Der Start ging schon mal in die Hose. Auf X berichtete der Fussballchef des britischen «Independent» von seinen ersten Erfahrungen vom Zugfahren in Deutschland. Er sehe jetzt, weshalb die Deutsche Bahn oft kritisiert werde, schrieb Miguel Delaney am Mittwoch.
«Mein erster Zug an der EM 2024 steht seit einer halben Stunde still. Der Kondukteur hat mir tatsächlich geraten, es sei bei der DB immer besser, eine zusätzliche Stunde einzukalkulieren.»
Seine Follower hielt Delaney danach auf dem Laufenden. «Der Zug hatte schliesslich eine Verspätung von 100 Minuten.» Von vielen Kollegen und Fans habe er bereits Ähnliches gehört.
Und noch ein Update: «Der Zug zurück nach München fährt nicht dorthin, die Fahrt endet stattdessen in Nürnberg. Das ist eine Farce.» Wobei der Tag für den Journalisten schliesslich versöhnlich endete, denn er kam schliesslich ans Ziel. «Soeben kam die Durchsage, der Zug fahre nun doch bis nach München. Mit mindestens einer Stunde Verspätung.»
Die Deutsche Bahn hat seit Jahren einen schlechten Ruf. Züge kommen häufig zu unpünktlich oder erst gar nicht an, sofern sie nicht ohnehin schon ausgefallen sind. Baustellen, Personalsorgen und Streiks haben ihren Anteil an den Problemen.
Eine DB-Sprecherin versprach gegenüber der «Welt», dass mit dem Beginn der Fussball-EM die Hauptstrecken des Fernverkehrs «zum grössten Teil voll befahrbar» seien. Man sei auch auf mehr Passagiere vorbereitet, an Spieltagen biete man in IC- und ICE-Zügen rund 10'000 zusätzliche Sitzplätze an.
Wie der Kondukteur im Zug von Reporter Miguel Delaney ruft auch die Bahn-Sprecherin dazu auf, für Reisen mehr Zeit einzuplanen: «Wer mit etwas Puffer unterwegs ist, kommt entspannter ins Stadion. So können die Fans auch noch die Fussball-Atmosphäre in den Spielorten geniessen.» Ausserdem wies sie darauf hin, dass die DB besser als ihr Ruf sei: «Nur rund zwei Prozent der Züge haben mehr als 60 Minuten Verspätung. Kommt ein Zug im Fernverkehr zu spät, tut er das durchschnittlich mit rund neun Minuten.»
Nicht nur Schweizer Fans werden in deutschen Zügen unterwegs sein, sondern auch das Nationalteam. Es reist auf der Schiene vom EM-Quartier in Stuttgart zum Auftaktspiel gegen Ungarn in Köln (Samstag, 15 Uhr). «Wir hoffen, dass die Deutsche Bahn bei dieser EM ihre beste Leistung zeigt», liess Nationalmannschafts-Direktor Pierluigi Tami verlauten. (ram)
Meine Vermutung: weil bei mehr als 60 Minuten Verspätung wird die Verbindung aufgehoben und der Zug fährt gar nicht mehr, diese werden dann von der Statistik nicht eingerechnet.
Wenn "mehr als 1 Std." der DB-Massstab ist, ist das schon ein Offenbarungseid.