilt an der EM 2024 das Prinzip Hoffnung

Bildnummer: 09214290 Datum: 23.06.2006 Copyright: imago/Future Image
FIFA Fussballweltmeisterschaft 2006 / FIFA Worldcup 2006. Fu
Einstimmen im Biergarten: Wie hier an der WM 2006 werden erneut Zehntausende Fans die Nati nach Deutschland begleiten.bild: imago-images.de
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Für die Schweiz gilt an der EM das Prinzip Hoffnung

Sagen wir's mal so: Die Zuversicht vor einem Fussballturnier war in der Schweiz auch schon grösser. Aber es ist nicht alles schlecht und die Achtelfinals sind ein erreichbares Ziel. Gegen Ungarn startet die Nati heute (15 Uhr) in die EM in Deutschland.
15.06.2024, 05:58
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Der Kontrast könnte nicht grösser sein. Als letztmals ein grosses Fussballturnier in Deutschland stattfand, war die Euphorie in der Schweiz grenzenlos. In epischen Barragespielen gegen die Türkei hatte sich die Nationalmannschaft für die WM 2006 qualifiziert.

Nun gastiert die Fussballwelt erneut in unserem nördlichen Nachbarland, aber euphorisch ist kaum einer zwischen Bodensee und Genfersee. In einer repräsentativen watson-Umfrage glauben je rund ein Drittel an ein Ausscheiden nach der Vorrunde beziehungsweise nach den Achtelfinals.

Switzerland's head coach Murat Yakin, left, and assistant coach Giorgio Contini discuss during a training session at the "Stadion auf der Waldau" in Stuttgart, Germany, Wednesday, June  ...
Murat Yakin und sein neuer Co-Trainer Giorgio Contini.Bild: keystone

Yakin hielt allen Stürmen stand

Für die gedämpfte Stimmung gibt es Gründe. Einerseits hat sich der Anhang daran gewöhnt, WM- oder EM-Teilnehmer zu sein. Andererseits war die Qualifikationsphase in einer selten einfachen Gruppe eine enorm zähe Angelegenheit. Und drittens hallt immer noch die heftige 1:6-Niederlage gegen Portugal im WM-Achtelfinal 2022 nach.

Der Trainer heisst wie damals immer noch Murat Yakin. Er hielt allen Stürmen stand, muss sich nun aber in Deutschland bewähren. Gelingt seiner Mannschaft kein Exploit, oder wenigstens ein couragierter Auftritt, wird Yakin nach dem Turnier nicht mehr Nationaltrainer sein.

Problemzone Sturm

Gegen Ungarn, Schottland und Deutschland muss der frühere Nati-Verteidiger seine Kreativität beweisen. Denn während Yakins Abwehr so sattelfest ist wie die SBB pünktlich, hat seine Offensive mehr mit der Deutschen Bahn gemein. Es deutet nicht besonders viel darauf hin, dass in Deutschland die eidgenössische Version eines Sommermärchens geschrieben wird.

Es sei denn, Yakin gelingt es, den Mangel an treffsicheren Stürmern zu kaschieren. Der Trainer, der auch schon als «Gambler» bezeichnet wurde, ist taktisch variabel. Und mit Giorgio Contini hat er einen neuen Co-Trainer an der Seite, der einst ein erfolgreicher NLA-Stürmer war. Ob das Duo die richtigen Lösungen findet, zeigt sich in den nächsten acht Tagen. Der Auftakt gegen Ungarn wird nach den Eindrücken des Eröffnungsspiels (Deutschland – Schottland 5:1) wohl schon die Schlüsselpartie um Rang 2.

Die Achse als Prunkstück

Was Mut macht, ist das Wissen um eine starke Defensive um Goalie Yann Sommer und Verteidiger Manuel Akanji. In den vier Testspielen in diesem Jahr kassierte die Schweiz nur ein Gegentor. Zusammen mit Captain Granit Xhaka, dem Leitwolf des ungeschlagenen Bundesliga-Champions Bayer Leverkusen, bilden Sommer und Akanji eine Achse, die wohl in jedem der 24 Teams willkommen wäre. Bei der herrschenden Miesepetrigkeit im Land ist umso mehr auf diesen Umstand hinzuweisen. Es ist nicht alles schlecht.

Zeki Amdouni spricht bei einer Pressekonferenz der Schweizer Fussball Nationalmannschaft neben einem Plakat mit Manuel Akanji, Granit Xhaka und Yann Sommer, im Vorbereitungscamp zur Europameisterschaf ...
Posterboys: Akanji, Xhaka und Sommer sind die Aushängeschilder der Nati.Bild: keystone

Nur gewinnt man halt kein Fussballspiel, wenn man kein Tor schiesst. Vielleicht kann Xherdan Shaqiri einmal mehr an einem Turnier für magische Momente sorgen. Vielleicht sticht der technisch beschlagene Ruben Vargas. Vielleicht sind der Speed von Dan Ndoye, Noah Okafor oder Zeki Amdouni entscheidende Trümpfe. Und vielleicht ist Breel Embolo gesund und eine Verstärkung.

Ja, da ist etwas gar viel «vielleicht» dabei. Aber der Fussball lebt nicht zuletzt vom Spiel mit der Hoffnung.

Das war beim bislang letzten grossen Coup einer Schweizer Nationalmannschaft nicht anders. Vor drei Jahren an der letzten EM stand sie nach einem enttäuschenden 1:1 gegen Wales und einem komplett chancenlosen 0:3 gegen Italien vor dem Aus. Dann glückte dank einem Sieg über die Türkei doch noch der Einzug in die Achtelfinals – wo die Schweiz in einem begeisternden Match den Favoriten Frankreich rauskegelte.

Der Funke entfachte ein Feuer der Begeisterung. Manchmal braucht es wenig. Vielleicht auch in diesem Jahr.

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    Also doch: Kein Frauenhockey – kein Direktsponsoring mehr von der Postbank
    Im letzten Herbst hat die Postbank (PostFinance) angekündigt, künftig nur noch NL-Klubs mit Direktsponsoring zu alimentieren, die ein Frauenteam in der höchsten Liga betreiben. Nun folgt die offizielle Bestätigung, dass diese «Drohung» tatsächlich wahr gemacht wird.

    Die Kommunikations-Abteilung der PostFinance bestätigt auf Anfrage: «Ja, das Konzept wird wie angekündigt umgesetzt.» Und im Detail wird ausgeführt: «Unsere Ligapartnerschaften mit der National League und der PostFinance Women’s League stehen im Mittelpunkt unseres Engagements. Alle Klubs beider Ligen profitieren weiterhin von der Topscorer-Prämie, die direkt an die Klubs ausgezahlt wird. Zusätzlich engagieren wir uns gezielt im Sponsoring von einzelnen Klubs. Ab der nächsten Saison ist eine der Voraussetzungen für ein solches Sponsoring, dass der Klub sowohl in der National League als auch in der PostFinance Women’s League ein Team stellt. Mit den betroffenen NL-Klubs haben wir bereits vor über einem Jahr das Gespräch gesucht und unsere Strategieanpassung frühzeitig kommuniziert. Die Partnerschaften mit dem HC Ambri-Piotta und dem SC Bern sind verlängert worden.»

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